Bundesrepublik Steuerhölle: Wie man den Bürger doppelt und dreifach schröpft

Steuern, Abgaben, Beiträge, Umlagen, Gebühren: Die Bürokratie greift uns mit vielen Namen in die Tasche. Wir zahlen viele Male – für immer denselben Staat, für immer dieselben Strukturen und oft sogar für immer dieselben Leistungen.

IMAGO - Collage: TE

Dreihundert. In Zahlen: 300. So viele verschiedene Arten von Zwangszahlungen des Bürgers an den Staat gibt es in Deutschland. Mindestens.

Und das allein auf der Bundesebene. Auf den Verwaltungsebenen darunter – Länder, Kommunen, Gemeinden – kommen noch viele weitere Arten dazu. Viel zu viele für einen lesbaren Text. Bleiben wir deshalb auf der Bundesebene. Die reicht schon, um aus einem handelsüblichen, leicht untertänigen deutschen Michel mit Schlafmütze einen rasenden Wutbürger zu machen.

Steuern

Könnten Sie, lieber Leser, alle Bundessteuern aufzählen, die Sie zahlen müssen? Kein Problem, ich konnte es vor dieser Recherche auch nicht. Hier ist die Liste in der Aufteilung des Bundesfinanzministeriums (BMF). Da sind zunächst einmal die sogenannten „Gemeinschaftssteuern mit Bundesanteil“, die zwischen Bund, Ländern und Gemeinden aufgeteilt werden:

• Einkommensteuer
• Lohnsteuer (Erhebungsform der Einkommensteuer)
• Kapitalertragsteuer / Abgeltungsteuer (dito)
• Körperschaftsteuer
• Umsatzsteuer.

Dazu kommen die Bundessteuern sowie die bundesrechtlich erhobenen Verbrauchs- und Verkehrssteuern, als da sind:

• Alkoholsteuer
• Alkopopsteuer
• Biersteuer
• Einfuhrumsatzsteuer
• Energiesteuer
• Feuerschutzsteuer
• Kaffeesteuer
• Kraftfahrzeugsteuer
• Luftverkehrsteuer
• Rennwett- und Lotteriesteuer
• Schaumweinsteuer
• Solidaritätszuschlag
• Stromsteuer
• Tabaksteuer
• Versicherungssteuer
• Zwischenerzeugnissteuer.

Die Schaumweinsteuer hat eine besonders aparte Biografie: Sie wurde 1902 von Kaiser Wilhelm II. eingeführt, um den Ausbau der kaiserlichen Kriegsmarine und den Bau des Nord-Ostsee-Kanals zu finanzieren. Ursprünglich hieß sie deshalb „Flottensteuer“. Der Zweck, dem sie dienen sollte, hat sich natürlich längst erledigt. Aber weil sie so schönes Geld in die Verfügungsgewalt unserer politischen Kaste spült, hat man sie behalten. Bis heute.

Und falls Sie sich das gerade fragen: Ja, auch die Zwischenerzeugnissteuer gibt es wirklich.

Die Mindeststeuer gilt inzwischen auch als eigene Steuerart. Zu den Steuern zählen dann noch die Zölle. Sie sind eine Art Einfuhrsteuer – aber natürlich nicht zu verwechseln mit der Einfuhrumsatzsteuer, Gott bewahre, das ist ja etwas völlig anderes.

Nicht in dieser Liste finden sich reine Länder- und Kommunalabgaben wie Erbschaftssteuer, Getränkesteuer, Grundsteuer, Grunderwerbssteuer, Hundesteuer, Schankerlaubnissteuer, Schenkungssteuer und Zweitwohnungssteuer.

Aus demselben Grund fehlt auch das, was ich nach dem Recherchieren des Materials ganz sicher nicht zahlen werde: die Vergnügungssteuer.

Abgaben

Im Juristendeutsch heißen diese Zwangszahlungen „bundesrechtlich geregelte Pflichtbeiträge und Umlagen“. Dazu gehören:

• Arbeitslosenversicherung
• Insolvenzgeldumlage
• Krankenversicherung
• Pflegeversicherung
• Kinderlosenzuschlag in der Pflegeversicherung
• Rentenversicherung
• Winterbeschäftigungsumlage.

Arbeitgeber zahlen zusätzlich die sogenannte U1-Umlage (für Krankheitsaufwendungen) und die U2-Umlage (für Mutterschaftsaufwendungen).

Gebühren

Hier wird es besonders unübersichtlich. Eine vollständige Liste aller Bundesgebühren lässt sich seriös kaum erstellen.

