Geld für Liebe – die Ehefrau als Dienstleisterin

In der „Zeit“ wird ein neues Familienmodell propagiert: Frauen vom Kinderkriegen abhalten, das war mal. Jetzt sollen sie dafür bezahlt werden – vom Ehemann. Das ist keine Würdigung, sondern eine Entwertung des existenziellen Beitrags der Frau. Denn der ist unbezahlbar.

picture alliance / Zoonar | Iuliia Zavalishina

Frauen gebären, nähren und erziehen die Kinder, Männer versorgen die Frauen. Diese Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau gilt heute wahlweise als „traditionell“, „altmodisch“, „rückschrittlich“ oder gar „frauenfeindlich“.

Allerdings spiegeln sich darin einige biologische und soziologische Wahrheiten wider, die sich nicht leugnen lassen. Zum Beispiel jene, dass es Menschen guttut, die Last der Existenzsicherung sinnvoll zu teilen, da es den Einzelnen zumeist überfordert, sie allein tragen zu müssen. Dazu dient gewöhnlich die Einheit der Familie, in deren Rahmen die zu bewältigenden Aufgaben vergeben werden.

Wie dies konkret aussieht, ergibt sich dann gemeinhin aus einer weiteren Banalität, nämlich der, dass nur Frauen Kinder gebären und stillen können, und dass die Mutter als erste Bezugsperson vor allem in den ersten Lebensmonaten von einzigartiger Bedeutung für das Kind und seine gesunde körperliche, geistige, emotionale und psychische Entwicklung ist.

Eine Abwesenheit der Frau in dieser Phase ist allerdings nicht nur aus Sicht des Kindes suboptimal. Man sollte meinen, dass man auch einer Frau gönnen darf, neben der intensiven Versorgung der Kinder nicht auch noch arbeiten gehen zu müssen.

Doch eine derartige Entlastung empfindet die Frau von heute als Herbwürdigung: Würdig, gleich und berechtigt ist nur, wer Geld verdient. Einfach nur „sein“, und dann auch noch „Hausfrau und Mutter“? Das geht gar nicht.

Menschenfeindlicher Optimierungswahn

Also werden die Tatsachen wegmodernisiert, und zwar unter Preisgabe des Wohlbefindens aller: Erwachsenen wird abverlangt, zu 100 Prozent dem Staat zur Verfügung zu stehen, um durch Erwerbsarbeit das Steueraufkommen zu sichern, während das Familienleben nebenbei und nebenher gestaltet werden soll. Das bedeutet vor allem für Frauen eine Doppelbelastung, da sich die auf sie ausgerichteten Bedürfnisse der Kinder nur schlecht auslagern lassen.

Versuchen kann man es allerdings, also werden die Sprösslinge frühestmöglich der Fremdbetreuung überantwortet und damit sozialem Stress und vorprogrammierten Bindungsproblemen ausgesetzt – alles für die Selbstverwirklichung als Nettosteuerzahlerin.

Weil die Realität dem Modernisierungs- und Optimierungswahn des Menschen immer wieder in die Quere kommt und die Kopfgeburten als solche entlarvt, wird dieses ideologische Programm von medialem Dauerfeuer gegen Familiengründung begleitet. Verständlich: Denn so, wie es propagiert wird, funktioniert das System offensichtlich mehr schlecht als recht.

So werden vor allem Frauen unter Beschuss genommen: bloß keine Familie, bloß kein Kind! Kinder sind gefährlich, ruinieren den Traumbody, machen die Finanzen kaputt und das Klima.

Das Resultat: Eine unaufhaltsam sinkende Geburtenrate und im besten Falle die Erkenntnis, dass die Ordnung, die zivilisierte Gesellschaften bezüglich der Familie entwickelt haben, vielleicht doch gar nicht so dumm war.

Altmodische Idee, neuer Twist

Das hat nun auch die Zeit begriffen. Allerdings fällt es augenscheinlich noch etwas schwer, die einfache althergebrachte Aufgabenteilung zu formulieren.

