Mit Umfragen Stimmung machen statt aufklären: demoskopische Pegelstände der Grünen

Seriöse Meinungsforschung gibt es fast nur unsichtbar für den Normalverbraucher. Aber was in der veröffentlichten Meinung an Umfragen erscheint, ist gezielte Politik.

IMAGO / photothek

Bei den politischen Zahlenspielen mit Hilfe von Umfragen gerät allen Beteiligten mit der Zeit aus dem Sinn, wie die letzten tatsächlichen, oder besser amtlichen Wahlergebnisse ausgesehen haben. Hier zur Gedächtsnisauffrischung das vom Bundeswahlleiter festgestellte Ergebnis der letzten Bundestagswahl: Grüne 8,9 Prozent.

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt veröffentlicht Forsa gestern Grüne 22 Prozent und Union 27.

Vor dieser Landtagswahl waren es bei Forsa 25 Prozent Union und 24 Prozent Grüne gewesen. Der Blick in die Zeitreihe der Forsa-Umfragen zeigt, dass der Pegelstand Grüne Ende April auf 28 Prozent hochging. Dieser Anstieg folgte für jeden erkennbar der Ausrufung von Annalena Baerbock zur sogenannten Kanzlerkandidatin. Bei 28 Prozent blieb es bei Forsa bis Anfang Mai, um dann auf 27 Prozent, 26, 25 zu sinken bis auf 24 vor der Landtagswahl und auf 22 danach – einen Wert, den Forsa zuletzt Ende März ausgewiesen hatte.

Bei der Union liegen Forsa mit 27 und INSA mit 26,5 aktuell praktisch gleich, für Grüne mit 22 und 20,5 nicht nennenswert auseinander.

Die Zeitreihe bei INSA sieht so aus:

Bei INSA war der Pegelstand Grüne zur besten demoskopischen Baerbock-Phase vier bis fünf Prozentpunkte unter dem Pegelstand von Forsa. Bei der Union lagen Forsa und INSA annähernd gleich. Nun der Blick zur Forschungsgruppe Wahlen (FGW):

Bis zur Baerbock-Erhebung in den Spitzenkandidatenstand hatte der Pegelstand Grüne bei der Forschungsgruppe meist nicht mehr als 20 Prozent gelautet, sprang mit dem Baerbock-Ereignis – genauer: seiner Darstellung durch die Zeitgeistmedien – auf 26 und 25 im Mai und heute auf 22 wie bei Forsa gestern; die Union auf 28 – bei Forsa 27 und INSA 26,5 keine wirklichen Unterschiede.

Das ist der richtige Moment zu erwähnen, in wessen Auftrag die Institute tätig wurden: Forsa für RTL/n-tv, INSA für BILD und FGW immer und exklusiv für das ZDF. Die größte politische Nähe besteht bei der Forschungsgruppe, da deren Chef Matthias Jung die Kanzlerin berät, was allgemein bekannt ist. Dass Infratest dimap für die ARD arbeitet, die mit ihrem DeutschlandTrend unverkennbar Politik macht, sei hier notiert – vor Sachsen-Anhalt lautete es dort: „Schwarz-Rot-Grün hätte Mehrheit“.

Dass es praktisch unsichtbar für Normalverbraucher seriöse Meinungsforschung gibt, ist den Kundigen bekannt. Aber was in der veröffentlichten Meinung an Umfragen erscheint, ist gezielte Politik. Sonst wäre nicht erklärbar, warum bei den einen Medien permanent bestimmte Parteien – siehe ARD und ZDF – , bei anderen die eine oder andere Partei phasenweise – siehe BILD – besser ausschaut als die anderen. In meinen Zeiten im Parteiengeschäft war das nicht grundlegend anders, nur dass es damals die Parteien waren, die mit Umfragen Politik machten, und es nun Medien sind, die die Kartellparteien mit Umfragen in die von ihnen und den mit ihnen vernetzten NGOs gewünschte Richtung treiben.

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Kommentare ( 56 )

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56 Comments
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Andreas aus E.
3 Tage her

Ergebnis der letzten Bundestagswahl: Grüne 8,9 Prozent? Kann gar nicht sein. Beim Deutschlandfunk haben die O-Ton-Anteil von gefühlt 65%.
Das würde so ein qualitativ hochwertiger Staatssender doch nicht machen, wenn es sich de facto um eine Randpartei handelte…

Evero
3 Tage her
Antworten an  Andreas aus E.

Dieser Staatssender (parteiisch bis zum Abwinken) sollte eingespart werden. Völlig überflüssig, so ein Propagandasender.

