Informant für die Geheimdienste: Datenkrake Auto

Der vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf zur Reform des Nachrichtendienstrechts erlaubt Geheimdiensten weitgehenden Zugriff auf Fahrzeugdaten. Die umfangreichen Daten, die von modernen Autos erfasst werden, liefern damit die Voraussetzungen für umfassende Überwachung.

IMAGO / Bihlmayerfotografie

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe schlägt Alarm: Autohäuser und Werkstätten dürften nicht zum „verlängerten Arm der Nachrichtendienste“ werden. Anlass ist ein in dieser Woche vom Bundeskabinett beschlossener Gesetzentwurf, der BND und Verfassungsschutz den Zugriff auf Fahrzeug- und Telemetriedaten ermöglichen soll.

Der 732 Seiten starke Gesetzentwurf sieht erstmals ausdrücklich vor, dass Autohersteller und unter bestimmten Umständen auch Kfz-Werkstätten bereits vorhandene Fahrzeug- und Telemetriedaten an den Bundesnachrichtendienst beziehungsweise das Bundesamt für Verfassungsschutz herausgeben müssen.

Aus GPS- und Streckendaten, Kilometerstand, Zahl der Fahrten, Abstellposition, Zündzyklen, Tank- oder Ladestand und sogar Gurtstraffungen lassen sich Nutzungsprofile, die Zahl der Fahrer und konkrete Aktivitäten von Personen ableiten.

All diese Daten sammeln moderne Autos – eigentlich als Datengrundlage für weitere Autoentwicklung gedacht. Diese Daten werden zu einem großen Teil an die Hersteller gefunkt. Vorreiter ist übrigens Tesla, der als einer der ersten Autohersteller Fahrdaten systematisch sammelt und heute auf der Grundlage von Millionen von Bewegungsprofilen seine weiteren Autos entwickeln kann.

Die Abfrage soll nur zur Aufklärung mindestens „erheblich beobachtungsbedürftiger Bedrohungen“ zulässig sein. Das klingt einschränkend, bleibt aber auslegungsbedürftig. Nachrichtendienstliche Maßnahmen setzen zudem nicht zwangsläufig einen strafrechtlichen Anfangsverdacht oder eine konkrete Gefahr voraus. Gerade darin liegt der wesentliche Unterschied zur Polizei.

Eine offene Massenauswertung aller Autofahrer erlaubt die Vorschrift nach ihrem Wortlaut nicht, zumindest nicht in der derzeitigen Ausformulierung. Dennoch ist der Kreis möglicher Anlässe breiter als bei einer strafprozessualen Durchsuchung.

Außerdem erfährt die betroffene Person in aller Regel nichts von der Abfrage. Hersteller und Werkstätten sollen zur Geheimhaltung verpflichtet sein. Dadurch wird eine nachträgliche gerichtliche Überprüfung praktisch schwierig.

Werkstätten sollen – so die Dienste – künftig einspringen, wenn eine Anfrage beim Hersteller nicht möglich wäre oder den Zweck der Maßnahme gefährden würde. Der ZDK fordert deshalb klare und eng begrenzte Regeln. Mittelständische Betriebe verfügten weder über das Personal noch über die technischen und rechtlichen Möglichkeiten, geheimdienstliche Ersuchen eigenständig zu prüfen. Sie dürften auch nicht für Daten haften, die technisch nicht vorhanden oder nicht zugänglich seien.

Noch ist das Vorhaben kein geltendes Recht. Der Bundestag muss noch zustimmen. Doch der Kern ist brisant: Das moderne Auto soll künftig zum nachträglich auslesbaren Bewegungsarchiv für BND und Verfassungsschutz werden. Ebenso wie durch einen Zugriff auf das Handy ergibt sich daraus ein umfassender Einblick in die Persönlichkeitsstruktur und Handlungsweise von Personen.

In der Autoindustrie gilt längst der Satz: „Daten sind das neue Öl“. BMW und andere Autohersteller behandeln Fahrzeugdaten tatsächlich als strategischen Rohstoff. BMW beteiligt sich deshalb auch am Datennetzwerk Catena-X. Das hat sich offenbar auch in den Reihen der Geheimdienste herumgesprochen, die begehrlich auf diese Daten schauen.

