AfD: Aus der rechten Mitte an den rechten Rand

Die „Alternative für Deutschland“ hat sich ganz offen für einen neuen, rechtspopulistischen Kurs entschieden. Wer sich selbst als „Pegida-Partei“ bezeichnet, wer Muslime pauschal als Feinde der Demokratie abstempelt, wer die EU ein „linksradikales Projekt“ nennt, wer es hinnimmt, dass auf dem Parteitag Barack Obama als „Quotenneger“ und die Grünen pauschal als „pädophile Faschisten“ bezeichnet werden, der ist nicht mehr national-konservativ, der will am rechten Rang auf Stimmenfang gehen. Und das mit denselben hemdsärmeligen, ja brutalen Methoden, mit denen man sich intern bekriegte.

Die AfD als neue „Republikaner“, als „NPD im Schafspelz“, als deutscher „Front National“ – die Partei hat die Weichen nach ganz rechts gestellt. Und nach Meinung vieler Beobachter damit ihr Todesurteil gesprochen. In Deutschland hätten Rechtsausleger keine Chance, lautet der Tenor. Da werden die Lehren aus der Geschichte bemüht und das Scheitern von NPD, DVU und Republikanern als Belege herangezogen.

Man sollte da nicht zu sicher sein. Nach der faktischen Abspaltung ihres Professoren-Flügels wird die AfD – noch deutlicher als bisher – auf die wachsende Zahl der Frustbürger setzen. Wer gegen EU, Euro, USA, TTIP, Ausländer, Asylanten, Schwulen und Lesben ist, wer sich nach klarer Kante und einfachen Lösungen sehnt, der wird seine Vorurteile bei der AfD künftig noch besser bedient sehen. Der anhaltende Zustrom von Asylbewerbern könnte der AfD zusätzlich Wähler zutreiben.

Meinungsforscher schätzen das rechtsradikale Wählerpotential auf bis zu 15 Prozent. Sich daraus zu bedienen, wird der rechtsradikalisierten Petry-AfD sogar leichter fallen als der bisher eher gemäßigt auftretenden Lucke-Partei. Eine Garantie, dass Deutschland auf ewige Zeiten ohne politische Kraft am rechten Rand bleiben wird, gibt es ohnehin nicht. Gut möglich, dass die Herren Professores, die sich vor zwei Jahren als Amateure in die politische Arena begaben, die grundlegende Veränderung unserer Parteiensystems eingeleitet haben – aber ganz anders, als sie das ursprünglich wollten.

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