Australiens Regierung hat im Dezember des Vorjahres für unter 16-jährige Web-User die Nutzung von Social-Media-Plattformen verboten. Eine Studie zeigt nun: Die Jugendlichen und Kinder umgehen dieses Verbot einfach. Die Politik reagiert mit höheren Geldstrafen.
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Rick Rycroft
Sechs Monate nach Inkrafttreten des weltweit ersten landesweiten Social-Media-Verbots für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zeigt eine neue Studie der Universität Newcastle: Das Verbot bleibt weitgehend wirkungslos. Mehr als 85 Prozent der betroffenen australischen Teenager nutzen weiterhin Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook, Snapchat, YouTube und X.
Die australische Regierung reagiert nun mit einer Verdopplung der Höchststrafen für die Tech-Konzerne auf 99 Millionen australische Dollar (60 Millionen Euro). Doch es dürfte bereits klar sein: Die Politik scheitert – wenig überraschend – an den realen Herausforderungen der digitalen Welt, die eine Umgehung des Verbots eher verschleiert als verhindert.
Das Social-Media-Verbot trat am 10. Dezember 2025 in Kraft: Es verpflichtet bestimmte Social-Media-Plattformen, „angemessene Schritte“ zu unternehmen, um zu verhindern, dass unter 16-jährige Kinder und Jugendliche in Australien Konten eröffnen oder nutzen. Ein eSafety Commissioner überwacht die Einhaltung und kann künftig detaillierte Nachweise von den Unternehmen sowie von Dritten wie Altersverifikationsanbietern oder App-Stores einfordern.
Strafen drohen ausschließlich den Plattformbetreibern, nicht den Jugendlichen oder ihren Eltern. Premierminister Anthony Albanese und Kommunikationsministerin Anika Wells werfen nun den Konzernen vor, nur das „absolute Minimum“ zu tun und „Tricks aus dem Taktikhandbuch der Tech-Giganten“ anzuwenden, berichtet der Guardian. Mit der Verdopplung der Strafen und erweiterten Befugnissen der Aufsichtsbehörde wolle die Regierung zeigen, dass sie es wirklich ernst meine.
Altersverifikationen werden umgangen
Eine nun aktuell im British Medical Journal veröffentlichte Beobachtungsstudie der University of Newcastle lieferte aber ein für die australische Regierung vernichtendes Ergebnis: Die Forscher um Courtney Barnes befragten 436 australische Jugendliche im Alter von 12 bis unter 17 Jahren kurz vor und etwa drei Monate nach Inkrafttreten des Verbots (Follow-up bei 408 Teilnehmern). Mehr als 85 Prozent der unter 16-jährigen Kinder und Jugendlichen gaben an, weiterhin die betroffenen Plattformen zu nutzen, überwiegend über eigene Konten (54 bis 68 Prozent). 66 Prozent von ihnen berichteten von den absolvierten Altersverifikationsmaßnahmen, die jedoch meist oberflächlich waren: Häufig reichte eine Selbstauskunft zum Alter (24 bis 39 Prozent) oder das Hochladen eines Selfies (13 bis 27 Prozent). Nur wenige mussten einen amtlichen Ausweis vorlegen.
Studie ist bedeutend für die Debatte in Deutschland und Österreich
Diese Ergebnisse unterstreichen die Problematik des Verbots: Es setzt auf die Kooperation der Plattformbetreiber, ohne die Jugendlichen selbst in die Verantwortung zu nehmen und ohne wirksame, datenschutzfreundliche Kontrollmechanismen zu etablieren. Die Altersverifikation bleibt in der Praxis oft eine Farce – Selbstauskünfte und Selfies lassen sich trivial umgehen. Eine wirklich robuste Überprüfung (etwa per biometrischer Gesichtserkennung oder Hochladen amtlicher Ausweise) würde jedoch massive Datenschutzrisiken für alle Nutzer mit sich bringen, unabhängig vom Alter.
Dass die Politik mit einer Erhöhung der Strafen auf ein grundsätzliches Scheitern der Einflussnahme reagiert, wird die Erfolgschancen für das Verbot nicht wesentlich verbessern. Die Entwicklung in Australien sollte ein warnendes Beispiel auch für Deutschlands und Österreichs Regierungen sein, die ebenfalls Verbote für junge Social-Media-User diskutieren oder sogar planen – eine versuchte Umsetzung gut gemeinter staatlicher Eingriffe in den Erziehungsbereich der Eltern kann zur Blamage werden.


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Anstatt mit Verboten zu jonglieren, halte ich es für wesentlich besser, ein neues Schulfach in jeder Schule der Welt zu etablieren:
Den verantwortungsvollen und angemessenen Umgang mit Social Media.
Wer von klein auf in der Schule lernt, das „1+1=2“ ist, ist sensibilisiert und besser gewappnet als es ein banales Verbot je bewerkstelligen könnte.
