Allmählich frisst sich die Erkenntnis durch, dass es mit der deutschen Industrie zu Ende geht. Eine kurze Geschichte der Dummheit und des Niedergangs in Deutschland. Das Neue kann man nicht herbeisubventionieren – man muss Raum lassen statt regulieren und subventionieren.
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Eine der verhängnisvollsten Folgen grüner Politik ist die Zerstörung der Wirtschafts- und Innovationskraft der deutschen Wirtschaft. Die Zerstörung der Wurzeln unseres Wohlstands begann schon in den 1980ern Fahrt aufzunehmen. Die ersten Fraktionen der Grünen im Bundestag hatten Schilder an ihren Türen im Bonner Bundestag hängen, auf denen stand: „Hier kein Computer im Einsatz“. Grün war stolz auf die elektrische Schreibmaschine als letzten erlaubten Fortschritt der Informationstechnologie.
Es folgten ein breiter Kampf für Datenschutz, der mit dazu beigetragen hat, dass Deutschland beim Datenschutz führt und wenig Datenverarbeitung hat. Dabei waren die Chancen gut; Nixdorf aus Paderborn war ein innovatives Weltunternehmen. Apple-Gründer Steve Jobs klopfte an und bettelte um eine strategische Partnerschaft. Nixdorf war zu hochnäsig, die Personal Computer galten als Spielzeug fürs Kinderzimmer. Heute ist Nixdorf Hauptverwaltung für das Museum vertaner Chancen. Irgendwo in der Ecke wird ein Fahrrad ausgestellt – mit elektrischem Hilfsmotor. Auch große Geister wie Heinz Nixdorf denken im Kleinklein, bis es zu spät ist. Könnte sein, dass dieses Museum bald in jeder deutschen Stadt eröffnet werden kann. Gerne auch mit Filialen in Wolfsburg, Ingolstadt und Stuttgart, den früheren Hochburgen der Automobilindustrie.
Daten, Pharma, Energie
Dazwischen liegen die Siege der Grünen auch über die Pharma- und Energietechnik. Auch in der Kerntechnik war Deutschland an der Spitze. Auf das Allerbeste zeigte sich hier deutsche Ingenieurtradition: Präzision und Zuverlässigkeit zählen bei Technologien umso mehr, je höher ihr Gefährdungspotential ist. Die Physik der Kernspaltung ist universell, speziell ist der technische Umgang damit. Aber gut, Kernkraftwerke wurden trotz weitgehend störungsfreien Betriebs abgeschaltet und in die Luft gesprengt, Forschung blockiert, Technik nach Frankreich verkauft, Zukunftswege wie die Wiederaufbereitungsanlage für Kernbrennstoff gestoppt. Der risikominimierende Jülicher Kugelhaufen-Reaktor feiert mit zwei Jahrzehnten Verspätung seine Wiederauferstehung – in Südafrika. Seit dem Beginn der grünen Jahrzehnte hat sich Deutschland faktisch aus allen Bereichen der Forschung zurückgezogen.
Grüne Fortschrittsfeindschaft wurde Kennzeichen Deutschlands und durchzieht sämtliche Bereiche.
Das Ende von Höchst
In Frankfurt ließ sich Grünen-Chef Joschka Fischer dafür feiern, als hessischer Umweltminister die Biotechnologie-Anlage zur Herstellung von Insulin des damals global größten Pharmakonzerns Hoechst zum Stillstand gebracht zu haben. Hoechst verkaufte sich selbst an einen französischen Konkurrenten und von der alten Herrlichkeit des Weltkonzerns zeugen nur noch der alte Hörsaal im heutigen namenlosen „Industriepark“ ohne eigenständige Zukunft.
Kabelfernsehen und frühes Internet wurden verbissen blockiert, zwei oder drei Fernsehprogramme sollten reichen. Die funktionierende Eilbotenzustellung per Moped durfte nicht durch E-Mail gefährdet werden, erklärte der damalige postpolitische Sprecher der SPD, Peter Paterna. In den Zeitungen wurde der Bleisatz verteidigt, während in London die Macs Einzug hielten.
Die Regierung Helmut Kohl wurde im ständigen Kampf verschlissen, denn nach den Grünen übernahm zuerst die SPD und später große Teile der CDU die Feindschaft gegen jede Form neuer Technologie. Die Frage, ob man die gute alte Postkutsche in Telefon- und Briefdienst aufspalten darf, wurde verbissen geführt; Gewerkschaften, Siemens und Staatsunternehmen waren in einer unheilvollen Liaison verstrickt. Die Gewerkschaften kämpften für ihre Schalterbeamten, die Staatspost um ihre Existenz, und Siemens gegen die Digitalisierung. Man wollte als staatlich-monopolisierter Hoflieferant die Profite der alten analogen Telefonvermittlungsstellen absichern.
