Seismographen der Wende

Während die Aufrechten im Bewusstsein der verlorenen Deutungshoheit immer aggressiver um sich schlagen, arbeiten die Geschmeidigeren, die Weitblickenderen bereits auf die mögliche und sehr wahrscheinlich kommende Wende hin.

© Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Extreme politische Wenden sind komplexe und schwer einzuschätzende Vorgänge. Wer wird wann und wie die Macht verlieren? Wer wird sie gewinnen? Auf der falschen Seite zu stehen, könnte fatale Folgen haben. Aber das zu frühe Wechseln auf die andere Seite ebenso. Für den erfolgreichen, wie auch den erfolglosen Wendehals gibt es, gerade in der jüngeren und jungen deutschen Geschichte, genügend Beispiele.

Besonders im medialen, sozialen und künstlerischen Umfeld kann man die aufkommende Unruhe bei denjenigen mit Händen greifen, die ahnen, dass ihre privilegierte Stellung, nahe den nie versiegenden Quellen direkten oder indirekten staatlichen Geldes, mehr der korrekten Gesinnung als ihren Fähigkeiten geschuldet sein könnte. Um an diesen hart umkämpften Plätzen in der Wende überleben zu können, ist aber neben Opportunismus auch Sensibilität von Nöten, die einen erkennen lässt, wann und wie sich „richtige Ansichten“ ändern.

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Während die Aufrechten im Bewusstsein der verlorenen Deutungshoheit immer aggressiver um sich schlagen, arbeiten andere, die Pragmatischeren, die Geschmeidigeren, die Weitblickenderen, bereits auf die mögliche und sehr wahrscheinlich kommende Wende hin. “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo war mit seinem relativierenden  Aufsatz “Die Allmacht der Grünen”, Ausgabe 40/2016 sicherlich einer der Ersten. Ebenfalls weit vorne, Claus Kleber vom ZDF, der dieses Frühjahr in einer Sendung von Frau Illner, deren Zweck eigentlich das übliche Trump-bashing sein sollte, aus der Rolle fiel, als er zum Staunen der übrigen Gäste erklärte, er traue Trump die Wende zu, den gordischen Knoten im Nahen Osten zu zerschlagen.

Solche Frontrunner in der Wende haben die strategische Notwendigkeit einer Anpassung schneller realisiert als andere, nun stellt sich die taktische Frage des unauffälligen, oder auffälligen (je nach gewählter Variante) Vorgehens. Relativierung und leichtes Abrücken von früher vehement geäußerten Positionen sind hier eine gerne genutzte Methode. Eine neue, positivere Einschätzung von früher vehement abgelehnten, wenn nicht sogar aktiv bekämpften Ansichten oder Personen, eine weitere. Rückblickend wird so, richtig gemacht, aus einem untadeligem Verfechter des Alten ganz schnell ein Widerstandskämpfer, der, unter erheblichen Gefahren und beträchtlichen persönlichen Opfern, schon damals für das jetzt neue Gute, für die Wende kämpfte.

An diesem zukunftsorientierten Agieren von Journalisten, Personen der Kunstwelt und Vertretern von Kirchen und sozialen Verbänden – die zwischen 2015 und 2017 alle, aber wirklich alle, die es wagten, auch nur die zaghafteste Kritik an der unkontrollierten Zuwanderung zu äußern, pauschal als Rassisten, Rechtsextreme und Menschheitsfeinde diffamiert hatten – wird der Fortgang der Wende eingeschätzt werden können. Sie sind die den Wandel anzeigenden Seismographen.

Thomas Punzmann ist Galerist in Frankfurt am Main.

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Kommentare ( 73 )

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Eine wesentliche Wende kann es ja gar nicht gehen. Beispiel Baltische Staaten, zu Sowjetzeiten massive Ansiedlung von Russen, nach Ende der Sowjetunion – jetzt sind sie halt da, die Russen, und die Balten können nichts aber auch gar nichts dagegen tun, egal wie sich die Politik und der Zeitgeist ändern.

Die baltischen Staaten haben auch demographische Probleme und könnten in einigen Jahrzehnten damit mangels Alternativen wieder nach Russland zurückkehren.

