Pistorius stellt Deutschlands neue Militärstrategie vor

Verteidigungsminister Pistorius hat einen ambitionierten Plan vorgelegt: Erhöhung der Truppenstärke, Sicherstellung der Einsatzbereitschaft, Abbau von Bürokratie. Wird die Umsetzung dieses Plans gelingen?

picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Für den privaten und für den staatlichen Bereich gilt: Es ist leichter und viel einfacher, etwas einzureißen, als etwas Neues zu bauen oder das Abgerissene wieder aufzubauen.

Das gilt hierzulande – Frank-Walter Steinmeiers seifiger Beschwörung des „besten Deutschlands, das es jemals gegeben hat“ zum Trotz – für die Industriepolitik, die Energiepolitik und für die Bundeswehr.

Die wurde, zumal in den 16 Jahren des Merkel-Regiments und unter Skandalministerin Ursula von der Leyen, zu einer Art Heilsarmee ohne Wehrpflicht umfunktioniert und „friedensdividiert“ auf 180.000 „Mann“, davon allenfalls die Hälfte einsatzfähig.

Nun ist seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine vom Februar 2022 „Zeitenwende“ angesagt. Diese umzusetzen, ist seit Anfang 2023 der Job von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) – übrigens nach wie vor der beliebteste Bundesminister. Aktuell hat Pistorius Kernpunkte einer Militärstrategie vorgestellt.

Er beschreibt darin, wie die Bundeswehr auf eine Bedrohung reagieren kann und welche Fähigkeiten sie dafür braucht. Denn laut Militärstrategie ist die deutsche Gesellschaft in ihrer Gesamtheit bedroht. Vor allem weil mit einer Entgrenzung des Krieges zu rechnen ist. Überhaupt will Pistorius die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee in Europa entwickeln.

Gefragt seien, so die Strategie, Hochtechnologie wie Quantencomputing und Robotik, ebenso Billigdrohnen. Die Bundeswehr müsse hier Innovationen, etwa im Bereich der Künstlichen Intelligenz, beschleunigen und schnell für den möglichen Einsatz nutzbar machen. Da es keine sicheren Rückzugsräume mehr gebe, solle die Bundeswehr mehr weitreichende Präzisionswaffen bekommen. Entscheidend sei auch eine durchhaltefähige Luftverteidigung aller Reichweiten.

Aufwuchs der Bundeswehr inklusive Reserve auf 460.000 Mann

Neben der Rüstungstechnik gilt die neue Militärstrategie dem personellen Aufwuchs der Bundeswehr. Denn Pistorius will die Bundeswehr ganz und gar unbescheiden „zur stärksten konventionellen Armee Europas“ machen. Von derzeit rund 186.000 Soldaten soll die Bundeswehr bis Mitte der 2030er-Jahre auf 260.000 Aktive anwachsen. Im gleichen Zeitraum ist ein Aufwuchs der Reserve von derzeit rund 70.000 Reservisten auf dann mindestens 200.000 Personen vorgesehen. Die Zielmarke von 260.000 aktiven Soldaten wird im Frieden als personelle Obergrenze betrachtet.

Das Ganze soll in drei Phasen geschehen: Zuerst folgt bis 2029 ein Aufwuchs, der die Verteidigungsfähigkeit und personelle Einsatzbereitschaft schnell steigern soll. In der zweiten Phase folgt bis zum Jahr 2035 ein deutlicher Fähigkeitszuwachs in allen Dimensionen (Land, Luft, See, Cyber/Weltraum) entlang der NATO- und nationalen Fähigkeitsziele. Damit sollen die Verteidigungs- und Durchhaltefähigkeit weiter gestärkt und zugleich die im Soldatengesetz festgeschriebenen personellen Ziele erreicht werden. Am Ende dieser beiden Phasen steht das Ziel von 460.000 kampfbereiten Soldaten, zusammengesetzt eben aus 260.000 aktiven Soldaten und 200.000 Reservisten. In der dritten Phase steht als Fernziel bis zum Jahr 2039 und darüber hinaus der Aufwuchs technologisch überlegener Streitkräfte im Vordergrund.