Der Irrtum von Siemens
Heute ersetzen kleine, schuhschrankgroße Kästen die klobigen, mehrstöckigen Vermittlungsbunker aus dem Hause Siemens, in die die Profite gewaltiger Größe eingefahren wurden. In den USA wurde das Telefonnetz digitalisiert, die Handy- und Netzwerktechnologie entwickelt, während Deutschland weiter die Wählscheibe am grauen Einheitstelefon drehte und sich darüber freute, dass es irgendwann auch grüne Telefone gab. Von Siemens.
Bosch hatte die weltweit wichtigsten Patente, aber verkauft sie. Handys waren suspekt, der Aufbau von Funkmasten fürs Handy führte zu lokalen Bürgeraufständen. Noch heute hängt Deutschland zurück, was Netzdichte, Qualität und Geschwindigkeit betrifft. Eine eigene Staatsministerin sollte das im letzten Kabinett Merkel modernisieren. Das wurde aber nichts. Dorothee Bär scheiterte und wurde für ihr Versagen jetzt Technologieministerin ohne Technologieverstand, aber das im Weltmaßstab.
Die letzte Säule abgewrackt
Die vergangenen Jahrzehnte sind eine einzige Geschichte der Zukunftsferne und Selbstzerstörung. Der letzte Sektor, in dem Deutschland führend war, die Automobilindustrie, musste final durch das Verbrennerverbot zerstört werden. Die Großanlagen der Chemie sind ohnehin nur noch von historischer Bedeutung, weil sie zwar teilweise noch laufen, aber nicht erneuert werden.
Nun war jedem klar denkenden Mensch bewusst, dass die Automobilwirtschaft ihren Höhepunkt längst überschritten hatte und billige Nachahmerprodukte ihren Dienst auch erfüllen, außer für die wenigen Kunden, die sich am Klang eines 12-Zylinders erfreuen können. Aber es war halt der letzte führende Sektor, der den modernen Maschinenstürmern zum Opfer fallen konnte.
Schauen Sie mal auf von Ihrem PC oder Handy: Woher kommen diese Geräte? Woher der Fernseher im Wohnzimmer, der Streamingdienst für Musik oder TV, das Netzwerkgerät? Okay, wenn Sie Glück haben, wummert noch ein Miele-Geschirrspüler oder eine Bosch- oder Siemens-Waschmaschine; brauchbar, aber Low-Tech, mittlerweile meist aus Polen. Vom Elektronikriesen Grundig sind nur noch die sieben Buchstaben des Namens auf dem Gerät aus der Türkei vorhanden. Es war das Netz verschiedenster Industrien, das Deutschland stark gemacht hat. Die Kette von der Grundstoff- bis zur Konsumgüterindustrie; Maschinenbau dazwischen und die Chemie nebenan. Man nennt es Agglomerationsvorteile. Stück für Stück wird daraus zerstört.
Nicht nur kulturell, auch technologisch-wirtschaftlich hat sich Deutschland abgeschafft; Neckermann und Quelle als einstmals führende Versender haben gegen Amazon verloren, denn Jeff Bezos hat deren Kataloge durch das Netz abgemurkst.
Der Flop der grünen Transformation
Und jetzt also ist viel von grüner Transformation die Rede, von Quantentechnologie und von KI, und selbstverständlich von Drohnen und anderem Kriegsgerät.
Aber auch hier zeigt sich das komplette Versagen. Ja, Solarzellen und Windräder sind eine Ergänzung der Stromerzeugung, aber nicht ihr Rückgrat. Dumm gelaufen und noch dümmer, dass auch Friedrich Merz daran festhält, weil Teile der CDU und die SPD sowieso lernresistent sind. Ohne preiswerte Energie aber keine Künstliche Intelligenz; und während Deutschland bekanntlich Kernkraftwerke sprengt, reaktivieren Amazon und Google alte Kernreaktoren oder bauen sich gleich neue.
Aber keine Politikerrede ohne Hohelied der KI – der die jede Voraussetzung verwehren. Die grüne Wasserstoffindustrie war von Anfang an Unsinn, einfach weil sie unwirtschaftlich ist. Die „nationale Wasserstoffstrategie“ der Ampel ist noch schneller gealtert als ihr Protagonist Robert Habeck. Jetzt faselt jeder Stahlgewerkschafter bis hin zum Bundeskanzler vom „Grünen Stahl“, der nur dummerweise Strom braucht, den wir nicht haben.
