Nur wenige Stunden nach dem Aus für die europaweite Chatkontrolle kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz eine „Lösung auf nationaler Ebene“ an – unter dem Vorwand des Kinderschutzes. Familienministerin Karin Prien soll Vorschläge ausarbeiten, noch vor der Sommerpause soll eine politische Entscheidung getroffen werden.
picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Das EU-Parlament hat am Donnerstag mit einer klaren Mehrheit von 311 zu 228 Stimmen gegen eine Verlängerung der sogenannten freiwilligen Chatkontrolle gestimmt. Dabei geht es um eine befristete Ausnahmeregelung, die Ende April 2026 ausläuft, die es Messenger-Diensten wie WhatsApp oder Signal bisher erlaubte, freiwillig nach bekanntem Kindesmissbrauchsmaterial (CSAM) zu scannen. Ohne Verlängerung endet diese Möglichkeit vorerst, das EU-Parlament bleibt somit bei seiner Linie gegen anlasslose Massenscans.
Nach der Ost-Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin hat Kanzler Merz (CDU) dieses Abstimmungsergebnis kommentiert: Er sei „tief enttäuscht“ über das Votum des EU-Parlaments und nannte die Entscheidung einen „schweren Rückschlag für den Schutz unserer Kinder“ und einen „Rückschlag für den Kinderschutz“. Merz kündigte dann eine deutsche Chat-Kontrolle an: „Aber wir werden uns weiter darum bemühen, wenigstens auf der nationalen Ebene eine Lösung zu finden.“
Diese Ankündigung eines deutschen Alleingangs mit Grundrechtseingriffen sorgt nun bereits für Kritik auf Social-Media-Plattformen wie X: Fachleute aus den Bereichen Datenschutz, IT-Sicherheit und Rechtswissenschaft weisen schon seit Jahren darauf hin, dass die massenhafte Durchleuchtung privater Kommunikation ein hochproblematischer Eingriff in das Grundrecht auf Vertraulichkeit darstellt. Immer wieder wird der Kinderschutz als Vorwand herangezogen, um die private Kommunikation aller überwachen zu können.
Organisationen wie European Data Protection Supervisor oder der Chaos Computer Club argumentieren, dass solche Maßnahmen nicht nur potenziell ineffektiv seien, sondern auch Missbrauch Tür und Tor öffnen könnten. Insbesondere die geplante automatisierte Analyse von Nachrichteninhalten – häufig als „Client-Side-Scanning“ bezeichnet – könnte technische Hintertüren schaffen, die auch von autoritären Regimen oder Kriminellen ausgenutzt werden könnten.
Zudem ist umstritten, wie wirksam die bisherigen Maßnahmen überhaupt sind: Studien und Berichte aus der Praxis legen nahe, dass automatisierte Filtersysteme häufig fehleranfällig sind und sowohl falsche Verdächtigungen erzeugen als auch tatsächlich strafbare Inhalte übersehen können. Kritiker sprechen daher von einer „Scheinlösung“, die vor allem politisch gut klingt, aber strukturelle Probleme – etwa mangelnde Ressourcen bei Ermittlungsbehörden oder internationale Kooperation – nicht löst.
EU-Parlamentarier wollen die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien
Die Entscheidung des Europäischen Parlaments kann somit auch als Versuch verstanden werden, die Balance zwischen Sicherheit und Grundrechten neu zu justieren: Abgeordnete wie die tschechische Grünen-Politikerin Markéta Gregorová betonten, dass die bisherige Regelung weder verhältnismäßig noch ausreichend effektiv gewesen sei. Stattdessen fordern viele Parlamentarier gezieltere Maßnahmen, die auf konkreten Verdachtsmomenten beruhen und rechtsstaatliche Prinzipien beachten.
Vor diesem Hintergrund wirkt der Vorstoß von Merz, auf nationaler Ebene eine eigene Regelung einzuführen, wie ein politischer Alleingang. Experten warnen, dass eine solche nationale Lösung nicht nur rechtlich angreifbar wäre – etwa im Hinblick auf europäisches Datenschutzrecht –, sondern auch zu einem Wirrwarr mit unterschiedlichen Regelungen innerhalb der EU führen könnte. Dies würde sowohl Unternehmen als auch Nutzern zusätzliche Unsicherheit bringen.
Hinzu kommt ein grundlegender Konflikt: Während Merz und Teile der Union auf eine Ausweitung staatlicher Eingriffsbefugnisse setzen, fordern viele andere politische Akteure eine Stärkung digitaler Grundrechte und eine gezieltere Ermittlungsarbeit der Exekutive. Die Debatte um die Chatkontrolle ist damit längst zu einem Symbol für die größere Frage geworden, wie viel Überwachung eine demokratische Gesellschaft im digitalen Zeitalter zulassen sollte.


