Marokkos Regierung verkündet Milliarden-Deal mit Deutschland

... aber in deutschen Medien ist davon nichts zu lesen und von offiziellen Stellen wird es bisher nicht bestätigt. Welche Rolle spielt die Migration auf die Kanarischen Inseln dabei ?

picture alliance / Valery Sharifulin/TASS/dpa
The building of the Ministry of Foreign Affairs and International Cooperation of Morocco in capital Rabat.

Manche Zungen sprechen über einen Zusammenhang zwischen den aktuellen finanziellen Versprechungen der EU, Spaniens und Deutschlands mit dem aktuellen Migrantenstrom aus Marokko auf die Kanarischen Inseln, der schon Hunderte Ertrunkener gefordert hat. „Es ist klar, dass das Land sehr unter der Pandemie gelitten hat, infolgedessen es die Grenzen seit Monaten weitgehend dicht machte. Der Tourismus und die Exporte sind zum Erliegen gekommen. Kein Wunder, dass die dortige Jugend jetzt raus will“, erklärt der spanische Ökonom und Maghreb-Experte Gonzalo Escribano vom Madrider Think Tank Real Instituto Elcano die aktuelle Situation. Der Chefredakteur der spanischen Online-Zeitung „El Español“ Pedro J. Ramirez lässt dagegen in einer Video-Botschaft wissen, dass er das für Erpressung hält: „Marokko öffnet immer dann die Grenzen für Migranten, wenn mehr Geld für Entwicklungshilfe oder Investitionen ins Land fließen soll.“ Auch Kritik an seiner autokratischen Führung und an seinem Umgang mit der in Teilen von Marokko annektierten Westsahara würden vom König meist mit dem Druckmittel Migration beantwortet. 

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Druck übt Marokkos Regierung jetzt wohl auch über die eigenen Medien aus, indem sie aus einem Telefongespräch zwischen dem marokkanischen Außenminister und dem deutschen Entwicklungsminister über das in Köln ansässige deutschsprachige Medium Maghreb-Post und die offizielle Seite des marokkanischen Ministeriums ein deutsches Hilfe-Paket von 1,38 Mrd. Euro ankündigen, „davon 202,6 Millionen Euro in Form von Spenden“.  Was immer das heißen soll. „Dies ist vor allem eine direkte Unterstützung Deutschlands für Marokkos Bemühungen im Kampf gegen Covid-19“. 420 Millionen Euro „werden zur Finanzierung großer wirtschaftlicher Entwicklungsprojekte verwendet, beispielsweise im Zusammenhang mit der Reform des Finanzsektors und im Zusammenhang mit der Entwicklung erneuerbarer Energien und grünem Wasserstoff“, heiβt es auf der Seite des marrokanischen Auβenministeriums weiter. Die Meldung wurde bereits von anderen internationalen Medien aufgegriffen, aber nicht von deutschen. Offizielle Stellen der deutschen Regierung haben sich zu der Ankündigung der Vereinbarung bisher nicht geäußert.

Desertec zeigt, wie ineffizient Investitionen in Marokko sein können

Im Sommer hatten beide Länder ein Abkommen über die Produktion von grünem Wasserstoff für Deutschland beschlossen, darunter auch Desertec II. Aus dem Solarpark in der Wüste soll ein grüner Wasserstoff-Produzent werden. „Aber bis das Marokko etwas bringt, wird es noch lange dauern“, glaubt Escribano. Von Desertec I ginge bisher für das Land kein wirtschaftlicher Impuls aus, da die Energie wegen fehlender Infrastruktur und auch fehlendem Interesse von Spanien nicht exportiert werden könne. Bleibt abzuwarten, was nun nach den angeblich neuen Finanzspritzen aus Europa mit dem Migrantenstrom auf die Kanaren passiert, wo politische Vertreter bereits in den vergangenen Tagen gewarnt hatten, vor allem britische Reiseveranstalter hätten gedroht, ihre Vereinbarungen mit Hotels zu canceln, würden ihre Kunden dort mit Migranten untergebracht.

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Aufgrund der Hunderte von Booten, die seit September von der Westsahara und dem Senegal in den vergangenen Wochen loslegten auf den gefährlichen Weg über den Atlantik nach Gran Canaria, waren die dortigen Aufnahmemöglichkeiten für Flüchtlinge komplett überlastet, und immer mehr Migranten, vor allem Marokkaner, wurden in leerstehenden Hotels untergebracht. Die kanarische Regionalregierung so wie auch einige Bürgermeister und Lokalpolitiker fordern, dass die spanische Nationalregierung die vor allem marokkanischen irregulären Migranten aufs Festland oder wieder in ihre Herkunftsland bringt. Einige der Marokkaner haben Geld und fahren selber mit der Fähre oder fliegen nach Andalusien oder Madrid. „El Español“ berichtet derweil, dass zwischen Spanien und Marokko noch ein anderer Deal festgezurrt wurde: die Genehmigung von mehr Arbeitsvisa für Marokkaner gegen die jetzige sofortige massive Rückführung illegaler Migranten auf den Kanaren. 

