Gig-Economy: Die schöne neue Welt der Plattform-Ökonomie

In den USA wurden 2016 etwa 53 Millionen Freelancer registriert. Experten schätzen, dass sich diese Zahl bis 2020 deutlich erhöhen wird, dass in wenigen Jahren etwa die Hälfte der US-Beschäftigten als Solo-Selbständige auftreten wird. Hierzulande hat das niemand auf dem Radar.

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In Deutschland werden immer mehr Pakete über selbständige Logistikfirmen zugestellt. Auch bei Ihnen hat sicherlich in diesem Jahr schon einmal ein Mann in einem giftblauen Overall mit Hermes-Aufnäher geklingelt. Diese meist etwas gehetzt wirkende Person ist ein scheinselbständiger Unternehmer, der in der Regel auf Provisionsbasis für ein Subunternehmen der Hamburger Hermes-Gruppe arbeitet. Er muss in der Regel selbst sein Fahrzeug kaufen, versichern, betanken und warten. Wenn er Glück hat, bekommt er einen Stundenlohn von 7,-50 Euro (bei wenigstens 15-20 ausgelieferten Paketen pro Stunde). Wenn er Pech hat, wird er ohne Fixum entlohnt, d.h. nur für ein erfolgreich zugestelltes Paket bezahlt. Ist er mal krank, verdient unser Götterbote also gar nichts.

Dieses Geschäftsprinzip ist mittlerweile weit verbreitet. Auch Deliveroo, deren Fahrradfahrer mit ihren großen Thermo-Rucksäcken auffallen, und Foodora („Sei dein eigener Chef“) mit ihren Großstadt-Kurieren arbeiten auf dieser Basis; ebenso wie eine bekannte britische Billig-Airline, deren Piloten als Freiberufler oft nicht nur ihre Dienstkleidung, sondern auch noch ihre Berufsausbildung selbst finanzieren müssen. Dafür, so hört man, arbeiten sie im Winter zu lausigen Gehältern um die 1.800 Euro. All diese Personengruppen bezeichnet die Wissenschaft als Mikro-Unternehmer oder Solo-Selbständige. Den paradigmatischen Begründungshintergrund liefert die sog. Humankapitaltheorie, nach der jeder Mensch selbst für seine spätere Arbeitsplatztauglichkeit (Employability) verantwortlich sei. Und die Digitalisierung macht’s möglich: Fahrrad plus Smartphone gleich Kurier.

Keine Lösung in Sicht
hart aber fair: In der Paketbranche ist alles hart und nichts fair
Das alles ist mehr oder weniger geläufig. In letzter Zeit tritt zu dieser Form der privaten Beschäftigung jedoch immer stärker ein weiterer Trend: die sog. Plattform-Ökonomie. Darunter versteht man die mit Hilfe des Internet bzw. digitaler Online-Plattformen betriebene Vermittlung von Arbeitsaufträgen oder Sachgütern. Die Betreiber dieser Plattformen kreieren damit einen virtuellen Marktplatz, d.h. sie machen Angebot und Nachfrage von Wirtschaftsgütern transparent und bahnen auf diese Weise höchst effektiv vielfältige Geschäftsbeziehungen an. Der Paketzusteller Hermes gehört noch nicht dazu – eher reden wir hier über Firmen und Portale wie Uber, Taskrabbit (Handwerkerdienste), Medicast (Ärzte auf Abruf), Lawyers on Demand, Helpling (Putzkräfte) oder Upworks, das inzwischen jedes Jahr rund drei Millionen Aufträge vermittelt. Bei dessen australischem Konkurrenten Freelancer suchen ebenfalls mehr als 15 Millionen Freiberufler nach Arbeit. Auch Online-Stellenmärkte und Karrierebörsen wie StepStone, Jobware oder Monster gehören in diese Schublade.

Zu unterscheiden sind demnach Geschäftsmodelle, die mit konkreten Gütern handeln (Kapitalplattformen), und solche, die persönlich-professionelle Services anbieten (Arbeitsplattformen). Im Bereich physischer Leistungsangebote sind die sicherlich bekanntesten Portale die Auktionsplattform Ebay und das Online-Kaufhaus Amazon. Bezeichnenderweise hat sich letztgenanntes Unternehmen aber mittlerweile auch in den Dienstleistungsbereich ausgedehnt und mit Amazon Mechanical Turk einen Online-Marktplatz für Gelegenheitsarbeiten – sog. Micro tasks – geschaffen. Man gebe diesen Firmennamen einfach mal bei Google ein und schon steckt man mitten in einer heißen Diskussion um sittenwidrige Niedriglöhne. Apropos Google: Auch die haben mittlerweile Lunte gerochen – und mit Google for Jobs in den USA nachgezogen. Das Unternehmen gab bereits bekannt, die Einführung auch in anderen Ländern zu planen.

