Steuerfreie Prämie auch für Grundsicherungsempfänger?

Auch Empfänger der künftigen Grundsicherung, die ein eigenes Arbeitseinkommen beziehen, sollen die geplante steuerfreie Entlastungsprämie erhalten können. Das weckt Unmut in Teilen der Union.

picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Die geplante steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1000 Euro soll nicht nur regulär Beschäftigten zugutekommen, sondern auch Empfängern der künftigen Grundsicherung, sofern sie eigenes Arbeitseinkommen beziehen. Das geht aus einem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen von Union und SPD hervor, der im Bundestag beschlossen werden soll, über den die Welt berichtet.

Es werde sichergestellt, dass „Leistungen, die Arbeitgeber – zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn – bis zu einem Betrag von 1000 Euro als Entlastungsprämie an ihre Arbeitnehmer (…) gewähren, bei Beziehern von Leistungen nach dem SGB II nicht als Einkommen berücksichtigt werden“, heißt es laut Welt in dem Entwurf.

Die Zahlung der Arbeitgeber soll bei Beziehern von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II nicht als Einkommen angerechnet werden. Wer aufstockende staatliche Hilfe erhält und zugleich arbeitet, könnte die Prämie zusätzlich zum Lohn und zusätzlich zur staatlichen Leistung in voller Höhe behalten.

Damit wären vor allem sogenannte Aufstocker erfasst, also Beschäftigte, deren Einkommen nicht ausreicht, um ihren Lebensunterhalt vollständig selbst zu bestreiten. Dabei soll es sich um rund 810.000 Menschen handeln, die häufig in Teilzeit, im Niedriglohnbereich oder in geringfügiger Beschäftigung arbeiten. Der Staat unterstützt diese Gruppe bereits heute mit erheblichen Summen, bezahlt Kaltmieten, Neben- und Heizkosten; insgesamt liegen die Kosten bei rund sieben Milliarden Euro pro Jahr.

„Es ist nachvollziehbar“, zitiert die Welt ein Mitglied des Fraktionsvorstands der Union, „dass beispielsweise eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern das Geld brauchen kann. Und es ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn ihr Arbeitgeber ihren Einsatz mit der Prämie honorieren möchte“.

Ab Juli soll die Grundsicherung das bisherige Bürgergeld ablösen. Nach dem Gesetzentwurf würden dann auch diese Empfänger von der neuen Entlastungsprämie profitieren, sofern ihr Arbeitgeber sie auszahlt.

Laut Koalition soll die Prämie vor allem dazu dienen, die Belastungen durch gestiegene Energiepreise abzumildern, insbesondere bei Benzin und Diesel – zu zahlen von den Arbeitgebern. Großherzig würden dann Merz, Klingbeil & Co auf die Steuer darauf verzichten.

Neu ist nun, dass dieser Betrag bei Aufstockern eben nicht auf die staatliche Leistung angerechnet werden soll. Genau dieser Punkt sorgt in der Union für Unmut.

Mehrere Abgeordnete zeigten sich laut Bericht überrascht, weil ihnen diese Regelung in dieser Form zuvor nicht bekannt gewesen sei. Ein Arbeitnehmer ohne staatliche Leistungen könnte leer ausgehen, wenn sein Arbeitgeber keine Prämie zahlt. Ein „Aufstocker“ mit wenigen Arbeitsstunden könnte sie dagegen zusätzlich zu seinen Transfers erhalten.

In Teilen der CDU wächst der Ärger. Dabei geht es nicht nur um den Inhalt, sondern auch um das Verfahren. Mehrere Unionspolitiker kritisieren, die Regelung sei im kleinen Kreis vorbereitet und der Fraktion anschließend präsentiert worden.

Zugleich steht die gesamte Entlastungsprämie ohnehin massiv in der Schusslinie. Die Unternehmen, die gegen schlechte Geschäftszahlen ankämpfen müssen, fürchten, dass mit der Ankündigung neue Erwartungen bei den Beschäftigten geweckt werden, die sie kaum erfüllen können. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sprach bereits davon, viele Handwerker empfänden die 1000 Euro als Hohn, weil die Last am Ende bei den Unternehmen abgeladen werde.

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Kommentare ( 14 )

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alter weisser Mann
1 Stunde her

Der Staat ist völlig aus dem geistigen Ruder gelaufen. Seinen Bediensteten (Polizei u.a.) will er nix zahlen, den Subventionierten und Dahergelaufenen schon.

KoelnerJeck
1 Stunde her

Jeder der, sein Geld vom Staat bezieht, bezahlt im Grunde genommen netto keine Steuern: Politiker, Beamte. Reine Bilanzkosmetik. In einer Welt ohne Steuern würden sie was bekommen: Nichts.

GermanMichel
1 Stunde her

Bla bla bla …

Zusammenfassend:

– gefordert wird ausschließlich von Deutschen und produktiven Ausländern.

