Das große Schweigen

Einen Monat nach dem Anschlag von Würzburg herrscht das große Schweigen. Keine Aufklärung der Tat, keine erkennbaren Konsequenzen.

IMAGO / HMB-Media

Gut einen Monat liegt der Anschlag von Würzburg nun zurück: Ein 25-jähriger Somalier ermordete kaltblütig drei Frauen mit einem Messer, verletzte sieben weitere Menschen teilweise schwer. Noch am Abend des Anschlags erklärt Bayerns Innenminister, es gäbe Hinweise auf ein radikal-islamisches Motiv.

Später heißt es vom Bayrischen LKA, dass sich diese Hinweise noch nicht erhärten konnten und man weitere Untersuchungen abwarten müsse.

Und nun? Einen Monat später herrscht das große Schweigen. Keine Aufklärung der Tat, keine erkennbaren Konsequenzen. Der mutmaßliche Täter wurde in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Ein erstes Gutachten attestiert dem Mann Schuldunfähigkeit. Sein Motiv bleibt unklar. Die Verantwortlichen hüllen sich in einen Mantel des Schweigens.

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Keiner möchte sich unbequeme Fragen anhören: Handelte es sich wirklich um einen radikal-islamischen Anschlag? Stimmt die Aussage, dass der Täter polizeibekannt war und bereits vor der Messerattacke von Würzburg durch Gewaltaktionen aufgefallen ist? Gibt es Hintermänner? Handelt es sich um einen psychisch verwirrten Einzeltäter oder um einen von langer Hand geplanten (Terror-)Akt?

Ich kann nicht verstehen, wieso diese Fragen nicht aufgeklärt werden. Die Verantwortlichen sind es den Opfern, den Familien, den Helfern und den Bürgern doch schuldig, das Motiv des Täters zu ermitteln.

Ein Augenzeuge berichtet, der Täter hätte im Würzburger Einkaufszentrum laut „Allahu akbar!“ gerufen, bevor er auf sein erstes Opfer einstach. Zu den Polizeibeamten, die den aus Somalien stammenden Flüchtling festnahmen, soll er unvermittelt gesagt haben: „Ich mache Dschihad.“

Vor genau dieser Gefahr habe ich schon häufig gewarnt: Religiöse Eiferer, die in blindem Fanatismus schreckliche Gewalttaten verüben und mit teils primitivsten Mitteln zahllose Menschen in den Tod reißen.

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Dieses Szenario ist längst kein bloßes Hirngespinst mehr – es ist bittere Realität. Und es ist allerhöchste Zeit, dass die Sicherheitsbehörden und die politischen Verantwortungsträger diese Realität (an-)erkennen.

Der Fall Würzburg hat doch eines deutlich gemacht: Die Verantwortlichen haben die hochgesteckten Ziele nach den Anschlägen von Paris, Nizza oder Wien nicht erreicht. Schlimmer noch: Sie haben ihre Schlafmütze wieder aufgesetzt und die Bekämpfung von Dschihadismus und Salafismus erneut vertagt.

Das macht mich unfassbar wütend: Jeder einzelne Tag, an dem nicht mit aller Entschiedenheit gegen radikal-islamische und salafistische Bestrebungen angekämpft wird, kann im schlimmsten Fall Menschenleben kosten. Wer will warten, bis der nächste Anschlag unser Land erschüttert?

Ich kann einfach nicht verstehen, wieso die Verantwortlichen den Kampf gegen den Dschihadismus verschlafen. Sie können sich nicht mehr der Illusion hingeben, das dschihadistische Gruppen nur die Sicherheit im Nahen Osten und Afrika bedrohen. Sie sind eine ganz konkrete Gefahr für unsere innere Sicherheit in Deutschland und Europa. Und wir müssen dieser Gefahr mit aller Entschiedenheit begegnen.