Der Verkehr und die Immobilienheizungen sollen elektrifiziert werden, ein Zauberwort ohne Spannung. Wir haben keinen Strom, und Transport von Kohle, Öl oder Gas sind einfacher zu bewerkstelligen, die logistischen Netze dafür da, aber jetzt werden vor lauter Begeisterungsstrom die Gasnetze zerstört. Der bislang einzige Erfolg der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wird ein Gasnetz-Zerstörungsgesetz sein, mit dem diese Infrastruktur beendet wird. Grüne träumen von angeblich neuer Technologie – aber entweder ist es reine Subventionswirtschaft oder wird bekämpft, sobald sie näher kommt und auch Risiken zeigt.
Subventionen zerstören Ideen
Übrigens: Technologischer Fortschritt kommt nicht vom Staat und schon gar nicht von Subventionen. Am Anfang stehen Forscher, Ingenieure, Tüftler, visionäre Unternehmer. Aber die Schulen sind ja ruiniert, das Abitur eine Lachnummer. Durch die massenhafte Einwanderung werden die Schulen im großen Durchschnitt durch der Sprache nicht mächtige Kinder und Jugendliche immer öfter zu Unbildungsanstalten, die auch Lernwillige zu Halbanalphabeten herabziehen. Das ist also das intellektuelle Beet, auf denen Bedrohungslagen wuchern, aber keine Nobelpreisträger. Für einen modernen Standort braucht es globale Anbindung, und nicht Abwürgen des Flugverkehrs, moderne Straßen- und Schienennetze und nicht die staatliche Rumpelbahn, in der schon eine ausnahmsweise mal funktionierende Toilettenspülung als Ausweis der Zukunftsfähigkeit gefeiert werden muss.
Ist es also ein Abgesang an den Industriestandort? Die Automobilindustrie wird überleben, in den USA, im kleinen Ungarn, in China. Die Chemie hat ihren Standort längst gewechselt und lässt die alten Rutschen noch etwas rauchen.
Wer Zukunft will, braucht Zukunftsgeist. Braucht Bildung und die Bereitschaft, etwas auszuprobieren. Die EU reguliert erst KI und forscht dann. Das ist nun wirklich die falsche Reihenfolge. Die Forschungsministerin ist einiges, aber Feuer für neue Ideen zu entzünden, vermag sie nicht mit ihren abgelesenen Worthülsen und schnellen Rückziehern bei Gegenwind aus Brüssel. Und dem Kanzler fällt nur ein, die Schlüsselbranche Stahl zu subventionieren wie sonst nur Elektroautos und Windräder. Merke: Wer Innovation in die Erfindung und ins Abkassieren von Subventionen lenkt, wird keine technologischen Innovationen erhalten.
Die Rückgewinnung der Innovationsfähigkeit wird eine Aufgabe von Generationen sein. Köpfe sind vorhanden – wenn man sie nur lässt. Unternehmerischer Mut existiert – wenn man ihn machen lässt. Das Neue lässt sich nicht herbeisubventionieren – man muss ihm Raum lassen, statt zu regulieren und zu subventionieren.


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Das ist doch alles die Folge des maroden Bildungssystems in Deutschland. Ich bin 1971 eingeschult worden und gehöre wohl zur letzten Generation, die noch längere Texte ohne Grammatik-, Rechtschreib- oder Interpunktionsfehler schreiben kann. Ich hatte von der 5. bis zur 13. Klasse Biologie, Chemie und Physik. Meine Tochter, Abitur 2018, hatte keine einzige Stunde. Sie kennt kein einziges physikalisches Gesetz. Es ist ein Graus. Letztens las ich in der Zeitung, warum unsere Kinder und Jugendlichen so viele Probleme mit der Rechtschreibung haben. Wegen des veralteten Deutschunterrichts. Hä, welcher? Der, der mir Deutsch beigebracht hat? Und diese Menschen, die von gar… Mehr
Und wieder ein Artikel mehr, der mich übers Auswandern nachdenken lässt.
„Köpfe sind vorhanden – wenn man sie nur lässt. Unternehmerischer Mut existiert – wenn man ihn machen lässt.“
Herr Tichy, glauben Sie ernsthaft, dass die bleiben werden bzw. dann noch da sind, wenn es denn darauf ankäme? In einem deindustrialisierten Land ohne Zukunftschancen, völlig überreguliert, mit absurd hohen Steuersätzen, dazu noch islamisiert?
