Extremistische Gewalttäter haben extremistische Anhänger. Das für sich ist nicht neu. Neu ist, dass Unterstützer politischer Gewalt bundesweit die Straßen erobern und von „Leitmedien“ bejubelt werden. War da was mit Weimar?
picture alliance/dpa | Sebastian Willnow
Ein Schaffner der Deutschen Bahn wird von einem verabscheuungswürdigen Gewalttäter bei einer Fahrkartenkontrolle umgebracht. Danach gehen in ganz Deutschland tausende Bürger zum Gedenken an das Opfer und zur Unterstützung der trauernden Angehörigen auf die Straße.
Wär’ das nicht schön?
Wäre es wohl. Aber im real existierenden besten Deutschland aller Zeiten passiert etwas anderes. Da gehen bundesweit Tausende auf die Straße, um ihre Solidarität für einen notorischen Extremisten und verurteilten Gewalttäter zu bekunden.
Das sind ein paar aktuelle Schlagzeilen:
- Proteste in Sachsen gegen Verurteilung von Maja T.
- 200 Menschen ziehen aus Solidarität durch Hamburg
- Protest in Nürnberg nach Urteil gegen Maja T.
- Dresden und Leipzig zeigen Solidarität mit Maja T.
Die letzte Überschrift – zu finden bei T-Online – ist besonders perfide. Natürlich sind mitnichten „Dresden und Leipzig“ solidarisch mit dem in Ungarn wegen schwerer Körperverletzung zu acht Jahren Gefängnis verurteilten Simeon T., der sich selbst inzwischen „Maja“ nennt. Solidarisch sind jeweils ein paar hundert Freunde von politischer Gewalt.
Jedenfalls: Deutschlands Empörungsindustrie saugt das Budapester Urteil gegen Simeon T. geradezu begierig auf. Kein Slogan ist zu dumm, um das brutale Mitglied der berüchtigten „Hammerbande“ zu verteidigen. „Antifaschismus ist kein Verbrechen“, ist auf Transparenten zu lesen. Das ist intellektuell ungefähr so, als würde man eine Vergewaltigung mit dem Spruch rechtfertigen: „Frauen zu mögen, ist kein Verbrechen.“
Zur Erinnerung: Simeon T. ist nicht wegen seiner linken Gesinnung verurteilt worden – sondern weil er Menschen, die er für rechtsradikal hielt (ohne zu wissen, ob sie das tatsächlich waren), mit Hämmern und Schlagstöcken die Knochen gebrochen und den Schädel zertrümmert hat.
Doch die politische Linke springt dem Goldjungen reflexartig an die Seite. Die Fraktion der „Linken“ im EU-Parlament wählt dafür eine grafische Ikonografie, die aus einem brutalen Schläger einen Märtyrer macht:
Der Text dazu ist nicht besser. „Antifaschismus ist kein Terrorismus, es ist eine demokratische Pflicht.“ Die EU-Linke erklärt also mehrfache lebensgefährliche Körperverletzung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zur demokratischen Pflicht.
In einem funktionierenden Rechtsstaat wäre so etwas ein Fall für den Staatsanwalt, aber da sind wir ja nicht, sondern in der EU.
Weiter ist zu lesen: „Wir stehen an der Seite von Maja und von jedem in Europa, der sich nicht zum Schweigen bringen lassen will.“ Zum Schweigen gebracht wurden allerdings nur die Opfer von Simeon T., von denen einige nur mit viel Glück überlebt haben. Dem Täter selbst haben unsere Medien jede nur erdenkliche Gelegenheit gegeben, sich zu erklären und sich über die Haftbedingungen in Ungarn zu beschweren („harte Betten, schlechtes Essen“).
Die Erzählung vom in Ungarn quasi misshandelten Märtyrer für die gerechte linke Sache wird zwar durch keinen einzigen (!) Beleg untermauert. Aber mit so etwas wie Faktentreue kann man sich im epischen „Kampf gegen Rechts“ nicht aufhalten.
Unvermeidlicherweise springen auch die Grünen dem Freund von Hammer und Schlagstock bei. Der Bundestagsabgeordnete Helge Limburg sagt: „Ein rechtsstaatliches Verfahren war in Ungarn von Anfang an nicht gewährleistet.“ Wie er zu dieser Erkenntnis kommt, bleibt sein Geheimnis. Denn für die Taten, für die Simeon T. in Budapest verurteilt wurde, hätte er auch in Deutschland keine geringere Strafe zu erwarten gehabt.
In Wahrheit ist an dem Urteil gar nichts unverhältnismäßig, und weder am Prozess noch an der Untersuchungshaft für Simeon T. kann man nach rechtsstaatlichen Maßstäben irgendetwas aussetzen.
Das, was unsere linke Reichshälfte so auf die Palme bringt, ist etwas ganz anderes: Hier führt ein EU-Staat vor, dass linksextremistische Gewalttäter eben nicht überall einen politischen oder gar juristischen Freibrief haben.
In Deutschland lassen wir es zu, dass auf einer Konferenz einer linksextremen Zeitung das Grußwort eines flüchtigen und untergetauchten RAF-Terroristen verlesen wird – in Anwesenheit je eines Bundestagsabgeordneten der SPD und der „Linken“. In Ungarn dagegen wird mit linkem Terror so verfahren, wie man es von einem Rechtsstaat erwarten darf.
Der Protest in Deutschland über das Urteil gegen Simeon T. und die Kommentare vieler selbsternannter „Leitjournalisten“ dazu sagen viel über den Zustand der Bundesrepublik aus.
Spoiler: Er ist nicht gut.




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„Neu ist, dass Unterstützer politischer Gewalt bundesweit die Straßen erobern und von „Leitmedien“ bejubelt werden.“ Neu ist aber auch, daß linker Terrorismus von (Teilen?) der Bundesregierung (Antifant Klingbeil), der Pseudo-Opposition aus Linken (okay. Selbstredend!) und Grünen bis hin zum an sich höchsten Staatsamt hofiert/goutiert wird (Feine Sahne Fischfilet sei z.B. erinnert)…
Deutschland pervertiert…