Was neue Umfragen zeigen, aber kaum jemand sieht

Die Wahlabsichten ändern sich nicht dem Medientenor der Kampagne gegen Rechts entsprechend. Der Trend gegen Union und SPD sowie für AfD und Grüne, die immer mehr als Gegenpole im politischen Spektrum empfunden werden, setzt sich bisher fort.

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AfD einen Prozentpunkt rauf, Linke und Grüne einen runter, das ist kein Ausmaß, das seriös als Zunahme und Abnahme interpretiert werden darf, weil innerhalb des statistischen Fehlerbereichs. Trotzdem tun die Medien das immer und immer wieder. Auffallend daran ist nur, dass es Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF sind. Weil sie schon früher stets die Union stärker zeigte, als sie war, und die FDP schwächer, als die Rohdaten hergaben. Auf wen das ZDF mittlerweile diese Tradition erweitert hat, ist schwer zu erkennen.

Die Hervorhebung des einen Prozentpunktes bei der AfD dient im Kontext des gesprochenen ZDF-heute-Wortes zur Warnung vor derselben. Erhoben wurden die Daten für das ZDF-Politbarometer vom 28. bis 30. August, für Forsa vom 27. bis 31. August also unter der Medienwirkung von Chemnitz. Emnid war vom 23. bis 29. August im Feld, also zur Hälfte vor und nach Chemnitz. Unterschiede: keine nenneswerten.

Screenshot ZDF
Forsa: Union 30, SPD 17, Grüne und AfD je 16, FDP und Linke je 8. Emnid: Union 30, SPD 19, AfD 15, Grüne 14, FDP und Linke je 9. Mit dem Politbarometer zeigte das ZDF auch die erhobene Meinung zum Thema Rechtextremismus:

Der aufmerksame Beobachter der Medienwelt kann erstens erkennen: Zwischen den Kategorien Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus und Rechte wird kaum unterschieden. Oft verwendet ein und derselbe Bericht oder Kommentar diese und andere Begriffe willkürlich durcheinander.

Zweitens kann der besonders Aufmerksame sehen: Der Medientenor gegen Rechts findet bei der Abfrage in Umfragen die erwünschten Antworten, von denen die Befragten wissen, dass genau sie erwartet werden.

Die dritte Erkenntnis kommt den meisten Journalisten und anderen Kommentierern der demoskopischen Zahlen offensichtlich nicht in den Sinn: Die Wahlabsichten ändern sich nicht dem Medientenor der Kampagne gegen Rechts entsprechend. Der Trend gegen Union und SPD sowie für AfD und Grüne, die immer mehr als Gegenpole im politischen Spektrum empfunden werden, setzt sich fort. Kurz nach Chemnitz, unter dem direkten Einfluss von Chemnitz, ist jedenfalls keine Änderung dieses demoskopischen Trends festzustellen. Die echte Probe aufs Exempel kommt erst an den Wahlsonntagen.

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