In Deutschland stehen Rolltreppen still, so auch am Berliner Hauptbahnhof. Mitarbeiter schleppen dort Koffer und Kinderwagen Treppenstufen hinauf und hinab. Nun vermeldet die Deutsche Bahn Fortschritte bei der Reparatur. In anderen Ländern wird an Hyperloops und anderen futuristischen Transportmitteln geforscht, in Berlin freut man sich, wenn eine Treppe rollt.
picture alliance/dpa | Markus Lenhardt
Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Die wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten: Es war ein historischer Dienstagmorgen in Berlin. Ein Raunen ging durch die Menge der Reisenden, als am Hauptbahnhof ein rotes Band durchschnitten wurde. Nicht für eine neue Magnetschwebebahn oder ein Teleportations-Terminal. Nein, die Deutsche Bahn feierte ein Wunder der modernen Mechanik: Eine Rolltreppe bewegte sich.
„Es ist ein Meilenstein“, flüsterte ein Bahn-Sprecher gerührt in die Mikrofone der Weltpresse. „Wir haben es geschafft. Man kann nun theoretisch von ganz oben nach ganz unten gelangen. Zumindest, wenn man genau die drei Rolltreppen findet, die heute Lust haben.“
War es so? Wissen wir nicht. Aber so könnte es gewesen sein, als die Erfolgsmeldung der Bahn die Runde machte, die fast so klang, als hätte man gerade die bemannte Marsmission abgeschlossen: Die Deutsche Bahn vermeldet Fortschritte bei der Reparatur Dutzender defekter Rolltreppen am Berliner Hauptbahnhof und anderen Bahnhöfen.
Der „komplizierte Getriebedefekt“ – im Volksmund auch als „Zahnrad-Burnout“ bekannt – verwandelt den Bahnhof in ein Fitnesscamp. Reisende mit Schrankkoffern durchaus auch aus Ländern mit funktionierenden Rolltreppen starrten auf die unbeweglichen Stufen wie Bergsteiger auf die Eiger-Nordwand. In Berlin übernahm immerhin ein Spezial-Roll-Kommando: 40 mutige Mitarbeiter schleppen im Schichtbetrieb Koffer und Kinderwagen Treppenstufen hinaus und hinab.
Man hoffe auf Ersatzteile, die offenbar seltener als Einhorn-Tränen sind. „Normalerweise haben diese Getriebeteile Lieferzeiten von mehreren Monaten“, hieß es von offizieller Seite. Möglicherweise mussten diese Hersteller gerade dicht machen. Man munkelt, die Zahnräder würden einzeln von mönchischen Uhrmachern in den Schweizer Alpen bei Vollmond gefeilt.
Währenddessen würden Technikteams von Bahn und Hersteller mit Hochdruck daran arbeiten, weitere Fahrtreppen so schnell wie möglich wieder zu reparieren, hieß es weiter von der Bahn. Naja, was in Berlin schon unter Hochdruck verstanden werden kann.
Jetzt also sollen die ersten Treppen wieder rollen. In Industrieländern wird an Hyperloops und anderen futuristischen Transportmitteln geforscht, in Berlin freut man sich, wenn eine Rolltreppe rollt. Wann allerdings alle Anlagen wieder funktionieren, sei weiterhin offen, schränkt die Bahn auch gleich wieder ein. Für die Reparaturen brauche es speziell geschulte Fachleute.
Halten wir erfreut fest: In einem beispiellosen Kraftakt des deutschen Ingenieurwesens und nach wochenlangen, opferreichen Gefechten gegen den tückischen Getriebedefekt, konnte der Sieg über Bahn, Berlin und Bundesregierung errungen werden. Zwei wichtige Versorgungswege vom Untergeschoss bis Gleis 1 konnten passierbar gemacht werden.
Wahrscheinlich wird bald eine App veröffentlicht, die den „Live-Status der Getriebekomponente 42b“ anzeigt. Und dringend notwendig ist diese Anzeige an den Rolltreppen: Erschrecken Sie nicht, wenn sich der Boden unter Ihren Füßen plötzlich hebt. Das ist kein Erdbeben, das ist Fortschritt!

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„Völker der Welt schaut auf diese Stadt“
sagte einst Ernst Reuter. Und die Welt schaut
auf diese Stadt und staunt. Zumindest die
Touristen, die wohl keinen anderen Hauptbahnhof einer Hauptstadt eines angeblich
modernen Industrielandes kennen, wo es tatsächlich möglich ist, dass weit mehr als die Hälfte der über 50 Rolltreppen wochenlang zeitgleich ausfallen können. Das Tüpfelchen
auf dem i ist dann noch der Chaos-Flughafen.
JFKennedy würde heute auch nicht mehr
sagen „Ich bin ein Berliner“. Die ganze zivilisierte Welt lacht doch nur noch verächtlich über Berlin und dieses Land.
Alle Treppen stehen still,wenn der schlappe Staat nicht kann und Chaos will Frei nach G. Herwegh, 1863.
Für die Reparaturen brauche es speziell geschulte Fachleute….früher waren da 10 die gearbeitet haben und 1 hat sich drum gekümmert (führungspersonal) – heute arbeitet da keiner mehr aber es gibt 11 die sich drum kümmern.
Die Idee des Live-Status für Rolltreppen soll zwar Satire sein, ist aber natürlich längst von der Realität überholt: zum Beispiel in der App der Münchner Verkehrsbetriebe kann man für jede Station nachgucken, welche Aufzüge und Rolltreppen gerade funktionieren.
