Korrupte Politik: Gerhard Schröder hat es mit Nord Stream 2 vorgemacht

Nicht nur Nüßlein & Co hielten sich an die Devise „Geld stinkt nicht“. Die Republik empört sich und hat dabei ein kurzes Gedächtnis. Erst Deutschlands Ex-Kanzler - dann Putins Energie-Manager - Schröder hat den politischen Anstand zerstört und alles danach hoffähig gemacht.

imago images / ITAR-TASS
Gerhard Schröder und Wladimir Putin

Geld stinkt nicht, auch wenn es auf noch so ekelhafte Weise ergattert wurde. Daran hat sich von Alters her nichts geändert. Auch heute noch lassen sich täglich Menschen von den Verlockungen des schnöden Mammon und der eigenen Gier verführen. Im Zweifel spielen dann Ehre und Anstand, ja selbst Gesetze keine Rolle mehr. Das war leider immer so und wird auch immer so sein. So ist der Mensch halt.

Gerade wieder musste dies bei zwei Bundestagsabgeordneten der Unionsparteien festgestellt werden. Es werden über Parteigrenzen hinweg nicht die letzten sein, die Dienst am Gemeinwohl, dem sie per Amt verpflichtet sind, mit Abzocke für sich selbst verwechseln. Freilich misst auch hier die Allgemeinheit mit mehrerlei Maß.

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Denken wir beispielsweise an einen im Bundesministerium der Verteidigung tätigen Beamten mit der Zuständigkeit für die Ausstattung der Truppe mit passender Unterwäsche für jede Jahreszeit. Alles, was er macht, ist in hunderten von Vorschriften und Erlassen exakt vorgegeben. Welche Stoffqualitäten für welche Dienstgrade? Wo wurden die Güter produziert, doch nicht etwa in der Dritten Welt. Wie eng dürfen die jeweiligen Teile geschnitten sein, um gar nicht erst den Verdacht des Sexismus, versteckt im Herzen der Einkäufer, aufkommen zu lassen. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Über Jahrzehnte hat der redliche Mann  – nennen wir den Einkäufer schlicht Herrn R. – die Socken- und Feinripseiten der großen Kataloge gewälzt, und sich am Ende doch immer wieder für die Marke „Reißfest und dennoch Kuschelig“ entschieden. Endlich im verdienten Ruhestand darf er über die lange Zeit von fünf Jahren nicht einmal in der Nähe des Unternehmens gesehen waren. Es könne ihm ja im Nachhinein Bestechlichkeit, beispielsweise in Form von lebenslanger Versorgung seiner Angehörigen mit Unterwäsche der Marke „Reißfest und dennoch Kuschelig“ vorgeworfen werden, was ihm im Alter den dauerhaften Status eines Alg-2-Beziehers bescheren würde.

Bei einem handfesten Bundeskanzler gelten da bekanntlich ganz andere Maßstäbe. Um ja noch rechtzeitig vor der auf Wunsch Gerhard Schröders (SPD) vorgezogenen Bundestagswahl im Jahr 2005 den ersten Energie-Deal mit Putins Russland über die Bühne zu bringen, zog man die erst für später vorgesehene Unterzeichnung mit Gazprom ebenfalls vor und fand dafür keinen unauffälligeren Ort als Schröders Einfamilienhaus in Hannover. Der Kreml-Zar reiste eigens von der Moskva an die Leine. Viele dachten damals, der Gerhard weiß schon, was er damit für Deutschland tut. Immerhin hatte er ja bei Amtsantritt geschworen, den Nutzen des deutschen Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden. Doch viel zu früh zu viel der Ehre. Denn nicht einmal nach Ablauf einer Schamfrist wurde der noch kurz zuvor für deutsche Interessen Verantwortliche in eine Spitzenposition des russischen Staatskonzern Gazprom berufen, welche er – mittlerweile ergänzt und erweitert – bis heute innehat. Nur das Wohl der Deutschen kann bei Schröder wohl nicht das Motiv für sein Handeln gewesen sein. Sein Einsatz hat sich für das Putin-Regime und ihn selbst gelohnt.

