Auch nach der Sommerpause wollen Buhrufe und Pfeifkonzerte für Merz nicht abnehmen

Friedrich Merz will nach drei Wochen Sommerferien wieder einsteigen und wird im vom Waldbrand gezeichneten Hürtgenwald mit Pfiffen und Buhrufen empfangen. Die Kritiker kanzelt er als „Herumschreier“ ab. Anschließend liefert er, ganz in „links ist vorbei“-Manier, noch eine Klimawandel-Predigt.

picture alliance/dpa | Christoph Reichwein

So hatte sich Friedrich Merz die Rückkehr aus seinen Sommerferien vermutlich nicht vorgestellt. Seit dem 29. Juli hatte sich der Bundeskanzler mit Umfragewerten im Keller nicht mehr öffentlich gezeigt. Sommerferien müssen auch in der größten Staatskrise möglich sein.

Für seinen Wiedereinstieg nach der unverdienten Sommerpause wählte Merz Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen. Dort war wenige Tage zuvor der größte Waldbrand in der Geschichte des Landes gelöscht worden. Rund 1.800 Menschen mussten wegen des Feuers zeitweise ihre Häuser verlassen. Hunderte Hektar Wald wurden beschädigt. Die Einsatzkräfte kämpften tagelang gegen einen Brand, dessen Bekämpfung durch alte Weltkriegsmunition zusätzlich erschwert wurde. Merz wollte hier mit Outdoor-Jäckchen Volksnähe simulieren und den Einsatzkräften danken.

Aber schon während seiner Ansprache wurde immer lauter gepfiffen, Buhrufe gesellten sich hinzu. Merz mühte sich, gegen den Protest anzureden. Die Linke im Kreis Düren hatte zu einer Kundgebung aufgerufen. Unter den Demonstranten befanden sich auch Anwohner, die Merz’ lange Abwesenheit kritisierten. „Der Wald brennt und Friedrich pennt“, stand auf einem Plakat. Zumindest zeigte er sich nicht wie Emmanuel Macron in Frankreich während der Waldbrände auf einem Jet-Ski im Mittelmeer, der ebenfalls mit dem französischen Volkszorn zu kämpfen hat. Vielleicht können sich die beiden zu einer Selbsthilfegruppe zusammen telefonieren.

Der Vorwurf des verspäteten Besuchs hat dabei eine Einschränkung: Landrat Ralf Nolten erklärte, er selbst habe Merz gebeten, während des laufenden Einsatzes nicht anzureisen. Der Kanzler sollte erst kommen, wenn die Einsatzkräfte wieder Luft dafür hätten. Ja, das macht es natürlich immer besser, wenn ein Politiker mitsamt seines Reisetrosses anreist, durch die Gegend stapft, die Fotografen ihre Bilder machen lässt, paar leere Phrasen in die Mikros spricht und dann wieder abschwirrt. Immer wieder schön, dieser politische Hochwasser- und Waldbrandtourismus.

Die politische Pointe des Auftritts entstand deshalb an anderer Stelle. Merz hörte die Pfiffe und sagte, er lasse sich „von denen, die rumschreien, nicht beeindrucken“. Er spreche „mit denen, die helfen“. Der Kanzler im Herbst seiner Amtszeittage möchte festlegen, welcher Bürger Gesprächspartner ist. Der Helfer darf dazugehören. Der protestierende Bürger ist lediglich „Herumschreier“.

Ralf Nolten legte nach. Die Menschen, die dort riefen und pfiffen, sollten sich besser beim THW oder bei der Feuerwehr engagieren, so der Landrat. Merz applaudierte. Bevor hier jemand den Kanzler auspfeift, soll sich der- oder diejenige gefälligst mal nützlich machen.

Diese Haltung ist bemerkenswert bei einem Bundeskanzler, der auf Wochenbasis zusehen kann, wie die Zustimmung zu seiner Regierung wegschmilzt wie Eis in der Sonne. Der Bürger soll einfach Union wählen, Steuern zahlen, Fresse halten.

Bei seinem Besuch in Hürtgenwald konnte man besichtigen, wie wenig von „Links ist vorbei“ übrig ist. Nach der Abkanzelung seiner Kritiker wechselte der Kanzler direkt in den vertrauten Belehrungsmodus: „Das ist der Klimawandel“, erklärte Merz mit Blick auf solche Großschadensereignisse. Die Bundesregierung werde „alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen“. Menschen, die den Klimawandel bestreiten, sollten sich ansehen, was in Hürtgenwald geschehen sei.

Die Ursache des konkreten Feuers war zu diesem Zeitpunkt weiterhin ungeklärt. Behörden prüfen menschliches Fehlverhalten. Fest steht, dass trockene Vegetation und hohe Temperaturen das Ausbreiten von Waldbränden begünstigen. Aber vorher muss schon menschliches Eingreifen oder Fehlverhalten wie Grillen oder Kippen oder Streichhölzer im Wald wegwerfen das zündende Element hierbei bilden.

