Trotz Sturm und Lockerungen: Corona-Proteste wachsen weiter

Auch Orkan Zeynep kann die Proteste für eine liberale Corona-Politik in Deutschland nicht aufhalten. Womöglich geben gerade die angekündigten Lockerungen der Bewegung neuen Auftrieb.

Ein Flaggenmeer breitete sich über den Corona-Demonstrationen an diesem Samstag aus: Britanniens „Union Jack“ und die „Stars and Stripes“ der USA, aber auch israelische Flaggen und die von Dänemark und Schweden waren zu sehen. Es sind die Flaggen der Länder, die mit einer liberalen Corona-Politik voran gehen. Sie werden zum neuen Symbol der Protestbewegung in Deutschland, die seit nunmehr 10 Wochen auf Deutschlands Straßen unterwegs ist.

Der Druck auf die Bundesregierung, in der Corona-Frage eine Wende zu vollziehen, wächst damit weiter. Die angekündigten Lockerungen im Einzelhandel und der Gastronomie haben nicht dazu geführt, dass die Proteste abklingen.

Trotz Sturmtief vor allem im Norden gingen am Samstag erneut Zehntausende auf die Straßen. Den Polizei-Zahlen zufolge wurde dabei gleich in drei Städten die Teilnehmerzahl von 5000 durchbrochen – in Freiburg, Reutlingen und Augsburg. In Frankfurt am Main und Düsseldorf sollen es 3000 Menschen gewesen sein, auch in Dresden und Bautzen demonstrierten mehrere Tausend Menschen. Teilnehmer und Veranstalter sprechen jeweils von deutlich höheren Teilnehmerzahlen, auch an diesem Samstag sind Zahlen von zusammengenommen über Hunderttausend durchaus realistisch. Die Proteste am Samstag waren bislang immer etwas kleiner als die „Montagsspaziergänge“.

Kernanliegen der Proteste bleibt die Verhinderung der Impfpflicht, insbesondere der schon parlamentarisch beschlossenen im medizinischen Bereich. In Düsseldorf führten, wie in den letzten Wochen auch, Pfleger den Demonstrationszug an.

Skandiert wurde „Frieden, Freiheit, keine Diktatur“ oder „Das Ende der Freiheit“. Schilder zeigten Sprüche wie: „Unbeugsam. Bis jetzt habt ihr Römer geimpft, jetzt sind nur noch Gallier übrig.“

An diesem Samstag verliefen die Proteste erneut vollständig friedlich, langsam lockern manche Kommunen auch ihr Vorgehen gegen die Proteste. Dass in Sachsen und Thüringen größere Proteste nun nicht mehr generell verboten werden, gibt der Bewegung zusätzlich Aufwind. Insbesondere in Ostsachsen spitzt sich die Lage zu. In Bautzen waren erneut mehrere Tausend Menschen auf der Straße.

Ein Leser aus Frankfurt am Main berichtet uns jedoch von anderen Formen der Störung der Proteste durch die öffentliche Hand: „Die Polizei wiederholte via Lautsprecherwagen an jeder Kreuzung, an der die Veranstaltung auf Publikum stoss, die allseits bekannten Bedingungen für die Demo. Ein durchsichtiges Spiel, welches wohl nur die Aufmerksamkeit für das Anliegen der Demonstranten reduzieren sollte. Widerrechtlich, also ohne eine valide Gefahrenlage, fertigte die Polizei ebenso Videos der Demonstranten an.“

Es scheint fast so, als hätten die Lockerungen der Regierung die Proteste nicht besänftigt, sondern ihnen neuen Schwung verliehen. Das Gefühl, das sich entwickelt: Die Regierungslinie wackelt, jetzt ist alles möglich. Viele sehen die Lockerungen auch als Bestätigung ihrer Kritik, im Prinzip folgt die Politik ja nun vielen Forderungen, die auf diesen Demonstrationen seit Mitte Dezember vorgebracht wurden.

Die Impfpflicht bleibt jedenfalls der Maßstab für die Regierung – die Lockerungen in Einzelhandel und Gastronomie haben den Gegnern der Impfpflicht nicht den Wind aus den Segeln genommen. Das schon oft vorhergesagte Ende der Proteste ist vorerst noch nicht in Sicht.

Für die Regierung kommt erschwerend hinzu, dass ein europäisches oder westliches Land nach dem anderen einen „Freedom Day“ verkündet und die Demonstranten damit abermals bestätigt – vielleicht werden in der nächsten Woche also noch mehr Flaggen von noch mehr Ländern auf Deutschlands Straßen zu sehen sein.