Eher friert die Hölle zu!
Was hier üersehen wurde: Der Hauptgrund des Nichteinstiegs in neue Technologie wie Bio/ IT/ KI ISt die super Bezahlung in den „alten“ Technologien in D, etwa Autos, auch durch Verbratung von Gewinnen aus Amerika-/Chinaexporten/Auslagerungen an die MA. Die Gelder wurden NICHT oder zu wenig nach 2000 wieder in Innovation in der Breite gesteckt. PC und Faxtechnologie hätte sich trotz der Politik durchsetzen müssen, aber alte Säcke wussten in D. alles besser als die Boomer- Generation in 1990, die damals eher ausgequetscht und schickaniert wurde von den 1930er- NS- Geborenen zusammen mit den 60ern!! Die Massenarbeitslosigkeit bei Physikern; Chemikern, BWLern, Ing.,… Mehr
Die auf dem obigen Foto ersichtlichen Politiker sind eine negative Auslese, die unser Land abschaffen wollen.
Kohl haben sie vergessen, der hat in den 80ern den Bau von Glasfasernetz verhindert.
Warum sollten Leute, die was können, hier bleiben und sich obszön ausrauben lassen von den Nixkönnern aus der Versagernomenklatur ?
Es wandern zuletzt 250.000 pro Jahr aus und bald 400.000; dafür fliegt man hier muslimische High-Performance-Handaufhalter ein.
Ein absolut Erfolgskonzept für das bereits in großen Teilen Shithole-Schland.
zu Irgendwas muß die Merz-Billion ja gut sein !
Langsam Herr Tichy, bei allem Respekt vor Ihrer sonstigen Arbeit! Es ist tatsächlich falsch, wenn Sie schreiben, Atomkraftwerke seien in die Luft gesprengt worden! Schlimm ist schon diese Formulierung und noch schlimmer ist, daß Sie mit Ihrem Artikel einen gänzlich falschen Akzent setzen! SIE wissen nur zu genau, daß dem nicht so war und auch nicht sein wird! Jedenfalls nicht in Deutschland. Sie wissen auch nur zu genau, daß es auch kein den Notwendigkeiten entsprechendes langfristiges ATOMMÜLLLAGER gibt. Die GRÜNEN Dummheiten in Finnland wollen Sie doch nicht als Handlungsmaxime für Deutschland verkaufen?! Und m.E. liegen Sie auch bei der KI… Mehr
Wer verhindert denn seit Jahren den Bau eines Endlagers? Und hat man aus irgendeinem Land einmal gehört, dass Atommüll in Salz eingelagert werden soll? Wir schalten unsere AKWs ab, aber dicht hinter deutschen Grenze stehen französische und belgische Schrottmeiler, die nicht Ansatz deutschen Standards genügen würden und prodzieren den Strom, der uns dann teuer verkauft wird, wenn unser Flatternetz in der Dunkelflaute versinkt. Und einem Herr Habeck wurde nicht widersprochen, als er über die Zukunft des ukrainischen AKW Soporoshije sinngemäß sagte, „das sei ja bezahlt, also müsse es Strom produzieren!“ Und da reden wir vom russischen Standard der Reaktoren und… Mehr
Einfach neben dem Thema, was Sie da schreiben! Wissen ist Macht, nichts zu wissen, macht aber auch nichts. Diese ewigen Anbeter desTechnologiefortschritts und dann auch noch in der Atomtechnologie. Meine harsche Kritik an Ihnen tut mir fast schon leid, weil Sie es wohl nicht besser wissen. Was ist mit Sellafield, was mit Harrisberg, was mit Fukoshima und den vielen weggepfuschten „nicht ganz so schweren“ AKW-störfällen. Von mir wurden hier nur die schlimmsten aufgeführt und Tschernobyl gehört natürlich auch dazu! Und eine Bitte, eine große ehrliche Bitte an Sie, Sie und ich wissen, was für ein Schwachmat Habeck war und ist.… Mehr
Ja, was ist mit z. B. Fokushima?? Wieviele Atomtote gab es??
Wie schon so oft geschrieben – Schland hat fertig. Es geht nur noch darum, die Reste (das nicht unerhebliche Volksvermögen) in die richtigen Töpfe zu verteilen.
80 % aller TE-Artikel lassen sich eigentlich mit den Worten zusammenfassen: „Das Ende ist nahe. Flieht!“