Merz brauchte für seine politische Botschaft keine abgeschlossene Untersuchung (die in aller Regel auf menschengemachten Waldbrand zeigt). Der verbrannte Wald genügte ihm als Anschauungsmaterial: „Ich will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das ​genau an, was hier passiert ist!“ It’s the Klimawandel, stupid. Genau diese Art der öffentlichen Klimakommunikation gehörte jahrelang zum Repertoire von Grünen und öffentlich-rechtlichen Wetterkarten. In Hürtgenwald sprach Friedrich Merz wie einer, der sich in dieses Milieu ausgezeichnet assimiliert hat.

Nach der Sommerpause geht es genauso irrlichternd weiter wie davor. Knapp zwei Wochen vor den Landtagswahlen noch mal schnell alles geben.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 11 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

11 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Endlich Frei
10 Minuten her

Herr Merz reist doch viel lieber mit dem Geldköfferchen durch die Welt, macht auf dicke Hose und verteilt auf „Konferrenzen“ im Vorbeigehen Steuermilliarden.

Siggi
15 Minuten her

Hat der Bornierte immer noch nicht verstanden, dass er sich schleichen soll? Wie lange sollen wir Deutsche dem Antideutschkurs dieser Versagerregierung noch tatenlos zusehen?

Ende mit der Islamisierung unseres !! Landes.

AfD, für ein Leben in Würde, Sicherheit und Wohlstand.

Juri St.
18 Minuten her

Der sensible Fritz hat endlich die Ursache für seine Erfolglosigkeit und seine sinkenden Umfragewerte gefunden. Der Klimawandel ist schuld! Und der SPD und den Grünen in die Futt kriechen ist die Lösung. Da haben sich die drei Wochen Ferien für Fritz doch richtig gelohnt.

Alf
19 Minuten her

Aber vorher muss schon menschliches Eingreifen oder Fehlverhalten wie Grillen oder Kippen oder Streichhölzer im Wald wegwerfen das zündende Element hierbei bilden.
Genau,Hitze im Sommer allein genügt nicht, ein Feuer zu entfachen.
Auch bei der CDU (der Koalition der Herzen) brennt die Hütte.
Der „Klimawandel“ ist dafür nicht verantwortlich.
Es darf gelacht werden

Liberalo
21 Minuten her

Unser Sauerland-Pinocchio scheint mit frischem Elan aus der Sommerpause zurückgekommen zu sein. Auch von völliger Inkompetenz muss man sich schließlich mal erholen, um wieder nahtlos anknüpfen zu können. Jetzt warten alle ganz gespannt auf die bevorstehende Wählerbeschimpfung am 06. September…

Jens Frisch
40 Minuten her

„Das ist der Klimawandel“, erklärte Merz“
Aha – explodierende Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ist jetzt auch Klimawandel! Da zitiere ich doch Marge Simpson:
„Das ist so bescheuert, das muss die Wahrheit sein!“

Nibelung
41 Minuten her

Dieser feine Herr ist unten durch und glauben kann man ihm erst, wenn er die Roten verläßt, die Kommunisten generell links liegen läßt und nach rechts abbiegt und solange er das nicht macht ist alles was er verkündet nur hohles Gewäsch und wäre auch nicht verwunderlich, wenn sich in dieser Hinsicht auch nichts ändert.

alter weisser Mann
47 Minuten her

Die Bundesregierung werde „alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen“.

Der Scheinriese hat gesprochen. Die können zwar den Klimawandel, an dessen „menschengemacht“ sie glauben, nicht aufhalten, aber zurückdrängen, das wird schon gehen. Das kann man sich nicht ausdenken, das muss man vorgeführt bekommen, diese völlig hohle Hybris.

Flavius Rex
53 Minuten her

Ist und bleibt ein ***

Judith Panther
53 Minuten her

„Das ist der Klimawandel!“ Merz ist ja bekannt dafür, daß er immer die Ansichten seiner jeweiligen Gesprächspartner übernimmt wie ein Chamäleon die Farben seiner Umgebung. Wenn der nach einer Weile von einem Gespräch mit Trump alleine aus dem Oval Office rauskäme, heißt es deshalb, wäre Deutschland Bundesstaat Nr. 51. Drum tippe ich auf ein kürzliches Treffen mit Habeck, daß er jetzt den Klimawandel beschwört, als hätte er ihn selbst erfunden. Am 25.10. 2025 z.B. stand hier folgendes: „Roman Herzog hat 1997 im Adlon eine Rede gehalten. Durch Deutschland müsse „ein Ruck gehen“ Nun will Friedrich Merz auch eine Ruckrede halten“.… Mehr