Russland ist in Sachen Überwachung noch einen Schritt voraus. Bereits 2016 berichteten russische Medien über Pläne, die staatliche Notrufplattform ERA-GLONASS so auszubauen, dass die Verkehrspolizei bei Verfolgungsfahrten Motoren aus der Ferne stilllegen könne. ERA-GLONASS ist seit 2017 für viele Neuwagen vorgeschrieben und verfügt über Mobilfunk, Satellitenortung und eine Verbindung zu Fahrzeugsensoren. Die serienmäßige Grundfunktion ist aber lediglich der automatische oder manuelle Notruf. Eine allgemeine Abschaltfunktion gehört nicht zur nachgewiesenen Standardausstattung.

Technisch wäre eine solche Fernblockierung dennoch möglich, wenn ein Telematik- oder Diebstahlschutzsystem mit der Motorsteuerung verbunden ist. Russische Systeme wie StarLine werben ausdrücklich mit einer Motorblockierung per Mobilfunk.

Auch Hersteller können bei manchen Autos Funktionen aus der Ferne beeinflussen. Üblicherweise wird dabei nicht während voller Fahrt schlagartig die Zündung ausgeschaltet. Das System verhindert vielmehr den nächsten Motorstart oder legt das Fahrzeug erst bei Stillstand lahm.

Dass eine solche Fernabhängigkeit real ist, zeigte Ende 2025 ein Vorfall mit Porsche-Fahrzeugen in Russland: Hunderte Autos ließen sich zeitweise nicht starten. Nach Berichten hatte der Verlust der Satellitenverbindung die Diebstahlsicherung aktiviert. Porsche erklärte allerdings, es gebe keinen Beleg für eine gezielte Abschaltung durch den Hersteller.


Das Auto als Datenkrake – mehr dazu im TE Wecker am kommenden Sonntag, 16. August 2026.



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Kommentare ( 46 )

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Logiker
27 Tage her

Guterhaltene analoge und fast-analoge Gebrauchtwagen werden gehandelt wie Gold – gerade auf dem Land – und ohne Zwischenhändler.
Flüsterpropaganda , Zettel im Supermarkt etc. – und cash.

Man weiß sich zu helfen.

Ralf Poehling
26 Tage her

Bei BND Und VS bzw. unseren Innenministerien begeht man hier einen Denkfehler: Die Telemetrie-, Kamera und Sensorikdaten aus modernen Autos werden jetzt schon permanent abgefragt und weggesammelt. Die landen dann alle permanent in den Datencentern der USA bzw. bei NSA und CIA. Und zwar anlasslos aus dem gesamten deutschen Volk und gegen unsere deutsche Gesetzes- und Interessenlage. BND und VS jetzt auf den selben Zug aufspringen zu lassen, ist folglich quatsch, denn das verhindert ja nicht das bereits jetzt schon erfolgende Abfließen unserer Informationen an die USA. Anders herum wird ein Schuh draus: Sämtliche präemptive Datensammelei in Autos, Smartphones, Smartwatches… Mehr

Last edited 26 Tage her by Ralf Poehling
Mausi
26 Tage her

Autos sind inzwischen nichts anderes als Computer auf Rädern. Und den Computer habe ich, obwohl ich der Eigentümer des Wagens bin, nicht in der Hand. Wie beim ÖRR kann ich ihn beim Fahrzeugkauf auch nicht ablehnen. Ich kann ihn bzw. den Datentransfer noch nicht mal abschalten.

Teiresias
26 Tage her

Kleinwagen werden von der EU über Vorschriften zu Fahrassistenzsystemen (EU-Agenda null Verkehrstote bis 2050) derart verteuert, daß sie nicht mehr bezahlbar sind und Autobauern keinen Gewinn mehr erlauben – wie überhaupt Vorschriften die Autos absurd verteuern. Was ohne die Irrsinnsvorschriften möglich wäre, zeigt z.B. der russische UAZ452, ein Kleintransporter auf dem technischen Stand eines T2-Buli von VW, der einen Neupreis von umgerechnet 7500€ hat — ohne Extras, also wirklich ganz ohne. Wenn man bedenkt, was man für einen guten T2 löhnen muss… Auch Toyota hat unfassbar günstige und robuste Autos im Angebot, die auf EU-Märkten nicht verkauft werden dürfen. Freiheit… Mehr

