AfD bei Forsa auf Allzeithoch – Merz wird für die CDU zum Absturzkanzler

Forsa misst die AfD bei 28 Prozent und damit auf neuem Allzeithoch. Während die Union bei 22 Prozent feststeckt und die Kompassnadel weiter Richtung Süden zeigt, rückt Alice Weidel im INSA-Ranking vor Söder. Merz wird für die CDU zur Überlebensfrage.

picture alliance / Metodi Popow

Die nächste Umfrage, der nächste Absturz, die nächste Beschwichtigung aus dem abschmierenden Maschinenraum einer Partei, die sich immer noch einredet, sie regiere dieses Land. Forsa misst die AfD nun bei 28 Prozent. Das ist für dieses Institut ein neues Allzeithoch auf Bundesebene. Die Union steht bei 22 Prozent. Sechs Punkte Abstand. Aus dem Kanzlerwahlverein CDU/CSU ist unter Friedrich Merz eine Partei geworden, die der eigenen Niederlage beim Wachsen zusieht.

Noch härter trifft die Union der zweite Wert. Bei der politischen Kompetenz liegt die AfD inzwischen ebenfalls vor CDU und CSU. 15 Prozent trauen ihr am ehesten zu, die Probleme des Landes zu lösen, der Union nur noch 13 Prozent. Für eine Partei, die jahrzehntelang vom Versprechen lebte, Ordnung, Stabilität und Regierungsfähigkeit zu verkörpern, ist das der Verlust ihres letzten politischen Besitzstandes. Nun ja, aber auch kein Wunder. Das letzte Tafelsilber ist ausverkauft – und die Schwiegermutter will kein Mensch.

Friedrich Merz steht im Zentrum dieser Entwicklung. Nur noch 14 Prozent der Bürger sind mit seiner Arbeit zufrieden (leben diese Personen wirklich im gleichen Land?), 85 Prozent unzufrieden. Selbst in den eigenen Reihen ist die Lage gekippt: 57 Prozent der Unionsanhänger sind mit dem Kanzler nicht zufrieden. Ein CDU-Kanzler, den die Mehrheit der eigenen Wähler ablehnt, ist als Regierungschef keinen Tag länger haltbar. Er ist ein politischer Haftungsfall.

Nun kommt noch das neue INSA-Politikerranking für Bild hinzu. Alice Weidel springt dort von Rang acht auf Rang vier, erreicht 4,0 Punkte und zieht an Markus Söder vorbei. Vor ihr liegen nur noch Boris Pistorius, Cem Özdemir und Hendrik Wüst. Merz dagegen bleibt mit 2,7 Punkten auf dem letzten Platz des Rankings, noch hinter Jens Spahn. Die Union verliert also nicht nur gegen die AfD als Partei. Ihre Führungsfigur verliert auch im direkten Bild der handelnden Personen.

Man muss diese Werte präzise lesen: Im ZDF-Politbarometer steht Weidel weiter am Ende der Top Ten, das Bild ist also nicht bei jedem Institut gleich. Aber gerade deshalb ist das INSA-Ranking politisch so katastrophal für die Union. Es zeigt, dass die AfD nicht mehr nur als Protestadresse wirkt. Ihre Vorsitzende wird in einem vielbeachteten Ranking plötzlich vor dem CSU-Chef und vor fast der gesamten Unionsspitze einsortiert. Merz bleibt dort Schlusslicht. Das ist für die CDU kein Warnsignal mehr, das ist ein Befund.

Die Forsa-Zahlen stehen ohnehin nicht allein. INSA sah die AfD zuletzt bei 29 Prozent und die Union bei 22 Prozent. Die SPD kam nur noch auf 12 Prozent, FDP und BSW lagen bei jeweils 3 Prozent. Schwarz-Rot kommt zusammen gerade noch auf 34 Prozent. Das ist keine Mehrheit im Land, das ist die Fortsetzung einer Regierung gegen die Stimmung im Land.

Auch der ARD-Deutschlandtrend meldete Anfang Mai erstmals die AfD vor der Union: 27 Prozent für die AfD, 24 Prozent für CDU/CSU, 12 Prozent für die SPD. Zugleich waren nur 13 Prozent mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden. In der Geschichte des Deutschlandtrends seit 1997 wurde nach dem ersten Amtsjahr keine Bundesregierung so schlecht bewertet wie diese schwarz-rote Regierung.

