Die Wahl wird in den letzten drei Tagen entschieden

Bei dieser Bundestagswahl ist jede Überraschung möglich. Wo 40 Prozent der Wahlberechtigten demoskopisch noch nicht entschieden haben, ob sie wählen und wenn ja wen, sind Umfragen weniger denn je das Papier wert sind, auf dem sie erscheinen.

© John MacDougall/AFP/Getty Images

Warum gehen so viele davon aus, dass die FDP mit einem guten Ergebnis wieder in den Bundestag einzieht? Nun, weil es die Umfragen sagen. Aus dem selben Grund erwarten die meisten, deren Stimme öffentlich stattfindet, eine Union bei 40 Prozent. Obwohl alle wissen (können), dass 40 Prozent der Wahlberechtigten demoskopisch noch nicht entschieden haben, ob sie an der Wahl teilnehmen und wenn ja, wen sie wählen. Und daher Umfragen weniger denn je das Papier wert sind, auf dem sie erscheinen. Da verlasse ich mich lieber auf meine politische Nase.

Worst Case für die Tonangebenden
Gedankenspiele zur Wahl
Tomas Spahn rechnet vor, wie sich diese 40 Prozent Unentschiedenen auf die Wahl auswirken können, wenn sich viele doch zur Stimmabgabe entscheiden. Dass sich davon nennenswert viele Union und SPD zuwenden, dafür spricht nichts. Spahn blättert in seinen Gedankenspielen den Worst Case in seinen Varianten für die GroKo und ihre loyale Opposition auf. Roland Springer berichtet über Irritationen von Wahlkämpfern der CDU und FDP. Was Hugo Müller-Vogg an Argumenten pro FDP aufführt, bestärkt jene in Lindners Partei, die auf keinen Fall mit Frau Merkel koalieren möchten, weil sie nicht die Putztruppe der CDU sein wollen.

Christian Lindner geht mit seinem Schwenk in der Immigrationsfrage zwei Wochen vor der Wahl ein größeres Risiko ein, als ihm vielleicht bewusst ist. Mich würde es sehr wundern, wenn er nicht deutlich mehr Wähler Richtung AfD in Bewegung gesetzt hat als Richtung FDP. In jedem Fall trägt er dazu bei, dass die Strategie von Angela Merkel in diesen Tagen gescheitert ist: Das Thema der illegalen Einwanderung durch den staatlich geduldeten Missbrauch des Asylrechts, das sie mit Hilfe von Grünen, Linkspartei, SPD, den meisten Medien, der Gewerkschaften von Arbeit und Kapital, Kirchen und vielen NGOs aus der Öffentlichkeit weitgehend rausgehalten und entschärft hat, bleibt nun bis zum Wahltag auf der Tagesordnung.

Scheitert die CDU-Wahlkampfstrategie?
Wende in der Zuwanderungspolitik
Die FDP und Lindner selbst waren lange Teil des Schweigekartells. Mit dem Ausbruch aus diesem Kartell setzt Lindner sicher die Hemmschwelle mancher Wahlberechtigter herunter, die gegen Merkel stimmen wollen, ihr Kreuz bei der FDP zu machen. Aber gleichzeitig auch für die Wahl der AfD. Keiner kann sagen, welcher Effekt von beiden stärker ausfallen wird. Aber einen gehörigen Teil der Unentschlossenen in Bewegung gesetzt hat Lindner sicher.

Dass andererseits kein Unentschlossener, der seinen politischen Standort selbst „links“ verortet (immer eine emotionale Sache), SPD und Grüne wählen kann, wenn er gegen Merkel stimmen will, lässt die Partei Die Linke für „Linke“ zum last resort für „linken“ Protest gegen Merkel bei dieser Wahl werden. Das muss auf Kosten von SPD und Grünen gehen.

Insgeheim müssen Union, SPD und Grüne um eine möglichst niedrige Wahlbeteiligung beten, was sie selbstverständlich öffentlich nicht zugeben können, sondern vielmehr das Gegenteil behaupten müssen.