Das Bundesgebührenrecht ist auf mehrere Rechtsgrundlagen aufgeteilt: das Bundesgebührengesetz (BGebG), die Allgemeine Gebührenverordnung und zahlreiche besondere Gebührenverordnungen der Bundesministerien. Allein die besondere Gebührenverordnung des BMI bündelt „etwa 200 Gebühren- und Auslagentatbestände“.

Tatbestand ist in diesem Zusammenhang ein schönes Wort.

Eine komplette Sammlung aller aktuell erhobenen Bundesgebühren würde eine eigene Datenbank erfordern. Man kann aber zumindest Bereiche und Behörden auflisten, in denen besonders viele oder hohe Gebühren erhoben werden. Dazu zählen Pass- und Ausweiswesen, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundesnetzagentur, Bundespolizei, Luftfahrt, Migration/Aufenthalt, Schifffahrt, Sprengstoffrecht, Straßenverkehr, Telekommunikation, Visa- und Konsularsachen, Waffenrecht und zahlreiche weitere Bereiche.

Die Gebühren sind hier jeweils in Ressortverordnungen und Spezialgesetzen geregelt. Das BMI bietet nur den Rechtsrahmen und Übersichten über die Gebührenregelungen an.

Die große Täuschung

Der deutsche Staat kassiert allein auf Bundesebene vom Bürger also:

• etwa 25 verschiedene Steuern
• etwa zehn verschiedene Abgaben und Umlagen
• mehrere hundert verschiedene Gebühren.

Insgesamt greift der Staat dem Bürger auf deutlich mehr als 300 verschiedene Arten in die Tasche. Man könnte da schnell auf die Idee kommen, dass das System absichtlich so fragmentiert und intransparent gehalten wird – damit der Bürger schwer bis gar nicht durchschauen kann, wie dreist er abkassiert wird.

Die wahre Abzocke entsteht durch das Zusammenspiel unzähliger kleiner Teile. In der Summe gibt das dann eine monströse Belastung.

Offiziell unterscheidet man fein säuberlich zwischen Steuern, Abgaben, Beiträgen, Umlagen und Gebühren. Verwaltungsjuristen lieben so etwas. Doch für den Bürger sind das alles nur Variationen desselben Prinzips, und das heißt: Zwangszahlungen an den Staat. Der Mechanismus ist überall derselbe: Wer nicht zahlt, wird bestraft.

Der Rest ist Semantik.

Der Bürger zahlt Einkommensteuer, Mehrwertsteuer, Energiesteuer, CO₂-Abgabe. Wenn er dann einen Pass beantragt, ein Auto anmeldet oder eine Schankgenehmigung braucht, hält der Staat wieder die Hand auf. Für nahezu jeden Verwaltungsakt wird inzwischen eine zusätzliche „Gebühr“ fällig.

Man verkauft das als Bezahlung einer konkreten Leistung. Doch was ist diese „Leistung“ anderes als die Ausführung staatlicher Aufgaben, die der Bürger längst über seine Steuern finanziert? Der Staat kassiert doppelt. Zuerst dafür, dass es die Behörden überhaupt gibt – und dann noch einmal dafür, dass diese Behörden irgendetwas tun.

In der freien Wirtschaft wäre das sittenwidrig. Beim Staat ist es normal.

Geradezu verbrecherisch wird es dort, wo der Staat dem Bürger vorschreibt, staatliche Leistungen in Anspruch zu nehmen. Wer angeln will, muss einen Angelschein haben – und für den extra zahlen. Wer ein Auto fahren will, muss es zulassen – und kann das nur beim Staat, natürlich gegen extra Kohle.

Weil der Staat nicht nur Monopolist ist, sondern seine „Kunden“ sogar dazu zwingen kann, bei ihm „einzukaufen“, setzt er Gebühren fest, die in keinem Verhältnis mehr zu den tatsächlichen Kosten stehen. Der Bürger bezahlt nicht nur doppelt, sondern auch viel zu viel.

Die Unersättlichen

Nirgendwo ist unser Staat so kreativ wie beim Hand aufhalten.

Ständig werden neue Wege entdeckt, den Bürger zur Kasse zu bitten. Die CO₂-Abgabe zum Beispiel ist nichts anderes als eine zusätzliche Steuer auf Energie. Offiziell nennt man das „Bepreisung“. In Wahrheit ist es eine Verteuerung der Lebenshaltungskosten durch staatliche Willkür.

Der Staat schlägt aus jeder Lebenslage des Bürgers gnadenlos Profit. Und dann faselt unsere politische Kaste irgendetwas von „Gemeinwohl“.