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Dafür braucht es nicht einmal große Gesetzesänderungen. Vielmehr braucht es den Mut, bestehende rechtsstaatliche Regeln und Verfahren anzuwenden und die Möglichkeiten, die unser rechtsstaatliches System bietet, um demokratiefeindliche Bestrebungen zu bekämpfen, voll auszuschöpfen.

Wir müssen einen mehrgleisigen Ansatz wählen, um im Kampf gegen Salafismus und radikal Islamismus wirklich erfolgreich zu sein: Wir müssen sowohl verhindern, dass sich junge Menschen radikalisieren und von der Demokratie abwenden, als auch sämtliche dschihadistische Auswüchse bekämpfen und im Keim ersticken.

Das bedeutet in meinen Augen, dass wir allen Salafistischen das Wort verbieten müssen. Wir müssen sie vor den Augen ihrer Gemeinden von den Kanzeln zerren, und für ihre Hasspredigten, ihre Anstiftungen zur Gewalt und ihre Hetzereien gegen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zur Rechenschaft ziehen.

Wir dürfen nicht zulassen, dass in den Koranschulen und den Hinterhofmoscheen der Salafisten bereits kleine Kinder und Jugendliche den Hass gegen „Kuffar“ – gegen Ungläubige – indoktriniert bekommen. Hier wird der Boden gelegt, für weitere Gewalt bis hin zu schrecklichen Terrorakten – frei nach dem Motto: Wer Spaltung und Hass säht, wird Sturm ernten.

Von der wahren Instrumentalisierung
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Deshalb fordere ich: Die Gemeinnützigkeit sämtlicher Moscheevereine, Koranschulen und dergleichen, die keine lupenreine freiheitlich-demokratische Gesinnung nachweisen können, muss auf den Prüfstand gestellt werden. Wenn nötig, muss die Gemeinnützigkeit entzogen und Vereinsverbote ausgesprochen werden.

Die Vorzüge und Freiheiten des Rechtsstaats dürfen eben gerade nicht missbraucht werden, um diesen auszuhöhlen und unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit und der Gemeinnützigkeit demokratiefeindliche Aktivitäten voranzutreiben.

Weiterhin müssen wir alle bekannten radikal-islamischen Gefährder genauestens überprüfen. Ausländische Staatsbürger, die als Gefährder gelten, müssen umgehend ausgewiesen und notfalls mit hoheitlichem Zwang abgeschoben werden. Es gibt keinerlei Gründe, Menschen in unserem Land zu dulden, die das freiheitlich-demokratische Gemeinwesen gefährden.

Darüber hinaus fordere ich ein generelles Verbot sämtlicher salafistischer Tätigkeiten in Deutschland, um den dschihadistischen Seelenfängern noch schneller habhaft werden zu können.

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Ich sage es nochmals in aller Deutlichkeit: Wir dürfen nicht warten, bis der nächste Anschlag uns wieder wachrüttelt. Wir müssen jetzt handeln, um nicht behandelt zu werden.

Zu einem entschiedenen Vorgehen gegen Salafismus und Dschihadismus gehört es daher auch, diese Probleme klar zu benennen. Wegducken, Schweigen, Vertagen sind keine Lösungen – vielmehr vergrößern diese Strategien das Problem.

Deutschland und Europa müssen sich eingestehen, dass sie die Bedrohung, die von radikal-islamistischen Einzeltätern ausgeht, unterschätzt haben. Ich meine: Es ist noch nicht zu spät zu handeln. Der beste Zeitpunkt zu beginnen, den Demokratiefeinden und Scharia-Anhängern etwas entgegenzusetzen ist jetzt.

