Merkel: Zwischen Aufständchen und Implosion

Nach der verlorenen Vertrauensfrage in der Unionsfraktion (HMV) ist die Zahl der klugen und weniger weisen Reaktionen schier endlos. Hier eine Auswahl

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Zwischen der Überschrift bei Ralf Neukirch, SPIEGEL: „Herr Brinkhaus probt das Aufständchen“ und dem Tweet von Ralf Schuler, BILD: „Der Rest ist Epilog. Und alle Beteiligten wissen es.“ bewegen sich die Notizen zum Geschehen. Wobei wir bei Schuler die Frage stellen: weiß Merkel es auch?

Nach diesem Wermutströpfchen passt Robin Alexander als Hinweis, dass die Folgeentscheidungen zeigen werden, ob es beim Wechsel im Vorsitz bleibt oder die Unionsabgeordneten zu mehr personeller Veränderung bereit und in der Lage sind.

Wir sind neugierig auf die Deutungen der Wahlergebnisse in Bayern und Hessen, die sich auf die Merkel-Niederlage des Kauder-Abgangs beziehen.

Robin Alexanders Erdbeben-Ablauf macht prospektiv klar, dass in Zukunft versucht wird, jedes drohende Feuer geich zu Beginn mit aller Macht auszutreten.

Was alleine die Aufstellung von Wahlkabinen an Entscheidungsfreude freisetzt, ist sehr bemerkenswert.

Die Vertrauensfrage in der Unionsfraktion verloren konstatiert HMV. Wie viele gibt es, die diese Frage an Merkel noch im Parlament beantwortet haben wollen?

Ja, Gordon Repinski, das ist so, diese Diskussion wird nur ganz kurz dauern oder sehr, sehr lange.

Nächste Stufe, Philip Plickert, könnte die Abgabe des CDU-Vorsitzes durch Merkel sein, womit sich unglaublich viele Unionisten (und Journalisten) schon wieder ganz zufrieden gäben.

Stimmt, HMV, aber Gelegenheiten für solche Bündelung der Unzufriedenheit in Abstimmungen, gibt es nicht so viele. Weicht Merkel der nächsten Möglichkeit durch Nicht-Kandidatur beim CDU-Parteitag einfach aus?

Ach echt Tina Hassel? Adabei im Tenor-Wechsel? Und dann gleich ein ganzes System Merkel, das kollabiert? Von diesem System haben Sie uns nie erzählt – oder?

Und das ZDF, Peter Frey, konnte vorher keine Anzeichen erkennen für das große Wort Implosion der Kanzlerschaft Merkel?

Rainald Becker formuliert es viel zurückhaltender als Frey: Autoritätsverlust klingt noch nicht nach Ende. Wie viel Autoritäsvorrat bei Merkel ist übrig zum aufzehren?

Michael Bröcker, das sehen wir auch so, und Merkel?

Die folgenden Tweets lassen wir einfach so stehen. Die Oper Merkel ist noch längst nicht zu Ende.

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Kommentare ( 94 )

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Mir ist das zu wenig. Merkel ist noch nicht weg! Was ist tatsächlich geschehen? Kauder ist weg und damit Merkels unsägliche Figur, die Abgeordnete per Druck und Drohung auf Linie bringen und halten wollte. So lange die C-Parteien sich nicht konsequent vom Kurs der Merkel verabschieden wollen und den Anschein hat es nicht, ist das keine Lösung. Die AFD ist die einzige wahre Opposition im Lande. Das Linkskartell muss weg, Merkel vor Gericht und abgeurteilt werden. Darunter geht es nicht mehr. Zuviele Deutsche wurden ermordet von illegalen Migranten, die Merkel ins Land geschleust hat. Zuviele rechtschaffene Beamte, zuletzt Herr Maaßen… Mehr

„Alle reagen mich“ so die Aussage Merkels. Nur wohin, ist die Frage. Wenn sie weiter in ihrer Blase verharrt, wird sie zu Grabe getragen.

