In Sachsen-Anhalt wackelt die Brandmauer

Es ist knapp. Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt nach den ersten Prognosen die absolute Mehrheit der Sitze gewinnen. So oder so ist die jahrelange Ausgrenzungsstrategie gescheitert. Die alte Parteienordnung hat verloren.

picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben gesprochen. Ihr Votum einen Denkzettel für die Parteien von „Unsere Demokratie“ zu nennen, wäre eine Untertreibung. Es ein politischer Räumungsbescheid (Zahlen aus der ersten Prognose der ARD).

* AfD: 44,5 % – 39 Mandate
* CDU: 18,5 % – 16 Mandate
* Linke: 9,5 % – 8 Mandate
* Grüne: 9,0 – 8 Mandate
* SPD: 8,0 – 7 Mandate
* BSW: 5,0 % – 5 Mandate.
* Sonstige: 3,5 %

Absolute Mehrheit: 42 Mandate
AfD: 39 Mandate.

Die Brandmauer wackelt. Ob sie heute fällt, hängt an wenigen Mandaten und an wenigen tausend Stimmen – und daran, ob das BSW den Sprung ins Parlament schafft oder nicht.

Doch schon jetzt ist es ein historisches Ergebnis.

Die AfD hat die CDU nach 24 Regierungsjahren als stärkste Partei entthront. Das alte Machtsystem des Landes ist zerlegt. Niemand kann mehr behaupten, das sei nur ein vorübergehender Protest, sozusagen eine Art Unfall.

Migration und Macht

Im Zentrum des Wahlkampfs standen Migration, Energiepreise, Wirtschaft, Schulen, Krankenhäuser und der ländliche Raum. Die AfD versprach Abschiebungen, Arbeitspflichten und Sachleistungen für Asylbewerber, mehr Polizei, weniger Ministerien, kostenlose Kitas und Schulessen. Sie kündigte den Kampf gegen Windkraftvorgaben, linke Förderprojekte und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk an.

Die Gegner der AfD hatten andere Antworten. Eigentlich. Die standen in den anderen Wahlprogrammen. Und Doch je näher der Wahltag rückte, desto weniger sprachen die anderen Parteien über ihre eigenen Pläne. CDU, SPD, „Linke“ und Grüne verschmolzen öffentlich zu einer einzigen AfD-Verhinderungsallianz. Ihr politisches Angebot schrumpfte auf eine Botschaft: „Stoppt Nazis.“

Damit machten sie bis zum letzten Tag Wahlkampf für die AfD. Den Bürgern wurde nicht erklärt, warum das eigene Programm besser ist – sondern nur, warum die Wahl der AfD moralisch verwerflich sei. „Unsere Demokratie“ hat die Wähler so veralbert – und sie genau dorthin getrieben, wo „Unsere Demokratie“ sie gerade eben nicht haben wollte.

Damit haben alle anderen Parteien bis zum letzten Tag Wahlkampf nicht gegen, sondern für die AfD gemacht. Wer Millionen Bürgern erklärt, ihre Wahlentscheidung sei unanständig, überzeugt sie nicht. Er treibt sie erst recht zur Urne. Sogar mit Rekord-Wahlbeteiligung.

Sowas kommt von sowas.

620.000 Euro gegen ein Kreuz

Die linke Aktivistentruppe „Campact“ investierte nach eigenen Angaben 620.000 Euro in eine Kampagne zur strategischen Wahl von SPD und Grünen. Rund 13.500 Plakate sollten eine AfD-Alleinregierung verhindern. Auch die unvermeidlichen Künstler und die üblichen Verdächtigen unter den „Prominenten“ warnten unter dem Motto „Wahre Heimatliebe ist nicht die AfD“.

Selbst der MDR griff in einem beispiellos dreisten Akt der Einmischung in den Wahlkampf ein. Fernseh- und Radioprogramm wurden kurz unterbrochen, der Bildschirm schwarz, der Äther stumm. Der Sender wollte zeigen, was nach einer Kündigung des MDR-Staatsvertrags drohe. Aus Information wurde eine Wahlkampfinszenierung in eigener Sache.

Diese Querfront hat jetzt die Quittung bekommen: Die AfD ist stärker als je zuvor.

Schwarz-Rot-Gold weggekärchert

Den Schlussakkord in diesem absurden Orchester lieferte Magdeburg. Kurz vor dem Wahlwochenende versuchte eine Reinigungsfirma hektisch, auf den Gehweg am Domplatz gesprühte Deutschlandflaggen zu entfernen. Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt als Eigentümerin des Doms begründete das mit „Beseitigung von Graffiti“.

Deutschlandfahnen. Schwarz-Rot-Gold.