Die genannten Portale wirken aber längst nicht nur als Makler („Broker“), sondern auch als Schiedsrichter, die systematisch die Zufriedenheit des Kunden bzw. Leistungsabnehmers ermitteln und den Produzenten der Leistung mit Hilfe eines ausgeklügelten Ratingsystems final bewerten. Immer mehr Festangestellte verwandeln sich damit in professionelle Teilzeitarbeiter. Zumindest bei den Kopfarbeitern wird die eigene Wohnung zur Arbeitsstelle – und aus dem privaten „living room“ ein kommerzieller „coworking space“.

Vor allem freie Journalisten sind diese Art der Beschäftigung längst gewöhnt. Man fühlt sich an den außenpolitischen Experten der BBC erinnert, der in nahezu allen TV-Jahresrückblicken mit seiner süßen, während einer Live-Reportage an Daddys Schreibtisch laufenden Tochter auftauchte. Im Hintergrund die verzweifelte Ehefrau, die ob dieser Peinlichkeit vor einem Millionenpublikum schon die Karriere ihres Mannes am Ende wähnte. Ganz so witzig ist die Realität in den meisten Alltagsfällen allerdings nicht.

Das digitalisiert sich selbst
Bloß kein Digitalminister!
Denn wie sieht die andere Seite dieses Geschäftsmodells aus? Was passiert bei den Solo-Selbständigen? Nehmen wir als Beispiel David S., 30 Jahre. Er hat Informatik studiert und bietet nun über den derzeitigen Marktführer in Deutschland, die Online-Plattform Twago, ein professionelles Webdesign an. Da auch Twago die Aufträge seiner Kunden vor allem über ein Auktionssystem vergibt, muss sich David S. einem vermutlich globalen Wettbewerb stellen. Er bewirbt sich also um den Relaunch des Netzauftritts eines großen Markenartiklers aus der Schweiz. Seine Stellschrauben sind benötigter Stundenumfang und verlangter Stundenlohn. Blöderweise lebt unser Bewerber in einem hochentwickelten Land mit saftigen Steuersätzen und hohen Lebenshaltungskosten. Will er sich am Ende gegen indische, chinesische oder ukrainische Webdesigner durchsetzen, wird dies wohl nur gelingen, wenn er beide Stellschrauben grenzwertig kalkuliert. Vermutlich wird er also faktisch länger arbeiten als veranschlagt und dem Kunden bei Nachfragen zudem unbegrenzt und unentgeltlich zur Verfügung stehen. Ist David S. nicht ein überragender Experte, läuft dies ersichtlich auf eine systematische Selbstausbeutung hinaus – das entsprechende Frustrationspotential bei Nichtberücksichtigung nicht eingerechnet.

Der beschriebene Effekt lässt sich im Netz bereits tausendfach auf entsprechenden Kommentarseiten finden – in der Praxis ist er als Superstar-Effekt bekannt. Der Lohn für die große Masse der Clickworker wird faktisch auf ein absolutes Minimum gedrückt. Auf der anderen Seite bekommen die besten Anbieter immer mehr Aufträge mit zugleich sehr gutem Lohn – und könnten eigentlich ihrerseits ein eigenes Unternehmen mit entsprechendem Talentpool aufmachen. Eine Studie aus Holland zeigt, dass bei dem Portal LastMinut ein Drittel der Aufträge an die sechs Prozent der Experten mit den besten Ratings geht. Werden die Plattformen künftig noch mehr Arbeitsvolumen auf sich ziehen, dürfte die Ungleichheit weiter zunehmen – und zugleich ein großes Heer digitaler Plebs entstehen. Ungeachtet dessen entsteht durch diese Technologie ein wahrlich globaler Arbeitsmarkt.

