Bilder vom Polizei-Einsatz gegen Corona-Proteste in Berlin

Während im Reichstag das neue Infektionsschutzgesetz beschlossen wurde, ging die Polizei teilweise mit ungewöhnlicher Härte gegen Demonstranten vor. Die im Netz veröffentlichten Bilder und Videos sprechen für sich.

IMAGO / Stefan Zeitz

Mehr als achttausend Menschen waren nach Berlin gekommen, um gegen die Coronapolitik zu demonstrieren – gegen den Bundeslockdown, der gestern und heute im Parlament durchgewunken wurde. Bereits im Vorfeld war die Polizeipräsenz massiv: Szenen von Demonstranten auf den Stufen des Reichstages wollte man wohl um jeden Preis vermeiden. Mehrere Demos waren für den Tag angemeldet – manche, wie die Versammlung vor dem Schloss Bellevue, wurden bereits vor Beginn wegen Verstößen gegen Maskenpflicht und Hygieneregeln durch die Polizei aufgelöst. Null Toleranz für „Querdenker“ war wahrscheinlich das Motto, das die Polizeiführung unter Innensenator Geisel ausgegeben hatte. Von Anfang an sperrte man die Strandes 17. Juni längsseits zu Hälfte ab, was das Einhalten von Abstandsregeln erschwerte.

Im Tiergarten kam es dann zu Szenen, die von vielen Demonstranten als ungerechtfertigte Polizeigewalt angesehen werden. Bilder von Polizisten, die eine alte Dame über den Boden schleifen, Szenen von Armverdrehungen, von Festnahmen mit „körperlichem Zwang“, wie es im Beamtendeutsch heißt.

Die meisten Beamten sollen sich freundlich, friedlich und angemessen verhalten haben, erzählen die meisten Teilnehmer. Die Maßnahmen der Polizei seien „nicht immer logisch nachvollziehbar“ gewesen, manches erscheine „sinnfrei“ – doch einer Niederschlagung glichen die Polizeimaßnahmen keinesfalls, sagt man uns.

Dennoch: Einige Szenen von der Demonstration offenbaren zumindest Einzelfälle von Polizisten, die über die Stränge schlagen und allem Anschein nach die Grenzen ihrer Rolle als Staatsmacht überschreiten. Videoaufnahmen dokumentieren vieles, was unangemessen erscheint. Immer wieder werden Journalisten von der Polizei körperlich angegangen und an der Arbeit gehindert – Filmen behindere Polizeimaßnahmen, sagt ein Beamter. Szenen von Festnahmen werden durch die Beamten abgeschirmt, immer wieder wird versucht, vom Filmen abzuhalten. Oft mit Verweis auf Coronaregeln. Trotzdem werden mehrfach problematische Szenen auf Video festhalten. Beim Filmen von Festnahmen wird geschubst, das Handy wird aus der Hand geschlagen.

Das Verhalten der Polizei wird derweil in den meisten Medien kaum diskutiert – hier dominieren Bilder von Radikalen und Irren, die immer wieder zum Kern der Demo-Berichterstattung gemacht werden. Ja, es gibt sie: Einen Mann, der mit einem Judenstern mit der Aufschrift „ungetestet“ und einer Kopie des Anne-Frank-Tagebuches vor dem Holocaustmahnmal steht, eine Frau, die irgendetwas über 5G-Verstrahlung plakatiert, oder einen Teilnehmer, der sich mittels gestreifter Mütze mit rotem Dreieck als politischer Gefangener eines KZs inszeniert. Darüber kann man den Kopf schütteln – die Mehrheit der Demoteilnehmer stellen solche Leute sicherlich nicht. Trotzdem gehen diese Bilder durchs Netz und durch die Medien, als angeblich neutraler und repräsentativer Eindruck über die Demo. Der Journalist Manaf Hassan schildert andere Eindrücke: „[Die] Extremisten wirkten wie Fremdkörper. Waren nicht von Massen-Anhängern umgeben, sondern waren einfach als kleine Personengruppe unter den Massen.“

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Kommentare ( 72 )

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Peter Pascht
18 Tage her

Es war nicht das erste mal, das „agent provocatuer“ unter den Demonstranten waren, die in der Vergangenheit sogar zu Gewalt anstachellten.

Peter Pascht
18 Tage her

Wird die Merkel Prügeltruppe nun auch zu Amazon geschicht ?
Auf der Berliner Demo wurden Menschen brutal behandelt weil sie angeblich keine Masken trugen
Seit Anfang Febrauar gibt es bei Amazon im Amazon-Versandlager in Winsen nahe Hamburg eine Arbeitsanweisung die FFP2 Masken verbietet, weil dadurch zuviele Pausen notwendig sind.
So berichtet „tagesschau“ ÖRR, nach Recherchen des NDR, WDR und der „Süddeutschen Zeitung“

Last edited 18 Tage her by Peter Pascht
StefanB
19 Tage her

Die Berliner Einsatz wird unter Dunkelrotrotgrün auf den bedingungslosen Kampf gegen den „Klassenfeind“ getrimmt. Und bei solchen Veranstaltungen werden garantiert die „ganz Überzeugten“ von der Leine gelassen.