Die Bayern sind in manchen Punkten immer noch deutlich besser organisiert als der Rest des Landes. Die haben die „alte Schule“ niemals ganz abgelegt. Und das ist gut so. Früher war zwar nicht alles besser, aber doch so manches.
Dem körperlich einigermaßen fitten Draufgänger würde im Ernstfall auch eine Strickleiter reichen. 🙂
Aber dem steht dann wieder die deutsche Bürokratie mit all ihren elenden Sicherheitsrichtlinien im Weg, die keine Sicherheit herstellen, sondern den gesamten Betrieb permanent einfach nur elend ausbremsen.
Wir verwalten uns hier zu Tode. Das System steht sich selbst im Weg.
Da stimmt doch Irgendetwas ganz und garnicht. Da ist etwas oberfaul, das unter der Decke gehalten wird. Das spricht dem gesunden Menschenverstand Hohn, daß von 52 Rolltreppen angeblich rund 35 auf einen Schlag unbrauchbar geworden sein sein sollen. Liegt dem Phänomen eine vorangegangene Serien-Sabotage zugrunde? Müssen nun 2/3 der Treppen erst mit Schutzmaßnahmen aufgerüstet werden, auf daß sie gegen eine möglicherweise „äußere“ Bedrohung „resilient“ gemacht werden müssen? Warum wird nur irgend etwas von kaum oder schwerlich lieferbaren Zahnrädern gefaselt, die nach Jahrzehnten alle auf einen Schlag (!) zur akuten oder bereits eingetretenen Funktionslosigkeit führten oder führen würden zum Austausch kommen… Mehr
Gerade in Berlin wurden in den letzten Jahren doch etliche die Rolltreppen heruntergetreten oder -gestoßen.
Vielleicht hat ihnen das hineinlaufende Blut geschadet.
Ich zitiere mal Tag24 Dresden vom 15.03.2026: Am 9. Februar brach plötzlich auf dem Fahrsteig in dem zweistöckigen Supermarkt ein Metallsegment weg – eine Kundin stürzte in die Konstruktion hinein! Das Geschäft muss monatelang schließen.
Es war von einer Schwerverletzten die Rede.
Und hier nochmal Tag24: „Bis mindestens Ende Mai“ bleibt die Filiale im Otto-Dix-Center geschlossen! „Nach eingehenden Untersuchungen und konstruktiven Gesprächen hat der Vermieter entschieden, die Rollsteigen innerhalb der Kauflandfläche umfassend zu sanieren“, erklärt das Unternehmen gegenüber TAG24.
Dann sollte die Sanierung aber bitte nicht durch die selbe Firma passieren, die das Metallsegment vorher unfachmännisch eingebaut hat.
Mit der „Sabotage“ könnten Sie recht haben…
Mein i-pad „ ruckelt“ heute auch. Vielleicht bleibt es demnächst auch „stehen“? Wenn ich die großmäuligen und dummen Po- litiker rund um Berlin und Brüssel höre, wundert mich nichts mehr. Ich hoffe, Präsident Putin und Präsident Trump haben bald ein Einsehen und erlösen uns.
Ein „komplizierter Getriebedefekt“? Ich schätze mal, ein Untersetzungsgetriebe wird von einem 400V-Motor angetrieben. Kompliziert? Wieviel Gänge sind zu schalten? Eventuell unter Last? Mit wechselnden Ein-/ Ausgangsgeschwindigkeiten? Oder doch nur eine einfache Untersetzung bei konstanter Antriebsgeschwindigkeit? Man oh man – das Einzige, was in Berlin resp. Deutschland noch klappt, sind Türen…
Nach einer google-Recherche handelt es ich um ein bundesweites Problem, mit Schwerpunkt Deutsche Bahn und in Berlin-Brandenburg. Es sollen bundesweit mindestens 130 Rolltreppen stillgelegt sein.In Potsdamer Hauptbahnhof war vor wenigen Jahren eine zentrale Rolltreppe länger als ein Jahr außer Betrieb. In einem kleinen Einkaufzentrum in meiner Nachbarschaft ist eine Rolltreppe – privater Immobilieneigentümer – seit mehr als einem Jahr außer Betrieb. Die Gründe mögen vielfältig sein, aber Verschleiß im Dauerbetrieb, unzureichende Wartung, unzureichende Ersatzteilversorgung von Verschleißteilen bei unabhängigen Servicefirmen und für ältere Anlagen, Firmenpleiten von Servicefirmen, die zuerst den Herstellerfirmen die Serviceverträge mit Billigangeboten abgeworben haben, dann aber vom notwendigen… Mehr
Frankfurt ist ja u.a. genauso betroffen.
Alle Getriebe verrecken gleichzeitig????
Haben die sich abgesprochen!!!
Eine Rolltreppe hat genau zwei Zahnräder. Das eine ist am Motor, das andere an der Treppe. Wenn man die Umlenkrollen für die Treppenglieder mitzählen will, dann sind es 2 bis 4 Zahnräder mehr. Da kann es eigentlich keine „wochenlangen“ Lieferzeiten geben. Das muss beim Hersteller doch vor Ort rumliegen. Und selbst wenn, dann hat man früher aus zwei defekten Teilen ein ganzes gemacht. Gebt mir das passende Werkzeug, den Bauplan, einen Helfer mit etwas Verstand und ohne zwei linke Hände und das ganze ist in ein paar Stunden erledigt. Oh, natürlich nehme ich dafür auch nur 250.000€. Das Unvermögen der… Mehr