Antisemitismus-Eklat: Mit Böhmermann will keiner spielen

Jan Böhmermann wollte im HKW der linken Haltungskunst die große Bühne bieten. Heraus kam ein Antisemitismus-Eklat. Ein Rapper mit Palästina-Shirt sollte ausgerechnet am 7. Oktober auftreten. Das stoppte Kulturstaatsminister Weimer, Böhmermann knickte ein. Jetzt wird ihm aus dem noch extremeren linken Lager Zensur vorgeworfen.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Michael Kremer/Geisler-Fotopress

Der Sachverhalt ist schnell erzählt: Jan Böhmermann, der so ziemlich alles meint zu können, was er nicht kann, Kabarett zum Beispiel, Pointen setzen zum Beispiel oder schlicht humorvoll zu sein, verhob sich jetzt auch als Kurator. Er mag geglaubt haben, dass eine Ausstellung in Berlin zu kuratieren so leicht ist, wie eine Sendung im ZDF zu produzieren, wenn man nur woke und grün genug phrast. Dass das dubiose HKW so wokeextrem wie das ZDF ist, dürfte Böhmermann in der Illusion bestätigt haben, dass eine woke Ausstellung in Berlin durchzuführen in etwa der Organisation eines grünen Parteitags in Kreuzberg entspricht.

Neben den ausgestellten Exponaten, die nur aus der Sicht der Gegenwartsarchäologie spannend sein mögen, sollten in einem Beiprogramm Musiker für Böhmermann aufspielen und der Anwalt Schertz und der Mann mit dem gewichtigen Titel Kulturstaatsminister, Wolfram Weimer, auf jeweils einem Podium mit Böhmermann diskutieren. Dumm nur, dass einer der Musiker, der Rapper Chefket,„mehrfach ein ‚FC Palestine‘-Trikot getragen hat, auf dem die palästinensischen Farben über eine Landkarte von Israel gemalt sind. Dieses Kleidungsstück kann so verstanden werden, dass das Existenzrecht von Israel damit bestritten wird“, wie die Berliner Zeitung schreibt.

Noch dümmer, dass Chefket ausgerechnet am 7. Oktober für Böhmermann aufspielen wollte. Wolfram Weimer, der, drücken wir es mal so aus, mit der Sympathie für das Böhmermannmuseum in Roths Fußstapfen trat, wollte seiner Vorgängerin dann doch nicht in einen möglichen Antisemitismus-Skandal, wie ihn Roths documenta damals auslöste, folgen und schrieb einen Brief an die Leitung des Hauses, in dem er feststellte: „Chefket hat auf seinem Instagram-Kanal ein Foto von sich in einem T-Shirt mit einem Motiv veröffentlicht, das das Existenzrecht Israels in Frage stellt, da der gewünschte Staat Palästina dort auf israelischem Staatsgebiet entsteht und kein Platz für Israel vorgesehen ist.“

Um klarzustellen: „Dass nun ausgerechnet am Jahrestag des Hamas-Anschlags auf Israel am 7. Oktober ein Konzert mit einem Künstler stattfinden soll, der antisemitische Inhalte verbreitet, empfinde ich als Provokation.“ Weimer forderte den HKW-Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung auf, „Sorge dafür zu tragen, dass es nicht zu antisemitischen Äußerungen in jedweder Form kommt“.

Böhmermann nun wollte sich, wie es seine Art ist, wenn es ernst wird und womit ihn sein Intendant Himmler für gewöhnlich durchkommen lässt, mit einem flapsigen Spruch aus der Affäre ziehen. „Wenn hier das Existenzrecht Israels geleugnet wird oder der Holocaust, dann schnappe ich mir Wolfram Weimer, hake mich ein und boxe die von der Bühne“, verhob sich Böhmermann am Versuch einer Pointe. Doch er sollte nicht nachboxen, sondern vorboxen, gar nicht erst die Bühne dafür bieten, dass „das Existenzrecht Israels geleugnet“ werden könnte und lud Chefket aus, er oder zumindest das HKW.