Dazu kommt die Stimmung im Land. 84 Prozent der Befragten sorgten sich laut INSA um Deutschland, 64 Prozent trauten keiner denkbaren Koalition zu, die Probleme zu lösen. Falls die angekündigten Reformen scheitern, wollten 67 Prozent Merz als Kanzler ausgetauscht sehen, darunter 46 Prozent der Unionswähler. Das ist kein Kommunikationsproblem. Das ist ein Urteil.

Die CDU kann sich nicht länger hinter der alten Formel verstecken, Umfragen seien keine Wahlen. Richtig. Aber Umfragen messen politische Erschöpfung. Und sie zeigen seit Wochen immer in dieselbe Richtung: Die AfD steigt, die Union verliert, die SPD bleibt im Keller, Merz wird zur Belastung. Wer daraus nur ableitet, man müsse die eigene Botschaft besser erklären, will die erklärte Botschaft der Bürger nicht verstehen. Die Zeichen stehen hier nicht auf Unzufriedenheit, sondern nunmehr auf „Hau ab!“

Merz ist auf ganzer Linie gescheitert. Er versprach einen Kurswechsel und lieferte Schwarz-Rot, statt versprochener Entlastungen gibt es immer neue Zumutungen. Während er den Steuerzahlern seine Friseurkosten aufbürdet, redet er davon, dass die Deutschen mehr arbeiten sollen. Ihr da in der Galeere: rudert schneller, der Chef will Wasserski fahren!

Er versprach bürgerliche Politik und bindet seine Partei an eine SPD, die selbst nur noch von der Erinnerung an frühere Macht lebt. Für die CDU wird die Frage damit brutal einfach: Will sie Friedrich Merz retten oder sich selbst? Beides zusammen geht immer weniger. Eine Partei, die mit 22 Prozent hinter der AfD liegt, deren Kanzler im eigenen Lager keine Mehrheit mehr überzeugt und deren Koalition von fast der Hälfte der Bürger vorzeitig beendet werden soll, kann nicht so tun, als sei alles nur eine raue Phase. Laut INSA wünschten sich 49 Prozent ein vorzeitiges Ende von Schwarz-Rot vor 2029, nur 32 Prozent wollten diese Koalition weiterregieren sehen.

Die Union hat Merz lange als letzten Ausweg verkauft. Jetzt wirkt er wie die Endstation eines jahrzehntelangen Betrugs der Partei am Wähler. Die Partei wollte nach Merkel wieder konservativ klingen, ohne entsprechend zu handeln. Sie pflegt die Brandmauer, wundert sich über den Aufstieg der AfD (die Fritze Merz halbieren wollte) und lässt sich zugleich von der SPD in eine Politik treiben, für die sie nie gewählt wurde. Das Ergebnis hat sie nun in Prozentzahlen vorliegen.

Merz wird die CDU nicht aus diesem Loch führen. Er ist Teil des Lochs. Jede weitere Woche mit ihm an der Spitze nährt die Bestätigung, dass diese Partei nur noch Angst vor der eigenen Lage hat. Angst vor der Wahrheit, dass ihr Kurs die AfD nicht schwächt, sondern stärker macht. Angst vor der Einsicht, dass Wähler sich nicht endlos beschimpfen, belehren und ignorieren lassen.

Die Frage lautet deshalb nicht mehr, ob Friedrich Merz beschädigt ist. Die Frage lautet, wann die CDU ihn über Bord wirft. Vermutlich ist sie dazu gar nicht mehr in der Lage. Als Teil des „UnsereDemokratie“-Kartells ist sie vermutlich nur noch dazu fähig, den Willen der Wähler so lange wie möglich zu ignorieren, einen bevorstehenden Machtwechsel möglichst lange hinauszuzögern und so dreckig wie möglich zu gestalten. Dieser CDU wird am Ende so niemand eine Träne nachweinen.

Eine Regierung, die nach einem Jahr so tief im Misstrauen steckt, hat kein moralisches Recht, sich bis 2029 durchzuschleppen. Wenn Merz fällt, darf nicht nur der nächste Name aus dem Apparat nachrücken. Dann müssen Neuwahlen her.

