Israelischer Botschafter kritisiert linken Antisemitismus in Deutschland

In einem Gastbeitrag der Tageszeitung „Welt“ verurteilt der Botschafter Israels, Ron Prosor, den wachsenden linken Antisemitismus in Deutschland. Exemplarisch nennt er den Vorfall auf der Documenta. Derweil fällt „Fridays for Future“ wieder mit anti-israelischen Parolen auf.

IMAGO / Christian Spicker

Ron Prosor, der Botschafter Israels in Deutschland, hat gefordert, den Antisemitismus in Deutschland zu bekämpfen, „egal welcher Couleur“. Das schrieb Prosor in einem Gastbeitrag der Welt. Deutschland habe den „braunen, vulgären Antisemitismus“ weitgehend geächtet, doch erschütternd sei, dass ein „linker Antisemitismus“ mittlerweile „salonfähig“ geworden sei. Dabei hob er besonders die antisemitischen Karikaturen auf der Documenta hervor.

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„Der Antisemitismus, dem ich als Erstes entgegentreten musste, kam von links“, schreibt Prosor. „Zwar erinnerten die Bilder von der Documenta 15, auf denen Juden mit Schweinegesicht und Raffzähnen dargestellt wurden, in der Bildsprache durchaus an rechte ‚Stürmer‘-Karikaturen. Mit dem Unterschied aber, dass die Künstler und Kuratoren (und nicht wenige ihrer Verteidiger) sich selbst als Teil einer vermeintlich progressiven globalen Kulturszene verstehen, die politisch links ist.“

Eine vermeintliche „Israelkritik“ und Boykotte, die durchaus Anklänge an braune Parolen hätten („Kauft nicht bei Juden“), bereiteten „den Boden für Gewalttaten gegen Israelis und Juden“. Kunstfreiheit und Meinungspluralismus seien vorgeschobene Argumente, um den Antisemitismus auf der Documenta nicht verurteilen zu müssen. „Statt einer Gegenöffentlichkeit aus demokratischen Kräften formierte sich bei der Documenta eine Schar aus Beschwichtigern, Relativierern, Leugnern“, so Prosor. Linker Antisemitismus sei eine Art „Kavaliersdelikt“ geworden.

Der Botschafter beklagte, dass Narrative immer weiteren Raum erhielten, die die Juden als neue Nazis darstellten und Israel als Apartheidsstaat. Der zukünftige Intendant vom Haus der Kulturen der Welt habe in der Vergangenheit BDS-Petitionen unterzeichnet.

Prosor könnte seine Kritik ausweiten, denn nicht nur auf der Documenta gilt Narrenfreiheit. Ein Beispiel für eine Organisation, die ihrer linken Ideologie wegen ihren Israelhass gefahrlos predigen kann, ist die vermeintliche Klimabewegung „Fridays for Future“, die sich in den letzten Tagen zunehmend israelfeindlich inszeniert hat. So bedient sie nicht nur den von Prosor benannten Apartheidsstaatsgedanken, sondern intoniert auch offen den Slogan „from the river to the sea, Palestine will be free“, der das Existenzrecht Israels infrage stellt.

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Kommentare ( 15 )

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Nibelung
1 Jahr her

Wer ausschließlich die Palästinenser verteidigt hat, gibt damit offen zu, daß er Animositäten gegen die Juden hat. Das könnte man sogar noch vertiefen, indem gerade der Protestantismus sich gegen das Judentum schon vor 500 Jahren durch ihre Führung gestellt hat und heute tun sie so, als ob die ganze Entwicklung des Antisemitismus von allein gekommen wäre, was ein Irrtum ist, wenn man sowohl die heutige Situation. alsauch frühere Verhältnisse so betrachtet und wer was anderes behauptet ist sich nicht im klaren, wie das alles entstanden ist und da waren genug daran beteiligt, die sich mäßigen sollten, denn mit der Einwanderung… Mehr

brummibaer_hh
1 Jahr her

Das ist das Problem mit der selektiven Wahrnehmung. Richtig ist, dass sich Herr Prosor in dem WELT-Gastbeitrag über den Zuwachs linken Antisemitismus gewandt hat und das an einem Beispiel festmachte. Den Rest des Artikels scheint der Autor dann nicht weiter verfolgt zu haben, wo nämlich derselbe Herr Prosor betont, er wende sich gegen den „wachsenden Antisemitismus jeder Coleur“, weil auch der arabische, aber eben auch der Alltags- und rechte Semitismus wächst. Vergaß der Autor das absichtlich zu erwähnen, um den Eindruck eines steigenden Problems von links, das nicht zu leugnen ist, zu suggerieren? Oder hat er nur punktuell gelesen und… Mehr

Rob Roy
1 Jahr her

Israel ist ein säkuläres Land und das Judentum dort ist keine Staatsreligion. Und trotzdem ist es das Judentum, welches die Gesellschaft dort eint und deren Bürger zusammenhalten lässt. Daher kann man Israel und das dortige Judentum nicht wirklich trennscharf voneinander abgrenzen. Das vielbeschworene Mantra, dass Kritik an Isreal erlaubt sein müsse, wird häufig missbraucht. Selbstverständlich ist Politik anderer Länder kritisierbar und wenn es nötig ist, kann man etwas asagen. In Israel sind es aber die religiösen Auseinandersetzungen mit den Muslimen , die kritisiert werden. Und da werden oft die Grenze zum Antisemitismus überschritten und die Palästinenser in ihrer Opferrolle glorifiziert.… Mehr