Herr Punzmann, für einen Unternehmer in Ihrer Branche ist Ihr Beitrag sehr mutig. Wir alle können eigentlich nur hoffen, dass die Frontrunner hinreichend Unterstützung finden. Dass Giovanni di Lorenzo ein Frontrunner ist, darf bezweifelt werden. Erst im September 2016 ist ihm aufgefallen, dass er wohl auf der falschen Seite war in der Beurteilung der Grenzöffnung in 2015: „Wir waren geradezu beseelt von der historischen Aufgabe.“

Das ist eher die Kategorie Wendehals…

Der FOCUS im Zensurwahn.

Ihr Beitrag: Nur die allerdümmsten Kälber….

Wer die Debatten im BT verfolgt und sieht wie sich die Sozis für die Migranten ins Zeug legen, der fasst sich an den Kopf. Dürfen es noch jeden Monat 1000 mehr sein? Wir haben es doch. Das Deutsche Volk wird ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Aber ihr habt sie gewählt, beschwert euch nicht wurde von uns nach Prüfung durch einen Administrator nicht veröffentlicht.

Die SPD ist eine Funktionärspartei der Sozialarbeiter und Sozialindustrie. Für die sind Migranten einfach ein Konjunkturprogramm.

Der Zensor des FOCUS arbeitet immer noch für die Raute des Grauens.

Hallo ……..

Ihr Beitrag: Ich vermisse euch.

Ich werde die Merkel vermissen, hatte mich so an sie gewöhnt. So wie ich auch Margot und Erich vermisse und den lieben Walter U. Auch vermisse ich Karl-Eduard am Montag Abend. Hoffentlich bleiben mir Illner, Maischberger und GenossInnen erhalten.wurde von uns nach Prüfung durch einen Administrator nicht veröffentlicht.

Es gibt mehrere mögliche Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben.

Fakt ist, die Frau ist immer noch im Amt. Und die Hofmedien jubilieren über eine Einigung. Dabei weiß niemand, auf was die sich hier geeinigt haben. Wenn überhaupt, handelt es sich um einen Vertrag zu Lasten Dritter. Dritte sind die Länder, in denen außerhalb der EU Lager errichtet werden sollen (diese Länder wurden nicht gefragt und können nicht verpflichtet werden) und Dritte sind die Bürger, deren Geld für dieses Vorhaben verwendet wird. Es regiert das Scheckbuch. Die „Einigung“ – wie immer – am Volk vorbei. Und es werden weitere Milliarden in die Türkei gepumpt. Dabei wurde erst am Dienstagabend beschlossen,… Mehr

Nun spätestens trägt das Ganze tragisch komische Züge.Sind es Notlügen,oder war alles ein Missverständnis?Hat Urban stattdessen gesagt er würde das Geld zurücknehmen welches auch Ungarn bisher in den Spuck gezahlt hat.Glaube ich nicht.Stattdessen glaube ich etwas anderes und alle Leser wissen es.Man sollte sich nicht hinter sie stellen,nein später lieber vor sie um sie zu beschützen und sie muss gut behütet werden.

Auch verstehe ich nicht das Merkel sagt es seien Aufnahmezentren in Nordafrika denkbar obwohl Marokko schon Tage vorher verkündete sich für so etwas nicht hergeben zu wollen.Da werden“Räuberpistolen“verbreitet wie unter Ernst Paul Erich Honecker:
VORWÄRTS IMMER,RÜCKWÄRTS NIMMER.Nachsatz von mir;KOSTE ES WAS ES WOLLE

Extreme politsche Wende? Das ist keine. Wenn Merkel geht, wird jemand anderes folgen, der weiterhin die Interessen des Großkapitals vertritt. Das ist weder extrem noch eine Wende. Extreme politische Wenden gab es nach ’45 und ’89 im Osten. Seinerzeit wurden die Eigtentums- und damit Machtverhältnisse umgekrempelt. DAS waren Wenden. Merkel vertritt die Interessen der Immobilien-, Energie-, Lebensmittel- und sonstigen Konzerne, die an der Plünderung des Sozialstaates durch neue KONSUMENTEN verdienen. Masseneinwanderung Geringqualifizierter zwecks „Bestandserhaltungsmigration“ (UN). Solange an Masseneinwanderung verdient wird (55 Mrd. p.a.), wird es Masseneinwanderung geben. Ob Merkel das umsetzt oder jemand anderes, ist doch völlig unwichtig. Lesetip: „The… Mehr