Es soll ja Menschen geben, die gar nicht verstehen können, weshalb immer mehr Leistungsträger diesem System den Rücken kehren und Deutschland verlassen. Aber mal ganz ehrlich:

Darüber kann man sich nur wundern, wenn man ziemlich doof ist.

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Kommentare ( 81 )

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81 Comments
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Ceterum censeo Berolinem esse delendam
20 Tage her

Das ganze Spiel dient nur der Bereicherung und dem bequemen, sorgenfreien Leben jener Feudalkaste, die sich diesen Staat angeeignet hat. Und damit das Spiel ungestört weitergehen kann, muss die Zahl der Nutznießer dieses Systems kontinuierlich vergrößert werden. Daher die stete Ausweitung der öffentlichen Beschäftigung und die offenen Grenzen, um möglichst viele Einwohner zu haben, die von staatlichen Leistungen abhängig sind. Das alles sichert Macht und Wohlleben jener Fettaugen, die oben auf der Suppe schwimmen.

Polit-Legastheniker
20 Tage her

Was betrifft Verwaltung und Bürokratie erinnert Zustand dieser Republik am meistens an eine Messi- Wohnung.
Messi-Wohnung saniert bekanntlich man nicht dadurch, dass man neue Regale und Kartons ständig dazu kauft. 
Verlagerung von mindestens 50% Beamten und anderen Schreibtischtäter zu sinnvolen Arbeiten wie Strassenreinigung und Renovierungsarbeiten könnte eine spürbare Besseung bringen.

Wolfgang Richter
21 Tage her

Und dann gibts noch ganz Findige, die einem „richtig“ ins Pofrtemonnaie greifen: Vor 32 Jahren in einer kleinen NRW-Gemeinde ein Baugrundstück von der gemeindeeigenen sog. Erschließungsgesellschaft gekauft zum qm-Pfreis von 300 damals noch DM, davon mindestns die Hälfte als Anteil „Erschließung“. Ein Eckgrundstück an einer bestehenden Straße mit lückenhafter Altbebauung und als Randgrundstück eines neuen B-Planes. Und es begab sich, daß die Altstraße im Zuge der mehrfachen Erweiterung des B-Planes sodann saniert werden mußte, zuerst gedacht als Finanzierung übe von den anliegern zu kassierenden Straßenausbaukosten. Dann kam ein Findiger in der Verwaltung drauf, daß besagte Straße, angelegt um 1960, bei… Mehr

R.Baehr
21 Tage her

Der Bürger findet alles ganz toll wie die letzten beiden Wahlen es wieder bewiesen. Also lieber Autor, viell. sollten sie sich in den Garten setzen, den Frühling erwarten und sich damit abfinden. das der Wähler nichts anderes will und sie schonen dabei ihre Nerven. Es ändert sich erst etwas, wenn die Arbeitslosenzahl bei 10 Millionen oder mehr ist, oder der Staatsbakrott erklärt wird. Bis dahin: gehen sie weiter, es gibt nichts zu sehen.

Last edited 21 Tage her by R.Baehr
Siggi
21 Tage her

So ganz nebenbei. Was machen eigentlich die immer noch in Untersuchungshaft sitzenden Reichsbürger. Selbst eine eventuell mögliche Höchststrafe ist kürzer, bei einer Verurteilung, die noch lange nicht sicher ist, als die jetzige anzurechnende Haftzeit.

Eine derart lange Untersuchungshaft ist nicht nur außergewöhnlich, sondern unter den Umständen und meiner Auffassung nach rechtswidrig. Was hat das noch mit einem Rechstaat zu tun?
Warum kümmert sich niemand um diesen offensichtlichen Missbrauch, der auch aus den Händen der Antifa Ministerin Faeser kam?

GermanMichel
21 Tage her
Antworten an  Siggi

Die Maske wurde doch schon weitestgehend fallen gelassen.

Karl Renschu
21 Tage her
Antworten an  Siggi

Die Pflege soll im Knast besser als im Altenheim sein…
…das Essen ist es definitiv! Und der Betreuungsschlüssel erst…

Siggi
20 Tage her
Antworten an  Karl Renschu

Was hat das mit Recht zu tun? Seltsamer Kommentar.