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Kommentare ( 105 )

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Joama
3 Monate her

Ich bedauere, dass sich die Proteste gegen die Arroganz der Macht, gegen Bevormundung und Freiheitsberaubung nur an der Corona-Politik festmachen. Wo bleibt der Protest gegen die uns von Rot-Grün-Woke aufgezwungene Kulturrevolution von oben – gegen Gendersprache, Straßenumbenennungen und andere Säuberungsaktionen, gegen einseitige Berichterstattung und Indoktrination in den öffentlich-rechtlichen Medien, gegen Cancel Culture an den Hochschulen, gegen die Verschwendung von Steuergeldern für Ideologie-Projekte? Corona ist ein objektives Problem, eine Herausforderung, auf die die Politik so oder so reagieren muss – auch wenn man sich darüber streiten kann, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Die anderen obengenannten Punkte entspringen indessen reiner Willkür. Nichts davon… Mehr

RA.Dobke
3 Monate her

Elektrifizierung, Digitalisierung, Algorythmisierung – ich frage mich, ob wir auf dem richtigen Weg sind, oder ob das nicht die Schritte sind, auf denen wir die Individualität und das eigentliche Menschsein verlieren und unser zukünftiges Habitat die „Massentierhaltung“ sein wird …

Thomas Grote
3 Monate her

Entschuldigung, ich habe wohl etwas übersehen. Von welchen „Lockerungen“ sprechen Sie? Meinen Sie den gespielten Witz, den die MPK vergangene Woche dargeboten hat? Es verändert sich doch faktisch nichts. Lediglich, daß Ungeimpfte mit Test jetzt wieder am Hofgang teilnehmen dürfen. Das Zeigen von Ausweisen, das Tragen der nutzlosen Masken, Zutrittsbeschränkungen, Androhung des Impfzwanges und die Möglichkeit im Herbst alles auf Vorrat rückgängig machen zu können, wenn der Impfclown es befindet, bleiben. Die Politik lügt und blendet in einem fort. Wie es geht zeigt England. Möge der Protest auf den Strassen den Weg zu den vier Landtagswahlen weisen.

Franz Reinartz
3 Monate her

Schade, dass Sie, werte Redaktion, den Sprachgebrauch des Regimes nutzen und von „Lockerungen“ sprechen. Vielleicht wäre der Terminus „Hafterleichterung“ zielführender, diese werden bei nur Wohlverhalten gewährt. Als Insasse des homeland NRW unter den Scharfmachern Wüst und Stamp darf ich immer noch nicht im Einzelhandel einkaufen, mir wird der Besuch von Gast- und Sportstätten sowie Hotels und „Kultur“veranstaltungen untersagt und ich und meine Familie riskieren hohe Bußgelder, wenn wir uns treffen. Ich darf nicht an Beerdigungen oder Trauungen teilnehmen. Im Grunde ist das Arrest. Demnächst werden dann wohl elektronische Fußfesseln für ungeimpfte Parias vorgesehen. Die Kinder meiner Nachbarn sind gezwungen, in… Mehr

EndemitdemWahnsinn
3 Monate her
Antworten an  Franz Reinartz

Das dachte ich mir auch. Wenn ich den Ausdruck „Lockerungen“ höre, wird mir ganz übel und ich könnte erst recht platzen vor Wut. Praktisch gesehen ändert sich ja auch rein gar nichts, denn ob 2G oder 3G macht keinen Unterschied, denn ich will und werde mich genausowenig für normalerweise ganz selbstverständliche Tätigkeiten des Alltags testen, geschweige denn die Spritze verpassen lassen. Solange außerdem die Drohung mit der Zwangsspritze weiterhin im Raum steht, ganz zu schweigen von der indirekten, überall ständig präsenten Nötigung zu diesem Genexperiment, gibt es keinerlei Grund für Entwarnung, wobei ja deutlich gemacht wurde, dass dies weiterhin das… Mehr

Daniel Karsten
3 Monate her

„Lockerungen“? Bin ich ein Strafgefangener? Diesen Begriff kennt man aus dem Strafvollzug. Und was genau soll denn lockerer sein? Man hat uns Grund- und Menschenrechte entzogen und tut dies noch immer. Ich will keine „Lockerungen“, ich will und fordere meine von Natur aus und von Verfasssungs wegen zustehenden Rechte zurück. Und ich fordere Rechtsverfahren vor unabhängigen Gerichten, gegen die, die sie mir entzogen haben. In einem Rechtsstaat hat niemand, aber auch gar niemand das Recht, sowohl grundlegende Menschenrechte sowie die Verfassung selbst außer Kraft zu setzen, auch nicht in Teilen. In einem Linksstaat gibt es weder Recht und Verfassung, es… Mehr

Gerner
3 Monate her

Arabischer Frühling auf Europäisch? Ein „Demokratischer Frühling“? Ein „Corona-Frühling“? Fast könnte man meinen das Demokratie „neu gedacht“ wird und wie beim Arabischen Frühling die amtierenden Regierungen nicht grundlos Angst vor der neuen Form der Demokratie haben.

