Der Sozialstaat steckt in der Kostenfalle. Nun diskutieren selbst Regierungsberater darüber, wie man an noch mehr Geld kommen könnte. Nicht scheint ihnen mehr heilig. Jetzt denkt man sogar laut über das Ende zentraler Beamtenprivilegien nach.
IMAGO / Wolfilser
Der Staat ist Deutschlands größter Arbeitgeber. Fast zwei Millionen Beamte arbeiten zurzeit für den deutschen Staat – Tendenz steigend. Die freie Wirtschaft baut infolge der grünen Transformation Arbeitsplätze ab, der Staat stellt ein. Gleichzeitig brechen, ebenfalls als Folge der grünen Transformation, die Steuereinnahmen weg. Dass diese beiden gegenläufigen Entwicklungen schwer miteinander zu vereinbaren sind und bereits in naher Zukunft zu schweren Verwerfungen führen werden, ist eigentlich für alle – außer Politikern hinter der Brandmauer – nicht schwer zu verstehen.
Gleichzeit sind die Sozialkassen wegen der ungezügelten Migration dabei zu implodieren. Damit dieser Zusammenbruch, zumindest noch ein wenig, in die Zukunft verschoben werden kann, sucht man nach immer neuen Methoden um neue Einnahmen zu generieren. Die Besteuerung der immer kleiner werdenden Gruppe, die überhaupt noch Steuern zahlt, wird zunehmend schwieriger. Bei 100 Prozent ist definitiv Schluss – tatsächlich schon deutlich früher. Und dieser nicht genau zu definierende Punkt rückt immer näher. Kreativität ist gefragt, das, was früher „out of the box thinking“ genannt wurde. Und plötzlich geraten auch jene als Melkkühe ins Visier, die jahrzehntelang als unangreifbar galten: Beamte. Also Professoren, Richter, Lehrer und all jene, die in der Bürokratie täglich für den Staat Mehrwert schaffen. Früher galten Beamte als Garantie der staatlichen Ordnung und mussten von jeder Unannehmlichkeit verschont werden. Das wird nun sogar von Regierungsberatern offen infrage gestellt.
Der Wirtschaftsweise Achim Truger fordert, Beamte in die gesetzliche Krankenversicherung zu holen. Seine Begründung: Beamte verdienen gut und könnten deshalb die klammen gesetzlichen Kassen stabilisieren. Heute sind 93 Prozent der Beamten privat versichert.
Damit rührt Truger an ein Tabu der Bundesrepublik: das historisch gewachsene Sonderrecht des Staatsdienstes. Denn während normale Arbeitnehmer steigende Beiträge, sinkende Leistungen und längere Lebensarbeitszeiten schultern müssen, existiert für große Teile des öffentlichen Dienstes weiterhin ein abgeschottetes Versorgungssystem. Truger spricht von einem Klassensystem.
Besonders bemerkenswert ist, wer sich dieser Kritik anschließt: linke Sozialpolitiker, Vertreter der Union und des Bundes der Steuerzahler stellen die bisherige Praxis infrage. Die CSU-Politikerin Emmi Zeulner fordert eine breitere Beitragsbasis in der Pflegeversicherung, ausdrücklich unter Einbeziehung von Beamten und Selbstständigen.
Truger geht sogar noch weiter in seinen Forderungen. Lehrer und Universitätsprofessoren müssten aus seiner Sicht nicht zwingend verbeamtet werden. Damit trifft die Debatte den empfindlichsten Nerv des deutschen Staatswesens. Gerade die Verbeamtung von Lehrern galt jahrzehntelang als politisches Instrument, um den öffentlichen Dienst attraktiv zu halten. Und wie praktisch: für Angestellte muss selbst der Staat Rentenbeiträge abführen. für Beamte nicht. Die Pensionen werden später einfach fällig – wenn die Haushaltspolitiker ihrerseits längst Pensionäre sind klaffen die Löcher auf.
Auch der Bund der Steuerzahler stellt dieses Modell inzwischen infrage. Der Verband fordert, die Zahl der Beamten auf deutlich unter eine Million zu reduzieren. Er argumentiert, der Beamtenstatus werde inflationär eingesetzt – insbesondere im Bildungswesen.
Die Kritik zielt dabei vor allem auf ein offensichtliches Ungleichgewicht: Über 600.000 Lehrer zahlen nicht regulär in gesetzliche Kranken- und Sozialkassen ein, obwohl deutsche Lehrer laut OECD international überdurchschnittlich verdienen. Gleichzeitig sind verbeamtete Lehrer international eher die Ausnahme als die Regel. Länder wie Frankreich, die Niederlande, Großbritannien, Kanada oder die USA beschäftigen Lehrer überwiegend als normale Angestellte.
