Drei von vier Kliniken schließen ihre Notaufnahme zeitweise

Drei von vier Kliniken können nicht mehr durchgehend eine Notaufnahme anbieten. Das hat eine Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft ergeben. Es fehlt an Betten, aber vor allem an Personal.

IMAGO/BiildFunkMV

Eine „Revolution“ der Krankenhäuser hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wie gewohnt vollmundig angekündigt. Doch der Gesetzesentwurf zu seiner Reform soll erst im August vorliegen. Die Revolution ist verschoben. Zwischenzeitlich sind die Kliniken aber in Not, weil die Probleme ungelöst bleiben – vor allem der Arbeitskräftemangel.

Viele Kliniken sind einer Umfrage zufolge nicht mehr in der Lage, die Notfallversorgung vollumfänglich anzubieten. Demnach waren im Dezember 77 Prozent der Krankenhäuser gezwungen, ihre Notaufnahme von der Versorgung abzumelden, wie aus einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts für die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hervorgeht, und über die das Handelsblatt berichtet. „Die Blitzumfrage zeigt ganz eindeutig, dass die Notaufnahmen der Krankenhäuser stark überlastet sind“, sagte DKG-Chef Gerald Gaß der Zeitung.

Finanzierung der Krankenhäuser
Lauterbachs „Revolution“ droht ein Scheitern an den Ländern
Ein Grund sind demnach zu wenige Betten auf den Normal- und Intensivstationen sowie zu wenig Personal. 66 Prozent bewerteten die Personalausstattung mit Ärzten mindestens als angespannt, 76 Prozent bei den Pflegern. Ausnahmslos alle gaben an, dass die Vergütung der von der Notaufnahme erbrachten Leistung defizitär sei.

Als entscheidenden Teil seiner „Revolution“ will Lauterbach zwar die Vergütungen neu regeln. Aber der Gesundheitsminister hat angekündigt, kein zusätzliches Geld ins System fließen zu lassen. Sodass die Kliniken an anderer Stelle sparen müssten – oder weiterhin die Notaufnahmen einschränken. Zudem fehlt es an Konzepten, wie gegen die Personalnot vorgegangen werden soll.

„Die Umfrage zeigt auch die Grenzen des klassischen ambulanten Sektors auf“, sagte Gaß. „Denn es ist ganz offenbar so, dass für viele Patienten die Krankenhäuser der erste Anlaufpunkt ist.“ 74 Prozent der befragten Kliniken gaben an, dass Patienten vor allem fußläufig, ohne Verordnung von Krankenhausbehandlung und ohne Kontakt über die Telefonnummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Vertragsärzte die Notaufnahmen in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse der Umfrage beruhen auf der Online-Befragung einer Stichprobe von 112 Allgemeinkrankenhäusern mit jeweils mehr als 100 Betten.

Die Überlastung der Notaufnahmen in Krankenhäusern hängt auch damit zusammen, wie stark oder schwach das Angebot an niedergelassenen Ärzten in einer Region ist: „Besondere Spitzen verzeichnen die Notaufnahmen während der üblichen Schließzeiten der Praxen“, teilt die Krankenhausgesellschaft mit. Dazu komme, dass drei Viertel der Krankenhäuser berichtet, mit den Kassenärztlichen Vereinigungen nur mittelmäßig oder gar schlecht zusammenzuarbeiten: „Die Notaufnahmen sind vielerorts zum Ersatz der wegbrechenden Versorgung im niedergelassenen Bereich geworden. Wer abends und am Wochenende keine ärztliche Hilfe findet oder bei akuten Beschwerden auf Termine in weiter Zukunft vertröstet wird, wählt den Weg in die Notfallambulanzen und erhält in den Krankenhäusern nach wie vor umgehend und verlässlich kompetente Versorgung“, sagt Gaß. Diese Realität muss die Politik anerkennen. „Es gelingt dem niedergelassenen Bereich nicht, seine Pflicht zur ambulanten Notfallversorgung umfassend zu erfüllen.“

Die Krankenhausgesellschaft schlägt „integrierte Notfallzentren in den Kliniken“ vor, in denen Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte in Portalpraxen und Notfallambulanzen in gemeinsamer Absprache die Notfallversorgung übernehmen. Die Krankenhäuser sollen die Chance erhalten, ihre ambulanten Angebote für die Patienten nutzbar zu machen. „Nur so können wir medizinische Versorgung angesichts des vor allem in der Fläche wegbrechenden niedergelassenen Sektors flächendeckend und rund um die Uhr sichern“, sagt Gaß.