Darüber empört sich ideologiegemäß die taz: „Jan Böhmermann knickt ein. Der Satiriker und TV-Moderator gibt dem massiven Druck nach, den vor allem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer auf ihn und das Haus der Kulturen der Welt in Berlin ausgeübt hatte … Ein für den 7. Oktober 2025 geplantes Konzert mit dem Rapper Chefket hat er am Montag kurzfristig abgesagt. Das kommt einer Kapitulation gleich.“ Einer Kapitulation wovor, liebe taz?

Doch nun distanzieren sich auch Böhmermanns musizierende Freunde, wollen nun auch nicht mehr singen, wenn Chefket nicht singen darf, mit oder ohne Palästina T-Shirt. Auf die Idee, jüdische Künstler am 7. Oktober auftreten zu lassen, kam Böhmermann nicht. Warum nicht?

Die Begründung der Musiker lässt jedenfalls an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Wir finden es nicht richtig, wie Künstler:innen (in dem Fall Chefket) und Veranstalter:innen von Politik (in dem Fall das CDU-geführte Kulturministerium unter Wolfram Weimer) und manche Medien gezielt unter Druck gesetzt werden, weil Künstler:innen auf die untragbare Situation in Palästina aufmerksam machen und ihre Solidarität mit der leidenden Zivilbevölkerung ausdrücken“, empörte sich aber sowas von empört die Band Blumengarten am 29. September auf Instagram. Um noch einmal deutlich zu machen: „Wir stehen nach wie vor solidarisch mit den Menschen in Gaza.“ Auch zur Hamas?

Ebenfalls zu Erhöhung des Bekanntheitsgrades im Rahmen des Empörungsmarketings verlautbarte die Sängerin Domiziana: „Mein politischer Standpunkt zur katastrophalen Lage in Palästina ist klar und öffentlich bekannt – ich stehe solidarisch mit Gaza, verurteile den Genozid und positioniere mich gegen jede Form von Rassismus, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus, Diskriminierung sowie jegliche Art von Intoleranz.“ Und damit ihre Fans mit Domiziana ganz doll traurig sein dürfen, fügte die Künstlerin hinzu: „Für mich persönlich wäre die Show ebenfalls wichtig gewesen – gerade weil sie in einem politischen Rahmen stattfinden sollte, in dem auch meine Stimme gefragt war.“ Was vielleicht die härteste Kritik an Böhmermanns politischen Rahmen und am politischen Rahmen des HKW ist.

Der musikexpress, der die Statements sammelte, stellte unter der Zwischenüberschrift „Weitere Statements fehlen“ fest: „Drunken Masters äußerte ebenfalls Solidarität mit Chefket; sie und Wa22ermann begründeten ihre Absagen nicht weiter. Das HKW oder auch Jan Böhmermann haben sich bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht zu den Absagen geäußert. Auch Chefkets Reaktion ist bislang nicht bekannt.“

Böhmermann jedenfalls ist gescheitert, jetzt sehen ihn auch die Linken und Woken als Mann der Zensur. Aber vielleicht bringt ihm wenigstens Wolfram Weimer ein Ständchen.


Unterstützung
oder

Kommentare ( 15 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

15 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Peter Pascht
1 Stunde her

Sowas kommt von sowas.
Wenn Hassdemonstrationen und Hassaufwiegelung zu Morden werden,
Terroranschlag auf Synagoge in Manchester am Jon Kipur Tag,
mit 3 Toten. Stamer, Charles und Camilla sind entsetzt (sic)
Stamer hat Konferenz in Kopenhagen verlassen.
Mit Auto in Menschengruppe vor Synagoge gefahren und Messerstecherei. Huntergründe seien unklar sagt Polizei – hat denn schon mal einen IQ Test gemacht ?
Sowas kommt von sowas.
150 deutsche „Experten“ fordern Kurswechels in der Isarel Politik, „bis hin zu Einreiseverbote, Vermögensperrung und Waffenembargo“ – Quelle: ÖRR
„Experten“(sic), Fachleute(sic) „aus Wissenschaft, Politik und Diploamtie – sagt ÖRR.

man without opinion
2 Stunden her

Moin,
Thomas Fischer hat mal eine längere Einschätzung des B. gemacht. Sehr lesenswert.
Quintessenz: B. macht nur was Quote bringt, völlig egal worum es geht.
Insofern hat er wieder sein Ziel erreicht. Irgendwelche Rapper oder das Museum sind dem völlig Wurst.
Richtig treffen kann man den nur, wenn TE den z. B. radikal ignoriert.
Wenn das nicht geht, wenigstens keine Bilder mehr von dem.
LG

Hieronymus Bosch
2 Stunden her

Dieses Land ist einfach nur ein schlechter Witz – über den bald keiner mehr lachen wird!