Mausi
26 Tage her
Antworten an  Teiresias

Und nicht nur das. Auch innerhalb der EU sehen die Staaten zu, dass sie ungeliebte Grenzübertritte verhindern: „Polen ist ein äußerst attraktiver Markt für deutsche Gebrauchtwagen. Dank der EU-Zugehörigkeit entfallen Zollgebühren. Der polnische Käufer muss in seiner Heimat lediglich die dort üblichen Steuern abführen.“ Ja, und diese üblichen Steuern sind anscheinend durchaus unterschiedlich hoch bei Pkws: „Die Einfuhr des Fahrzeugs ist beim zuständigen Zollamt innerhalb von 14 Tagen nach erfolgter Einfuhr anzumelden; die fällige Verbrauchssteuer ist innerhalb eines Monats zu entrichten. Der Betrag beläuft sich bei Fahrzeugen mit einem Hubraum von bis zu zwei Litern auf 3,1 %, darüber hinaus… Mehr

Last edited 26 Tage her by Mausi
Teiresias
26 Tage her

Seit 2015 ist es EU-weit vorgeschrieben, daß Neuwagen mit einem Mobilfunksystem ausgestattet und ständig mit EU-Servern verbunden sind – Vorwand war die Überwachung von Verbrauchsdaten (wozu Klimapolitik nicht alles herhalten muss). Seitdem sind Autos technisch gesehen elektronische Fußfesseln. Da bei dem altertümlichen Canbus-System (Vorläufer der Netzwerktechnik, in der IT seit den 1970er Jahren veraltet), das selbst modernste Autos immer noch nutzen (warum eigentlich?) alle Daten überall anliegen, lässt sich das Auto nicht nur aus der Ferne überwachen, sondern auch manipulieren. Vor 2015 war die Schlüsselfernbedienung das Einfallstor, um das Fahrzeug zu hacken. So lassen sich auch Unfälle durch Eingreifen in… Mehr

Last edited 26 Tage her by Teiresias
Nibelung
26 Tage her

Alles im Leben hat Vor -oder Nachteile und wer die Vorteile schätzt muß sich dann ein Pferd kaufen, denn das ist auch nicht teuerer wie ein Auto, sowohl im Unterhalt, als auch in der Pflege und man kann es als Reittier betrachten um fernab der Straßen die Lande zu durchstreifen oder eine Chaise davor spannen und kommt auch vorwärts ohne weitere Rechnung an der Tankstelle, wo man nie weiß, was es heute kosten wird. Das führt zur neuen Besinnung über das Leben und man umgeht gleichzeitig die aufgebauten Repressalien der Kontrolle zu jeder Stunde und jeder Situation kann man neu… Mehr

Mausi
26 Tage her
Antworten an  Nibelung

Ich frage mich seit einiger Zeit, ob nicht die Nation am Ende überlebt, deren Wirtschaft ohne Digitalisierung und KI auskommt. Warten, bis alle davon abhängig sind und dann sabotieren. Das scheint mir ein guter Plan Richtung Macht zu sein. Und KI macht’s anscheinend noch schneller möglich, weil sie halt schneller rechnet als menschliche Hacker.

Manfred_Hbg
27 Tage her

Obwohl ich ein ziemlich gutes Erinnerungsvermägen habe, bekomme ich folgenden Fall und Verlauf aber leider nicht mehr zusammen. Doch ich kann mich noch mehr oder weniger daran erinnern, dass es kurz nach der Corona-Zeit auf YouTube einen technischen Film-Bericht gegeben hatte, in den dann zu erfahren war, dass die Polizei über ein im Auto verbautes Gerät – ich meine das Navigationssystem oder eine Art Black-Box, illegal Daten abgegriffen und so kontrolliert hatte ob die Ausgeh-Verbote eingehalten wurden.
Womit dann dieser Weg der staatlichen Kontrolle und des Ausspionierens nix Neues ist.