Entgegen allen Warnungen von Seiten der europäischen Partner und den USA vor einer zu starken Abhängigkeit Deutschlands von dem jeweiligen Willen Moskaus drückt jetzt auch unbeeindruckt die Regierung Merkel das Anschlussprojekt Nordstream 2 durch. Nicht wenige bezeichnen die Warnungen aus Washington als durchsichtiges Spiel der Amerikaner, an die Stelle russischen Erdgases amerikanisches Flüssiggas zu setzen. Was hierbei schlicht vergessen wird, ist die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten bis heute einen atomaren Schutzschirm über unser Land aufspannen, und auch eigene Truppen zu diesem Zweck zur Verfügung stellen. Gerade vor kurzem hat US-Präsident Biden die Beistandsverpflichtung innerhalb der NATO und damit auch zu Deutschland auf der Münchener Sicherheitskonferenz bestätigt und bekräftigt. Das imperiale und völkerrechtswidrige Gehabe des Kremls nach außen und die eiserne Diktatur nach innen lassen allein nach den Lehren der Geschichte kein wirkliches Vertrauen zu. Der Ex-Kanzler Gerhard Schröder dürfte wohl der einzige Mensch sein, dem das Privileg zukommt, in seinem Freund Putin einen „lupenreinen Demokraten“ zu sehen. Reinen Gewissens kann er das nicht gesagt haben.

Doch wie schon festgestellt: Geld stinkt nicht, und manchmal lässt auch ein prall gefülltes Kissen Moral und Anstand leicht vergessen. Das alles wird die SPD nicht davon abhalten, den Ex-Bundeskanzler und heutigen Top-Manager in fremden Diensten als Retter Deutschlands – „Wählt SPD“ – im bevorstehenden Bundestagswahlkampf auftreten zu lassen. In Fragen der Solidarität sind die Genossen übrigens verlässlicher als die Merkel-CDU. Bei den Ehrungen und Gedenkfeierlichkeiten zum 30. Jahrestag des Mauerfalls fiel der Name Helmut Kohls, des Vaters der Einheit, kein einziges Mal. Gemessen am Verhalten Schröders ist die Spendenaffäre Kohls eine Petitesse. Doch Geschichtsvergessenheit und Heuchelei sind heute zum Kennzeichen der politischen Eliten geworden. Es lebe die Devise: „Geld stinkt nicht!“

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Kommentare ( 53 )

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Corvus
8 Monate her

„Wer frei ist von Schuld, der schmeiße den ersten Stein.“ Daher ist es für deutsche Politiker besser, zu dem und anderen Korruptionen den Mund zu halten und das Steinchen, ganz heimlich aus der Hand fallen zu lassen.

Roland Mueller
8 Monate her

Da gibt es auch noch einen gewissen Herrn Fischer, der sich als Lobbyist für die Siemens-Windmüllerei die Taschen voll gestopft hat. Im Gegensatz zur Korruption in der Windmüllerei muss man Nordstream 2 wenigstens bescheinigen, das die Gasleitung durch die Ostsee für die Energieversorgung nützlich ist. Ganz egal, was man korrupter schwarz-rot-grüner Wirtschaftspolitik hält. Es ist das einzige Projekt neben zahlreichen dummen „Weltrettungsmaßnahmen“, welches einen nützlichen Zweck erfüllt.

Egon Rudel
8 Monate her

Schröder war vielleicht nur etwas naiv, er hat mglw. nicht daran gedacht, was eine Merkel aus so einer Steilvorlage machen kann: Atomkraftwerke abstellen, Kohlekraftwerke abstellen, den Verkehr abhängig vom Strom machen, Gaskraftwerke bauen. Wenn Russland mal kein Gas liefern will, gehen hier die Lichter aus. So macht Merkels Energiewende doch wieder Sinn.

bkkopp
8 Monate her

Mir hat der Fall Schröder/Putin/NS-1 damals auch nicht gefallen. Die Sache war aber in 2005/2006 etwas komplexer als eine Vermittlungsprovision für einen Kontakt zum Staatsauftrag. Schröder hat mit seiner Tätigkeit für NS-1/NS-2, und insgesamt für und mit Gazprom/Putin weit über seine Amtszeit hinaus das Wohl des deutschen Volkes gemehrt. Er ist der erfolgreichste, selbsternannte Sondergesandte Deutschlands für Russland. Russland ist keine Bedrohung für West-Europa, Russland ist nicht unser Feind. Russland ist ein repressiver, autoritärer Staat, aber sogar amerikanische Historiker wissen und verstehen dass dies aus der Historie des Landes kaum anders möglich ist, und dass es Generationen dauern wird, bis… Mehr