Und wie beim Arabischen Frühling, wird irgendwie alles im Sande verlaufen und an manchen Orten wird es schlimmer als zuvor. Und da bin ich mir jetzt sogar sicher wo solch ein Ort sein wird: Deutschland.

ComputerMann
3 Monate her
Antworten an  Gerner

Als Feigling und Schwarzseher lebt man garantiert in der schlimmstmöglichen Welt.

Peter Klaus
3 Monate her

Flaggen von Deutschland, Spanien, Griechenland, Russland, Mazedonien, Kosovo, Kroatien (oder Niederlande)…..so kann Deutschland gerne „bunter“ werden.

ComputerMann
3 Monate her
Antworten an  Peter Klaus

Tausendmal besser als die Flagge von WHO-GATES-FAUCI.

Vielfahrer
3 Monate her

Die Nervosität steigt beträchtlich: Die in Gera erscheinende „Ostthüringer Zeitung“ hat offenbar letzte Woche ihrer ansonsten eher links eingestellten Chefredakteurin der Lokalredaktion Gera gekündigt, weil sie sich in einem Kommentar kritisch, aber sehr sachlich und unvoreingenommen mit den Demonstrationen auseinandergesetzt hatte!

ComputerMann
3 Monate her
Antworten an  Vielfahrer

Die Wahrheitspresse duldet keine Abweichler und wir alle sollten diese Presse schlicht meiden. Und wir sollten unseren Freunden TE und ähnliche Medien zeigen.

ketzerlehrling
3 Monate her

Und was kommt danach? Alles andere ist ok in diesem Land? Deutschland hat sonst keine Probleme, nur Corona, so sieht es jedenfalls aus. Spaziergänge, Proteste, gegen alles, was in diesem Land schief läuft und das ist im Grunde alles. Aber dass der Michel Nägel mit Köpfen macht, wird man nicht erleben. Denken bis zur Nasenspitze und das war´s. Wenn man sich die Aktion der Trucker und der Bevölkerung in Kanada ansieht, dann ist dies zu einer echten Volksbewegung geworden. Nicht nur, dass die Kanadier den Truckern mit Benzin aushelfen, nein, sie versorgen sie mit Lebensmitteln, bieten ihnen Übernachten und Duschen… Mehr

Walter Eiden
3 Monate her
Antworten an  ketzerlehrling

Ich sehe das ganz genau so dass es bei Weitem nicht allein um Corona bzw. die Massnahmen geht und die „allgemeinen Zukunftsaussichten“ in nahezu jedem Bereich eher düster sind. Ich behaupte also ich denke über meine Nasenspitze hinaus. Aber was für Nägel mit Köpfen soll ich denn machen? Wenn in Deutschland keine Trucker protestieren kann und muss ich sie auch nicht versorgen. Und das große (mutmasslich das größte) Problem ist nun mal dass es einen tiefen gesellschaftlichen Spalt gibt, von Zusammenhalten also keine Rede sein kann. Ebenso wenig funktionieren Überzeugungsversuche bei Verblendeten und sei die Faktenlage noch so eindeutig. Lassen… Mehr

Figiel
3 Monate her
Antworten an  Walter Eiden

Wir gehen wie jeden Montag spazieren.

K.Selberdenker
3 Monate her

„Die Rechte bekommt man nicht geschenkt …. man nimmt sie sich“ Lenin

Michael Palusch
3 Monate her
Antworten an  K.Selberdenker

Das gilt nur für Gesellschaften, in denen dem Bürger die Rechte von einem übergriffigen Staat zuvor geraubt wurden.
Jeder Mensch ist ab seiner Geburt Inhaber aller Rechte. Diese Rechte werden auf Grund von Vereinbarungen (Gesetzen) eingeschränkt. In liberalen und demokratischen Gesellschaften ist es das Ziel, für ALLE das Höchstmaß an Freiheit bei gleichzeitig maximaler Sicherheit, genau in dieser Reihenfolge, zu gewährleisten.
Tritt die Sicherheit an erste Stelle kann man gewiss sein, dass es sich hier nicht um einen freiheitlichen Staat handelt.

Sabine Ehrke
3 Monate her
Antworten an  Michael Palusch

Das Volk hat sich berauben lassen. Es ist nun wieder an der Zeit, dass es erkennt, wieviel Macht es hat, um seine Angestellten aus dem Politbüro Berlin wieder in die Schranken zu weisen!

ComputerMann
3 Monate her
Antworten an  K.Selberdenker

Freiheit muss immer wieder gegen die teuflische Kraft der SPARTANER erkämpft werden. Das musste schon ATHEN.