Phil
27 Tage her

Die Eigentumsfrage wird hier offensichtlich noch nicht einmal betrachtet, eben so wenig wie der Umstand, dass die höchste Pflicht eines Staates und der einzige Grund wieso man ihm das Gewaltmonopol überträgt, der unbedingte Eigentumsschutz seiner Bürger sein sollte. Bereits das Sammeln von Daten, oder noch schlimmer, die Zugriffsmöglichkeit des Herstellers oder Behörden auf das Fahrzeug, verstossen Elementar gegen Eigentumsrechte. Man kauft kein Fahrzeug, damit andere mit den unfreiwillig preisgegebenen Nutzungsdaten Geld verdienen können, ohne das der Eigentümer einer Sache dieses Geld auch erhält, oder falls ihm aus dieser Praxis ein Schaden entsteht (höhere Versicherungsprämen auf Grund der Fahrzeugnutzung, verringerte Batteriekapazität… Mehr

Guzzi_Cali_2
27 Tage her

Ich fahre aus Überzeugung Oldtimer. Der jüngste ist 35 Jahre alt und top in Schuss. Die Fahrzeuge brauchen nur noch Betriebsflüssigkeiten und hin und wieder Verschleißteile wie Bremsen oder Reifen. Daher bleiben die im Bestand und ein neues Auto kommt nicht dazu. Ich MUSS keine alten Autos fahren – ich WILL. Irgendwann wir der VS vor meiner Tür stehen, weil mein Datenprofil so löchrig ist, wie ein Schweizer Käse.

Gerro Medicus
27 Tage her
Antworten an  Guzzi_Cali_2

Die Frage ist, ob man in Zukunft noch solche Fahrzeuge fahren darf. Es gibt seitens der EU genug Möglichkeiten, das zu unterbinden. Zum Beispiel die KFZ-Versicherungen verpflichten, einen CO²-Aufschlag für Verbrenner zu erheben, so dass die Prämien unbezahlbar werden. Oder die Versicherungen verlangen, dass man eine Blackbox im Auto hat, die das Fahrverhalten dokumentiert, wonach dann die KFZ-Versicherungsprämien kalkuliert werden. Wenn Sie ein Verkehrsschilderkennungssystem im Auto haben, wird jede noch so kleine Geschwindigkeitsübertretung registriert. Wer das nicht hat, erhält die Zulassung entzogen usw usf.
Sie glauben doch nicht, dass dieses Terrorregime Ihnen Freiheiten lässt?

Metric
27 Tage her

Zielgruppe sind AfD-Landratskandidaten, nehme ich an?

Bernd Geiss
27 Tage her

Ich habe einen 17 Jahre alten Audi. Der hat nix noch nicht mal Navi. Den fahre ich solange es geht.

Logiker
27 Tage her
Antworten an  Bernd Geiss

Erstens hatte AUDI vor 17 Jahren noch Qualität – auch ohne SchnickSchnack. Zweitens wissen Sie wohl gar nicht, was Ihnen in ihrer alten Kiste während der Fahrt so alles entgeht: whatsapp-chats, Videos ansehen, Nachrichten schreiben, datteln. Drittens werden Sie sich trotzdem über die heutzutage aufgerufenen Werkstattpreise wundern und ärgern. Gottseidank geht außer Verschleißteilen an analogen Autos kaum etwas kaputt. Wenn Ihnen auf dem Supermarkt ihrem inzwischen hochgerüsteten Neuwagen jemand einen (ehemals) Bagatellschaden zufügt, z.B. die Stoßstange kräftig anrempelt, wird das teuer. Sämtliche Sensoren etc. müssen lt. Gesetz erneuert und kalibriert werden, auch wenn sie beim Rempler nicht kaputt gingen. Dazu… Mehr

Phil
27 Tage her
Antworten an  Bernd Geiss

Dito mit meinem 14 Jahre alten Kia, alles was benötigt wird ist vorhanden. Das Auto läuft wunderbar, filmt mich nicht, sendet keine Daten, geht mir nicht mit betreutem fahren auf den Senkel (Spurhalteassistent, Abstandssensoren, Geschwindigkeitswarnung etc.), hat noch mechanische Knöpfe, Regler und Schalter und ist anspruchslos im Unterhalt. Peak Auto war vor etwa 12-20 Jahren, seither wird nur noch Elektronikschrott verbaut. Ich kann bei meinem 6 Jährigen Betriebsfahrzeug nicht einmal die beschissene Klimaanlage bedienen ohne anzuhalten und manchmal funktioniert der Scheiss auch nicht, wenn die Sonne das Tablett aufgeheizt hat. Vieles von dem Scheiss den niemand braucht, kann man auch… Mehr

Manfred_Hbg
27 Tage her
Antworten an  Bernd Geiss

Öhm, hüstel-räusper: und das Handy ist während der Fahrt dann auch immer schön ausgeschaltet oder bleibt hier dann am besten schön zu Hause liegen? 😉