17 Jahre dauerkrank: Lehrerin prozessiert gegen Ruhestand

Seit 2009 ist eine 62-jährige Lehrerin aus Duisburg dauerhaft krankgeschrieben, trotzdem bekommt sie ihr volles Gehalt, ohne dafür Unterricht zu halten. Ein Kontroll- und Behördenversagen?

picture alliance / Peter Schickert | Photographer: Peter Schickert
Sitz des Verwaltungsgerichts Düsseldorf, NRW

In den USA zieht Barack Obama 2009 in das Weiße Haus ein, im Juni 2009 stirbt Michael Jackson und die Welt kämpft 2009 mit den Nachwirkungen der Bankenkrise: Seit dem Jahr 2009 ist eine 62-jährige Studienrätin aus Duisburg durchgehend krankgeschrieben und hat in all den Jahren keinen einzigen Tag mehr Unterricht gehalten. Trotzdem bezog sie die gesamten 17 Jahre über ihre vollen Beamtenbezüge, inklusive tariflicher und besoldungsrechtlicher Erhöhungen.

Nun wehrt sich die Pädagogin vor Gericht dagegen, in den vorzeitigen Ruhestand versetzt zu werden – das würde nämlich bedeuten, dass sie künftig nur noch eine geringere Pension erhielte.

Die Lehrerin war zuletzt am Berufskolleg Wesel tätig. Ab 2009 reichte sie immer wieder Atteste wegen eines psychischen Leidens ein. Die Schulaufsicht und die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf griffen jahrelang nicht ein, eine amtsärztliche Untersuchung zur Feststellung der Dienstfähigkeit unterblieb lange Zeit. Und der aktuelle Schulleiter kannte nicht einmal den Namen der Mitarbeiterin, deren monatliches Bruttogehalt in den vergangenen Jahren zwischen 5.050 und 6.100 Euro lag. Die kranke Lehrerin kam so in 17 Jahren auf mindestens 1,03 Millionen Euro Steuergeld.

Erst nach intensiver Berichterstattung und politischen Interventionen kam nun Bewegung in den Fall: Die Beamtin musste sich schließlich amtsärztlich untersuchen lassen. Ende Mai 2026 ordnete die Bezirksregierung Düsseldorf daraufhin ihre Versetzung in den Ruhestand wegen dauerhafter Dienstunfähigkeit an. Damit würde sie nur noch eine Pension beziehen, das wären nach Schätzungen 1.500 bis 2.000 Euro brutto weniger pro Monat. Gegen diesen Bescheid legte die 62-jährige Lehrerin nun Klage ein. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung des Verwaltungsgerichts Düsseldorf erhält sie weiterhin ihre vollen Bezüge. Wann das Gericht urteilen wird, ist noch nicht absehbar; zunächst muss die Bezirksregierung Stellung nehmen und die Akten vorlegen.

Nun auch Betrugsermittlungen

Der Fall hatte bereits im vergangenen Jahr für bundesweites Aufsehen gesorgt, NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) meinte dazu: „Das ist nicht zu entschuldigen und in seiner Dimension auch nicht nachvollziehbar.“ Parallel zu den verwaltungsrechtlichen Auseinandersetzungen laufen weitere Verfahren. Gegen die Lehrerin und einen Mitarbeiter der Bezirksregierung wurden Disziplinarverfahren eingeleitet, die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt zudem wegen des Verdachts des Betrugs. Im März 2026 durchsuchten Ermittler die Wohnung der Beamtin. Es besteht der Verdacht, dass sie ihre Dienstunfähigkeit vorgetäuscht und während der Krankschreibung als Heilpraktikerin tätig gewesen sein könnte. Berichten zufolge entwickelte sie auch eine Creme gegen trockene Haut und gewann so im Jahr 2011 einen mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis des Landes NRW.

Der Skandal hat in Nordrhein-Westfalen Konsequenzen: Die schwarz-grüne Landesregierung hat ein neues Gesetz auf den Weg gebracht, das Beamte künftig stärker verpflichtet, sich amtsärztlich untersuchen zu lassen. Während Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft bei längerer Krankheit in die Erwerbsminderungsrente oder in das Krankengeld fallen, können Beamte unter bestimmten Voraussetzungen jahrelang volle Bezüge beziehen, ohne dass die Dienstfähigkeit konsequent geprüft wird.

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Kommentare ( 6 )

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Dirk Plotz
22 Minuten her

Der Staat, nicht zum Sparen angehalten, da er einfach die Ausbeutung seiner Subjekte erhöht, ist sowas doch völlig egal. Bei dieser Lehrerin handelt es sich auch sicher nicht um einen Einzelfall, wie wir vor einigen Wochen bereits in Berichten zu der Homeoffice-Beamtenschaft feststellen konnten, die ihre Mails ja auch gern aus dem Skiurlaub beantworten. Jedes wirtschaftlich handelnde Unternehmen kann sich sowas überhaupt nicht leisten, weil es seinen Cashflow nicht einfach über die Ausbeutung unbeteiligter Dritter erhöhen kann. Der Staat fördert solche Zustände geradezu. Unkündbar, Leistung unerheblich, Vollversorgung egal was kommt. Der Beamte ist der Inbegriff des parasitären Transferleistungsempfängers. All der… Mehr

Minusmann
23 Minuten her

Also ich glaube unbesehen, dass die Dame eine Klatsche hat…

moselbaer
26 Minuten her

Wenn ich es mir in der Wirtschaft als Leiter einer Abteilung erlauben würde, einen dauerkranken Mitarbeiter nicht einmal zu bemerken und tatenlos dem jahrelangen Abfluss von Gehalt für nichts zuzusehen, dann hätte ich mich als Führungskraft wohl disqualifiziert. Dieser Schulleiter gehört meines Erachtens umgehend entlassen! Aber diese Verhältnisse sind vielleicht auch symptomatisch für den Zustand des Schulwesens in Nordrhein-Westfalen.

Klaus Uhltzscht
27 Minuten her

Ich finde das gut, was die Frau macht. Sie nutzt legal die Gesetze aus. Und daß die Behörden zu dumm und zu faul zum Kontrollieren sind.
In der Asylindustrie ist das ja auch Standard, und dort kommen noch die parasitären linksgrünen Juristen und die NGOs hinzu.
Gut finde ich ausdrücklich auch, daß diese Lehrerin von Kindern ferngehalten wird. Nicht auszudenken, wenn Kinder bei ihr lernen müßten.

Kraichgau
30 Minuten her

ich find die Dame Spitze 🙂 innovativ,entwickelt Cremes und therapiert erfolgreich neben dem stressigen Job als Lehrerin…stop,da wurde Sie ja seit 2009 scheinbar nicht vermisst….sonst wäre ja geschaut worden,wo die fehlende Lehrerin abgeblieben ist bzw wie krank Sie wirklich ist.
Aber ich WETTE,ohne das richtige Parteibuch ginge das in keinem Bundesland 🙂

Dr. Bomke
37 Minuten her

Mit dem Untergang einer Zivilisation gehen sui generis ihre Werte und alles Erreichte in Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft, Ethik, Recht, Sozialem, Infrastruktur unter.
Mehr braucht man dazu nicht sagen.