Zugleich wächst den wichtigsten Online-Portalen durch ihr Feedback-System eine enorme Macht zu – gewollt oder ungewollt entscheiden sie über die Verdienst- und damit auch Lebensmöglichkeiten von Millionen Menschen und Familien. Kein Wunder, dass sich aus dem Kreis der Betroffenen mitsamt einiger Gewerkschaften die Stimmen mehren, die eine Offenlegung oder sogar Zertifizierung sowohl der Auswahl- als auch der Bewertungsalgorithmen fordern.

Für die Broker ist die projekt- und bedarfsweise Verkuppelung von Unternehmen und Arbeitskraft natürlich ein gutes Geschäft. Man finanziert sich über Provisionen, also einen gewissen Anteil an der Auftragssumme. Über deren genaue Höhe weiß man wenig. Upworks soll zwischen 5 und 20% der Auftragssumme kassieren; Twago bis zu 10%. Einige Portale verkaufen auch sog. Premium-Abos, mit denen der Anbieter sein virtuelles Portrait aufhübschen darf und z.B. mehr Raum für die Selbstdarstellung und Eigenwerbung bekommt. Ein Insider erzählte mir, dass man gegen Bezahlung bisweilen auch schlechte Kundenbewertungen löschen lassen kann.

Ohne Geschäftsrisiko und mit kaum eigenem Personal winkt den Plattformen die große Rendite. Aber auch für die Firmen als eigentliche Kunden der Portale geht die Rechnung auf: Die eigenen Personalaufwendungen werden ebenso minimiert wie die Fixkosten, sollten die Geschäfte mal nicht so laufen. Das ist eben auch ein Mehrwert von Plattformen: Sie besitzen die Fähigkeit, nicht nur betriebliche, sondern auch externe Ressourcen in die Wertschöpfung zu integrieren.

Fiktionen à la Star Trek
Robotersteuer und bedingungsloses Grundeinkommen
Die beschriebenen Geschäftsmodelle bezeichnet die Wissenschaft daher auch als Sharing- oder Gig-Economy. Der Begriff Sharing-Economy ist allerdings irreführend, suggeriert er doch eine altruistisch-kooperative Tauschbeziehung, fast wie zwischen Nachbarn üblich. Andererseits ist der Begriff auch entlarvend – schließlich handelt es sich eben doch um „Economy“, also ums Geschäft. „Gig-Economy“ ist da schon passender. Die Bezeichnung leitet sich ab von den US-Jazzklubs der 1920er Jahre, in denen die Musiker eben nur für den einzelnen Auftritt bezahlt wurden. Ihren Durchbruch feierte die Gig-Economy in den USA während der Krisenjahre 2008/2009. Viele Amerikaner fürchteten um ihre Arbeitsplätze und flüchteten sich in die Selbständigkeit – lieber prekäre Arbeit als gar keine.

In den USA wurden 2016 etwa 53 Millionen Freelancer registriert. Experten schätzen, dass sich diese Zahl bis 2020 deutlich erhöhen wird. Brian Rashid geht sogar davon aus, dass in wenigen Jahren etwa die Hälfte der US-amerikanischen Beschäftigten als Solo-Selbständige auftreten wird. Rashid, ein Unternehmensberater, bringt als entschiedener Befürworter dieser Entwicklung deren gedanklichen Kern begeistert auf den Punkt: „This on-demand-work (…) is moving more and more to independent professionals that are using mobile technology to create ecosystems of work they enjoy. Who says you cannot drive an Uber in the morning, design websites all afternoon, and carter your own food company at night. The old economy would lead you to believe that you should pick one job, work hard for the next 40 years at that company, and then retire. Not the new economy. The more diverse your skills are, the more opportunities come your way.”

In Großbritannien ist die Zahl derjenigen, die nur noch für Einzelaufträge bezahlt werden, seit 2010 ebenfalls drastisch gestiegen (Uber hat einen großen Anteil daran!). Sog. zero-hour contracts, die keine Mindestarbeitsstunden mehr garantieren, sind auf dem Vormarsch. In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl der Solo-Selbständigen auf diese Weise um rund ein Viertel auf über fünf Millionen zugenommen. Auch hier sehen sich die Plattformen primär als Vermittler von Arbeitsleistungen und nicht als Arbeitgeber im klassischen Sinne – mit den entsprechenden persönlichen wie gesellschaftlichen Konsequenzen.