Die letzte Wahlkampagne, die ich anführte, ist 17 Jahre her. Auch damals entschied sich alles erst in den allerletzen drei Tagen. Die Journalisten, denen ich das Monate vorher immer wieder erklärt hatte, wollten es einfach nicht glauben. Daran hat sich bis heute nur zweierlei geändert. Der Anteil der Wahlberechtigten, der sich erst ganz spät entscheidet, ist weiter gewachsen. Und der Zeitraum für die Entscheidung ist weiter geschrumpft: vielleicht auf einen Tag bis hin zum Eintritt in die Wahlkabine.

Ja, selbst eines würde mich bei dieser Wahl nicht überraschen: Wenn eine noch nie da gewesene Zahl von Wählern beim Exit Poll nicht die Wahrheit sagte oder die Antwort verweigerte.

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Kommentare

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  • treu

    Eien Studentin der Islamwissenschaft soll Christin sein? Das wäre ja mal sehr überraschend! 😉

    • Silverager

      Ja, man denke nur!
      Islamwissenschaften wurden und werden in Europa überwiegend von Nichtmuslimen studiert.
      Woher haben Sie überhaupt Ihre Vermutung, dass die befreundete Dame von A. Weidel eine Muslimin sei?
      Bevor Sie auf jemanden eindreschen, sollten Sie zunächst die Fakten klären und nicht auf die Halbwahrheiten und Lügen der Mainstream-Medien reinfallen.

  • Prissianer

    Ja dann hoffen wir. Im Januar durfte ich noch im Kölner Stadtanzünder kommentieren. Da sagte ich die 23 % derzeit bei der SPD voraus als ich Schulz das erstmal schwadronieren hörte. In 20 Min. im ZDF um 19.10 an einem Sonntag kam min. 6 mal die hart arbeitenden Menschen vor. Das was dann für mich mit Schulz und Konsorten.

  • Michel Rieke

    Da lachen Sie?? Erst gestern ist die Patienten*Innen-Akte einer Dragana Laux-Endle aufgetaucht. Die Tochter einer Mekong-Schwäbin und eines Vaters ungeklärter Herkunft ist ebenfalls kurz vor dessen Verschwinden von Faruk Petrey operiert worden.

  • Thomas Tröndlin

    Das wäre aber recht bitter und ein ganz lautes „Weiter so ..“ naja, ich ertappe mich auch mit genau dem gleichen Gedanken. Die Ganzen Wechselwilligen und Wechselhungrigen hier stellen halt eben nicht eine signifikante Zahl dar sondern nur eine frustrierte Minderheit.

  • gast

    Das Wort „Schande“ taucht mittlerweile in jedem zweiten Statement der Etablierten auf. Haben die Altparteien so eine Muffe? Fällt denen im Kampf gegen die AfD nichts anderes mehr ein als Verunglimpfung und hasserfüllte Hetze? was glauben die eigentlich wen sie da so verunglimpfen? Das sind überwiegend ihre eigenen (Ex-) Wähler!

    So viel Hass und Hetze wie in diesem Wahlkampf habe ich noch nicht erlebt, seit ich wählen darf (seit ca. 40 Jahren). Bisher hatte ich bei BT-Wahlen IMMER die Etablierten gewählt, CDU,SPD,FDP (evtl. sogar einmal die Grünen). Und 2013 dummerweise noch ein letztes Mal die CDU.
    Diesmal denke ich ja gar nicht daran. Die Etablierten sind für mich gestorben.

  • schaun mer mal

    5-7 Prozent über den Prognosen? Das ist Wunschdenken.
    Mein Tipp: Ich rechne mit insges. 8-12 Prozent für die AfD. Mehr nicht. Zweistellig wäre schön. Aber man muss es nehmen, wie es kommt.

  • Davy Crocket

    Martin Luther auch!

  • Michael DrBauer

    Man kann es nur dringend hoffen. Diese Dame schadet unserem Land auf Generationen… Es ist geradezu dekadent, dass dies (noch) so wenig wahrgenommen wird. Ich bin überzeugt davon, dass etliche bisherige CDU und CSU Wähler dieses Mal AFD wählen allein um Merkel wegzubekommen. Und wenn wir uns nicht weiter medial täuschen lassen, wird das auch gelingen!