Wolfgang Richter
21 Tage her
Antworten an  Siggi

Weil sich der „Rechtsstaat“ einfach mal „taub“ stellt und alle möglichen Eingaben schlicht ignoriert. Da kommt eher eine Reaktion, wenn man auf eine Mauer einredet.

heinrich hein
21 Tage her

…und dann hört man immer diesen Unsinn, Deutschland liege bei der Umsatzsteuer mit 19 % im Mittelfeld. Richtig ist: Die Staaten mit höherem USt.-Satz finanzieren daraus ihr Sozialversicherungssystem, d.h. die haben keine bzw. sehr viel niedrigere Sozialversicherungsbeiträge. Deutschland hat aber extrem hohe Sozialversicherungsbeiträge und demnächst auch einen hohen Umsatzsteuersatz. Ich kann jedem nur empfehlen, dann seinen Konsum einzuschränken und außer Lebensmitteln und Haushaltsprodukte kaum noch etwas zu kaufen. So werde ich es jedenfalls machen.

Aegnor
21 Tage her

Die Gesamtabgabenbelastung liegt für jeden Bürger der sein eigenes Geld und mehr als den Mindestlohn verdient, bei mindestens 75%. Direkte Lohnabzüge inkl. „AG“-Beiträge sind ca. 50%. Auf die anderen 50% zahlt man dann die ganzen indirekten Steuern und Gebühren. Allein mit der MwSt liegt man schon bei 60%. Die Masse an Steuern und Abgaben dient nur dem Zweck, dass zu verschleiern. Alles über 50% ist de facto Sklaverei/Leibeigenschaft. Man muss sich mal vor Augen führen, in was für einem Schlaraffenland wir leben könnten, wenn wir nur 35-40% abgeben müssten. PS: In der Schweiz liegt die Abgabenquote bei ca. 40%.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
20 Tage her
Antworten an  Aegnor

Seit Jahren weise ich im Bekanntenkreis immer wieder darauf hin, dass ein Land wie die Bundesrepublik Deutschland dank seiner Wirtschaftskraft und seiner gut ausgebildeten Bevölkerung ein Wohlstandsniveau mindestens auf Augenhöhe mit der Schweiz haben müsste. Dann stelle ich die Frage, wie es sein kann, dass der Deutsche im Vergleich zum Schweizer ein armer Schlucker ist? Statt darauf eine Antwort zu erhalten, blicke ich jedes Mal in leere, verständnislos blickende Augen und ratlose Gesichter.

Gegen Gehirnwäsche und Propaganda für die Massen kann man nicht ankommen. Es ist hoffnungslos; der Deutsche wird es nie kapieren, von wem er versklavt wird.

Zebra
20 Tage her
Antworten an  Aegnor

Alle werden so auf das Niveau von Sozialhilfebeziehern gebracht.

Evero
21 Tage her

Wenn man den Werdegang der Mehrwertsteuersätze seit Gründung betrachtet, kann man direkt daraus ableiten, wie sich nach 2000 der Staat maßlos an der Wirtschaftsleistung bedient und heute noch nicht einmal mit diesen Steuereinnahmen auskommt. Es ist evident: unsere Politiker können nicht haushalten und sowas wählen wir an die Staatsspitze!!!

Entwicklung der Mehrwertsteuersätze
Jahr Steuersatz (regulär)
1968 (Januar) 10 %
1968 (Juli) 11 %
1978 (Januar) 12 %
1979 (Juli) 13 %
1983 (Juli) 14 %
1993 (Januar) 15 %
1998 (April) 16 %
2007 (Januar) 19 %
2020 (Juli)* 16 %
2021 (Januar) 19 %

Liste: Auszug aus zinsen-berechnen. de

Wolfgang Richter
21 Tage her
Antworten an  Evero

Un d nicht zu vergessen die Ausweitung auf vormals MWst-freie Bereiche, wie zB Versicherungsverträge, die auch mit dieser Steuer belastet werden.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
20 Tage her
Antworten an  Wolfgang Richter

Ja, aber damit das nicht so auffällt, wurde die Mehrwertsteuer auf Versicherungsverträge einfach Versicherungssteuer genannt. Natürlich mit dem selben Prozentsatz wie die Mehrwertsteuer.

Rob Roy
21 Tage her

Bei uns ein Ausweisdokument vorgeschrieben. Trotzdem kassiert man 37 Euro Gebühren für den Personalausweis, 80 Euro für einen Reisepass. In anderen Ländern kostet letzterer nur einen Bruchteil, der Perso ist in der Regel sogar kostenfrei.

Last edited 21 Tage her by Rob Roy
Philokteta
21 Tage her
Antworten an  Rob Roy

Mein Personalausweis kostete aktuell 46,00 €.

Karl Renschu
21 Tage her
Antworten an  Rob Roy

Seien Sie froh, dass der Ausweis so günstig ist. Die Strafe dafür, keinen zu haben, ist viel Höher…

BKF
21 Tage her

Schön wäre es, wenn man diese ganzen Abgaben als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend machen könnte. 😉