Last edited 1 Jahr her by Rob Roy
Fieselsteinchen
1 Jahr her

Herr Prosor, nennen Sie die linken Antisemiten doch beim Namen! Wir kennen sie, u.a. Claudia Roth, FW Steinmeier, Alexander Blume usw. Ein schönes Potpourri des deutschen Antijudaismus/Antisemitismus. FfF ist eine Vorfeldtruppe der Grünen und es lohnt sich auch dort, die antisemitischen Vorturner öffentlich bloßzustellen. In Frau Neubauers Familiengeschichte finden sich auch interessante Konstellationen.
Es sei an dieser Stelle an Karl Lagerfeld zu erinnern, der sich mit seiner Aussage bei dem Uckermerkel im Mao-Anzug unbeliebt machte.

Last edited 1 Jahr her by Fieselsteinchen
usalloch
1 Jahr her

Solange der Zentralrat der Juden in Deutschland zu der politisch gewollten islamischen Übernahme Deutschlands laut schweigt, muss sich Botschafter Prosol nicht beschweren. Es wäre hilfreich wenn auch der Zentralrat auch hierzu Stellung nehmen würde, zumal er ja sonst auch zu anderen Themen seine Meinung äußert. Denn die weitaus größere Gefahr kommt nicht von den Ausstellern der Documenta, wie es leider jüdische Bürger auf dem Breitscheidplatz in Berlin erfahren mussten.

Ananda
1 Jahr her

Herr Prosor hat auch diesen fantastischen Artikel „Der Krieg der UN gegen Israel“ verfasst, in der er die willkürlichen ständigen Anfeindungen der UN (Despotenstaaten – oft islamisch- sind in der Mehrheit) mit sinnlosen Anschuldigungen gegen Israel thematisiert. Sehr lesenswert. Vor allem für Leute, die die UN für etwas Gemeinnütziges halten.
http://www.botschaftisrael.de/2015/04/01/der-krieg-der-un-gegen-israel-ein-kommentar-von-ron-prosor/
Ja Herr Prosor. Deutschland ist Weltmeister. In Doppelmoral. Es ist so schade/fürchterlich, dass viele „Linke“ nur noch Parolen nachplappern und die Realität ausblenden.
Ich bewundere Israel.

KorneliaJuliaKoehler
1 Jahr her

Wird aber auch höchste Zeit, dass ein
offizieller Vertreter Israels hier mal
in aller Öffentlichkeit Tacheles
redet. Vom Zentralrat der Juden ist nichts dergleichen zu erwarten.

Tacitus
1 Jahr her

Herr Ron Prosor hat schon sehr schnell einen ‚guten‘ Eindruck bekommen, was in Deutschland so gar nicht mehr stimmt.
Es wird oft über das ‚Monster von rechts‘ gesprochen, selbst wenn es gar nicht mehr so präsent ist. Hingegen werden politisch die antisemitischen Anfeindungen von ‚links‘ hingenommen, wenn nicht sogar protegiert.
Mitunter verbünden sich sog. ‚Antisemitismus-Beauftragte‘ sogar mit Ideologien linker Milieus, was oftmals zutiefst antisemitisch ist.
Meine Position: Antisemitismus darf in Deutschland nicht stattfinden. Punkt!

giesemann
1 Jahr her

Einer merkt was, tralalala. Hat er das dem Schuster auch vertellt? Hass auf Araber, allesamt Semiten – da MUSS man was machen, gelle? Reichsführer SS Heinrich Himmler schwärmte für die weltanschauliche Verbundenheit zwischen Nationalsozialismus und dem Islam. Die Ideologie der Muslimbruderschaft, die aus dem Koran abgeleitet wurde, schien sich in einigen Punkten mit der der Nationalsozialisten zu decken – insbesondere bei der Judenfrage.[1][2] So wurde 1943 nach dem Besuch des Großmufti Mohammed Amin al-Husseini ein Schreiben herausgegeben, in dem angeordnet wurde, das Wort „Antisemitismus“ ab sofort zu vermeiden, da unter dem Begriff „Semiten“ auch die Araber zählen würden und man diese so nicht mit den Juden gleichstellen wollte: „Mit der Verwendung dieses Wortes… Mehr

Thorsten Maverick
1 Jahr her

Ich mag das Wort Antisemitismus nicht. Haß auf die Juden paßt viel besser. Denn genau darum geht es. Die Linke hat die Juden schon immer gehaßt, vermutlich weil sie stark im Finanzbereich engagiert waren. Also böse Kapitalisten. Das fängt schon bei Marx an, obwohl er selbst eigentlich Jude war. Im tatsächlich linken Nationalsozialismus ging es dann furchtbar weiter, und auch im sowjetischen Kommunismus gab es ihn im erschreckenden Ausmaß. In Polen gab es nach dem 2. WK eine weitere Verfolgungswelle. Damals ist mein Doktorvater hierher gekommen. Die RAF hat sich dann mit der PLO verbündet. Die ganzen anderen linken Gruppen hatten… Mehr

usalloch
1 Jahr her
Antworten an  Thorsten Maverick

Vorsicht was den Iran betrifft. Zumindest gibt es dort noch jüdisches Leben. und Juden werden nicht verfolgt. Es gibt Jüdische Gemeinden und Synagogen in Teheran und Isfahan , sowie wichtige jüdische Heiligtümer. Zudem besteht ein Platz im Parlament.