Aljoschu
8 Monate her

Also wenn es tatsächlich Schröder war, der mit Putin den Nordstream 2-Deal ausgehandelt hat, dann können wir ihm dafür nicht genug danken – selbst wenn er sich seine Dienste dafür hat bezahlen lassen! Das tun alle anderen externen Berater unserer Parlamentarier auch. Wir können froh sein, wenn – besonders nach Merkels Ausstiegseskapaden – wir über die kommenden Jahre Erdgas über Nordstream direkt von Russland beziehen können – unabhängig von korrupten durchleitenden Ländern wie der Ukraine. Unsere Bürger, die in Mietwohnungen wohnen, werden es dem Schröder danken, dass sie die Energiepreise überhaupt noch tragen können. Wichtig wäre es, dass sich endlich… Mehr

usalloch
8 Monate her

”Was hierbei schlicht vergessen wird, ist die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten bis heute einen atomaren Schutzschirm über unser Land aufspannen- – – “ Das heißt auf Dumm-Deutsch dass wir uns , nachdem wir auf Atomwaffen verzichtet hatten, auf immer und ewig auf die USA verlassen können.Dem ist aber nicht so. Die immer wieder hochbeschworene Wertegemeinschaft steht hinter ihren Interessen. Auch die Entscheidungen des Globalisten in den 100 Jahren waren meistens contraproduktiv. Wir sollten von daher weniger an Herrn Schröder denken, dafür mehr an Präsident Wilson.

willy
8 Monate her

So viel Lobhudelei- die USA versuchen u. vollziehen Regimchanges überall dort, wo sie Vorteile für sich sehen- Venezuela, Bolivien, Belarus, Ukraine, Syrien in letzter Zeit, Truppen an der russ. Grenze. Dank Schröder haben wir günstiges Gas, welches wir weg. der „Energiewende“ dringend benötigen. Auch sind wir ihm zu Dank verpflichtet für die Nichtteilnahme am Einmarsch in den Irak.

Korner
8 Monate her

Ehrenerklärungen von Politiker sind wie Todeserklärungen von Toten.

Deutscher
8 Monate her

„Erst Deutschlands Ex-Kanzler – dann Putins Energie-Manager – Schröder hat den politischen Anstand zerstört und alles danach hoffähig gemacht.“

Das stimmt, aber da waren noch andere mit im Boot: Clement, Fischer, Schlauch, Müntefering. Gerne aufgegriffen und weiterentwickelt haben die politische Niveaulosigkeit dann u.a.: Westerwelle und Rössler, Pofalla und Koch.

Immerhin hat Schröder eines auf den Weg gebracht: Eine anständige Versorgung mit Gas. Glauben Sie etwa, dass die Regierung Merkel dazu imstande wäre? Man sieht ja, wohin ihr Weg geht: Richtung Blackout. Und ja: Mir ist wurscht, dass das Gas aus Russland kommt.

Wolf Koebele
8 Monate her
Antworten an  Deutscher

Herr Gafron blickt allzu kurz zurück. Meinem Gefühl nach – damals – war Strauß derjenige, der Korruption salonfähig gemacht hat (Onkel Alois, Fibag, Starfighter etc.); wenn es damals schon die Polit-Impfmöglichkeiten gegeben hätte, wäre er – mit Schalck-Golodkowski im Schlepptau – vorangesegelt. Unser Problem ist nicht die Korruption an sich, sondern ihre Verschwisterung mit Unfähigkeit und bösem Willen. Strauß war zumindest ein großer Politiker, war am Wohl seines Landes interessiert und hat sich dafür eingesetzt, da ist „ein bißl was kleben geblieben“, was er halt mitgenommen hat. Statt Schröder sollte Herr Gafron einmal dem Joseph Fischer seine Aufmerksamkeit widmen, der… Mehr

Protestwaehler
8 Monate her

Ob’s einen Schröder gebraucht hat für die Verkommenheit der Union, stell ich mal in Abrede. Koch-Billfinger, traditionelle Amigoaffären aus Bayern, und wer ist eigentlich Bundestagspräsident dieser Union? Achja, der Schwarzgeldexpress Kohls. Das allein dieser Mensch heute diesen Posten bekleidet, spricht für das charakterlose Selbstverständnis dieser Unions-Parteien.
Und das hier ständig Schmiergelder den Umweg über Aserbaidschan nehmen, dient doch sicher nur der Verschleierung tatsächlicher Geldquellen.
Hat Christian von Stetten eigentlich schon seinen „Privatkredit“ der libanesischen Familien-Clans aus Berli zurückgezahlt, oder ist der auch wie Buschido erpresst worden hahaha….