Totale Überwachung durch die Hintertür: Von der Leyens Identitäts-App ist das Ende der Anonymität

Unter dem Deckmantel „Jugendschutz“ zimmert Brüssel ein System, das jedwede Anonymität beseitigt und jeden Bürger im Netz identifiziert: Wer erst seinen Ausweis zeigen muss, bevor er liest oder spricht, lebt nicht mehr frei, sondern unter Kontrolle.

IMAGO

Ich sitze im Europäischen Parlament und frage mich wirklich, ob hier noch irgendjemand merkt, was gerade passiert. Unter dem wohlklingenden Etikett „Jugendschutz“ wird etwas gebaut und mit einem Lächeln der Öffentlichkeit vorgestellt, das mit Schutz wenig zu tun hat: ein Internet, in dem Anonymität Schritt für Schritt verschwindet.

Ja, natürlich müssen Minderjährige geschützt werden. Das bestreitet auch niemand. Aber seit wann ist es Aufgabe von Brüssel, den Eltern diese Verantwortung abzunehmen? Nur weil es kompliziert ist, Kinder im Netz zu schützen, rechtfertigt das doch nicht, alle unter Generalverdacht zu stellen.

Denn genau darum geht es doch. Altersverifikation heißt in der Praxis: Erst ausweisen, dann Zugang. Und wer sich ausweisen muss, bevor er liest, schaut, sich informiert oder seine Meinung äußert, ist nicht mehr frei unterwegs. Das ist kein Detail, das ist ein fundamentaler Unterschied.
Dann wird mit schönen Worten gearbeitet. „Datensparsam“. „Sicher“. „Anonym“. „Wallet“. Klingt alles sauber, fast schon beruhigend. Aber wer garantiert eigentlich, dass das so bleibt? Wer stellt sicher, dass nicht doch Daten anfallen – IP-Adressen, Zeitstempel, Gerätekennungen? Genau diese Dinge sind es, aus denen sich im Zweifel komplette Bewegungsprofile bauen lassen. Und wir tun so, als wäre das ein theoretisches Problem. Ist es nicht!

Heute ist es die Altersprüfung. Morgen die Verknüpfung mit anderen Daten. Parallel laufen Projekte zur digitalen Identität, strengere Plattformregeln, mehr Zugriffsmöglichkeiten für Behörden. Jedes für sich lässt sich irgendwie begründen. Aber zusammen ergibt das ein monströses System, bei dem man sich schon fragen muss, ob hier noch irgendjemand die Gesamtwirkung sehen will.

Und was mich wirklich stört: Diese Debatte wird nicht ehrlich geführt. Kritik wird abgebügelt, als wäre sie lästig oder rückständig. Als hätte man sich längst entschieden und müsste die Öffentlichkeit nur noch daran gewöhnen.

Dabei geht es um etwas Grundsätzliches. Anonymität im Netz ist kein Fehler, den man beheben muss. Sie ist Schutzraum – für Journalisten, für Whistleblower, für ganz normale Menschen, die sich informieren oder ihre Meinung sagen wollen, ohne sich vorher registrieren zu lassen.
Was hier entsteht, ist kein harmloses Schutzinstrument. Es ist eine Infrastruktur, die sich sehr leicht in ein Kontrollinstrument verwandeln lässt. Und genau deshalb ist es so fahrlässig, das alles als technischen Fortschritt zum Wohle des Jugendschutzes zu verkaufen.

Europa sollte aus seiner Geschichte gelernt haben. Stattdessen bauen wir Systeme, bei denen man nur hoffen kann, dass sie niemals missbraucht werden. Ich finde, das ist ein ziemlich schwacher Plan.

Und ich werde mich damit nicht abfinden.

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Kommentare ( 27 )

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Melly
8 Minuten her

wir hatten Orwell schon im Ostblock, bitte nicht aufregen, es hat damals nicht funktioniert und es wird wieder nicht klappen. der menschliche Geist ist viel größer. Erstmal aufrecht stehen und nicht schon wieder buckeln….

Or
8 Minuten her

Sehr richtig Herr Pürner. Nur langsam frage ich mich, wann bei einer VdL. als notorische Wiederholungstäterin endlich die Handschellen klicken.

FreudLich
11 Minuten her

Muss man eigentlich auch einen Ausweis vorlegen, wenn man den „Playboy“ kauft oder ähnliches aus dem Genre?