Claus Kleber, der ist gut. Hat 2015 die verlogensten Inszenierungen zur „Flüchtlingskrise“ geliefert, ist sogar zweimal in Tränen ausgebrochen (die Stellen waren wohl im Teleprompter markiert). Noch liefert aber sein Heute Journal täglich und nach Kräften Merkel – Unterstützung. Da wird die echte Wende dann vollen Einsatz kosten, damit sich die Leute nicht endültig abwenden.

Und wieder habe ich nicht die geringste Lust mich an „Hetzjagden“ und seien es „korrekte“, zu beteiligen. Deutschland war in den Jahren unter Merkel keine Diktatur. Wenn auch mit Folgen rechnend und auch ertragend, konnte man seine Ansichten formulieren, allerdigs nicht immer mit der Aussicht, sich auch Gehör zu verschaffen. Ich war ein Paria, wie viele andere, also eben in nicht per se schlechter Gesellschaft. Die meines Erachtens evtl. „perfide“Vorgehensweise Merkels war evtl. die, zu einem uns nicht bekannten Ende hinzuarbeiten, auf das sie entsprechend niemals befragt werden konnte und wovon sie bei Bedarf Abstand oder sich eine Auszeit nehmen… Mehr

Könnten Sie bitte mal mit einfachen Worten den Sinn Ihres unverständlichen Kommentars erläutern?

„Rückblickend wird so, richtig gemacht, aus einem untadeligem Verfechter des Alten ganz schnell ein Widerstandskämpfer, der, unter erheblichen Gefahren und beträchtlichen persönlichen Opfern, schon damals für das jetzt neue Gute, für die Wende kämpfte.“

Warum musste ich bei diesem Satz umgehend an den Gauck(ler) denken?!

@ REDAKTION: Tichys Einblick könnte sich um die Zukunft dieser Gesellschaft noch verdienter machen als jetzt schon mit einer Reihe a la „der Wendehals des Tages‘ oder „die schlimmsten Wendehälse“. Immer mit fundierter Begründung, die in Form von z.B. leicht auffindbaren Aussagen bzw. Handlungen der Protagonisten (Politiker, Interlektuelle, Kirchenmenschen,,,eben alle unverbesserlichen Helldeutsche v.a. in einflussreichen Positionen) seit SPÄTESTENS Herbst 2015 unkompliziert finden lassen: dem nichts vergessenden Intrrnet sei Dank. Sinn und Zweckl soll weniger ein Pranger nach klassischer Lesart sein, obwohl es der ein oder andere meiner Meinung nach durchaus vetdient hätte, sondern es soll dadurch vor allem vethindert werden,… Mehr

Ich hielte so eine Reihe über die wendigsten Wendehälse auch für mehr als angebracht. denn zu einer Aufarbeitung gehört es auch, die Verantwortlichen mit den von ihnen begangenen Schweinereien konfrontieren zu dürfen – endlich. Sie sollen sich nicht einfach wegschleichen können von der Bühne… so einfach darf man es ihnen nicht machen, denn sonst ist es die Blaupause für die Nächsten, die glauben, ihre persönliche Ideologie GEGEN den Willen der Bürger durchdrücken zu können.

Ich teile Ihre Meinung, denn es geht um Verantwortung, die der Opportunist partout nicht zu übernehmen gedenkt. Mit dieser Verantwortung-(slosigkeit) sollte man sie konfrontieren, um diese wichtige Tugend für die Gesellschaft bewußt zu machen. Das hat nichts mit „Pranger“, sondern mit der Verantwortung, die Folgen dafür zu übernehmen, welche das eigene Reden und Handeln hervorgebracht haben. Die Verteidigunsministerin bemühte dereinst das Wort „Haltungsproblem“. Man möge die Opportunisten darauf ansprechen.