Markus Lanz und die große weite Welt. Beim Kampf Israels gegen Hamas und Hisbollah kein erkenntnisfördernder Diskurs, sondern nur stumpfe Wiederholung altbekannter Argumentationsmuster. Und beim Thema Iran-Krieg setzt sich die Sendung wegen der zeitversetzten Ausstrahlung selbst schachmatt. Von Brunhilde Plog
Screenprint: ZDF / Markus Lanz
Als Lanz beginnt, hat US-Präsident Donald Trump bereits die Waffenruhe im Iran-Krieg verlängert. Und der Iran hat die Teilnahme an den Friedensverhandlungen abgesagt. Doch die Talkshow wie auch die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen machen keine glückliche Figur. Während das Heute Journal die Iran-Absage gerade noch als Eilmeldung hinten anhängt, senden die (später erscheinenden) Tagesthemen lieber vorbereitete Berichte zum Thema, statt die Neuigkeiten ihren Zuschauern mitzuteilen.
Auch bei Markus Lanz erfährt man nichts von der neuen Lage. Wie auch. Die Sendung wird zwar kurz vor Mitternacht ausgestrahlt, ist aber bereits am frühen Abend aufgezeichnet worden. Politologin Cathryn Clüver Ashbrook sagt es nebenbei: „Hier ist gerade Mittag.“ Da sie von der Westküste der USA zugeschaltet ist, hängt sie wegen der Zeitverschiebung also sechs Stunden hinterher. Ergo: Im Lanz-Studio muss es zu diesem Zeitpunkt zwischen 18 und 20 Uhr sein.
Seine mitternächtliche Vorabend-Show bestreitet er heute mit zwei Kandidaten, die ihrem Thema ohnehin keinen neuen Erkenntnisgewinn geben können. Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, vertritt die klassische transatlantische und pro-israelische Linie. Er verteidigt die umstrittenen Militäroperationen im Gazastreifen und im Libanon – selbst die deutschen Waffenlieferungen an Israel sieht er unkritisch – alles sei geprüft und daher nicht zu beanstanden.
Israelische Übergriffe oder die Siedlungspolitik vermag er nur zaghaft zu kritisieren, und Sanktionen gegen Israel lehnt er strikt ab. Während Lanz provozierende Bilder des zerbombten Gazastreifens und von Essensverteilungen aus den bekannten Hamas-Quellen („Paliwood“) einspielen lässt, sagt Hardt, die Situation sei doch schon „viel besser als vor einigen Monaten“.
Auf der anderen Seite Kristin Helberg, freie Journalistin und selbsternannte Nahost-Expertin. Warum sie für eine extrem anti-israelische Haltung bekannt ist, wird auch heute Abend deutlich. Israels Verhalten sei ganz klar ein Genozid, wiederholt sie die Hamas-Propaganda. Bei Hamas und Hisbollah hingegen erwähnt sie beschönigend die Angestellten in Krankenhäusern. Diese seien ja nicht automatisch Terroristen, nur weil sie in Einrichtungen arbeiteten, die von Hamas und Hisbollah betrieben werden. Dass es den 7. Oktober gab, zigtausende terroristische Gräueltaten gegen Israelis, Raktenüberfälle, Morde, Anschläge, Vergewaltigungen, daran müssen Lanz und Hardt sie gelegentlich sanft erinnern. Erkenntnisgewinn: Null.
Etwas Struktur bringt der vierte Gast in die Debatte. Matthias Strohn, Militärhistoriker und Oberst der Reserve. Er versucht es mit Sachlichkeit, die aber wirkt gelegentlich allzu nüchtern und technokratisch. Im Konflikt zwischen Israel und den Terrororganisationen etwa hält er einen Genozid für durchaus möglich – und zwar in beide Richtungen. Strohn traut sowohl Israel als auch seinen Feinden zu, die andere Seite irgendwann komplett auszulöschen, was ja auch erklärtes Ziel der Hamas und des Irans ist. Allerdings fehlen den Islamisten die Mittel, zumal der Bau der Bombe nach den Angriffen auf den Iran zumindest verzögert werden konnte.
