Demoskopie: Emnid sieht Grüne wieder bei 18 Prozent

Allmählich scheint der Erfolg der Grünen sogar ihren Freunden in den Redaktionen unheimlich zu werden. Oder zählt nur die Schlagzeile, auch wenn demoskopische Ergebnisse gar keine Veränderungen zeigen, weil sie innerhalb der statistischen Schwankungsbreite liegen?

imago Images/photothek

Bis zu drei Prozentpunkte rauf oder runter in Umfragen sind seriös nicht interpretierbar. So weit ist auch der Fehlerbereich der Statistik aufgespannt. Aber wer kennt noch deren Grundprinzipien? Das hindert Medien nicht, genau das zu tun. Für sie als Auftraggeber der Demoskopie würden sich deren Kosten nicht lohnen, brächte jede Umfrage nicht mindestens eine Schlagzeile. Beliebt ist, Partei X „stürzt ab“, hier aktuell: „Grüne deutlich unter 20 Prozent – auf 18 gefallen“.

Es schadet den Verbreitern solcher Botschaften der Demoskopie nicht, dass sich der Sturz im Text als das herausstellt, was sich auf Sturz reimt, ich hier aber aus Gründen der sprachlichen Höflichkeit nicht schreibe.

Hinweise auf tatsächliche Veränderungen und Trends lassen sich nur aus dem längeren Zeitvergleich gewinnen. Schaut man sich den beim Beispiel Emnid (bei allen anderen Instituten ähnlich) an, fallen drei Zusammenhänge aus der Demoskopie auf:

  • Union rauf – AfD runter und umgekehrt
  • SPD rauf – Grüne runter und umgekehrt
  • FDP und LINKE wenig bis fast keine Bewegung

Damit behaupte ich nicht, dass sich die Wählerabsichten so einförmig verändern, also dass eine direkte Austauschbeziehung zwischen AfD und Union bestünde. Werden die Veränderungen durch denZustorm aus den Bereichen der Nichtwähler bewirkt? Leider erfragt – oder veröffentlicht (?) – kein Institut die „Partei“ der Nichtwähler. Dann ließe sich ein wichtiger Faktor erkennen, mit dem sich die Demoskopie immer nur nach Wahlen befassen. Oder anderen die Wähler über mehrere Parteigrenzen? Also von der SPD zur AfD, wenn diese steigt? Und gleichzeitig von der CDU zur SPD?

Seriöser Journalismus würde sich dadurch auszeichnen, Ergebnisse der Demoskopie nicht zu interpretieren, die keine Veränderungen zeigen können, weil sie innerhalb der statistischen Schwankungsbreite liegen.

Aber mit den fortgesetzten Schlagzeilen von demoskopischen „Stürzen“ und „Sprüngen“ ist es wie mit den Studien à la Bertelsmann am laufenden Band, die Schlagzeilen produzieren, obwohl sie gar nicht abgeschlossen sind (und manchmal nie werden). Die Auftraggeber und Veröffentlicher spekulieren darauf, dass die meisten Konsumenten mehr als die Schlagzeilen ohnehin nicht lesen: leider sehr oft zu Recht.

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Kommentare ( 30 )

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fatherted
1 Jahr her

Wie hieß es gestern in einem Bericht der ÖR sinngemäß….“Atom und Kohle werden abgeschaltet….aber es gibt nicht genug Windräder….also müssen die Regeln für Windkraftanlagen weg….damit die Energiewende gelingt.“
Sprich…gegen den Willen der Anwohner die Windräder bis an die Häuser ranbauen….am besten noch aufs Dach. Ziviler Widerstand ist nur dann erwünscht, wenn er sich nicht gegen das „GUTE“ richtet….und was das „GUTE“ ist…..bestimmen ARD und ZDF.

Sherry
1 Jahr her

Wir brauchen nur EINEN bundesweiten Blackout (verursacht von der irren „Energiewende“) und schon sehen wir die Grünen da wo sie hingehören: Unter 5%

Milliarden von Galaxien
1 Jahr her

Richtig rechnen ist „rechts“.

Jan
1 Jahr her

Den krassesten Sprung habe ich bei Forsa gesehen: Zuwächse der Grünen innerhalb weniger Tage um 8% nach der Europawahl. Grüne am 20.5.19 (vor Europawahl): 19%, Grüne am 1.6.19: 27% (nach Europawahl). Das ist extrem. Der grüne Boom setzte im Spätesommer 2018 nach Chemnitz ein durch die Kampagnen #wirsindmehr und #unteilbar und erreichte im Herbst durch die Wahlerfolge in Bayern und Hessen seinen vorläufigen Höhepunkt. Grüne am 25.8.18 (vor Chemnitz): 15%, Grüne am 3.11.18: 24% (nach der Hessen-Wahl).

Albert Pflueger
1 Jahr her

Zum Thema Umfragen, Studien und Statistik hat mir die Website sciencefiles schon so manches Licht aufgehen lassen: https://sciencefiles.org/.
Interessierte werden sich wundern, mit welchen Methoden versucht wird, uns hinters Licht zu führen. Insbesondere was die angebliche Repräsentativität betrifft, wird das Blaue vom Himmel herabgelogen. Schlampig oder tendenziös gestaltete Fragenkataloge, fragwürdige Zusammenfassungen, unzulässige Rückschlüsse sind an der Tagesordnung- es gibt viele Wege, gewünschte Ergebnisse zu produzieren, und sie werden alle genutzt.

Die Aussagekraft ist mit Horoskopen vergleichbar, nur daß deren Ersteller keine politische Agenda haben, sondern zweckfrei ihren Bockmist gestalten.

imapact
1 Jahr her

Auf dem Schaubild erkennt man, unabhängig vom hier diskutierten Verhalten der demoskopischen Insitute, einmal mehr, daß das konservative/Mitte-Rechts-Lager eindeutig die Mehrheit hat. Dennoch würden die Deutschen, sollte mit diesem Ergebnis gewählt werden, eine klare „Mitte“-links-Regierung bekommen, mit garantierter Grünenbeteiligung also, falls die FDP sich verweigern würde, sogar noch eine linkere Version.
Es ist an der Zeit, daß sowohl CDU als auch AfD sich endlich einen Ruck geben und der tatsächlichen Stimmung im Volk endlich durch Koalitionsbereitschaft Rechnung tragen.

Reiner07
1 Jahr her

Ist jetzt die Freundin von Leonardo Di Caprio!

Reiner07
1 Jahr her

EMNID = wo Kaffeesatzleser Propaganda machen!
In Sachsen, Brandenburg und Thüringen waren wohl doch nicht ganz so viele Doofe vorhanden wie erwartet,
denn überall blieben die Vergrünten weit hinter den Erwartungen! Emnid und Realität ist wie AKK und Kompetenz.

Iso
1 Jahr her

Eigentlich braucht man nur ein paar dicke SUV´s mit grünen Farbbeuteln bewerfen, und das Wahlverhalten satter Vorstadtbürger würde sich ganz schnell ändern.

Protestwaehler
1 Jahr her

Wo waren eigentlich die 18% der Grünen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen?
Wurde für Brandenburg nicht sogar ein Vierkampf prognostiziert (CDU, SPD, AfD u. Grüne)?
Und hatte es nicht geheißen, die Grünen sind die Zukunft und die AfD wird nur von alten abgehängten weißen Männern gewählt?
Die können sich ihre Propaganda dort hinstecken, wo gewöhnlich keine Sonne scheine scheint !!!