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Kommentare ( 74 )

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Meykel
1 Monat her

Mit ein wenig Phantasie kann man sich folgendes Szenario vorstellen. In Russland kollabiert offiziell die Wirtschaft. Die Zügel werden angezogen, Demonstrationen, Proteste, Schauprozesse, Verurteilungen. Unsere Medien, die ja ganz devot auf alles reinfallen, berichten über die armen Russen in dem bösen Russland, tagtäglich! Es machen sich 1 Millionen Russen (900.000 junge Männer, 100.000 junge Frauen, ohne Papiere, schlecht gekleidet, aber alle mit einer militärischen Grundausbildung, was aber niemand weiß und auch niemand wissen will) auf, um auf verschiedenen Wegen in Deutschland Asyl zu beantragen. Die Polen lassen die gern durchwandern oder durchfahren, aber sie kommen natürlich auch per Flugzeug. Frau… Mehr

der_chinese
29 Tage her
Antworten an  Meykel

Sie unterstellen Frau Dr. Angela Merkel Unfähigkeit?
Nein, die weiss ganz genau was sie da tut und arbeitet äußerst pflichtbewusst, für wen ist die andere Frage, dem deutschen Volke sicherlich nicht.

Endlich Frei
1 Monat her

„In Ebersberg vor den Toren Münchens wurde jetzt eine Villa angemietet in die Flüchtlinge einziehen sollen. Sie hat rund 250 qm Wohnfläche und rund 1700 qm „parkähnlichen“ Garten.“
Ebersberg – ein traumhafter Ort vor alpiner Kulisse, schauen Sie sich mal einige Fotos an. Das mit der Villa übrigens müsste öfters passieren – damit das Problem genau in die Ecke getragen wird, aus der die längsten und christlichsten Reden zu dem Thema stammen.

Auswanderer
1 Monat her

Viele der illegalen Migranten arbeiten in der Landwirtschaft. Wieso kann man nicht offiziell Visa für die Erntezeit einführen und dieses illegale Treiben beenden. Dann läuft alles legal und beiden Seiten ist geholfen! Aber dazu braucht es Politiker mit Durchsetzungskraft! Der Rest muss zurück und wenn sich die Zustände auf den Kanaren nicht ändern, dann wird das halt die australische Inselwelt für Migranten!

Endlich Frei
1 Monat her

Hat mal jemand genau nachgerechnet, was die Schleuserindustrie inzwischen an Deutschland so verdient ?
Mein Gott, haben wir uns mit Merkel da was eingefangen: Der alte Helmut Schmidt dreht sich im Grabe um.

Endlich Frei
1 Monat her

Ich kann Marokko nur empfehlen, noch mehr Schleuser zu engagieren – und Merkels Milliardenbudget zu verdoppeln.
Die Frau hat einfach Null Konzept und läuft schnurstracks naiv in die nächste Falle (Erdogan lässt grüßen). Der wichtigste Wirtschaftsfaktor für die Nafro-Länder: Schleuser.

AlNamrood
1 Monat her

Pro Migrant x-tausend Euro weniger Entwicklungshilfe. Wir brauchen das Geld dann selbst. Einfach begeifender Deal den selbst afrikanische Warlords verstehen würden.

Ralf Poehling
1 Monat her

Die ganzen Probleme kännte man vermeiden, wenn man einfach die Grenzen schließen und militärisch verteidigen würde.
Geldzahlungen an die Länder, aus denen die meisten Migranten zu uns strömen, führen langfristig nur zu einer dauerhaften Alimentierungsmentalität und stellen deshalb nicht ab, sondern befördern es.

Pilo
1 Monat her

Deutschland hat sich in den letzten 15 Jahren viele Schwachpunkte „aufgebaut“. Der mit Abstand größte Schwachpunkt ist bzw. sind die „Qualitätsmedien“ ( Tichy und die eine oder andere Ausnahme sind hier nicht gemeint )

Peter G.
1 Monat her
Antworten an  Pilo

Dann folgen die mit Steuergeldern gepamperten NGO’s.

reiner
1 Monat her

90% für masken 75% für mehr scheinasylanten ,warum dann ein abkommen ,lasst die kindlein zu uns kommen..wir haben platz in hülle und fülle und millionen arbeitsplätze für ,,fachkräfte,,.

Paul Brusselmans
1 Monat her

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1601287338054&uri=COM%3A2020%3A609%3AFIN Ein bisschen Lesestoff, so funktioniert EU-Demokratie. Im ÖR angesprochen, von Ihrem regionalen EU-Parlamentsabgeordneten? Von NGOs beinflusst. So was wird dann im EU-Parlament und im Rat abgenickt und schon ist es bindendes Recht. Schauen Sie sich die Serie EU Parlament an, ich fand sie überhaupt nicht lustig, weil sie der Realität sehr nahe kommt. Laut Rassemblement National sitzen 70 mio auf gepackten Koffern. Es geht um den Export des Überschusses an jungen Männern, Konfliktpotential im eigenen Land, das eventuell einen Teil des Sozialtransfers über Western Union in die Heimat schickt. Mit Asyl hat das nix zu tun und bedarf auch… Mehr