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Kommentare ( 76 )

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egal1966
1 Monat her

Sehr geehrter Herr Tipi, ich habe nun etliche aehnlich gelagerte Artikel von İhnen auf Tichys-Einblick gelesen und wundere mich, wie naiv sie in Bezug auf diesen Thema immer noch sind. Sie brauchen sich doch nur mal den von Deutschland mitunterzeichneten „Migrationspakt“ lesen und viele von ihnen und anderen Kommentatoren gestellte Fragen lösen sich quasi in Rauch auf. Es ist gar nicht gewollt, dass sogenannte „Migranten“ hier für ihre Straftaten schwer bestraft werden, medial die Tatsachen in Bezug auf İntegration, Kriminalitaet und Arbeitslosenquote auf den Tisch kommen. Denn der „Migrationspakt“ sagt doch mehr oder weniger deutlich, dass über sogenannte „Geflüchtete“ politisch… Mehr

Der Michel
1 Monat her

Das Problem ist, dass der Verein aus Altparteien und ihren Presse- und ÖR-Eunuchen die Augen *ganz* fest schließt. 16 Jahre CDU – Ihre Partei, Herr Tipi, aber mit SPD FDP Grünen Linken wäre es wohl sogar noch schlimmer gekommen – hat uns diesen Schlamassel maßgeblich eingebrockt, und ich sehe beim besten Willen keinen Grund anzunehmen, dass sich das in den kommenden Jahren ändern wird: Starke Worte und fromme Sprüche helfen leider nicht, auch wenn sie richtig sind. Klartext: Eine Änderung könnte es allenfalls mit der AfD geben (und auch die müsste erst den Beweis antreten, dass sie es besser macht… Mehr

bkkopp
1 Monat her

Es wäre wohl die Aufgabe der Staatsanwaltschaft die Einweisung des (mutmaßlichen) Täters in die Psychiatrie anzufechten und gegebenenfalls zu verhindern. Da dies nicht geschehen ist, könnte es, theoretisch, “ weichen Knien“ der Staatsanwaltschaft liegen, was aber niemand mit einer plausiblen Begründung behauptet hat, oder auch daran, dass der Somalier tatsächlich als Fall für die Psychiatrie gesehen werden muss. Das ist weder für die Opfer, die Angehörigen, die unmittelbare Gemeinde, noch für den kritischen Beobachter einfach. Ob sich der Fall wirklich gut dafür eignet wieder einmal eine Philippika gegen die Verharmlosung und Beschönigung der islamistischen Bedrohung zu reiten, bleibt abzuwarten.

egal1966
1 Monat her
Antworten an  bkkopp

İch würde ihnen ja gerne irgendwie zustimmen, aber die Tatsache, dass wir uns anscheinend nur „psychisch gestörte“ Auslaender aus meist islamischen Laendern unter „Jubelorgien“ vieler Linksgrünen 2015 ins Land geholt haben, die nun „Einzelfaelle“ on mass fabrizieren und dafür größtenteils „schuldunfaehig“ sind, laesst mich zu den Fazit kommen, dass es einfach so „gewollt“ ist, dass unsere „Goldjungs“ ja nicht in Knast ein Haar gekrümmt wird.

İch persönlich würde all diese „psychisch Kranken“ schnell in ein BW-Flugzeug packen und dahin zurückbringen, wo sie hergekommen sind oder einfach gesagt aus dem Land schmeißen…
Nicht mehr und nicht weniger…

bfwied
1 Monat her

Deutsche wurden und werden nicht „wachgerüttelt“, sie wollen schlafen, sie wollen ihr Gutmenschentum aus Verschlafenheit nicht aufgeben, sie feiern die Meldung, dass bald die Hälfte aller Immigranten eine Arbeit hätte. Es wird nichts hinterfragt, was für eine Arbeit, wie viele bleiben dabei, welche Migranten sind es, wann sind diese angekommen. Nichts wird hinterfragt. Wie wollen Sie die kriegshetzenden Prediger von der Kanzel ziehen? Was glauben Sie, machen die Gläubigen? Nein, den sogenannten Islamismus kann man nicht bekämpfen, er ist dem Islam immanent, denn der ist ein Zivilisation mit allem Drum und Dran wie Rechtssystem, Verfassung, Menschenbild! Man kann nur eines… Mehr

