In vielen westlichen Staaten predigt die Politklasse die Sorge vor einem großen militärischen Konflikt: Einer Politico-Umfrage nach meint ein erheblicher Teil der Bevölkerung in den USA oder Frankreich, dass die Welt gefährlicher wird. In Deutschland fiel das Ergebnis aber anders aus.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Gavriil Grigorov
Die Ergebnisse von mehr als 2.000Befragte in jedem Land zeichnen in den meisten Nationen ein Bild zunehmender Unsicherheit: In vier untersuchten Staaten sind sich große Mehrheiten einig, dass sich die internationale Lage verschlechtert hat.
In den USA, Kanada, Frankreich und Großbritannien hält ein signifikanter Anteil der Befragten den Ausbruch eines dritten Weltkriegs innerhalb der nächsten fünf Jahre für wahrscheinlich oder zumindest möglich. Besonders deutlich ist der Stimmungswandel in den Vereinigten Staaten, wo die Zahl derjenigen, die einen großen Konflikt erwarten, innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen ist – von 38 auf 46 Prozent.
Analysten sehen in den meisten Nationen einen „dramatischen Stimmungsumschwung“: Noch vor einem Jahr sei die globale Sicherheitslage von vielen Menschen als angespannt, aber kontrollierbar wahrgenommen worden. Heute hingegen herrsche bei vielen Bürgern das Gefühl, dass internationale Bündnisse brüchiger werden und militärische Auseinandersetzungen näher rücken. Die anhaltenden Kämpfe in der Ukraine, geopolitische Spannungen im Nahen Osten und militärische Operationen in mehreren Weltregionen tragen zu dieser Wahrnehmung bei.
Besonders auffällig: In mehreren Ländern rechnen viele Befragte nicht nur mit regionalen Konflikten, sondern mit einer möglichen Ausweitung zu einem globalen Krieg. Auch in Großbritannien halten mehr als vierzig Prozent der Briten einen neuen Weltkrieg bis Anfang der 2030er-Jahre für wahrscheinlich.
In Deutschland hingegen zeigt sich ein anderes Bild: Hier überwiegt die Einschätzung, dass ein weltweiter Krieg in den nächsten fünf Jahren eher unwahrscheinlich ist, auch wenn die Sorge insgesamt zugenommen hat. So meinen nur 23 Prozent der Deutschen, dass ein III. Weltkrieg wahrscheinlich sein, im Vorjahr waren es noch 25 Prozent.
Gleichzeitig bestätigt die Umfrage die Existenz eines Spannungsfelds, das viele Regierungen vor schwierige Entscheidungen stellt: Zwar unterstützen in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Kanada Mehrheiten grundsätzlich höhere Verteidigungsausgaben, doch sobald konkrete Gegenmaßnahmen ins Spiel kommen – etwa höhere Steuern, zusätzliche Staatsschulden oder Kürzungen in anderen Bereichen – sinkt die Zustimmung deutlich.
Steuergeld für Waffenkäufe? Bereitschaft gesunken
Diese Haltung wurde besonders stark in Deutschland und Frankreich dokumentiert. Dort ist die Bereitschaft, mehr Geld für das Militär auszugeben, deutlich gesunken, sobald Bürger erfahren, dass dies Einsparungen an anderer Stelle erfordern könnte. In Deutschland gehören Verteidigungsausgaben sogar zu den weniger beliebten Budgetposten, noch vor internationaler Entwicklungshilfe. Auch die Idee einer gemeinsamen EU-Armee stößt in beiden Ländern auf Skepsis und findet nur bei einer Minderheit Unterstützung.
Anders verhält es sich bei der Debatte über eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. In Deutschland und Frankreich befürwortet etwa die Hälfte der Befragten ein solches Modell. Dies deutet darauf hin, dass die Bevölkerung zwar ein stärkeres Sicherheitsgefühl wünscht, aber gleichzeitig unsicher ist, wie die finanziellen und strukturellen Konsequenzen aussehen sollen.
Auch das Vertrauen in internationale Akteure ist nicht einheitlich. Russland wird in vielen europäischen Ländern weiterhin als größte Bedrohung für den Frieden gesehen. Gleichzeitig betrachten manche Befragte die Rolle der USA kritischer als noch vor einigen Jahren. In Kanada etwa wird die US-Außenpolitik von Teilen der Bevölkerung als Risikofaktor für die globale Stabilität eingeschätzt.
Ein weiteres alarmierendes Ergebnis: In mehreren Nationen glaubt mindestens ein Drittel der Befragten, dass in einem künftigen Krieg auch der Einsatz von Atomwaffen möglich sein könnte. Diese Einschätzung unterstreicht die wachsende Besorgnis über eine Eskalation militärischer Konflikte.

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ich finde erstaunlich, dass das Narrativ die Russen stünden vor Deutschlands Grenzen bei Jüngeren verfängt, weniger bei den Ü60ern. So in meinem Bekanntenkreis.
Die Zustimmung für eine Wehrpflicht ist doch primär getragen von dem Wunsch, die Bundeswehr könne die Erziehungsdefizite korrigieren. Dabei wird nicht gesehen, dass auch die BW inzwischen woke und grün ist.
Der Krieg ist die Lösung! Wie so oft an dieser Stelle. Der Bürger wird medial drauf vorbereitet, das zeigt Wirkung. Schuld sind natürlich immer die anderen, wir sind die Guten. Das ist Propaganda, so, wie es immer war.
Angst vor einem möglichen III. Weltkrieg? Weit gefehlt, sehr reale Furcht vor einem Bürgerkrieg in diesem Lande. Diesen zu verhindern ist eine konkrete Aufgabe dieses Staates. Dafür brauchte es eine Wiedereinführung der Wehrpflicht für autochthone Bürger, Männlein wie Weiblein. Der Feind sitz millionenfach im Land samt des Wasserkopfes an seiner Spitze.