1989 – Die Geschichte der Wiedervereinigung

Die rauchenden Ruinen der DDR wurden in den vergangenen Jahren durch ein niegelnagel neues Land ersetzt - jede Fabrik neu, jede Wohnung, jedes Telefonkabel, jede Straße, jeder Kamin, einfach alles. Es bleibt dem Economist vorbehalten, die blühenden Landschaften zu feiern. Deutsche Wirtschaftsmedien schaffen es nicht. Exakt zum Mauerfall titelte Wigitte vom "Stillstandsland Deutschland". Eine groteskere Fehleinschätzung ist kaum denkbar.

Die DDR war der Bundesrepublik auf dem Gebiet der Propaganda haushoch überlegen

Die DDR war auf dem Gebiet der Propaganda und der Politagitation der Bundesrepublik haushoch überlegen. Siehe hierzu das Buch der Autorin dieses Artikels „So macht Kommunismus Spaß

Die DDR war auf dem Feld der Unterwanderung der Bundesrepublik in einem bis heute qualitativ unterschätzten Ausmaß erfolgreich. Man fragt sich, wie es dieser hässlichen DDR mit ihrer noch hässlicheren Mauer gelingen konnte, so viele schäbige Informelle Mitarbeiter, also Spitzel, unter so vielen westlichen sogenannten Intellektuellen in den Medien, in der Wissenschaft und im Kulturbetrieb, in der Politik, in der Justiz, bei den Gewerkschaften, in der evangelischen Kirche und selbst in der Wirtschaft anzuwerben und für sich arbeiten zu lassen. Bezahlt wurde nur mit Kleckerbeträgen – die Spitzel arbeiteten aus innerer Überzeugung.

Die konservativen Parteien in der Bundesrepublik empörten sich jahrzehntelang über die mehr erahnte als durchschaute Unterwanderung. Aber sie hatten dieser nicht das Geringste entgegen zu setzen, auch nicht während der ausgedehnten Zeiten, in denen sie die Bundesregierung stellten. Im Gegenteil, die konservativen Parteien haben alles getan, um als Vertreter des ewig hässlichen Deutschen West dazustehen, die moralisch mit den SED-Lichtgestalten, die nur ein bisschen kommoden Diktaturdreck am Stecken hatten, nicht mithalten könnten.

Selbst auf dem Felde der Umwelt hatte die Bundesrepublik die Karte des kapitalistischen Drecksfinken, während die DDR bei einer ganz entscheidend niedrigeren Wirtschaftsleistung tatsächlich pro Kopf faktisch der größte denkbare Umweltsünder war. In Bezug auf den Rechtsstaat muss man nicht viel sagen. Die DDR war ein Unrechtsstaat, die SED hatte immer recht, und die BRD war ein Rechtsstaat. Aber selbst hier gab es immer das Image der höheren, der sozialeren, der menschenfreundlicheren Justiz der DDR, natürlich mit ein paar mörderischen Schönheitsflecken. Aber diese wurden schnell weggeschminkt.

Die Mauer als Schutzwall

Die DDR unterstützte die Linksterroristen der Bundesrepublik zum Zwecke der Destabilisierung der Bundesrepublik von innen heraus logistisch mit Geld und als Rückzugsgebiet. Gleichzeitig verkaufte sie sich selbst als der seligmachende deutsche Teilstaat, der so menschenfreundlich war, dass niemand zum Stilmittel des Terrors zu greifen brauchte, um seine schlimmen Lebensverhältnisse erträglicher zu gestalten.

Die Liste der „Kuriositäten“, mit denen die moralische Waage zwischen Bundesrepublik und DDR zu Lasten der Bundesrepublik und zu Gunsten der DDR verdreht wurde und bis heute verdreht bleibt, ließe sich nahezu beliebig verlängern. Man kann das Propagandagenie der SED-Genossen nur anerkennen und in diesem Sinne loben. Wer es fertig bringt, eine Knastmauer als Schutzwall gegen die Bundesrepublik zu verkaufen, und an diese Mär glaubten hüben wie drüben durchaus viele Menschen, der muss ein Propagandakünstler sein und es zeigt, wie stark die kommunistische Ideologie in allzu vielen Köpfen Spuren hinterlassen hat.

Die Mauer, die vor 25 Jahren fiel, hat eine bis heute unerkannte politische Bedeutung. Sie war in der gesellschaftlichen Wahrnehmung eben nicht nur der Gefängnisstacheldraht, sondern sie ist den Menschen auch als antiimperialistischer Schutzwall eingetrichtert worden. Die Mauer war das brutale Symbol des guten und hehren Kampfes der Kommunisten gegen die ewigen Revanchisten, Imperialisten, Kapitalisten und ewig gestrigen Faschisten in der Bundesrepublik. Die Mauer war die Grenze zwischen Gut und Böse. Und das Böse ist im Westen, immer.

Mit Hilfe der Mauer ist es der DDR gelungen, der Bundesrepublik das Stigma des hässlichen latenten Nazis oder Neonazis aufzudrücken. Noch in der Todesstunde der SED 1989 gehörte es zu den üblen Rettungstricks, sich als das eigentliche Bollwerk im Kampf gegen Rechts zu verkaufen, als Bollwerk gegen den Faschismus. Eine neue Volte der DDR-Propaganda verselbständigte sich seither und lebt in Saft und Kraft in der neuen Bundesrepublik. Jeder will am Kampf gegen Rechts beteiligt sein und jeder will jeden bei diesem Kampf übertreffen. Und jeder fühlt sich 70 Jahre nach Hitlers Tod ein bisschen so, wie der eigentliche Widerstandskämpfer gegen den braunen Diktator. Dieser Wahn ist das vergiftete Erbe der DDR. 

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