Hesta
1 Monat her

In Phönix war heute ein Bericht über die Flüchtlinge. Habe leider zu spät eingeschaltet. Alles wurde wieder schöngeredet, die Flüchtlinge von 2015 haben zu 40% Arbeit ( welche und ob nur Teilzeit ) wurde nicht verraten, Kriminalität ist auch kein relevantes Thema, der Islam mit Begleiterscheinungen wurde überhaupt nicht erwähnt, Schule, sprachliche Probleme kein Thema. Allerdings erfuhr man auch von einem Flüchtlingsheim in Suhl. Die ganze Stadt hat Angst vor diesen Flüchtlingen, weil laufend eingebrochen wird und noch mehr. Eine Petition zwecks Schließung diese Heims blieb bisher erfolglos, man setzt sich weiterhin über die Sorgen der Bevölkerung hinweg, nun gut.… Mehr

kuester
1 Monat her

Lieber Herr Tipi, auch ich fühle mich unfassbar wütend- und inzwischen auch einigermaßen resigniert, wenn ich die gnadenlose Ignoranz und kriminelle Dummheit betrachte, die in diesem Lande im Angesicht solcher Terrortaten und abscheulichster Sexualdelikte begangen an Frauen herrscht! Wir müssen leider davon ausgehen, dass aus diesen gröbsten Schlächtereien begangen an vollkommen Unschuldigen, keinerlei Konsequenzen erfolgen werden. Warum nicht? Jener Somali ist ein junger Mann, der vermutlich sexuell frustriert erkennen musste, dass ihm hier nicht die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Das er vielmehr sieht, dass er hier für wenig Geld viel schuften muss. Das ihm die Frauenherzen nicht eben… Mehr

Kappes
1 Monat her
Antworten an  kuester

Erst hier radikalisieren sich diese jungen Männer? Dessen sind Sie sich sicher? Ich hingegen bin mir sicher, dass es bereits im afrikanisch/arabischen Raum radikale muslimische Männer gibt. (z.B. Taliban, IS Kämpfer, Iraner, die davon träumen, Israel auszulöschen, usw, usw …).

Last edited 1 Monat her by Kappes
Bernd W.
1 Monat her

Immer, wenn ich den Terminus „schuldunfähig“ lese, packt mich die kalte Wut. Typen, die unschuldige Menschen töten, verletzen oder auch „nur“ traumatisieren, tragen immer die Schuld. Attentäter, Amokfahrer, religiöse Eiferer, simple Schwerverbrecher – sie alle vergehen sich aufs Schlimmste an der Gesellschaft. Ein warmes Plätzchen und 3 Mahlzeiten am Tag ein Leben lang (oder, übler noch, irgendwann zurück in die Freiheit) auf Kosten eben dieser Gesellschaft für solches Pack? Diese irrsinnige Empathie der Demokratien macht mich zunehmend fassungsloser. Schuld und Sühne (auch als Todesstrafe) sollten wieder eng miteinander verknüpft sein. Das wirkte abschreckend und hülfe dabei, viele (wenn auch nicht… Mehr

StefanB
1 Monat her

Ihre Partei, Herr Tipi, ist diejenige, die ganz vornedran ist, wenn es darum geht, den Importe von islamischen Demokratiefeinden und Scharia-Anhängern zu befördern und und diese in politischer und krimineller Hinsicht gewähren zu lassen.
Deshalb kann ich zu Ihrem Artikel nur sagen: Ihre Worte les ich wohl, allein mir fehlt Ihr Handeln.

Vox critica
1 Monat her

Der Umgang der Politik mit den Opfern der importierten Gewalt war und ist eine Schande. Würdelos, herzlos, um das gesetzte, falsche Narrativ und die eigene Schuld nicht eingestehen zu müssen. Merkel, Söder, Seehofer – pfui!

eriberi
1 Monat her

Mohammed war ein Kriegsherr. Nichts ist also überraschend. Die Gegenwehr der Kufr kommt erst bei Erreichen der kritischen Bevölkerungsmasse.