Biskaborn
3 Tage her

Mittlerweile muss man diese Umfragen mehr denn je mit größter Skepsis betrachten. Heute (!) bei Civey wird gefragt „ wen würden Sie wählen wenn Wahlen in Sachsen-Anhält (!) wären, vier Tage nach eine Wahl schon mal kurios , aber das Ergebnis ist spannend: 29% Union, 27% (!) AfD! Nun frage ich mich, vor vier Tagen 37% Union, 20% AfD? Wie muss man das interpretieren?

Henni
3 Tage her

Gerade mal in die Tageschau hineingeschaut. Immer noch kein Wort über die heutigen desaströsen Forsa Umfragen bezüglich der Grünen und Ihrer Annalena. Besser Totschweigen, sonst könnten noch einige der Treudo… Grün – Roten Tagesschaukonsumenten auf falsche Gedanken kommen. Als die (Pseudo) Umfragen noch besser für die Anna standen, hatte man gefühlt täglich Umfrageberichte in der Tagesschau zu ertragen. Wie hatte sich doch der Forsa Chef mit Lobeshymnen überschlagen, als Annalena die Kanzlerkandidatin geworden ist. Beste Wahl usw. Ich würde auch sagen, Gott sei dank ist sie es geworden, denn mit Habeck hätten wir ein ernstes Problem bekommen. Selbst wenn man… Mehr

Robert S.
3 Tage her

Unvergessen, dass Herr Güllner/Forsa 2013 mit seiner groben Unterprognose der AfD den Einzug ins Parlament verhinderte, weil viele Wähler meinten, sie würden ihre Stimme verschwenden. Die AfD fehlten dann 0.3 Prozent zur Hürde! (evtl. hätte die AfD dann die Öffnung der Grenzen 2015 verhindert).
Er ist der hemmungsloseste unter den Manipulatoren bei den Umfragen, aber nicht der einzige …

Rob Roy
3 Tage her

Ich glaube, dass Merkel im Hintergrund mehr Fäden spinnt, als allen bewusst ist. Sie kann hervorragend mit Göring-Eckardt und war es vielleicht auch, die den Grünen eingeflüstert hat, Baerbock aufzustellen. Damit die Grünen nach einem ersten Höhenflug auf dem Bauch landen, und selbst der schwache Laschet dagegen wie der König der Welt ausschaut. Natürlich wird dann auch Laschet noch rechtzeitig gecancelt werden, damit sich dann Merkel noch mal anbieten kann, den Job zu übernehmen. Schließlich hat sie nur die Kanzlerkandidatur ausgeschlossen, nicht aber noch einmal vom Bundestag gewählt zu werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie ihre Meinung… Mehr

Hesta
3 Tage her
Antworten an  Rob Roy

Diese Befürchtung habe ich auch, wieder eine Hinterlistigkeit und Merkel bleibt ein weiteres Mal Kanzlerin.
Genügend Stimmen bekaeme sie auch jetzt wieder dank derer, die nichts begriffen haben.

Christa Born
3 Tage her

Meinungsmachungsinstitute. Nun, wenn der Schuss nach hinten losgeht, soll’s recht sein!

Heinz
3 Tage her

„Damals“ waren es nicht nur die Parteien, die mit Umfragen Politik zu machen versuchten. Es waren anscheinend auch die Institute selbst, jedenfalls das damals – wie sich herausstellte: zu Unrecht – führende „Allensbach“. Beispiel: Dieses Institut hatte vor einer Landtagswahl in Ba-Wü (es war wohl 1989, jedenfalls Ende der achtziger Jahre) Zahlen für die damaligen „Republikaner“ vorausgesagt und veröffentlicht, die sich am Wahltag als erheblich zu niedrig herausstellten. In der FAZ später darauf angesprochen, antwortete die nachmalige Chefin des Instituts (Renate Köcher hieß sie wohl) mit bemerkenswerter Offenheit, die „richtigen“ (also höheren) Zahlen für diese Partei seien durchaus bekannt gewesen,… Mehr

DieGedankenSindFrei
3 Tage her

Ich kläre zur Zeit mein Umfeld über die Lügen der Annalena Baerbock auf – glauben will das kaum einer, sie ist ja „so eine sympathische Frau“, „dass man sich das gar nicht vorstellen kann“, das ist bestimmt „aus Versehen passiert“!

Meine Hoffnung: Mit Hilfe dieser Aufklärung wählen weniger Leute diese grüne Partei!

Ich selbst werde wieder als Wahlhelferin tätig sein, beim letzten Mal war das ganz gut ;), auch wenn das einige Anwesende anders gesehen haben!