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Kommentare ( 27 )

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Spyderco
1 Stunde her

,,Merz wird für die CDU zur Überlebensfrage“

Interessant.
Ich hatte vermutet ,es sei die linksgrüne Politik der Union ,von Messermigration über Klimareligion bis Steuermilliarden für Afghanistan bis Ukraine, die zur Überlebensfrage wird?!

hoho
56 Minuten her
Antworten an  Spyderco

Die Liste ist so lang, man fängt dann mit merz, schaut sich das ganze an und stellt fest – Fritze ist genug. Sie haben aber Recht – wenn wir seine Kanzlerschaft überleben (was wegen seiner Kriegstreiberei gar nicht so sicher ist), werden die Scharen der Redakteuren und Leser von TE wieder Union wählen. Alle andere werden wahrscheinlich die Partei verlassen und hier werden sich wieder nach der Wahl welche beschweren, dass die Parteiführung sie wieder verraten hat. Das wird schon sich irgendwann ändern aber nicht zeitnah. Übrigens die Hoffnung, dass die AfD das Land aus dem Mist ziehen kann, wir… Mehr

na sowas
34 Minuten her
Antworten an  hoho

Erst einmal die EU reformieren, klappt das nicht – raus aus der EU, Grenzen dicht, Illegale, Kriminelle „Gäste“ abschieben, Gas von Russland beziehen, alle Ukrainer zurückschicken, usw., ist gar nicht so schwer

Delegro
40 Minuten her
Antworten an  Spyderco

Die CDU ist inhaltlich vollständig entkernt. Es gibt die „alte“ CDU vor Merkel nicht mehr. Der konservative Geist der Mitte ist schon längst aus der Flasche und im Universum verschwunden (oder zur AfD gewechselt). Die CDU ist rot/grün. Ganz und ganz. Im Ergebnis könnte man die CDU/CSU, SPD, Grüne und die Linke auflösen und in eine Partei überführen. Die sozialistische Einheitspartei Deutschland (SEPD). Die Büsten von Brandt und Adenauer kann man vernichten. Einzug hält dort die Büste von Erich Honecker. Vergesst die CDU. Dort schlummert nicht mehr die Kraft, wieder zu den alten (konservativen -heute rechtsradikalen-) Wurzeln zurückzufinden. Wer soll… Mehr

Jens Frisch
40 Minuten her
Antworten an  Spyderco

Als Adenauer abdankte sagte er: „Was soll aus Deutschland werden, wenn ich nicht mehr bin?“ Schon Merkel fragte sich: „Was wird aus mir, wenn Deutschland nicht mehr ist?“

babylon
8 Minuten her

Merkel erhält heute in Straßburg einen „Europäischen Vedienstorden“ der zum ersten Mal verliehen wird. Hätte die AfD einen Verdienstorden zu vergeben für besondere Leistungen zum Wohl der blauen Partei, Angela Merkel hätte ihn ebenfalls mehr als verdient. Sie ist sozusagen die Mutter oder noch präziser die Gebärmutter und dazu Amme der AfD. Die entsprechenden Punkte sind leicht aufzuzählen. Beseitigung aller Konservativen aus der CDU, Sozialdemokratisierung und Vergrünung, Euro-Rettung entgegen der Mastricht Regularien, Grenzöffnung und unregulierte Masseneinwanderung seit 2015, Zerstörung der AKW´s, gescheiterte Energiewende mit Folge der höchsten Preise für Energie in Europa, daraus folgende Deindustrialisierung Deutschlands mit Massenentlassungen, zerfallende Infrastruktur… Mehr

Dieter Rose
25 Minuten her

Jnd nicht zu vergessen, an die 72% Blockparteien, wenn man die „Anderen“ auch zu denen zählt!

M. Stoll
26 Minuten her

Die echten Probleme dieses Landes und der CDU als staatstragender Partei kamen nicht mit Merz und werden auch nicht mit ihm zusammen verschwinden.
Seit vielen Jahren werden die Probleme ausgesessen und bewusst übersehen:
Demografie, Verlust des Bildungsvorsprungs, Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China und anderen, …
Die letzten halbherzigen Reformen gab es unter Kanzler Schröder gegen seine eigene reformunfähige Partei !!
Seit Merkel wurden keine Probleme gelöst, sondern neue geschaffen:
Ungezügelte Migration, Energiekrise, Inflation, Explosion der Bürokratie, …
Das ehemalige Erfolgsmodell Deutschland ist jetzt einfach am Ende:
Durch linke Idioten (inkl. CDU) kaputtgewirtschaftet.

