Selbständige fürchten um ihre Existenz

Jeder fünfte Selbständige in Deutschland sieht aktuell seine Existenz in Gefahr. Da Selbständige früher auf Abschwünge als große Konzerne reagieren sind sie eine Art Frühwarnsystem der Wirtschaft.

IMAGO

In einer Erhebung des Münchner Ifo-Instituts gaben 20,6 Prozent der Selbständigen an, sich akut um ihre wirtschaftliche Zukunft zu sorgen. Damit liegt der Wert deutlich über dem Anteil in der Gesamtwirtschaft (8,1 Prozent im April).

„Die Kombination aus Auftragsmangel und wachsender Unsicherheit belastet die Selbständigen zunehmend“, sagte Ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. Knapp der Hälfte der Befragten (48,4 Prozent) fehlten im April Aufträge, nach 46,6 Prozent im Januar. Der Anteil ist bei Soloselbständigen und Kleinstunternehmen höher als in der Gesamtwirtschaft mit 39,0 Prozent. „Viele Unternehmen halten sich bei Aufträgen zurück, gleichzeitig bleibt die Konsumlaune gedämpft“, so Demmelhuber.

Diese Entwicklung schlägt auch auf den Arbeitsmarkt durch. Der Begriff Selbstständige ist weit gefaßt. Danach arbeitet die Hälfte der so statistisch erfaßten ohne Mitarbeiter. Aber Arztpraxen, Steuerberatungen, Ingenieurbüros oder kleine Produktionsfirmen beschäftigen Angestellte und Mitarbeiter. Im Schnitt beschäftigt jeder „Selbständige“ drei Mitarbeiter. Sie sind besonders hart von der zunehmenden Bürokratielast betroffen: Hier fehlen die Spezialisten, die in großen Unternehmen die vielen neuen Regelungen und Vorschriften abarbeiten können, die jedem wirtschaftlichen Tätigen aufgedrückt werden. Selbstständige verzweifeln oft an den hunderten von Seiten für die neueste Idee, die in Brüssel geboren und in Berlin Gesetz wurde.

Während Großunternehmen zudem leichteren Zugang zum Kapitalmarkt haben, scheitern viele Selbstständige auch bei kurzfristigen Flauten. Zudem sind sie oft als Zulieferer oder Dienstleister beauftragt – und verlieren diese Aufträge, wenn die in die Unternehmen zurückgeholt werden, um eigene Entlassungen zu verhindern.

Die angespannte Lage spiegelt sich auch im Geschäftsklima wider: Der „Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex“ fiel von -20,8 Punkten im März auf -29,9 Punkte im April und erreichte damit einen neuen Tiefstand. Der Einbruch der Erwartungen hat sich fortgesetzt. Auch die Urteile zur aktuellen Lage fielen deutlich öfter negativ aus. Zugleich nimmt die Unsicherheit unter Selbständigen zu: 38,8 Prozent geben an, ihre künftige Geschäftsentwicklung im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld schwer einschätzen zu können, nach 36,4 Prozent im März. Das wiederum führt zum Abwarten: Staat zu investieren wartet man und verzichtet im Zweifel auf einen Auftrag, der größere Inventionen in Mitarbeiter oder Ausstattung verlangt.

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Kommentare ( 4 )

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Alf
10 Minuten her

Seid nicht so larmoyant.
Augen auf bei der Berufswahl.
Wer gesichert sein will, sollte Politdarsteller werden. Ein Beruf mit Zukunft.
Politdarsteller haben bis zum Lebensende ausgesorgt.
Keine Angst, die Diätenerhöhung ist nur aufgeschoben.
Nur schlichte Geister lassen sich hier beeindrucken.
Aufgeschoben heißt nicht aufgehoben.

Dank Barkeit
18 Minuten her

Mein Bruder ist Hausarzt. 3 Arzthelferinnen. Arbeitet von morgens bis abends, muß nachts und am Wochenende in sogenannten Bereitschaftspraxen rumsitzen oder wird mit dem Auto hunderte Kilometer (!) pro Schicht zu Leuten gefahren, die nur zu faul sind, einen Verwandten zu fragen oder ein Taxi zu rufen. Seit 10 Jahren geht es bei zunehmender Nachfrage bei ihm bergab. Massenweise neue Vorschriften mehrfach im Jahr, irrsinnige Inflation ohne Ausgleich. Seine Gebührenordnung sei 30 Jahre nicht angepaßt…. Natürlich geht es ihm noch „besser“ als dem Hausarzt im Sudan oder dem Bürgergeldempfänger, der außer Zeit nicht viele Optionen hat, aber man merkt an… Mehr

baval
24 Minuten her

„Staat(sic!) zu investieren[…]“ was für ein belustigender Lapsus, oder doch ein freudischer Verschreiber. Wer in diesen quasi Kommunistischen Bankrotten ungedeckten Schulden und Subventions „Staat“ investiert, dem ist eh nicht mehr zu helfen und der sollte sich selbt in die Klappse einweisen.

Haba Orwell
25 Minuten her

> Da Selbständige früher auf Abschwünge als große Konzerne reagieren sind sie eine Art Frühwarnsystem der Wirtschaft. Westeuropa im freien Fall: >>>Stagflation in der EU: Brüssel schiebt alles auf den Krieg und verschweigt die eigene Zerstörungspolitik<<< > „… Das ist der klassische Abwärtsstrudel, den wir aus der Geschichte – vom spätantiken Rom bis zum Zusammenbruch von Imperien wie dem britischen – zur Genüge kennen. Brüssel versucht uns einzureden, der Krieg sei die Ursache. In Wirklichkeit ist der Krieg nur der Brandbeschleuniger für ein System, das sich durch ideologische Verblendung und ökonomische Inkompetenz längst selbst entzündet hat. …“ Dennoch wird die… Mehr