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Gabs nicht mal im GG sowas namens Brief Geheiminis? Ich dachte Analoges Recht soll auch im Digitalen-Raum gültig sein? Oder durchsucht neuerdings die Polizei jedes Packet und liest jeden Brief?
> Merz kündigte dann eine deutsche Chat-Kontrolle an: „Aber wir werden uns weiter darum bemühen, wenigstens auf der nationalen Ebene eine Lösung zu finden.“ Wenn der Michel alles mit sich machen lässt… Andere Völker sind anders gestrickt. > „… Einerseits bleiben wir von der militärischen Überlegenheit des Westens geprägt, die unsere Länder fünf Jahrhunderten lang zu den Herren der Welt gemacht hat. Es gelingt uns nicht zuzugeben, dass Habenichtse zivilisierter sein können als wir. Die Iraner sind von unserem Komfort und unserem Luxus nicht beeindruckt. Dennoch sind sie ein Volk von Ingenieuren, die wissenschaftlich weitaus gebildeter sind als wir. …“… Mehr
Was wahrscheinlich die wenigsten hier wissen: Im Iran liegt der Frauenanteil bei den MINT-Studiengängen bei 70% und ist damit einer der höchsten der Welt. Während in Deutschland 64% der Frauen irgendwas mit Geschwätzigkeit, Medien oder Betroffenheit „studieren“, sich der „Forschung“ zum 423. Geschlecht widmen, promovieren im Iran 58% dieser weiblichen Studenten in Physik, Chemie, Informatik.
Wohl dem, dem in Deutschland 10 oder mehr Identitäten verliehen wurden. Das sollen bekanntermaßen ja nicht wenige sein.
Ich fürchte, damit ist die Klientel, um die es hier vorgeblich noch gehen könnte, ohnehin nicht durch das Gesetz erfasst.
Am Ende geht es allein um Einschüchterung von Kritik an „unseren“ Politikern, um das Eliminieren unangenehmer Meinungen, die künftig – wie eine Blockchain – lebenslang an jeden Klarnamen angehängt werden. Es geht darum, Kritik am Staat zu ersticken und die Demokratie damit faktisch zu ersticken.
Ach, plötzlich gehen nationale Lösungen?
Mit Verlaub, Herr Kanzler, Sie… wissen schon!
Immer noch sind zu wenige Menschen über die totale digitale Kontrolle informiert.
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Die EU hat mit Mehrheit diese Chatkontrolle abgelehnt. Und nun kommt Deutschlands Kanzler daher, akzeptiert die EU-Mehrheit nicht und will unter dem Deckmantel „Kinderschutz“ auch noch eine „nationale Lösung“. Seit wann darf man in Deutschland national Denken oder gar Handeln. Wenn das jetzt jedes EU-Land so macht brauchen wir die EU nicht mehr. Die Linksextremisten wollen nur die volle Kontrolle über das Volk. Kritiker sollen mundtot, eingeschüchtert werden und komplett überwacht werden. Linksextreme vertragen keinen Widerspruch, keine Kritik und erst recht keine anderen Meinungen. Ganz wie in Diktaturen üblich.
Man hat ja sonst eher den Eindruck, dass Merz in erster Linie ukrainische Interessen vertritt. Die Kinderlein dort müssten doch sicher auch ganz dringend vor bösen Chatnachrichten geschützt werden. Warum schlägt er sowas nicht mal für die Ukraine vor?
Es wäre wichtig, dass man für Strafverfolgung jederzeit weiß, wer sich hinter welchem Account verbirgt.
Das bedeutet nicht Klarnamenpflicht, sondern, dass die Ermittler auf richterliche Anordnung – bei bestimmten Straftaten – herausbekommen können, wer was geposted hat. Schwierig dabei ist natürlich Whistleblowing. Das muss weiter möglich und geschützt sein.
Außerdem würde man hierdurch einfacher die Einflußnahme fremder Geheimdienste und Botnetze einbremsen können.
Ich hätte kein Problem mit einer solchen Regelung. Nur die, die sich in Grauzonen bewegen, dürften damit ein Problem haben.
Entscheidend dabei ist aber die Eingrenzung auf Straftaten und der richterliche Vorbehalt.
Wer die Hintergründe kennt, kann vor der digitalen Diktatur nur warnen.
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JETZT plötzlich ist das, was von der EU kommt, dann doch nicht so richtig, weil es gegen die eigenen Interessen geht? Merz ist in seiner Leistung als Kanzler so dermaßen armselig, als wie ich es mir nicht in meinen kühnsten Träumen vorstellen konnte.
Zum Glück gabs zur Plandemie noch keine Klarnamenpflicht – zigtausende säßen heute noch im Knast.