– gefördert wird ausschließlich linkes gesinnungstreues Gesocks und parasitäre Ausländer die Deutschland hassen.

November Man
1 Stunde her

Die 1000 Euro Prämie bekommen zum Schluss vermutlich alle, Beamte, Bürgergeldempfänger, Migranten, Politiker und einige andere. Nur die Rentner nicht und selbstverständlich die nicht, die diese Ungerechtigkeit bezahlen, erarbeiten und erwirtschaften müssen.  

Holger Wegner
1 Stunde her

Das war doch beim letzten mal auch schon so, keine Anrechnung auf Hartz, Wohngeld etc.

E.Frei
2 Stunden her

Nur kein Neid, das ist doch Glücksökonomie pur nach dem „Wer teilt hat mehr“-Prinzip, das man schon den Kindern im Kindergarten beibringt und sich dann später wundert, warum so viele Kinder es nicht so genau nehmen, mit arithmetischen Tatsachen.

Julius Schulze-Heggenbrecht
2 Stunden her

Arbeitgeber sollen also nach dem Willen der derzeitigen Regierung ihren Angestellten eine „Prämie“ in Höhe von 1000,- Euro zahlen. Zur „Entlastung“. Sollen die Arbeitgeber dazu gesetzlich verpflichtet werden? Auf welcher Rechtsgrundlage? Wenn es keine gesetzliche Verpflichtung dazu gibt – WARUM sollten Arbeitgeber dann eine solche Prämie zahlen? Haben Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch darauf? Nein? Was soll dann diese ganze Aktion? Ach soooo – die Regierung Merz/Klingbeil will dann mit dem Finger auf die bösen Arbeitgeber zeigen und sagen: „Seht ihr, liebe Bürger, WIR wollen euch ja entlasten, aber DIE machen nicht mit!“

Schwabenwilli
2 Stunden her

„„Die SPD ist Anwalt jener geworden, die zwar essen, aber nicht arbeiten wollen“
Der frühere SPD-Minister aus Mecklenburg-Vorpommern, Mathias Brodkorb, erklärt, warum der Staat zunehmend als „Gesinnungspolizei“ auftritt. Methoden, die ihn an Orwell erinnern.“

https://www.berliner-zeitung.de/article/brotkorb-der-staat-darf-sich-nicht-dafuer-interessieren-was-man-denkt-sondern-nur-dafuer-was-man-tut-ich-mache-meine-vorschlaege-nicht-von-adolf-hitler-abhaengig-es-gehoert-zur-politik-dazu-dass-man-robuste-meinungsaeusserungen-aushaelt-10031631

Siggi
2 Stunden her

Auch in NRW ist nun die AfD deutlich auf Platz 2.Diese Regierung versteht es wirklich, alles falsch zu machen. Kein Wunder bei den Schnarchnasen. Die Wahlen im Herbst werden den Altparteien einen Schock verpassen. Es dauert nun nicht mehr lange bis zur Machtprobe zwischen denen und uns. Die Verzweiflung und Ratlosigkeit steht den Verantwortlichen ins Gesicht geschrieben. Die geschmierten Medien werden immer aggressiver gegen Kritik an den Tätern und der schmierigen Berichterstattung. Gut so. Sobald der Landen steht, und das wird er bald, kommt der Hass.

Punti
2 Stunden her

Arbeitslose, Aufstocker und Geringverdiener, Schüler, Studenten und Rentner brauchen sicher am dringendsten eine Entlastung. Dass das in der Union nicht gefällt, wundert nicht. Da wird die Anmut der Armut verehrt, selbstverständlich nur die der anderen. Und über den eigentlichen Skandal, dass arbeitende Menschen in Deutschland auf zusätzliche Unterstützung angewiesen sind, oder dass wir für offiziell 5 Millionen Arbeitslose immerhin 500.000 offene Stellen im Angebot haben, mag sich schon lange keiner mehr echauffieren im besten Deutschland aller Zeiten.

Last edited 2 Stunden her by Punti
Chrisamar
1 Stunde her
Antworten an  Punti

„…die Anmut der Armut“
Danke für Ihren Kommentar. Sie haben es auf den Punkt gebracht.

Holger Wegner
1 Stunde her
Antworten an  Punti

Aufstocker sind in der Regel nur geringfügig beschäftigt oder haben überdimensional viel Familienangehörige ohne Einkommen. Viel Sprit für Fahrten zur Arbeit brauchen diese wie Schüler, Rentner etc. nicht. Und um die Spritpreise geht es momentan. Viele Sozialtransfers gibt es auch nicht, weil jemand drauf angewiesen wäre, sondern rein als Anreiz/Belohnung für doch ein wenig Eigenleistung obendrauf (auf den reinen Regelsatz)

Last edited 1 Stunde her by Holger Wegner