Frank M.
2 Stunden her

Böhmermann hatte lediglich das Pech, dass er mit Wolfram Weimer einen Gegenspieler hatte, welcher der vermutlich erste ‚Ministeriale‘ seit zehn Jahren ist, der sich in einer relevanten Angelegenheit mit Mumm in den Knochen gegen die linkswoke Dominanz stellt.

Last edited 2 Stunden her by Frank M.
ceterum censeo
3 Stunden her

Die linken Schreihälse sehen sich Kritik ausgesetzt? Mimimi…sonst kritisieren und verdammen sie doch alles und jeden, was nur ein Jota von ihrer Schmalspurdenke abweicht. Mimimi…

taliscas
3 Stunden her

Wenn die Geschichtsschreibung sich eines Tages mit der Kunst und den Künstlern dieser Zeit auseinandersetzen will, wird sie in nichts als belanglosem Unrat und personifizierten Abschaum wühlen müssen. Viel Vergnügen.

Hutschnur
3 Stunden her

Mich würde es nicht wundern, wenn das ganze ein inszenierten Theater wäre. Um eine Veranstaltung mit vermeintlichen (unbekannten) Künstlernden, Kulturschaffende und solche die es werden wollen, ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Wer schaut sich sowas an? Kostet das Eintritt?

WGreuer
3 Stunden her

Wenn Böhmermann endlich abtritt bzw. zurückgetreten wird, ist der zurückbleibende Haufen tatsächlich größer als der Schaden durch seinen Rücktritt. Deutschland hat dann um einen linken Hassprediger weniger.

rainer erich
4 Stunden her

Ich danke dem Autor für die partielle Aufklärung über die Szene und ihre „Künstler“. Sie sind mir bis dato völlig unbekannt gewesen. An dem nun erreichten Zustand wird sich nichts aendern. Ansonsten ist dazu alles geschrieben, zu H. Böhmermann eher etwas zuviel. Die Aufmerksamkeit dieser Figur steht in einem krassen Missverhaeltnis zu allem, was er ist und kann. Allerdings verkörpert er den allgemeinen Verfall perfekt wie kaum ein anderer in diesem Sumpf. Insoweit ist er ein signifikantes Beispiel für die heute öffentlich gefragten Exemplare und damit für diese nach „unten “ entgrenzte Gesellschaft.

imapact
3 Stunden her
Antworten an  rainer erich

Der eigentliche Skandal liegt darin, daß Weimer diesen Linksextremen bullshit überhaupt mit Steuermillionen finanziert. Auch wenn er gegenüber den schlimmsten Verfehlungen die Notbremse gezogen hat. Weimer ist schon jetzt eine Enttäuschung. Gut auf jedenfall, daß der linke Abschaum jetzt geschlossen auf seine „performance“ verzichtet. Und Böhmermann darf weiterhin mit erpresstem Gebührengeld sein Gift verspritzen.

eifelerjong
4 Stunden her

„Wenn hier das Existenzrecht Israels geleugnet wird oder der Holocaust, dann schnappe ich mir Wolfram Weimer, hake mich ein und boxe die von der Bühne“,
Dieser Hänfling wird stiften gehen, sobald sein Gegenüber auch nur in die Boxstellung geht.
Einmal Luft geholt, und er klebt einem unter der Nase.

Last edited 4 Stunden her by eifelerjong
joly
1 Stunde her
Antworten an  eifelerjong

Ohne abgepresstes Gebührengeld wäre er im Bürgergeld. Dort wäre er allerdings deutlich preiswerter