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Kommentare ( 58 )

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58 Comments
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Waehler 21
10 Tage her

Das Gesundheitssystem ist genau wie jedes andere Sozialsystem zum finanziellen Steinbruch für Politiker und Lobbyisten geworden. In der Pharmaindustrie zahlen wir die höchstem Medikamentenpreise, bekommen dafür aber ein Mangelproblem, welches andere Staaten nicht haben. Unsere Krankenhäuser haben doch auch früher funktioniert, warum geht das heute nicht mehr? Das ungesteuerte Einsickern von Migranten in das Sozialsystem ist auch ein erheblicher Kostenfaktor. Der Staat Versucht nämlich die Migranten in dieses Sozialsystem zu pressen, damit er selbst nicht für diese Leute über die Sozialhilfe aufkommen muss. Das ist eben nicht sozial. Zahlen für den Bürger wären da mal hilfreich bei der Wahlentscheidung. Aber… Mehr

Autour
10 Tage her

Lauterbach ist der Totengräber des deutschen Gesundheitssystem. Er schlägt den letzten Sargnagel ein.
Er hat schon immer alles was in seiner Macht stand dafür getan, dass hier bald britische Verhältnisse entstehen.

kasimir
10 Tage her

Es ist einfach nur absurd.
Lauterbach will jetzt 100 Mio.€ in die „Long-Covid-Forschung“ stecken. Das Geld sollte er mal lieber dem Personal in den Krankenhäusern und Pflegeheimen zukommen lassen, dort wird nämlich langsam die Luft knapp. Scheint ihn aber nicht zu interessieren…

doncorleone46
10 Tage her
Antworten an  kasimir

An allem, was extern geht, verdient der Auftraggeber. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass der Gesundheitsminister lieber einen Forschungsauftrag vergibt, als das Personal besser zu bezahlen. Das kostet nur und es fließt nicht‘s zurück.

Waehler 21
10 Tage her
Antworten an  kasimir

Durch die Vergabe von Forschungsaufträge sichert man sich den Zuspruch von „Wissenschaftlern“.

Last edited 10 Tage her by Waehler 21
lavoyageuse
10 Tage her

5 Mill Nicht Beitragszahler werden importiert, das Gesundheitswesen zurückgespart. Da weiss ein Erstklässler, die alten vom vorigen Jhdt, die noch rechnen lernten, dass das nicht funktieren kann.

RandolfderZweite
10 Tage her

Corona ist nicht schuld, Corona ist neben der Zuwanderung nur der größte von vielen Brandbeschleunigern…. Eine Asyl- und Sozialpolitik zu Lasten nur einer Gruppe (die Steuerzahlenden unter der Beitragsbemessungsgrenze!) kann auf Dauer nicht gutgehen, rein rechnerisch!! Und eben dieses „Rechnerische“ führte bei gleichen Beitragssätzen zu Kürzungen bei den KK-Leistungen! Wie finanziert man für einen staatlichen 100€ KK-Zuschuss, bei Null Einzahlung eine 5-7köpfige Familie in der GKV? Genau, nämlich wie immer „solidarisch“! Die Auswüchse durften wir schon damals mit den „10€-Eintrittsgebühren“ erfahren und heute mit geringen Fallpauschalen und wirtschaftlich arbeitenden Privat- oder „Konzernkliniken“! Entgegen anderer Meinungen liegt die Wurzel allen Übels,… Mehr

Wolfram_von_Wolkenkuckucksheim
10 Tage her
Antworten an  RandolfderZweite

Corona ist nur indirekt teilschuldig. Corona selbst war nie besonders gefährlich. Die politische Reaktion auf Corona hat erhebliche finanzielle und gesundheitliche Schäden hinterlassen. Auch die mediale Reaktion, denn viele Menschen haben jetzt den Hau weg und tragen immer noch freiwillig irgendwelche dreckigen Masken und testen sich ständig, anstatt einfach zu leben.