Auf eine Blamage mehr oder weniger kommt es bei unserem links-grünen Bankrottkartell in Berlin doch nun wirklich nicht mehr an. Man kann davon ausgehen, dass diese Antidemokraten nun erst recht versuchen werden, den Internetzugang möglichst aller Nutzer zu reglementieren. Die werden nicht aufhören, darauf ist Verlass. Die Angst vor den eigenen Bürgern ist ihr Antrieb.
Das kann passieren, wenn der Kopf nichts auch davon versteht. Genau das könnte vdL jetzt passieren.
Eine Blamage mehr oder weniger spielt auch keine Rolle mehr! Je mehr Verbote, desto mehr Widerstand und Ehrgeiz sie zu umgehen! Man soll von den schlechten Lernnoten nicht unbedingt auf den Verstand der Jungend schließen, das könnte sich in so manchen Bereichen als Schuss ins eigene Knie erweisen!
Wenn man das so liest, glaubt man, Australien wäre EU Mitglied.
Aber dann erinnere man sich, von wem es ursprünglich kolonialisiert und dann besiedelt wurde, und besinnt sich dann, daß deren (Mutter-)Land in den gleichen Belangen genau so hohl dreht.
Das muss so‘n Genetik-Ding sein.
Natürlich meinen die Politiker es gut. Wie könnte es auch anders sein? Wenn es einen Preis für die dümmste politische Phrase in Deutschland gäbe, wäre das eindeutig der Titelfavorit. Nein, die Politiker meinen es nicht gut; allenfalls mit sich selbst. Wie oft muss noch dargestellt werden, dass es letztlich um die Identifizierung der Nutzer geht? Wie oft muss noch erklärt werden, dass die politischen Kartelle, die es nicht nur in Deutschland gibt, zu förderst daran interessiert sind, den Medienkonsum und den Zugang zu Informationen und Themen sowie die Ansichten der Bürger zu steuern? Denken Sie im Ernst, dass z. B.… Mehr
Wer so einen Schwachsinn überhaupt vorschlägt und dann noch halbgar umsetzt, verdient Spott, Häme und Verachtung bis zum Lebensende. Aber darin haben australischen Poilitiker ja schon länger Erfahrung. Geändert hat sich nur leider nichts.
Gäbe es solch ein Handbuch, wäre dies vermutlich ein Bestseller – auch interessant für Bürger, die sich gegen den übergriffigen Staat wehren wollen.
Zitat: „eine versuchte Umsetzung gut gemeinter staatlicher Eingriffe in den Erziehungsbereich der Eltern kann zur Blamage werden.“
> Mhh, in der Hoffnung das ich obige Worte nicht falsch verstanden habe….. – Wie bitte, kann ein „staatlicher Eingriffe in den Erziehungsbereich der Eltern“ gut gemeint sein?
Denn ich denke, dass der „Erziehungsbereich der Eltern“ immer der „Erziehungsbereich der Eltern“ und nie der Erziehungsbereich des Staates ist -oder?
Verbote funktionieren immer bei Jugendlichen, zu 100%! Ahh, wenn es doch so wäre! Das Leben wäre nahezu ein Paradies. Ich habe dank Tychis Einblick und diesem Artikel vor Augen geführt bekommen, dies leider wirklich, wie erfolgreich Verbote im Bereich Kinder, Teenager denn wirklich sind. Der Anfang: Ich sitze gemütlich in der Küche, nippe an meiner kalten Lemonade, der Garten ist bewässert und das Haus ist noch friedlich und ruhig. Ein perfekter Anfang für einen perfekten Sonntag. Während ich so da sitze, lese ich diesen Artikel und habe eine vermeintlich gute Idee. Ich möchte unsere älteste Tochter im Stile einer Greta… Mehr
Danke für die unterhaltsam geschriebene Anekdote. Glauben Sie mir, als Vater von Söhnen ist‘s nicht besser.
Nur Anders !
Lieber Dorn! Danke für diesen „Tatsachenbericht“. Zugegebenermaßen ist die selbst verursachte Peinlichkeit ziemlich humorig, aber für den betreffenden Vater natürlich ein Weltuntergang. Zumal beschreibt sie in bestechender Weise, was unsinnige Verbote bringen, die nur persönlich und emotional motiviert sind. Das Los aller Eltern, die manchmal vielleicht auch vergessen haben, dass sie selbst mal jünger waren als heute. Es ist aber nicht wirklich ein Weltuntergang. Werden Sie erkennen, wenn Sie wieder nüchtern sind. Zur Bewältigung der persönlichen Vaterkrise empfehle ich das Schreiben eines Romans über das Zusammenleben mit jugendlichen, fast erwachsenen Menschen (eigenen Kindern). Könnte, bei Ihrem Stil, ein Bestseller werden!… Mehr