Aber gemach: Das sind Ausnahmen! Die alte Arbeitswelt mit ihren gewohnten Absicherungen gegen Krankheit und Alter ist im alten Europa zwar bedroht, aber lange noch kein Auslaufmodell. Die Zahlen aus den USA sind zwar hoch, aber nicht ohne weiteres auf unser Wirtschaftssystem übertragbar. Seit 2017 arbeiten etwa 12% der Deutschen autonom-digital und liegen damit europaweit im Mittelfeld. Solo-Selbständige finden sich bei uns hauptsächlich in den Medien, in der Kunstszene sowie im beratenden Finanz- und IT-Bereich. Allerdings unterliegen in Deutschland inzwischen nur noch 60% aller Beschäftigten einer Tarifbindung; in der Privatwirtschaft liegt die Quote bereits unter 50%.

Innovationen brauchen Wachstum
Strukturenwechsel 2: Das Technium
Dass die Zahlen sowohl in den angelsächsischen Ländern als auch hierzulande (noch) nicht größer sind, hängt damit zusammen, dass sich bislang eben doch nur relativ wenige Menschen dieser Art von Selbständigkeit komplett mit Haut und Haaren verschrieben haben. In Studien wurden für die USA bis zu fünf verschiedene Gig-Typen identifiziert: Vom Side Gigger (der vor allem durch finanzielle Sicherheit und Jobflexibilität motiviert ist) über den gerade beschäftigungslosen Substituter (der seinen Lebensstandard sichern und/oder sich etwas dazuverdienen resp. das Arbeitslosengeld aufstocken will), bis hin zum Business Builder, der über großes Selbstvertrauen, Kompetenz und Tatkraft verfügt und sich letztlich aus den hierarchischen Bindungen klassischer Arbeit lösen möchte. Für die meisten bedeutet Plattformarbeit aber immer noch einen hübschen Nebenverdienst.

Dennoch ist langsam auch die Politik gefordert. Die paar dürren Zeilen, die sich im Koalitionsvertrag von CDU und SPD zur Digitalen Arbeitswelt finden, enttäuschen auf der ganzen Linie: nichts zu Vermittlungsportalen oder Solo-Unternehmertum. Auch die Gewerkschaften müssen sich noch sortieren; ihnen geht es verständlicherweise zunächst darum, herkömmliche Arbeitnehmerrechte wie Mitbestimmung und Arbeitsschutz auch in der Plattformwelt durchzusetzen. Erste Gerichtsurteile in England haben Uber dazu verpflichtet, die Fahrer wie normale Unternehmensangehörige zu behandeln und z.B. für deren Alter vorzusorgen. In den USA formiert sich immer offener die sog. Alt-Labor-Bewegung.

Denn was ist, wenn die Gig-Economy im Verbund mit dem allgegenwärtigen Internet zwar eine Fülle von Jobs kreiert, aber eben keine anständige Arbeit? Aus dem festen Arbeitsvertrag wird nun jedenfalls ein fungibler Dienstleistungsvertrag. Am Ende bewirkt die von den Portalen kommunizierte Befreiung und Selbstbestimmung möglicherweise das genaue Gegenteil: Wachsende Zwänge und steigende Fremdsteuerung.

Denken wir noch einmal an unseren abgehetzten Hermes-Fahrer. Er wird demnächst neue Konkurrenz bekommen: von Amazon Flex. Seit Ende letzten Jahres rekrutiert der Internetriese Personal für seinen geplanten Kurierdienst in Deutschland. In den USA war man bereits zum Weihnachtsgeschäft 2015 eingestiegen. Eine vierstündige Lieferschicht soll in Deutschland mit maximal 64 Euro entlohnt werden. Aus der Ausschreibung geht allerdings nicht hervor, ob sich Amazon an den Unterhaltskosten der Fahrzeuge oder etwaigen Sozialversicherungen beteiligen wird.

Wird fortgesetzt.


Dietrich von der Oelsnitz, Technische Universität Braunschweig, Institut für Unternehmensführung, Lehrstuhl für Organisation und Führung

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Kommentare ( 41 )

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‚Jedem das Gleiche‘ ist das Motto des Sozialismus, ob nun national oder stalinistisch oder was auch immer. Dumm nur für die Naiven, daß die Realität schon immer eine andere war ist und bleiben wird. So kommt sie denn stets durch die Hintertür zurück. Es sieht nicht gut aus für die Generation Schneeflocke, denn bald ist Frühling.