evaundadam
10 Tage her

Meine Erfahrung in den letzten Jahren: Wartezeiten für Termine bei Fachärzten so zwischen 1 Monat und 3 Monaten. Als Selbstzahler und bei Privatärzten: 1 – 3 Tage. Wartezeit in der Praxis bei Termin bei Privatärzten: Keine. Wartezeit bei Termin bei Kassenärzten: 1 Stunde und viel mehr. Untersuchungsdauer bei Kassenärzten (gleiches Symptom): Durchschnitt 2-3 Minuten. Untersuchungsdauer bei Privatärzten: 15 Min – 20 Minuten. Wobei man als Selbstzahler gefragt wird / fragen kann und sollte: Was kostet das jetzt? Und dann auch eine Antwort bekommt. (Oder den Arzt wechseln sollte.) Stand der technischen Geräte bei Kassenärzten: Veraltet, mangelhaft + schlecht ausgebildete Assistenten.… Mehr

Bernd Bueter
10 Tage her
Antworten an  evaundadam

Weil die AOK pp über Zusatzvereinbarungen die GOÄ „umgeht“ und lieber die türkische Verwandschaft in der Türkei mitversichert (seit 1960iger Jahre) anstatt das Geld der Beitragszahler nur für ihre Beitragszahler zu verwenden. MRT Knie Privat: 380 Euro AOK: 180 Euro Dieses System hat mir mal ein freundlicher DBV Mensch im Zusammenhang mit Faschabrechnungen der MRT Firma erklärt. Da wurde versuch und wird auch immer noch möglichst viel Geld bei den privat Versicherten „zu generieren“. Diese vom Staat kaputtregulierte medizinische Versorgung gehört komplett abgeschafft. Der zugehörige Wasserkopf ist zudem völlig unrentabel. Eine einzige Krankenversicherung mit eigenen Krankenhäusern. Leistungen nur für Beitragszahler.… Mehr

Peter Pascht
10 Tage her

Wie denn auch sonst anderes ? Wenn die Gelder fehlen ! Innerhalb des letzten 1 Jahres hat sich die Bevölkerung Deutschlands schlagartig um 1 Million von 83 Millionen auf 84 Millionen erhöht, nachdem sie in den letzten 10 Jahren nahezu konstant geblieben ist. Eine Einwandeurng so gut wie auschließlich aus islamischen Ländern. Der Islam ist daran nicht schuld, sondern die deutsche Poltik und Wirtschaft. 1 Million zusätzliche Menschen in Deutschland, die vorerst keine Krankenkasse Beiträge zahlen keine Rentenbeiträge zahlen keinen Lohn erarbeiten somit keine Steuern zahlen Harz 4, jetzt Bürgergeld, beziehen Arbeitslosengeld beziehen geplant, bedingungsloses Grundeinkommen geplant, bedingungdlose Grundrente Dann… Mehr

Blogwart
10 Tage her

Nach 21 Jahren als Intensivfachpflegekraft stand ich vor einem Jahr vor der Wahl Zwangsimpfung oder Kündigung. Habe mich für letzteres entschieden und es war eine gute Wahl! Als ich seinerzeit davon sprach, daß wir die Triage nicht wegen Corona, sondern wegen des Personalmangels in den Krankenhäusern bekämen, wurde ich von den ‚Balkonklatscher’_*:Innen (m/w/d)’ als ‚Schwurbler’, ‚Coronaleugner’, ‚Aasgeier’ und ‚Nazi’ beschimpft! Es muß jetzt eben im durchaus doppeldeutigen Sinne weh tun! Welches Maß an persönlichem Masochismus erwartet man von uns Pflegekräften, sich erst bußgeldbewehrte Betretungsverbote androhen zu lassen, um anschließend 16 Stunden Schichten, sechs Wochen am Stück, für Hungerlöhne unter unzumutbaren… Mehr

Bernd Bueter
10 Tage her
Antworten an  Blogwart

Leider kriegen die Beschäftigten den Ar..ch nicht hoch, eine eigene Gewerkschaft aufzustellen, die ausschließlich und konsequent nur ihre Mitglieder vertritt und der Knalltüte Lauterbach samt Merkel-Scholz-Regime ein NEIN, SO NICHT gegenzuhalten und zu streiken. Mit einer Woche Vorlaufzeit.
Es gäbe weder dieses Krank- noch Totspritzen, noch Lauterbach und zugehörige Desastergang.
Staatsbürgerliches Großversagen stattdessen, Spritzengläubige sich selbst Betrüger.
270.000 konnten im Grsundheitsbereich Nein sagen. Der übergroße Teil stinkt allerdings vor Feigheit und versagt selbst an der Wahlurne.