Allerdings wird das vermutlich nicht viel helfen aufgrund der vielen Briefwähler….

Enrico
3 Tage her
Antworten an  DieGedankenSindFrei

Ich beobachte nur und schleiche um den Wahlzetteltisch rum (und helfe nicht beim Auszählen). War bisher immer auch der Einzige, der diese demokratisch zustehende Optionskarte zieht. Böse Blicke gabs auch schon, allerdings nicht vom Leiter des Wahllokals, der kennt mich persönlich als kommunal-kritischen Bürger. Auszählende sind bei uns fast ausnahmslos Gymnasiallehrerinnen mit „ihren“ sorgfältig ausgesuchten 12t-Klässlerinnen (BaWü nahe Stgt, alle mit grünen kratzenden Schurwollpullis). Der Leiter des Wahllokals ist der Garant für Integrität, beim Kummulieren der Stimmen hörts dann mit der Beobachtung auf (Schnell-Übertragung per Tel. so gegen 19:30 Uhr, ich stehe daneben, da kenne ich nichts!). Briefwahloption ist Mist… Mehr

Rob Roy
3 Tage her
Antworten an  DieGedankenSindFrei

Gegen die Unvernunft der Grünen-Sympathisanten kommt man einfach nicht an.
Wenn man aktuell auf die Hochstaplereien der Baerbock eingeht, gilt man als Madigmacher, Fakenews-Verbreiter oder gleich als rechte Socke.
Wenn man den Leuten dann Zeitungsartikel hinlegt oder schickt, wird alles relativiert oder gar nicht mehr zurückgeantwortet.
Es ist einfach sinnlos, mit Grünen diskutieren zu wollen.

Mozartin
3 Tage her

Alles soweit richtig, Herr Georgen, vor allem fehlt den Vorhersagen zumeist das Feeling für ein konservatives Empfinden der Deutschen jenseits von Frau Merkel. Aber Sie schreiben ganz richtig, dass der Pegel mit Frau Baerbock sprang. Es gibt weit niedere Konnotationen des Bockes, aber Sprung scheint mir der für Frau Baerbock passende. Ich will sie nicht überfrachten und keinesfalls werde ich sie wählen, weil ich anderer Meinung bin, aber es kommt evtl. nicht von ungefähr, dass sich TE schwertut mit Frau Baerbock, was immerhin auch für eine gewisse Faszination spricht. Ich fand eine niedliche Beschreibung bei Peter Sloterdijk „Den Himmel zum… Mehr

Abraham
3 Tage her

Frage an alle: Was passiert eigentlich, wenn Söders CSU bundesweit unter 5 % zu liegen kommt? Sind die CSU-Stimmen dann für die CDU/CSU futsch?

Enrico
3 Tage her
Antworten an  Abraham

Nee, die CSU braucht mind. 3 gewonnene Direktmandate (die sog. Grundmandatsklausel gilt für alle Parteien). Schaffen die nicht nur locker, sondern die holen in Bayern immer fast alle Direktmandate. Ausser in urbanen Hotspots wie Minga (München) oder Nernberch (Nürnberg), da springt auch (selten genug) mal der eine oder andere SPD’ler oder vielleicht (neu!) Grüne auf direktem Wege ins Parlament.
Die CSU ist damit auch hauptverantwortlich für die Aufblähung des BT (Überhangmandate). Sagt ihnen bloß niemand, auch hier bei TE nicht, ist halt immer noch flächendeckend eine „konservative“ Lieblingspartei (für mich nicht! Obwohl ich geb. Franke bin).

Landdrost
3 Tage her
Antworten an  Abraham

Die CSU muss nach meinem Verständnis im Bund die 5%-Hürde bei den Zweitstimmen schaffen, damit sie entsprechend ihres Zweitstimmenergebnisses in Bayern mit Sitzen im Bundestag vertreten ist. Wenn sie die 5%-Hürde nicht schafft, ist diese Verteilung obsolet. Gleichzeit können CSU-Hanseln natürlich weiterhin über Direktmandate in den Bundestag kommen. Ob das dann weniger Mandate sind, muss man schauen, wahrscheinlich aber nicht. 2017 hat sie alle 46 Direktmandate gewonnen. Da für Bayern insgesamt 96 Mandate vorgesehen waren und sie „nur“ 39,1% der Zweitstimmen erhalten hat, aber über die Direktmandate schon 48% (46/96) aller Mandate erhalten hat, gab es wohl keine Überhangmandate. Also… Mehr