Schwacher Beitrag – gemessen am TE-Niveau – und inhaltlich ein ganz alter Hut, wenn man sich schon einmal außerhalb „sicherer“ Gefilde wie Universitäten usw. bewegt hat. Ich darf an das Prinzip Selbstverantwortung erinnern und möchte die Frage stellen, weshalb jemand nur Fahrrad oder Auto fahren kann und sonst nichts – mit der Folge, dass er sich als Kurier oder Paketfahrer verdingen muss. Wer offensichtlich so gering qualifiziert ist, würde auch bei Festanstellung nicht mehr verdienen oder künftig erst gar keine erhalten, da dann eine automatisierte Zustellung günstiger wird. Nächste Frage: Wer sagt eigentlich, dass diese „armen Ausgebeuteten“ ihr Leben lang… Mehr
Grundsätzlich Zustimmung, dass in vielen Bereichen eine auf den ersten Blick weltweite Konkurrenz besteht. Aber eben nur auf den ersten Blick, wobei dennoch ein Trend nach weniger Entlohnung zu erkennen ist. Wer da schon länger unterwegs ist wie ich, bekommt es mit (und stellt entsprechende Forderungen in seinem Profil bei der Suche nach Arbeitskräften). Ich schlage einfach mal vor, über Monate durch englische Dienstleistungensplattformen zu stöbern, die vom Copy-Schreiben bis zum Webdesign alles anbieten. Du wirst überhäuft von Angeboten aus Indien, Bangladesh, Pakistan. Aber wer eben schon Erfahrungen als Auftraggeber sammeln konnte, wird häufig nach nativen Schreibern und Designern suchen.… Mehr

Die Qualität von indischen Billigarbeitern ist in der Tat gering. Aber kümmert das den Auftraggeber, so lange der Preis entsprechend billiger ist? Stichwort Telefonsupport.

Habe ich da was falsch verstanden? Werden diese „freelancer“ gezwungen, diese Arbeitsverhältnisse einzugehen?

Fragen Sie mal das Arbeitsamt.

Soso, alles schrecklich schlecht also … Nun gut, nehmen wir nochmal unseren David S., 30 Jahre: Nach ein paar Jahren hat er sich zu einem der gefragteren Anbieter hochgearbeitet, schließlich hat er in Deutschland Informatik studiert und inzwischen auch dazugelernt. Sogar bei global tätigen Kunden, die nicht im deutschsprachigen Raum zu Hause sind, kann er den ein oder anderen gut bezahlten Auftrag an Land ziehen. Unserem David S., nun Mitte 30, fällt nun erst so richtig auf, dass er blöderweise in einem hochentwickelten (wenn Sie unbedingt darauf bestehen, ich würde da mal nach Asien gucken, nur so nebenbei) Land mit… Mehr

Stimmt schon, aber aufs Grosse und Ganze gesehen verlieren die Durchschnittsarbeiter gewaltig.

Mag sein, aber warum sollte David S. durch seine ausgezeichnete Leistung die Durchschnittsarbeiter mit durchfüttern und nicht lieber selbst seinen gerechten Lohn dafür einstreichen?

Heißt das nicht im Umkehrschluss, dass diese bei größeren Unternehmen bisher einfach nur durch die Mehrleistungen der Leute, die (wie im Beispiel dann eben David S.) über das Mittelmaß hinaus für den Erfolg der Unternehmung verantwortlich sind, mitgezogen werden?

Dank dieser Plattform-Wirtschaft ist auch eine vernünftige Steuererhebung kaum mehr machbar. Die Schattenwirtschaft wächst. Ich kenne etliche Scheinselbständige, die ihre Steuererklärungen optimieren. Man gibt gerade so viele Einnahmen an, dass es nicht unglaubwürdig wird oder als „Liebhaberei“ erscheint. Bei den Bekannten sammelt man eifrig Belege für Büromaterial etc. Für Arbeitslose ist auch ein schlecht bezahlter selbständiger Nebenjob ein schöner Zusatzverdienst. Gerade im Vereinigten Königreich ist ein großer Schwarzmarkt entstanden. Warum? Wegen deren Hyperliberalität. Eine Meldepflicht gab es dort niemals. Im Jahr 2010 wurde auch die Identity-Card (glich unserem Personalausweis) abgeschafft. Hinzu kommen vielfach ethnische und kulturelle Parallelgesellschaften. Dort kann man… Mehr