Politisch wirkte das noch einmal besonders verheerend: Während auf dem Platz ein großes Festival gegen die AfD vorbereitet wurde, bekämpften Reinigungstrupps die deutschen Nationalfarben mit dem Hochdruckreiniger. Eine bessere Wahlwerbung hätte die AfD kaum bestellen können.

Magdeburg hat die Republik schon jetzt verändert – egal, wer am Ende die Landesregierung bildet. Die neue Volksfront zur Verhinderung der AfD ist gescheitert – selbst dann, wenn sie sich diesmal noch mit ein paar Mandaten über Wasser halten sollte.

Der Wähler hat gesprochen. Was haben die Parteien von „Unsere Demokratie“ gehört?

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Kommentare ( 24 )

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Ohanse
23 Minuten her

Die CDU-Mitläufer im Bundestag können sich bei ihren Parteigenossen in Sachsen-Anhalt schon einmal erkundigen, wie das so ist, das Büro räumen zu müssen und den Ausweis zu verlieren, nur weil man zu lange am falschen Vorsitzenden festgehalten hat. Da werden wohl viele jetzt schon anfangen zu zittern.

Else Schrammen
59 Minuten her

Der Wähler hat noch nicht laut genug gesprochen, es könnte sein, dass seine Stimme gegen die Kakaphonie „unserer“ Demokraten nicht ankam, überhört oder von denselbigen bewusst ignoriert wird. Die Brandmauer-Bewacher werden alles daran setzen, um eine Regierung der AfD zu verhindern. Und wenn sie bis in die Hölle gehen müssen, um den Teufel zu einem Pakt zu überreden. Halt, was heißt hier überreden? Der steht schon bereit, Gewehr bei Fuß!

Raul Gutmann
1 Stunde her

Angesichts des nahezu doppelt so hohen Wahlergebnisses gegenüber den letzten Prognosen für die GRÜNEN waren die von der linken Aktivistentruppe „Campact“ investierten 620.000 Euro offensichtlich erfolgreich, hinzu kam der Einsatz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Cem Özdemir.
Da das BSW eine Schöpfung gegen AfD ist – auf Landesebene gebraucht, auf Bundesebene ausgeschlossen -, wird es in den Landtag einziehen. Hierdurch wird sich eine informelle Kollaboration der Kartellparteien wider den Nutzen des Landes Sachsen-Anhalt formieren.

Last edited 1 Stunde her by Raul Gutmann
Kassandra
1 Stunde her

Gegen solch AgitProp solchen Erfolg zu erzielen –
Merkels Macht scheint gebrochen!
Trotz Stars und Sternchen, die sich erneut vor den maroden Karren einer Politik gegen Deutschland und die Deutschen haben spannen lassen. Pfui Teufel.

wegmitdenaltparteien
1 Stunde her

Der Landtag dort hat 83 Sitze, die absolute Mehrheit liegt dementsprechend wohl bei 44 Sitzen.

Richard Kaufmann
1 Stunde her

Wo ist denn unser Merkel? Die Wahl muss für ungültig erklärt werden. Die kann das. Die von der … dingsda kann es auch, hat sie in Rumänien bewiesen.

Konradin
1 Stunde her

Die CDU wollte die AfD halbieren.
Nun hat die AfD die CDU halbiert.
Bei 18% wird die CDU(inkl. CSU) innerhalb der nächsten Wochen auch bundesweit stehen.
Noch nie hat eine der ehemals großen Altparteien CDU oder SPD bei einer Landtagswahl mehr als 50% der Stimmen verloren.
Dieser Rekord ist allein Merzens Werk. Eine Zäsur. Niemand will Merz mehr sehen.

Ohanse
21 Minuten her
Antworten an  Konradin

Sie werden sich wundern: Die Bundestagsabgeordneten verlieren lieber selbst ihren Stuhl, als Merz den seinen vor die Tür zu stellen. Da ist viel Dummheit in der Union. Und die sitzt tief und fest.

Bernd Bueter
1 Stunde her

Sachsen-Anhalt wählt weiterhin SED Blockparteien.
Also nichts gelernt, nichts verstanden und geht damit unter!

Es ist und kann nicht Aufgabe der AfD sein, die Massenverblödung der Wahlbevölkerung „zu korrigieren“, da das unmöglich ist.

Jatoh
1 Stunde her

Die Diffamierung der Andersdenkenden gab den Ausschlag.

LiKoDe
1 Stunde her

Die CDU-Führung in Sachsen-Anhalt muss sich fragen lassen, warum es Hrn. Reiner Haseloff nicht möglich war, das Amt des Ministerpräsidenten zwei Jahre früher aufzugeben, damit ein Nachfolger 2 1/2 Jahre eigene Politik hätte manchen können.

Ohanse
20 Minuten her
Antworten an  LiKoDe

Wozu denn noch? In vier Jahren gibt es die CDU doch ohnehin nicht mehr. Dafür arbeitet Friedrich Merz doch jeden Tag.