Blogwart
9 Tage her
Antworten an  Bernd Bueter

Eine eigene schlagkräftige Spartengewerkschaft für die Pflegeberufe wäre in der Tat sinnvoll. Die Angestellten der Pflegeberufe ‚stinken keineswegs vor Faulheit’, sonst hätten sie andere Berufe gewählt. Sie wissen aber nur zu genau, wer die Folgen von Streiks im wesentlichen auszubaden hätte. Weder Krankenhausbetriebswirt’_*:Innen (m/w/d) noch Gesundheitsminister’_*:Innen (m/w/d), sondern die Patient’_*:Innen (m/w/d)!

stljo
2 Tage her
Antworten an  Bernd Bueter

2021 haben die Pflegekräfte in Berlin 2 Monate gestreikt. Seitdem haben wir im Schnitt 10 – 15 Tage mehr freie Tage im Jahr (wegen schlechter Besetzung der Schichten) und noch mehr schlecht besetzte Schichten. Der Streik hat während der Pandemie stattgefunden, die Notbesetzung hatte dementsprechend viel zu tun, aber das Thema ist in den Medien nicht wirklich präsent gewesen. Ohne politisch ausgerufenen aktuellen gesundheitlichen Notstand im Land dürfte die öffentliche Aufmerksamkeit noch niedriger liegen. Also wieso streiken, wenn sich doch eh nichts ändert? Das Thema ist Jahrzehnte alt. Das einzige was sich ändert ist, dass immer weniger Menschen sich für… Mehr

Wolfram_von_Wolkenkuckucksheim
10 Tage her
Antworten an  Blogwart

Sehr richtig. Glückwunsch, dass Sie sich nicht haben kleinkriegen lassen. Bin zwar nicht in der Pflege, aber ich im Herbst 2021 prognostiziert, wenn die 2G im Basketballverband einführen, dann wird der Ligabetrieb im Amateurbereich nicht mehr gewährleistet können, weil nur wenige Schiedsrichter ausfallen müssen, um das Kartenhaus zusammenbrechen zu lassen. So wurde kurz nach Einführung von 2G Ende November 2021 der Spielbetrieb bis Mitte Februar eingestellt. Ab Regionalliga aufwärts wurde noch gespielt und da setzte man 2G dann um. Bei der Pflege war das auch für jeden normal Denkenden von außerhalb sichtbar und prognostizierbar. Auch der Blödsinn mit der Quarantäne.… Mehr

Innere Unruhe
10 Tage her

Und warum ist das so?
Es hieß, Migranten seien arme Menschen, es wird niemandem etwas weggenommen….
Dieser niemand ist nur der Bürger. Ihm wird die kurze Wartezeit beim Arzt, Sicherheit und gute Schulbildung für die Kinder genommen.

doncorleone46
10 Tage her
Antworten an  Innere Unruhe

Seit Jahren ist es Normalzustand, wenn Bundestagsabgeordnete der etablierten Parteien den Mund aufmachen, kommen meist Lügen heraus.

TomEngel
10 Tage her

Meine Meinung. (Bitte um Korrektur wenn ich mich irre). Vor Einigen Jahrzehnten hat sich „Die Politik“ aus dem Krankenhauswesen z.T komplett zurückgezoge. Fast Alles wurde privatisiert und Milliarden aus dem „Solidarsystem“ das von den Beitragszahlen finanziert wird in PRIVATE Taschen umgeleitet. Hier im Landkreis wurde und wird immer wieder mal vom Klinikpersonal gestreikt. Die zuständigen Landratsämter zucken aber immer nur mit den Schulterm weil sie nur noch wenige Prozente Anteil an Kliniken haben,können also NICHTS ändern, solange die Privaten Betreiber nichts ändern. Und die wollen dann nichts ändern, wenn es die Gewinne schmälert. So, und nun scheint das System „an… Mehr