Daher versieht das Medium die Abkehr von dem Prinzip, Frauen von der Mutterschaft unter allen Umständen abhalten zu wollen, mit einem zeitgemäßen Twist: Frauen sollen sich dem Kinderkriegen nicht mehr entziehen, sondern ganz einfach dafür bezahlt werden – und zwar vom Mann.

Schließlich tragen Frauen die gesundheitlichen Risiken der Schwangerschaft und müssen aufgrund der Kinderbetreuung finanzielle Einbußen hinnehmen.

Für die bahnbrechende Idee, die Ehefrau nicht als Lebensgefährtin, sondern als Personal zu betrachten, plädiert Magdalena Sporkmann, porträtiert von Ana-Marija Bilandzija. In zwei Tranchen solle das Geld fließen – „die erste, sobald das noch ungeborene Kind als überlebensfähig gilt. Die zweite nach der Geburt.“

Das klingt nach einem Arrangement wie in einem Leihmutterschaftsvertrag. Und, ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Genau daran haben sich die Eheleute Sporkmann orientiert.

Wie eine Dienstleisterin wird Sporkmann zwar bezahlt, will aber ihre Gebärtätigkeit nicht als Dienstleistung verstanden wissen – auch sie erfülle sich den Wunsch nach einem Kind, sagt sie.

Vergütung fürs Unbezahlbare

Warum der Kindsvater dann gesondert für dieses Kind zahlen soll, erschließt sich nicht. Ebenso wenig wie der Drang, Zuneigung, Bindung, Fruchtbarkeit und die Opfer, die damit einhergehen, pekuniär beziffern zu wollen:

„Care-Arbeit“, wird nun genannt, was man früher als „Liebe“ bezeichnete; und wie jede Arbeit verdient sie Entlohnung. Nicht in Umarmungen, Küssen, Treue, Hochachtung und vielleicht ab und an Blumen. Harte Dollars müssen es sein.

Das allerdings ist keine Wertschätzung, sondern die Entwertung all jener Dinge, die eben nicht bloß wertvoll, sondern unschätzbar sind.

Das System, das hier begeistert beworben wird, existiert wie gesagt bereits seit Jahrtausenden: In Anerkennung des körperlichen Einsatzes der Frau für die Familie – für Zeit-Leser: „Investment“ – sieht das europäische Ideal vor, dass sie von ihrem Ehemann versorgt wird, und zwar nicht nur finanziell.

Trotz aller Gleichberechtigung müssen Männer daher auch dann Geld an die Mütter ihrer Kinder zahlen, wenn sie ansonsten von ihren Nachkommen und einem Familienleben nichts wissen wollen.

Zugegeben: Die Idee des Alleinverdienerhaushalts ist eine Idealvorstellung, die stets nur für einen kleinen Teil der Frauen galt – in der Praxis assistierten Frauen gewöhnlich ihren Männern, sei es im Betrieb, auf dem Feld oder mit einem eigenen in Heimarbeit erbrachten Erwerb.

Aber grundsätzlich zeigt das Bekenntnis zu diesem Ideal, dass man sich in den ach so rückschrittlich-frauenfeindlichen Gesellschaften Europas der existenziellen Natur des Beitrags der Frau zur Familie durchaus bewusst war.

Ein Beitrag, der nicht entlohnt werden kann, weil er unbezahlbar ist.

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Kommentare ( 1 )

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Peter Kern
1 Stunde her

Wenn man wirklich monetäre Aspekte besprechen möchte, dann könnte man darüber diskutieren, ob Kinderlose in einem Pensionssystem, das als Umlagesystem / Generationenvertrag aufgesetzt ist, den Anspruch auf gleiche Rentenzahlungen haben. Oder ob man nicht Paare mit Kindern (auch gestaffelt nach Anzahl) massive Erleichterungen in der Lohnsteuer gewährt.
Das wären echte Diskussionen, die die Leute interessieren.