Stoppschild für Bürokratie

Bereits am 19. März 2026 hatte Verteidigungsminister Pistorius die „Entbürokratisierungs- und Modernisierungsagenda“ (EMA26) gebilligt. Die Bundeswehr soll von unnötiger Bürokratie befreit werden, sich modernisieren, weiter digitalisieren und automatisieren sowie Resilienz und Innovationsfähigkeit stärken. Die EMA umfasst 153 Maßnahmen mit 580 konkreten Schritten. Die Agenda folgt – als ressortspezifisches Vorhaben – der Modernisierungsagenda der Bundesregierung und der Föderalen Modernisierungsagenda.

Aufgaben, die nicht unmittelbar der Landes- und Bündnisverteidigung dienen, werden überprüft, neu priorisiert oder abgeschafft. Die Anzahl der internen Vorschriften wird reduziert. Vorschriften, die abgelaufen sind, werden automatisch außer Kraft gesetzt, es sei denn, sie sind unbedingt notwendig. Verfahren werden vereinfacht und wo möglich verkürzt. Funktionen von Beauftragten werden kritisch hinterfragt, gebündelt oder abgeschafft. Melde- und Berichtspflichten werden konsequent reduziert. Was sich als unnötig erweist, wird abgeschafft.

Routineaufgaben sollen weiter optimiert, digitalisiert und wo immer möglich automatisiert werden. Anträge werden in digitale Workflows überführt. Wichtige Dokumente und Nachweise sollen in der digitalen Brieftasche „Bw-Wallet“ verfügbar sein. Sichere KI-Zugänge sollen Abläufe beschleunigen.

„2039+“ – Ein weiter Weg

Pistorius hat, seit er im Januar 2023 der völlig überforderten 13-Monate-Ministerin Christine Lambrecht (SPD) folgte, seinen Ministerjob mit kerniger Diktion übernommen. Passend durchaus zur Truppe. Manchmal ist er rhetorisch über das Ziel hinausgeschossen, etwa als er das Ziel „Kriegstüchtigkeit“ ausgab.

Pistorius hat diesen Begriff kaum noch verwendet. Schließlich ist die Bundeswehr eine Verteidigungsarmee. Dennoch ist Pistorius aktuell nicht ganz frei von schiefen Vergleichen. Wenn er etwa sagt, die internationale Rechtsordnung sei so sehr infrage gestellt, wie wahrscheinlich seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie.

Da hat Pistorius wohl vergessen, was allein seit Gründung der Bundeswehr die Welt an den Rand eines Weltkrieges brachte: 1956 der Ungarnaufstand, 1961 der Bau der Mauer, 1962 die Kubakrise, 1968 die Niederschlagung des Prager Frühlings. Aber richtig ist, zumindest für die Zeit nach der 1990 euphorisch ausgerufenen „Friedensdividende“: Die Welt sei unberechenbarer und gefährlicher geworden, so Pistorius.

Das wird Deutschland viele Milliarden Euro abverlangen. Mit 40 oder 50 Milliarden Euro pro Jahr wie in den letzten Jahren, auch nicht mit dem einen oder anderen „Sondervermögen“ allein wird das Projekt „Bundeswehr 2039+“ zu stemmen sein.

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Kommentare ( 122 )

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hansgunther
20 Tage her

„dachsus sagt:
24. April 2026 um 9:00 Uhr
Für alle Jungen Männer zum Thema Wehrpflicht:
Zur Musterung erscheinen sie bitte mit einem AFD Sticker, und fragen die Junge Dame am Empfang höflich, wann sie eine Waffe ausgehändigt bekommen, und ob die Bundeswehr auch am Remigrationsprogramm teilnimmt – danach ist das Thema Wehrpficht vorbei.“

Quelle: JF

Michaelis
20 Tage her
Antworten an  hansgunther

Köstlich – danke!!!
Stimmt, die Felix-Krull-Masche braucht man heut nicht mehr.

Last edited 20 Tage her by Michaelis
BKF
20 Tage her

Aktueller denn je:
https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1955_2_5_treue.pdf
Neben dem erstaunlich aktuellem Text der Denkschrift, beachte man insbesondere die beiden letzten Punkte am Ende als Fazit.