Lars Baecker
27 Minuten her

Man muss das gar nicht nur an Merz festmachen. Die CDU wird für sich selbst zur Überlebensfrage. Denn egal, wen sie nach Merz aufstellt, die potenziellen Personen sind doch alle belastet. Ob Maskenmann Spahn, Sozialist Wüst, Freiheitsgegner Günther oder der Opportunist Söder. Alles keine überzeugenden Typen. Da die Partei nicht den Willen zum Umsteuern hat, und nichts anderes verlangt der Wähler, je mehr er die schlechten Umstände dieses Landes wahrnimmt, ist sie dem Untergang geweiht. Und ehrlich gesagt, ist es um sie nicht schade. Denn es ist nicht mehr die Partei Adenauers, Erhardts oder Kohls, die zu retten es Wert… Mehr

Harry Charles
31 Minuten her

UND WER KOMMT NACH MERZ? Das Problem der CDU ist ja nicht Merz, das Problem der CDU ist die CDU. Man ist einfach nicht willens oder in der Lage zuzugeben, das man mit der linksgrünen Grundausrichtung ( die obendrein auch noch höchst verlogen ist, denn sie dient ja nicht der Sache, sondern nur dem Machterhalt, in dem Glauben von einem Trend zu profitieren, der längst keiner mehr ist) einem kolossalen Aprilscherz, soll heißen einer kolossalen Fehlausrichtung aufgesessen ist. Und dann: Politik lebt auch im Digitalzeitalter von Persönlichkeiten. Als AfD-Mitglied kann ich zwar jetzt nicht sagen, dass mich die CDU interessiert… Mehr

Juergen P. Schneider
33 Minuten her

Man wundert sich, dass nicht schon wieder das Verbotsgeplärr anhebt. Vereinzelte Verbotsfanatiker sind ja immer mal wieder zu hören, aber man hat sich in Teilen des Kartells von der generellen Verbotsfantasie gelöst und will nun über sonstige Schikanen, die einzige Volkspartei bekämpfen. Da werden noch alle möglichen dreckigen Tricks in der nächsten Zeit ausprobiert. Helfen wird es dem links-grünen Bankrottkartell wenig. Beim weiteren Abstieg Deutschlands werden wohl hoffentlich noch mehr Schlafmichel aufwachen.

Alf
43 Minuten her

Umfragen seien keine Wahlen. 
Nur, die Fragestellung gibt das Ergebnis der Umfrage vor.
Auch die Auswahl der zufällig (?) Befragten.
Wer Umfragen ernst nimmt, der trägt auch Jogginghosen.
Und „demokratische“ Wahlen wie z.B in Berlin, erledigen den Rest, die wirkliche Meinung des Volkes zu verfälschen.

Jens Frisch
44 Minuten her

Ich lese regelmäßig etwas von „Neuwahlen“ aber verstehe einfach nicht, was es bringen soll, wenn hinter der Brandmauer die Blockflöten rotieren.

Wir brauchen Tribunale – mit Merkel, Scholz, Lauterbach und Spahn sollte begonnen werden.

mediainfo
47 Minuten her

So ein Foto von Frau Weidel wäre im ÖRR und einschlägigen anderen Medien niemals ausgewählt worden. Auf dem sie wie ich finde sympathisch lächelt. Man hätte gesucht bis man ein Foto gefunden hätte an dem sie mit offenem Mund abgebildet ist, anscheinend verärgert, tendenziell unsympathisch. Genau wie man es mit anderen Protagonisten die nicht sympathisch erscheinen sollen, wie US-Präsident Trump, auch macht.

eisenherz
48 Minuten her

Bei den Zerstörungen über Jahre, welche die Alt-Parteien und die Grünen angerichtet haben, teilweise irreparabel, da befürchte ich das die AfD auch bei bestem Spitzenpersonal die Trümmerlandschaft nicht zu beseitigen schaffen wird und ein „Auferstanden aus den Ruinen“ gleich gar nicht. Wenn die AfD es über Koalitionen in eine Regierung schafft. Ihr die absolute Mehrheit gelingt. Sie angesichts dieser Lage scheitern muss, um am Ende den „Schwarzen Peter“ in der Hand zu behalten. Man kann spekulieren das die Volksfront es gerade darauf anlegt, wie die AfD an der Drecksarbeit scheitert, um danach die AfD als die Täter besser vernichten zu… Mehr