Eine andere Frage, Mr. Trump

Das Establishment auf beiden Seiten des Atlantiks merkt nicht, dass ihre Kommunikationswelt und die der Trump'schen Meinungsarmee keine gemeinsame Sprache kennen.

© Drew Angerer/Getty Images

Herr Trump, sehe ich das richtig? In erster Linie geht es Ihnen gar nicht darum, was Sie in eine Executive Order packen, sondern darum, eine zu verkünden? Es kommt Ihnen auch gar nicht drauf an, ob und in welchem Umfang die Order praktische Wirkung entfaltet – richtig?

Das eigentliche, wenn nicht alleinige Ziel Ihrer Anordnungen, denen noch viele folgen werden, ist Stabilisierung und wo möglich Ausbau Ihrer Anhängerschaft. Sie und Ihr Kernteam sind nun – noch viel mehr als im Wahlkampf – nicht auf die Reichweite von Twitter angewiesen, weil Ihre Feinde in den Medien Ihre Botschaft in jeden Winkel Amerikas verbreiten: Look, folks, I do what I promise.

Nie gegen die Saudis?
Eine Frage, Mr. Trump
Herr Trump, sehe ich das richtig? Wenn Sie und Ihr Küchenkabinett allein sind, kriegen Sie sich vor Lachen gar nicht mehr ein. Alle tun, was Sie wollen. Und das ganze Establishment merkt nicht, dass seine Kommunikationswelt und die Ihrer Anhänger keine gemeinsame Sprache kennen. Dass Ihre Macht auf den Schultern Ihrer Anhänger ruht, Ihrer Meinungsarmee. Dass die innere Schlacht in den U.S. zwischen der Kraft dieser neuen Meinungsarmee und jener des alten politisch-medialen Komplexes ausgetragen wird – auf getrennten Schlachtfeldern.

Mr. Trump, Ihnen und Ihren Profis ist glasklar, dass Sie bis zu den midterm elections eines „liefern“ müssen, weil ohne das alles nichts wäre. Sie wissen, Sie müssen eine vorzeigbar große Zahl von neuen Jobs schaffen. Das geht nur schnell und zahlreich, wenn Sie ein Infrastrukturprogramm aus dem Boden stampfen, das auf fünf, besser zehn Jahre angelegt ist.

Herr Trump, sehe ich das richtig? So „nebenbei“ testen Sie, wie schnell Sie die Leute in der Administration zum Gehorchen bringen? In der nächsten Stufe machen Sie das Gleiche mit Kongress und Abgeordetenhaus? Und dann brechen Sie Stück um Stück aus den Medienstrukturen raus – richtig? Wenn es soweit ist, kann ich Sie ja wieder fragen.

Die beiden Häuser und die US-Gerichte nehmen seit Ende des Zweiten Weltkrieges hin, dass Kriege nicht mehr von den in der Verfassung Zuständigen beschlossen, sondern vom jeweiligen Präsidenten wie früher von Alleinherrschern par ordre de moufti begonnen wurden. Da ist wirklich die Frage, wer sich Ihnen mit der Zeit überhaupt noch widersetzen wird.

Mr. Trump, Sie und Ihr inner circle verfolgt diese Linie – richtig? Erst mal versetzen wir alle in helle Aufregung. Dann schalten wir zwei Gänge zurück, lassen unsere verlässlichen Gegner das als großen Sieg feiern – und ziehen die wirklich wichtigen Dinge lautlos durch. Na ja, Sie werden das nicht öffentlich sagen. Nicht nötig, wer die Augen offen halten kann, wird es sehen.

Bis dahin können Sie drauf zählen, dass Ihre Gegner at home and abroad den gewünschten Geräuschpegel weiter liefern, hinter dem Sie Ihre tatsächlichen Strippen ziehen. Souveräne, kühle und wirksame Antworten auf Ihre Pläne aus EU-Europa müssen Sie wohl noch lange nicht fürchten.

Bye, bye Mr. Trump, bis zur nächsten Frage.

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Kommentare

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  • Albert Pelka

    Ich mein’s auch so, denn das Meiste , was Sie schreiben, ist ja Einblick und nicht Stuss. Das aber zu Trump war es. Lesen Sie einfach die andren Kommenatatoren durch, oder hören Sie was zB. Tichy dazu allerorten auch sagte.Da muss ich nicht noch ein eigenes Georgenstussrad dazuerfinden.