Dass dieses Thema weder in der Politik noch in den MSM diskutiert wird, ist völlig logisch. Das beschriebene Freelancer-Modell ist das gewünschte System der NWO. Nicht nur die erwähnten digitalen Dienstleistungen (Website etc.) werden weltweit erbracht – die bereits jetzt diversifizierte industrielle Fertigung wird ebenfalls noch weiter internationalisiert. Den wenigen unverzichtbar „fest“ angestellten Arbeitnehmern steht ein Heer von Heer von „arbeitslosen“ Billiglöhnern gegenüber. Konsequenz: Das Einkommen sinkt noch weiter. Es ist eine Todesspirale, an deren Ende ein Heer von Lohnsklaven steht – das Tiel der NWO aus Sicht der Mächtigen.

sehr interessant. Dass jetzt auch Freiberuflichkeit im Sinne der NWO sein soll, habe ich noch nie gehört. Bisher war ich vielmehr immer der Auffassung, dass individuelle Freiheit dem Anliegen der NWO (so es sie denn gibt) diametral zuwiderläuft.

Lohnsklaven, auch in der selbständigen Variante, die länderübergreifend austauschbar sind, sind genau das Ziel der NWO. Gewinnmaximierung im oligarchischen Kollektivismus-das Aufstocken zahlen ja dann andere und nicht der in Übersee sitzende Aktionär.

Moin moin EinAlter WeißerMann,
Exakt! „Atomisierung“ aller Lebensbereiche. Diversity im Sinne von Divide et Impera bedeutet dann, dass sich das atomisierte Individuum fragt: Wer bin ich und was zum Teufel mache ich eigentlich hier. Jeden morgen wird die psychosoziale Rolle vor dem Spiegel neu ausgehandelt. Um welchen halb abgenagten Knochen, der vom Tisch fällt, soll ich mich als „Freelancer“ prostituieren? Alles und JedeR hat seinen Preis. Wenn dann noch Robbi als Konkurrent antritt, hat sich der Mensch für das „Oberste Prozent der Eliten“ ohnehin „überlebt“. (Transhumanismus als Agenda).

Schade, ich hatte gedacht hier auf Tichys wäre ich vor etatistischen Entgleisungen sicher – und schon ist es passiert. Im Ernst: die sogenannte „digitale Wirtschaft“ ist in Wirklichkeit alter Wein in neuen Schläuchen, alles geht weiter wie gehabt. Ausbeutung wird so lange versucht, wie es Menschen gibt. Das Einzige, was an den Plattformen neu – oder besser anders – ist als die althergebrachte Arbeitswelt, ist die Tatsache, dass hier ein globaler Markt entsteht, in dem sich die Akteure ausserhalb der Plattform kaum organisieren können. Damit sind Gewerkschaften, Streiks etc. deutlich erschwert. Ansonsten aber handelt es sich um einen Markt wie… Mehr

Kann den Unterschied zur Leiharbeit auch nicht so recht finden, außer, dass die sich dort noch dreister bedienen, die soziale Absicherung nur Show ist und man sich die Arbeit auch nicht selbst aussucht. Das ist doch schon der untere Rand des Jobmarktes, schlimmer wird da nichts.

Freiberuflich – oder auch nicht? https://www.heise.de/resale/artikel/Selbstaendiger-Softwareentwickler-ist-kein-Freiberufler-1619559.html Vor dem Hintergrund, das Arbeitslosigkeit erst dann auftreten kann wenn nicht genug Arbeit für alle da ist, wobei dann beim Überangebot natürlich der Preis sinkt! Der Wettbewerb in allem und jeder gegen jeden, nach unten, ist eröffnet. Wie das in der Geschichte der Menschheit immer geendet hat, sollten Sie Wissen. Diesmal halt im globalisiertem Gleichschritt, alle gleichzeitig betreffend. „Richtigerweise sollte jeder Freiberufler verpflichtet werden, eine ausreichende Altersvorsorge zu betreiben.“ Warum nicht gleich alle Renten-Beitragszahlungen auch in die Private? Also, wem nehmen Sie Zinsen für Kredite, Dividenden (Gewinne) ab, wenn jeder privat „vorsorgt“? Ich hab… Mehr

der Freiberufler in dem Link wurde zum Gewerbetreibenden umetikettiert. Unsinnige Etiketten, aber so ist es. Hat aber mit dem Thema hier nichts zu tun. Wettbewerb ist das Normalste von der Welt, und einer sozialistischen Planwirtschaft jederzeit vorzuziehen. Als Angestellter ist man dagegen ein wenig abgepuffert, aber am Ende genau so getroffen. Ihre Aussage zur Vorsorge verstehe ich nicht.