Michael Scholz
19 Tage her

Heldenhafter Einsatz im Görli, oh, nein, im Tiergarten.

giesemann
19 Tage her

Die Polizisten haben einen großen Vorteil: Bei Ausgangssperre dürfen sie noch frei herumlaufen. Die ganze Nacht. Gibt es passende Uniformen in der Requisite? Damit könnte ich auch auffa Demo gehen, unbehelligt, stell mich einfach dazu.

GG-Sympathisant
19 Tage her

Ausgezeichnet: Für brutale Misshandlungen durch die Staatsmacht braucht man in Zeiten der Reisebeschränkungen nicht nach Hongkong, Minsk, Teheran etc. zu fahren. Das gibt‘s jetzt endlich wieder hier, und nicht nur in Berlin, sondern auch in Städten wie Kempten etc. Irony off!

Ruhrler
19 Tage her

Das Übelste an dieser Gewalt ist das nicht wenige Kommentatoren im Netz (s. Twitter) diese Prügelorgien gut finden oder sogar mehr davon wollen. Offensichtlich ist die Gehirnwäsche so erfolgreich das das Resthirn gerade noch für´s nichtsterben ausreicht. Heine hatte völlig recht:
„Der Deutsche gleicht dem Sklaven, der seinem Herrn gehorcht ohne Fessel, ohne Peitsche, durch das bloße Wort, ja durch einen Blick. Die Knechtschaft ist in ihm selbst, in seiner Seele; schlimmer als die materielle Sklaverei ist die spiritualisierte. Man muß die Deutschen von innen befreien, von außen hilft nichts.“

Peter Pascht
19 Tage her

Der phantasierte Rechtstaat der Berliner Polizei Der „körperliche Zwang“ ist der Polizei erlaubt zur Ausführung eines richterlichen Urteils zur Abwehr einer unmittlebaren Gefahr für Leib und Leben Das gleiche gilt lt. Grundgesetz für das Infektionschutzgesetz. Bei einer Inzidenz von 100 (/100.000) = 1/1000 befänden sich unbewiesen unter 8.000 Demonstranten 8 (in Worten Acht) Personen die unbewiesen potentielle Virusträger wären Da von einer „unmittelbaren Gefahr“ zu sprechen, bedarf viel lügenhafter Phantasie. Dafür das Grundrecht der Demonstrationsfreiheit zu verbieten, kann man nur als vorgeschobene Lüge bezeichnen, die nur den einzigen Zweck haben kann die Diktatur der Staatmacht zu vollziehen. Eine Gefahr die… Mehr

Morioon
14 Tage her
Antworten an  Peter Pascht

Ihre Rechnung ist bestimmt falsch, weil die gesamte Inzidenzberechnung statistisch gesehen, falsch ist. Um einen richtigen Inzidenzwert zu errechnen, müßte man auf jeden Fall die Größe der Stichprobe, d.h. die Zahl der Getesteten berücksichtigen. Bei der offiziellen Version „(Positive x Einwohner)/100000“ hätte die Gemeinde die beste Inzidenz, die gar nicht testet ( so könnten alle Gemeinden einen Lockdown verhindern). Es wurde bewiesen, dass bei mathematisch richtiger Berechnung der Inzidenzwert bei etwa 25% des derzeitigen Inzidenzwertes liegt.

Peter Pascht
13 Tage her
Antworten an  Morioon

Meine Rechung ?
Wo sehen sie da eine Rechnung ?

Morioon
12 Tage her
Antworten an  Peter Pascht

Sie sagen richtig “ die offizielle Version“. Auf die bezog sich mein Kommentar, nicht auf eine Berechnung, die Sie angestellt haben.

Dieter Blume
19 Tage her

Falls ich irgendwann wieder meinen Geburtstag feiern darf, werden keine Polizisten unter den Gästen sein. Menschen, die hin und wieder, wenn es der Regierung genehm ist, meine Freunde und Helfer sind, aber zugleich friedliche Bürger schikanieren, haben in meinem Freundeskreis nichts zu suchen. Wenn ich sehe, in welcher Stärke Polizeikräfte aufgeboten werden können, um das Volk zu drangsalieren, wird mir übel. Eine Regierung, die das Grundgesetzes ignoriert und nach Wegen sucht, die Grundrechte auszuhebeln, ist nicht meine Regierung. Volksvertreter, die wegen der Karriere sich selbst zu Stimmvieh degradieren, sind nicht meine Volksvertreter. Diese Regierung und große Teile der Legislative haben… Mehr

Peter Mueller
19 Tage her
Last edited 19 Tage her by Peter Mueller