Last edited 20 Tage her by BKF
BKF
20 Tage her

Und was will er mit einer solchen kriegstüchtig aufgerüsteten Reichswehr dann machen? Einfach ein kriegstüchtiges Heer rumstehen lassen, ist extrem teuer. Das Ganze hat nur halbwegs Sinn, wenn auch ein Einsatz der Reichswehr geplant ist.
Es wird auch um eine kerntechnische Ausrüstung nicht herumkommen dabei, da alle potentiellen Gegner Kernwaffen haben. Diese Kernwaffen und ihre Trägersysteme sollten aber möglichst rein national sein und nicht zugekauft.

Last edited 20 Tage her by BKF
A.G.
20 Tage her

„Die Leute bleiben länger fit“ – Reservistenverband fordert Anhebung der Altersgrenze auf 70 Jahre! Opas und Rentner an die Front, die Rentenkasse wurde geplündert und man muss sie loswerden. Das alte Menschen heute länger fit bleiben, gerade nach der Coronagiftspritze, die alle kaputt gemacht hat, ist wirklich eine Verhöhnung. Was hier läuft ist ja wohl klar. Natürlich ist auch der Reservistenverband eine vom System errichtete Organisation, die von den Hintergrundmächten gesteuert wird. Der große Krieg kommt und man will die Deutschen erneut opfern und dezimieren. Die Frauen und Kinder stehen dann schutzlos den zahlreichen Neubürgern gegenüber und niemand kann sie… Mehr

Micky Maus
21 Tage her

Ich bin erstaunt über Pistorius’s Ankündigung. Da müssen ja jetzt mindestens 2 oder 3 Kampfjets wieder repariert und einsatzbereit sein. Sicherlich hat man nun Ersatzteile gefunden!

Franz Schroeder
21 Tage her

ALSO WER JETZT NOCH NICHT KAPIERT HAT, WO DIE REISE HINGEHT, DEM IST NICHT MEHR ZU HELFEN.

EINE DEMOKRATIE HAT IN DER GESCHICHTE NOCH NIE EINEN KRIEG BEGONNEN ODER SICH DARAUF VORBEREITET.

DARUM DÜRFTE JEDEM KLAR SEIN, DASS WIR IN KEINER DEMOKRATIE LEBEN.

Britsch
20 Tage her
Antworten an  Franz Schroeder

Eine Verteidigungsarmee hat das eigene Land zu verteidigen und nicht in anderen Ländern mitzumischen. Aber derzeit stellt man sich ja vor in Aller Welt mitbestimmen zu müssen. Gar über die EU zur Bestimmenden Weltmacht zu werden, bzw. schon zu sein. Im Kontra zu den USA und Russland. China , Indien usw. werrden immerr noch unterstüzt und man will nicht wahr haben wie dort der Entwicklungsstand ist aber halt nicht so Großsprecherisch und überheblich wie man selbst ist Schließlich pumpt man ja Geld in die Ganze Welt für das was man selbst meint daß die Länder machen müssen. Wo das Geld… Mehr

BKF
20 Tage her
Antworten an  Britsch

Die Reichswehr hat (in der offiziellen Darstellung im Reich) auch einen aufopferungsvollen Verteidigungskampf geführt, war also auch nur eine Verteidigungsarmee. Im Zweifel kann man das also im Ernstfall politisch so wenden, wie man es gerade braucht.

hansgunther
20 Tage her
Antworten an  Britsch

Wer kann sich vorstellen, daß dieses derzeitige Regime Deutschland verteidigen will? Das wollen sie schon seit Jahren nicht! Eine „fremde Armee“ in Millionenstärke steht schon im Land, aufgebaut seit 2019 ff. Die Fremdbesiedlung läuft unbegrenzt, die deutschen Pässe werden verschleudert. Was soll hier noch verteidigt werden? Wir werden doch schon in Friedenszeiten untergebuttert.
Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, von wem wir eigentlich regiert werden?
Tun Sie es nicht. Die Antwort könnte erschreckend sein!

Michael Palusch
21 Tage her

Nicht vergessen: Der Mann ist Mitglied der SPD.
Der Partei Willy Brandts und der Partei, die bei der Abstimmung im BT zum NATO-Doppelbeschluss im November ’83 geschlossen dagegen votierte.