Währenddessen wachsen die finanziellen Probleme des Sozialstaates weiter. Laut dem Text belaufen sich allein die Gesundheitskosten für Bürgergeldempfänger auf rund zwölf Milliarden Euro jährlich, die zu Lasten der Beitragszahler gehen. Nur teilweise werden die Kosten aus dem Bundeshaushalt gedeckt. Den Rest tragen die Beitragszahler der gesetzlichen Kassen.
In dieser Lage fordert der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, nun sogar eine Dämpfung der Pensionserhöhungen. Der Nachhaltigkeitsfaktor, der bei Rentnern längst Realität ist, solle auch auf Pensionen angewendet werden. Zudem stellte Winkel die unbegrenzte Lohnfortzahlung für Beamte infrage.
Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, warnt inzwischen vor „gigantischen Summen“ bei den Beamtenpensionen. Er prognostiziert langfristige Belastungen von 15 bis 20 Billionen Euro und fordert einen radikalen Verbeamtungsstopp. Besonders im Lehrbereich sei Verbeamtung oft „gar nicht notwendig“.
Die Zahlen unterstreichen die Dimension: Zum 30. Juni 2024 gab es in Deutschland 1,96 Millionen Beamte, Richter und Soldaten.
Damit steht eine Entwicklung im Raum, die noch vor wenigen Jahren politisch undenkbar gewesen wäre. Die Privilegien der deutschen Beamten werden nicht mehr nur von außen kritisiert, sondern – aus Verzweiflung über die Folgen der eigenen Politik – zunehmend auch aus Teilen des politischen und ökonomischen Establishments selbst, das bisher hervorragend von diesen Privilegien profitiert hat.

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Das ist ja wieder ein Thema, das den Michel auf die Palme bringt: die „Vorzüge“ des Beamtenstatus. Kann einen in der Tat höllisch aufregen, aber sowas gehört eben zu einem Obrigkeitsstaat deutschen Typus. Nur – was bringt dieses Hüh und Hott außer die Leute zu erregen? Vor nicht langer Zeit konnte man lesen, dass irgenein Bundesland, ich meine es war Berlin (kann mich aber auch täuschen), die Lehrer wieder verbeamten will, um diesen Beruf attraktiver zu machen. Tragisch und hochgefährlich ist etwas anderes: dass die deutsche Politik Milliarden Schulden aufnimmt, um vor allem den Krieg in der Ukraine zu befördern,… Mehr
Hier kann man sich ansehen, wie sich die Zahl der Beschäftigten beim Staat seit 1991 entsickelt hat: https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Oeffentlicher-Dienst/Tabellen/beschaeftigte-geschlecht.html?nn=212936 Die Auswertung zeigt die Zahl von 1991 bis 2024. Von 1991 bis 2015 ist die Zahl der Beamten ohne Soldaten gesunken. Dann ist sie von 2015 bis 2024 um rund 7% angestiegen. Die Zahl der Soldaten war 2005 auf dem niedrigsten Stand. 2024 war die Zahl etwa gleich. Die Zahl der Angestellten lag 2010 am niedrigsten. 2024 lag sie etwas über 26% höher. Den größten Zuwachs an Mitarbeitern hat der Staat also im Bereich ganz normaler Arbeitnehmer. Sie zahlen Sozialversicherungsbeträge wie andere… Mehr
Der beste Freund meines Bruders arbeitete beim Arbeitsamt. Als er verbeamtet wurde, konnte er sich über monatlich netto 1.300 € mehr auf dem Konto freuen.
Ich finde das ungerecht den angestellt-beschäftigten gegenüber.
Diese Erfahrung entspricht der Realität auch in vielen anderen fällen. Nur muss man, wenn man das Netto bei Beamten berechnet, nicht vergessen, die private Krankenversicherung abzuziehen. Denn je nach Beihilfestatus muss ein großer Teil der Krankheitskosten selbst versichert werden. Bei einem normalen Beamten sind es in der Regel 50 %. Um da können dann schnell mal 300 oder 400 Euro pro Monat zusammenkommen. Die muss der Beamter an eine private Krankenversicherung zahlen. Diese Summe muss man also zu einer korrekten Berechnung zwingend vom ausgezahlten Nettogehalt abziehen. Dann bleibt selbstverständlich immer noch mehr netto über, allerdings dann doch deutlich weniger als… Mehr
Bei all den Vorschlägen zur Abschaffung (die ich zum Teil auch teile) des überbordenden Beamtenwildwuchses, gilt es zu Bedenken, dass wir für eine sehr große Masse der Boomer Generation eine entsprechende (sehr teure) Übergangslösung benötigen. Außer – was ich nicht glaube, die Politik riskiert den Aufstand der bisher „Begünstigten“! Dieser wäre eventuell aber geeignet, um diesem derzeitigen Wahnsinn auf allen Ebenen, ein schnelleres Ende zu bescheren. Unter dem Strich wir früher oder später jedes Menschlein das Joch von DEREN Demokratie zu tragen haben; zum Großteil jedoch selbstverschuldet!
