Reform der Krankenkassen – jetzt auch für Kinder zahlen

Die Kassenbeiträge explodieren, doch die wahren Kostentreiber bleiben tabu. Die Regierung will Krankenkassen entlasten – mit einem Trick zulasten derer, die noch bezahlen. Kinder und Ehepartner sollen extra kosten, während heilige Kühe im System unangetastet bleiben.

picture alliance / dts-Agentur | -

Die Kosten für die Krankenkassen explodieren. Warum die Kosten explodieren, ist bekannt, der Grund darf aber nicht benannt werden. Und was nicht benannt wird, wird logischerweise auch nicht angegangen. Die Utopie der bunten, woken und vielfältigen Welt, darf nicht in Frage gestellt werden, obwohl ihr Scheitern offensichtlich ist. Und diese Utopie besagt, dass alle die, aus welchen Gründen auch immer, nach Deutschland kommen, sich auch in unserem Sozialsystem zu Hause fühlen sollen.

Dieses Wohlfühlen kostet Geld, viel Geld. Dieses Geld will sich die Bundesregierung jetzt bei denen holen, die ohnehin schon alles bezahlen. Da selbst dieser Regierung klar ist, dass man mit noch höheren Beiträgen den Bogen überspannen könnte, will man in diesem Fall indirekt an das Geld der Steuerzahler – mit einem windigen Taschenspielertrick. Es werden Leistungen gekürzt, die dann zu höheren Ausgaben derer führen, die noch Beiträge bezahlen. Die Nichtzahler sind wie immer davon ausgenommen.

Nach den neuesten Ideen, von denen t-online berichtet, soll nicht nur die Mitversicherung von Ehepartnern wegfallen, sondern jetzt auch für Kinder nach dem sechsten Lebensjahr. Das bedeutet: Beiträge von etwa 240 Euro monatlich für bislang beitragsfrei mitversicherte Ehe- und Lebenspartner und eben auch Kinder, die älter als sechs Jahre sind. Das wären dann 2.880 Euro pro Jahr, die ein Beitragszahler für seine Familie zusätzlich bezahlen müsste. Wie gesagt: Nichtzahler wären natürlich, wie immer, ausgenommen. Sie sollen sich ja im Sozialsystem wohlfühlen.

Die ohnehin ungeheure Dreistigkeit dieser Vorschläge wird vor dem Hintergrund einer vor sechzig Jahren getroffenen Vereinbarung, dem deutsch-türkischen Sozialversicherungsabkommen vom 30. April 1964, besonders deutlich. Während die Bundesregierung über weitreichende Einschnitte bei der beitragsfreien Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung nachdenkt, bleibt diese Sonderregelung nahezu unangetastet.

Dieses Abkommen erlaubt es türkischen Staatsangehörigen, die in Deutschland gesetzlich versichert sind, ihre Familienangehörigen unter bestimmten Voraussetzungen beitragsfrei mitzuversichern – selbst dann, wenn diese in der Türkei leben. Die medizinische Versorgung erfolgt vor Ort, die Kosten trägt letztlich die deutsche Krankenversicherung. Eine Regelung, die nicht nur Ehepartner und Kinder umfasst, sondern nach türkischem Recht auch Eltern einschließen kann, sofern sie im selben Haushalt leben oder unterhalten werden. Für diese Mitversicherung fallen keine zusätzlichen Beiträge an.

Die Bundesregierung denkt offensichtlich noch nicht einmal daran, hier eine Möglichkeit zum Sparen erkennen zu können.

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Kommentare ( 26 )

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H. Priess
19 Minuten her

Wohl dem der nicht verheiratet ist und keine Kinder hat aber für die kommt sicherlich eine Singlesteuer. Wie ist es dann mit Geschiedenen? Muß der Unterhaltspflichtige, meißt der Mann, dann zusätzlich zum Unterhalt der Frau und der Kinder auch die Krankenkassenbeiträge für sie und die Kinder bezahlen? Welcher Geschiedene kann das bezahlen? Am besten gleich mit dem Kälberstrick zur nächsten Brücke, viele werden keinen weiten Weg haben da sie dann unter der selben wohnen werden. Was ich über diese ganze Bande von Gauner/innen und Verbrecher/innen, hier ist das Gendern mal angebracht, denke, schreibe ich lieber nicht. Das würde TE selbst… Mehr

Bernhard J.
24 Minuten her

Nun, die Deutschen haben sich diese Regierung gewählt und wenn man sich die ÖRR Medien und ihre Nachbeter anschaut, dann wundert einen nicht, dass dieses Lang sich ruiniert.