Last edited 21 Tage her by Michael Palusch
BKF
20 Tage her
Antworten an  Michael Palusch

Nicht vergessen: Der Mann ist Mitglied der SPD.“ Noske war auch Mitglied der SPD, es ist also durchaus passend.

Mikmi
21 Tage her

„Rückgratlos“ bezeichnet charakterlich schwache Personen, denen es an Mut, fester Meinung und Prinzipien fehlt, um sich in Widerständen zu behaupten.
Wir brauchen keine Armee, schon gar nicht die stärkste von Europa, wir brauchen auch nicht diese Lobbyisten, wir brauchen Leute, die sich für unser Land stark machen, sich um unsere Leute kümmern.

NordChatte
21 Tage her
Antworten an  Mikmi

…..und nicht das Land in einen 3. Weltkrieg führen. Und bei aller fehlenden Weitsicht dieser Kriegstreiber, haben diese wieder komplett ausgeblendet, daß wie immer nach einem Krieg, der Sieger die Geschichte (neu) schreibt. Es sollte jedem mitdenkenden Mitteleuropäer klar sein, daß Deutschland nach dem kommenden Krieg wieder nicht an der Geschichts(b)schreibung mitwirken wird / darf.

tbrey
21 Tage her

Was nützt das ganze Geld, wenn die wehrtüchtigen Männer unter den „BioDeutschen“ fehlen? Ein Blick in die deutsche Militärgeschichte mag den Minister inspirieren, ich verweise diskret auf die Division „Handschar“. Wäre sowohl aus praktischen (verfügbares Personal) als auch ideologischen (voll divers!) Gründen interessant. Und auch politisch, denn selbst die Araber im Nahen Osten fanden diese Truppe toll, u.a. bezeugt durch Mohammed Amin al-Husseini, den damaligen Mufti von Jerusalem.

Britsch
20 Tage her
Antworten an  tbrey

Was nützt es wenn es einen offiziellen Personalstand gibt, aber wenn es ernst wird die Meisten davon nicht bereit sind Ihr Leben einzusetzen?
So schätze ich selbst zumindest, das Ganze derzeit ein

tbrey
20 Tage her
Antworten an  Britsch

Genau mein Reden. Sie kennen die 13 SS Gebirgsjäger-Division „Handschar“ nicht?

Berlindiesel
21 Tage her

Was bitte ist eine „Verteidigungsarmee“, scheinbar ein neues Wieselwort? Man kann ein Küchenmesser zum Schälen eines Apfels, Zerkleinern einer Zwiebel oder eben zum Töten eines Menschen wie in Solingen nutzen – ein und dasselbe Messer. Sicher gibt es bessere und wirksamere Waffen zum Töten eines Menschen als ein Küchenmesser. Trotzdem ist ein Messer weder per se „unschuldig“ noch „friedliebend“, nur weil es für Küchenzwecke beschafft wurde. Nicht umsonst heißt es: „Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht.“ Darum haben solche Dinge auch in einem Kinderzimmer nichts zu suchen. Der zwölfjährige Zigeunerjunge, der am Bahnhof mit einem Taschenmesser aufgegriffen… Mehr

Michael Palusch
21 Tage her
Antworten an  Berlindiesel

Es gibt schon einen Unterschied, ob die Ausstattung der Truppe auf Verteidigung oder Angriff ausgerüstet ist. Zum Beispiel stellt eine Intervensionsarmee, wie die der USA, ganz andere Anforderungen an die Logistik als eine Armee, die nur innerhalb eines sehr begrenzen Operationsraumes eingesetzt wird. Es ist auch ein Unterschied, ob Waffensystemd und sonstige Ausrüstungen nur unter mitteleuropäischen Bedingungen zuverlässig funktionieren müssen, oder sowohl bei 50Grad unter Null als auch bei >50 Grad darüber während eines Sandsturms.

BKF
20 Tage her
Antworten an  Michael Palusch

die nur innerhalb eines sehr begrenzen Operationsraumes eingesetzt wird“ Kommt auf Ihre Verteidugungsstrategie an. Bei Vorwärts- / Vorneverteidigung lassen Sie den Gegner möglichst gar nicht erst auf eigenes Gebiet vordringen und tragen Ihre Verteidigung auf dem Gebiet des Gegners vor.