„Also Professoren, Richter, Lehrer und all jene, die in der Bürokratie täglich für den Staat Mehrwert schaffen“.Nennen Sie mir bitte einen Beamten, der Mehrwert schafft.
Das Grundproblem in der Diskussion ist:
Beamte gehen immer davon aus, dass sie natürlich netto keine Abstriche hinnehmen müssen, während alle anderen auf dem Zahnfleisch gehen.
Darauf beruhen diese Rabulistiken, man würde das Problem ja nur verlagern…
Wie kann es teurer sein, gut bezahlten Leuten statt knapp 70% ihres letzten Gehaltes, keine 50% vom Durchschnitt zu zahlen? Und keine Beihilfe. Wie?
Natürlich ist das Unsinn. Das sind reine Schutzbehauptungen. Und das gilt sowohl für die Krankenversicherung als auch die Altersversorgung. Man vergleiche doch mal das Netto(!)-Gehalt eines normalen Ingenieurs mit dem eines Mathe- oder gar Deutschlehrers. Der Ingenieur ist um keinen Deut schlechter ausgebildet als der Lehrer und hat auch kein DAX-Vorstandsgehalt. Und normalerweise auch keine Betriebsrente – außer der Entgeltumwandlung für die er selbst zahlen muss. Und all diese Märchen, dass das eingliedern der Beamten in die gesetzliche Rente zu massiven Zusatzkosten führen würde. Denn natürlich würde das einhergehen, mit einer Anpassung der „Beamtenrente“ an die normale Rente. Das Berechnen… Mehr
? Gerade der Nachhaltigkeitsfaktor wurde doch wieder abgeschafft?! In der Regierung Schröder eingeführt. Interviewen Sie doch mal Prof. Raffelhüschen, der war involviert.
Vielleicht ist es Teil des „Gesamtproblems“, dass sich Beamte immer schön außen vor wähnten.
Daher mag es hilfreich sein.
Oder neuerdings verschoben wieder eingeführt. Aber verschoben hinter den Ereignishorizont…
Während Millionen Menschen wegen „dem Klima“ ihren Job verloren haben. Arbeiter und Angestellte Armutsrenten erhalten, weil mit ihren Zwangsabgaben in die sozialen Kassen, seit 1957 ( ! ), politisch ideologische Ziele finanziert werden. Beamte aus den sozialen selbstverständlich mit versorgt werden. Z.B. im Rahmen von Kindergeld und natürlich auch mitversorgt durch die Infrastruktur, welche nicht nur die Krankenhäuser betrifft. Ist der aufgeblähte und überversorgte Beamtenstand nicht bereit jetzt, in der schwersten Wirtschaftskrise seit 1945, sich anteilig zu beteiligen. Es waren nicht die Arbeiter und Rentner, welche dieses Land ruiniert haben. Es tragen sehr wohl die Beamten und die Funktionäre in… Mehr
Ich schlage vor, das ab morgen alle Beamten in einen unbefristeten Dauerstreik treten. Das Wirtschaftwachstum würde gigantisch werden.
„Da die Beamtenbesoldung generell deutlich unter den Verdiensten in der Wirtschaft liegt, müsste diese -auch noch sprunghaft– angehoben werden.“ Aus dem abgedroschenen Phrasenkatalog des „Deutschen [sic !] Beamtenbundes“. —————————— Der Verfasser ist unzweifelhaft Beamter und fuxxt, fernab jeder Realität, in seiner abgeschotteten Blase. Wenn die Verdienste in der Wirtschaft so deutlich über den Bezügen der „Beamten“ liegen – dann, „Willi4“, gehen Sie doch in die freie Wirtschaft – niemand hindert Sie, zumal sich „Beamte“ doch gerne als „Bestenauslese“ verstehen (um sich dann wie ein Kleinkind ein Leben lang vom Geld anderer Leute alimentieren zu lassen – eher wäre hier von… Mehr