Deutsche
25 Minuten her

Jetzt auch noch für Kinder zahlen. Die (deutschen) Familien müssen doch irgendwie komplett kaputt gemacht werden.
Die Beitragszahler der Zukunft (Kinder) müssen NOCH MEHR BELASTET werden.
100 prozentige Zerstörung der Gesellschaftsbasis und Demotivation für jeden der noch leisted, während die eingeschleusten Migranten ALLES BEZAHLT KRIEGEN.
Hört sich ganz „dolle“ nach „Geräächtigkeit“ an.
Die Politik spuckt uns echt ins Gesicht.

Milton Friedman
27 Minuten her

Und jetzt erinnern wir uns alle noch einmal an Merz und sein „Rechts Blinken“ in den letzten Wochen vor der Bundestagswahl. Merz, durfte sich inmitten der bundesweiten Erregung aufgrund des Mordes an einem Kindergartenkind durch einen FachkraftGeschenkten in einen Debattenraum begeben, der die übrigen 3 Jahre und 11 Monate einer Legislaturperiode strikt verboten ist. Die Medien ließen ihn in diese Zone, damit er so viel wie mögliche Wähler vor dem Wahltag der AfD abluchsen kann. Ein Muster der Leitmedien, dass man schon 2017 und 2021 bei der Behandlung der FDP sehen konnte: 4 Jahre Fundamentalkritik und dann abhängig von den… Mehr

Last edited 25 Minuten her by Milton Friedman
Haba Orwell
34 Minuten her

> Nichtzahler wären natürlich, wie immer, ausgenommen. Sie sollen sich ja im Sozialsystem wohlfühlen.

Nichts ist in Westeuropa wichtiger als das „Lebensgefühl“. Die Kohle ist hingegen „nur Geld“, wie der Größte Habeck aller Zeiten zu sagen pflegte. Wollen denn die Wählenden:innen etwas anderes?

humerd
34 Minuten her

Tja, liebe Familien die SPD verhindert die vollumfänglich Bezahlung der Krankenkassenkosten für Bürgergeldempfänger aus Steuermitteln.

Deutsche
19 Minuten her
Antworten an  humerd

Wenn das korrekterweise aus Steuermitteln gezahlt werden würde, würde „die Politik“ die Steuermittel an uns sparen um sie weiter aus dem Fenster werfen zu können.
Wurde ja gerade mit den gigantischen Sonderschuldung „für unsere Infrastruktur“ so gemacht. Die Infrastruktur vergammelt weiter und mit dem Geld werden die Lieblingsprojekte der Politik weiterfinanziert. Ukraine, Klima Klimbim, unbrauchbare Migranten.

Mikmi
35 Minuten her

Ich habe auch einen Vorschlag, alle Bürgergeldempfänger und Migranten werden über die Private Krankenkasse versichert, wenn unsere Regierung das so wünscht, das sie das große Paket erhalten, dann richtig.

Freige Richter
35 Minuten her

Und wie läuft das bei den Beamten?

TomK11
43 Minuten her

„Nichtzahler wären natürlich, wie immer, ausgenommen“ – hier wird sogar noch vergessen, dass für diesen Teil der Bevölkerung noch nicht einmal ein angemessener Beitrag aus Steuern gezahlt werden soll. D.h. die Gesundheitsversorgung dieses Bevölkerungsteils (der inzwischen aus einem immer größerem Anteil an nur geduldeten Migranten besteht) soll alleine den gesetzlich Versicherten aufgebürgt werden. Die Geschichte mit den  türkischen Staatsangehörigen deren Angehörige in der Türkei weiterhin beitragsfrei versorgt werden sollen ist ein Skandal.

WGreuer
43 Minuten her

Meine Rede seit langem: die Bundesregierung arbeitet nicht für die (Steuern zahlende) Bevölkerung, sonden gegen sie. Was die da inzwischen abliefern, ist an Frechheit, Unverschämtheit, Verlogenheit und Unverfrorenheit gegenüber den verbleibenden Steuerzahlern nicht mehr zu überbieten. Sorry für diesen harschen Ton, aber da platzt einem der Kragen.
Dass überhaupt noch jemand auf die Idee kommt, diese Parteien zu wählen (siehe Wahlergebnisse Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz), kann ich mir nur mit vollständiger Gehirnwäsche oder totaler Verblödung der Wähler erklären. War in den Gen-Spritzen währen der Corona-Zeit etwas drin, was zu dieser totalen Verblödung führt??