[…] Die Oper Merkel ist noch längst nicht zu Ende. […]

DOCH, die Oper ist zu Ende. Leider wird es jetzt noch lange als Operette weiter gehen. #unsbleibtaberauchnichtserspart

Die Wahl von Brinkhaus könnte in der Tat sowas wie ein Unfall gewesen sein. Konservative sind keine Helden. Sie erleiden lieber Schmachvolles, als ihren Nimbus an Höflichkeit (civility) aufzugeben, der meist nichts anderes ist als Feigheit. Die geballte Faust in der Tasche ist der Markenkern der Konservativen, wenn es gilt, Widerstand zu leisten oder für das Land einzustehen. Eine geheime und schwerwiegende Wahl kam der geballten Faust gerade recht. Zu viele Zumutungen hat Merkel über ihre Abgeordneten gebracht. Offenkundig war auch im Vorfeld der Wahl keine ordnende Hand oder gar so etwas wie ein Wahlkampf zu erkennen. Der eine oder… Mehr

Auf der anderen Seite gibt es viele in der Fraktion, die Merkel bzw. Kauder sehr viel verdanken und in Niebelungentreue zu ihr stehen. Das heißt, dass die „Aufständischen“ unter denen, die NICHT im Merkelschen Hofestaate sind, recht zahlreich sind.

So gesehen rumort es mehr, als es aussieht.

Merkel geht erst, wenn eine ausreichende (demokratische) Masse darin Erleichterung und Aufbruch sieht. Ich bin entsprechend noch lange nicht so euphorisch und optimistisch eine Merkelabgang zu erleben, wie inzwischen selbst Teile der Schönschreibstuben. Solange es noch genug gibt, deren Lebensinhalt und Lebenssinn mit Merkel sterben würde, haben solche Personen Macht. Merkel bleibt allerdings ein schandmaliges Phänomen Deutschlands mit insbsonderer seiner Geschichte – und ich meine die geschichte als Bildungs- und Kulturnation (!) – ein Phänomen, das anders als alle anderen dieser „Bildungsnation“ einen Sprecher wirklich dazu braucht, das wenigstens die Chance besteht etwas Vernünftiges ausserhalb von unterirdischem unakademischem Stammelspeech zu… Mehr

„Undank ist der Welten Lohn“

Galt die „große Staatsratsvorsitzende“ in den Systemmedien als sakrosankt, gilt nun das Prinzip „Rette sich, wer kann!“.
Vom AFD Hasser R. Becker (ARD) über P. Frey (ZDF) und die vers(e)ammelte Hauptstadt-Presse, allen ist offenbar in wenigen Minuten nach der Causa Kauder ein Pfings-Erlebnis widerfahren!

Es wird ihnen nicht helfen.

Wer über mehr als ein Jahrzehnt als Propagandist der Regierung unterwegs war, hat alle Glaubwürdigkeit verloren – die Essenz des journalist. Berufsstandes

Gehen Sie mit Ihrer Kanzlerin unter!

Frau Merkel und ihre Oppositionsparteien haben Großes angerichtet: Die Gründung der AfD, Vergrößerung des Sozialstaats, gesetzloses Einwandern, um nur ein paar Dinge zu nennen. Das konnte sie nur als gleichzeitige Licht- und Schattengestalt, weil das Volk die Taschenlampe angeknipst hat, halb aus Angst, und halb aus dem Grund, überhaupt etwas zu sehen. Herr Schäuble hat dem Volk nun mitgeteilt: Ihr könnt sie jetzt ganz ausmachen.

Der beste Kommentar stammt nicht vom kreuzbraven aktuellen, sondern vom „gegangenen“ Handelsblatt-Chefredaktor Steingart (Morning Briefing v.26.9.18):

„Anders als im Grundgesetz vorgesehen, hatte der Fraktionschef nicht die Regierungschefin kontrolliert, sondern sie kontrollierte durch ihn die Bundestagsabgeordneten. Diese Herrlichkeit ist nun vorbei.

Er war ihr Einpeitscher und oberster Spitzel. Sie war sein Führungsoffizier und Vormund. Kauder hat sich nicht mal getraut, nächtens anders zu träumen als sie. Merkel war der Fixstern seines politischen Lebens. Ihre Lippen waren seine Bibel. “

Sic erat.

Wenn ich beim ÖR die Kommentare lese und höre, weiß ich, wie sich die DDR Bürger fühlten, als die ganzen Wendehälse einige Wochen und Monate NACH der Wende aus ihren Löchern gekrochen kamen und sich als Oppositionelle ausgaben – mit dem EX BP Gauck(ler) an vorderster Front.

So ist es. Kauder Abwahl kommt mir vor wie die Grenzöffnung in Ungarn. „Jetzt kommt was ins Rollen“…

Solange Dietmar Bartsch sagt, dass das das Ende sei, wird es weitergehen.