Bedenkentante
16 Minuten her

Ich teile alle Sorgen des Autors, aber ich frage mich: Was ist die Alternative?
Ich fahre täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Ich sehe täglich, wie sich die überwältigende Mehrheit von Kindern im Alter von geschätzten 12 Jahren pausenlos mit sinnbefreiten Videos berieseln und praktisch kein Wort miteinander reden. Wie sollen die Eltern hier einschreiten? Sie können nicht pausenlos um das Kind herum sein. Der Busfahrer ist auch nicht die richtige Adresse dafür. Wir haben bereits eine Generation faktisch verloren, weil sie sich ihre geistigen und kognitiven Fähigkeiten mit den Smartphones praktisch abtötet(e). Wir können uns keine weitere leisten.

Zebra
31 Minuten her

Nun ja, es läuft halt alles auf den Orwellstaat EU hinaus. Auch wenn der Text für manche etwas sperrig ist: Lest 1984 von George Orwell bitte noch mal.

hansgunther
33 Minuten her

Und warum kann das alles geschehen – weil wir uns nicht wehren, nie!
Gegenwehr in der deutschen Demokratie – legal:
Demonstrationen: Das Versammlungsrecht ermöglicht es, öffentlich gegen staatliches Handeln zu protestieren.
Mitwirkung in Initiativen: Zusammenschluss in Bürgerinitiativen, um kollektiv gegen Willkür vorzugehen.
Wahlen: Nutzung des Wahlrechts, um politische Vertreter zu wählen, die sich für Rechtsstaatlichkeit einsetzen
In Deutschland sind Grundrechte als Abwehrrechte gegen den Staat konzipiert, was bedeutet, dass der Staat nur im Rahmen der Gesetze handeln darf.
So ist das idealisiert aufgeschrieben.
Wie sieht die traurige Wirklichkeit aus?

Last edited 32 Minuten her by hansgunther
MartinKienzle
50 Minuten her

Die pädophile sogenannte „Elite“ (https://www.welt.de/vermischtes/article69a812b5563ae9c42dea3fc9/epstein-files-ploetzlich-fehlen-mehr-als-47-000-dokumente-auch-aussagen-ueber-trump.html), verwendet den sogenannten „Kinderschutz“ als Deckmantel, um Widerstand gegen ihren Plan der Vernichtung der weißen Rasse im Keim zu ersticken (https://archive.org/stream/Rabbi-Rabinovich-Rede-zur-Ausrottung-der-Weissen/Rabbi-Rabinovich-Rede-zur-Ausrottung-der-Wei%C3%9Fen_djvu.txt)!

Astridion
52 Minuten her

Vielleicht haben die Betreiber von X, TikTok, Instagram u.s.w. ja ein Erbarmen und richten speziell für Europäer getrennte Zugänge zu ihren Systemen an?

Die kann man dann per VPN oder TOR ansteuern.

Ob die EU es wagen wird, die Benutzung von VPN und TOR zu verbieten, wird sich dann zeigen.

Eine andere Möglichkeit wäre die Erstellung von lustigen Ausweisen per KI.

Last edited 50 Minuten her by Astridion
Manfred_Hbg
53 Minuten her

Zitat: „Heute ist es die Altersprüfung. Morgen die Verknüpfung mit anderen Daten. Parallel laufen Projekte zur digitalen Identität, strengere Plattformregeln, mehr Zugriffsmöglichkeiten für Behörden“ > Wohl wahr! Wobei das aber nicht nur das wohlwollende grünwokelinke Brüssel, Berlin und die EU betrifft, sondern auch noch mit Blick auf den PC-Bereich und den großen -vorrangig amerikanischen- IT-Firmen viel weiter geht. Hier anbei von einen IT-Experten etwas zum Einlesen über (angeblichen) wohlwollenden Kinderschutz im iNet, Alters-App, Darensammeln per Windows 11 oder Sicherheit per TMP (ggf sich auch selber mal auf dieser Seite umgucken). Wenn man sich zu diesen Themen ein wenig einliest, wird… Mehr

Mugge
54 Minuten her

Europa sollte aus seiner Geschichte gelernt haben.

Genauer müsste es heissen ,Deutschland sollte aus seiner Geschichte gelernt haben. Denn eines lässt sich schon jetzt vorhersagen: Es wird zu Auswüchsen kommen wie sie aus totalitären Systemen bekannt sind. Aber am Ende wird das Kontrollinstrument und seine Auswirkungen ein deutsches Gesicht mit blondem Haar haben, ein Made in Germany ohne gegenteiligen Effekt. Es wird dann auch eine untergeordnete Rolle spielen, welche Europäer daran mitgewirkt haben.