Wenn alle Menschen in Vorsorge einzahlen gibt es keinen mehr der ihre Einzahlungen vermehrt. Sie können am Ende nur ihre Einzahlungen ausbezahlt bekommen – Minus kosten. https://www.wolfgang-waldner.com/volkswirtschaftslehre/saldenmechanik/ http://www.nachdenkseiten.de/?p=2798 Für die Eiligen, eine Folie: https://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/071128_mackenroth.pdf Ach ja, der Wettbewerb, mal was zum Nachdenken: Zwei Unternehmen mit ähnlicher Produktpalette. Eins der Unternehmen hat doppelten Umsatz und doppelten Gewinn. Wenn dieses Unternehmen auf die Hälfte seines Gewinns verzichtet, macht das andere Unternehmen keinen Gewinn mehr. Wer dürfte bei diesem Beispiel wohl als Gewinner am Ende dastehen, wenn der mit weniger Gewinn, den Markt verlassen muss? Kein Marktkonkurrent – die Preise steigen. Wenn dann… Mehr

Also, wenn ich einen positiven Daumen für eine Kommentar abgebe erübrigt sich eine Begründung. Für einen negativen Daumen für meinen Kommentar, erwarte ich eine Begründung, oder tun die Bewerter so „Dumm“, und haben keine Argumente? Irgendwie erbärmlich solch eine Verhaltensweise!!!

Tja, jeden Morgen wacht einer auf, der nicht rechnen kann, aber voller Stolz sagt, er sei selbständig. Ich bin auch eine Solo-Selbständige. Allerdings schon seit 17 Jahren. Und ich verdiene noch Stundensätze, von denen man sein Leben gut bestreiten kann. Rücklagen für die Altersvorsorge in ausreichender Höhe waren von Anfang an nicht möglich. Die neue Generation der Solo-Selbständigen wird eben arbeiten müssen bis man sie in der Horizontalen mit den Füßen nach vorne aus dem Büro trägt. Ist das nun erstrebenswert? Ich hätte nicht gedacht, daß ich das mal sage, aber ich bin froh, Anfang 50 zu sein.

Im Bereich IT ist das schon lange Alltag. Wer einen SAP-Programmierer braucht stellt den nicht ein, sondern schließt einen Werkvertrag ab.
Wenn es sehr viele SAP-Programmierer gibt, oder in der Wirtschaft eine Flaute, ist der Verdienst gering, wenn es wenige gibt, oder die Wirtschaft boomt, ist der Verdienst sehr gut. Kann man viel, verdient man mehr, als andere, die weniger können.
Problematisch sehe ich diese Art Subunternehmer im untersten Verdienstbereich. (Hermes und Konsorten) Das ist oft eher ein Sklaventum als Unternehmertum.

SAP-Programmierer werden vor allem deshalb nur bei Bedarf gebucht, weil sie so teuer sind. Stundensätze weit jenseits der 100 EUR keine Seltenheit. Diese Leute brauchen keinen staatlichen Beistand. Für das beschriebene untere Segment sollte die bestehende Gesetzeslage eigentlich ausreichen; Gesetze gegen Scheinselbständigkeit gibt es jedenfalls so lange ich denken kann.

Richtig. Die Selbstständigen die ich kenne nehmen alle >100. Als Angestellte haben sie overall weniger verdient, zumal die Beratungshäuser auch einen variablen Gehaltsanteil haben. Durchsetzen müssen die sich schon lange gegen Inder&co. Wobei die Offshore-Sätze steigen und viele Firmen ihre Erfahrung mit Offshore gemacht haben (häufig eher negativ). Interessant ist dass die Soz.vers. da hinterher sind und arbeitnehmerähnlichkeit wittern. Ziel ist es die Selbstständigen in die Rentenvers. Zu zwingen, auch wenn es ein klares Verlustgeschäft ist und diese Selbstständigen allesamt Altersversorge betreiben. Umgekehrt wird bei einem Hermes-Fahrer (Hermes gehört zu Otto! – und da ist die Gewerkschaft Sta.Si dick drin)… Mehr