Von Clüver Ashbrook aus dem Teleschirm keine neuen Erkenntnisse. Warum sie immer noch als Expertin eingeladen wird, bleibt ohnehin rätselhaft, hat sie doch zur Wahrheit schon rein berufsbedingt ein eher gespanntes Verhältnis. Erneut wird sie dem Zuschauer lediglich als deutsch-amerikanische Politologin vorgestellt. Dass sie in führender Position für die Bertelsmann-Stiftung arbeitet, die unter anderem die berüchtigten Zensurmaßnahmen (genannt „Faktenchecks“) und „Wahrheitsanpassungen“ auf Facebook erledigt, bleibt auch heute unerwähnt. Clüver Ashbrook selbst liefert ebenfalls regelmäßig Halbwahrheiten und Fake News, die ebenso regelmäßig entlarvt werden.
Ihr größtes Plus heute Abend für den Zuschauer: Sie ist nicht Elmar Theveßen.


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Ich finde, dass es immer besser wird, was Sie zu berichten haben – und dass die Richtung, in die es mit uns allen gehen soll, immer deutlicher erkennbar gemacht wird.
Hier macht einer auf einen wiki Artikel aufmerksam, in dem die „Erfindungen“ von „Palästinensern“ gelistet werden:
Wikipedia has a special page with a list of „Palestinian inventions,“ and half of the list is different kinds of bombs, missiles, and other weapons https://x.com/visegrad24/status/2046761419291426958
Liebe Frau Plog, wie wäre es denn, wenn Sie hier nicht nur Propaganda wiederholten, sondern auch die Realitäten zur Kenntnis nehmen würden? Sie schreiben: „Israelische Übergriffe oder die Siedlungspolitik vermag er nur zaghaft zu kritisieren, und Sanktionen gegen Israel lehnt er strikt ab.“ Dazu ist zunächst festzuhalten: es gibt keine staatliche Siedlungspolitik. Dies würde bedeuten, dass der Staat selbst, Ministerien oder andere Einrichtungen die Besiedlung etwa der Westbank betreiben würden. Das wäre tatsächlich völkerrechtlich nicht zulässig. Das ist aber bekanntlich nicht der Fall, was hier immer in völliger Verdrehung gemeint ist ist: der Staat bekämpft nicht die Siedlungsaktivität von Gruppierungen,… Mehr
Die Uhrzeit an der Westküste der USA ist nicht sechs Stunden früher als die Uhrzeit in Deutschland, sondern neun Stunden.
Wer Israel zutraut, „die andere Seite“ (wer soll das sein — vier Millionen „Palästinenser“? neunzig Millionen Iraner? hunderte Millionen Araber?) „irgendwann komplett auszulöschen“, klingt nicht nüchtern und sachlich, sondern mehr als nur leicht hysterisch.
Naja, was erwartet man vom ÖRR? West-/Israelverachtung und Palästinenservergötzung ist doch Programm. Frau Helbergs „Expertise“ beruht im Wesentlichen darauf, das sie mit einem syrischen Arzt verheiratet war und ist vom antisemitischen, pseudoantikolonialistischen, linksislamischen Narrativ geprägt.
Das der Iran den Libanon als Kolonie betrachtet, in der die IRGC durch den Proxy Hezbollah faktisch die Macht ausübt, wäre vielleicht auch mal eine Erwähnung wert.
Informationen findet man doch eher bei Zineb Riboua oder bei Aimen Dean (z.B,. im conflicted Podcast mit Thomas Small).
> Und beim Thema Iran-Krieg setzt sich die Sendung wegen der zeitversetzten Ausstrahlung selbst schachmatt. Aha. Wen interessiert irgend so eine Lanz-Sendung? Große Teile der Welt kennen hingegen den Colonel Scott Ritter: >>>“Scott Ritter: Trump und Hegseth haben keine Ahnung – Vernichtende Analyse der US-Iran-Politik„<<< > „… Ritter schildert detailliert, wie nah man einem Abkommen bereits war. Die iranische Delegation sei mit vollständigen Verhandlungspapieren, Fakten und einem fertigen Deal nach Islamabad gekommen. … Als ein Memorandum of Understanding fast unterschriftsreif war, habe Benjamin Netanjahu interveniert und Trump gewarnt, ein solches Abkommen mache ihn „schwach“. Die Verhandlungen wurden abgebrochen, stattdessen folgte… Mehr