Bettina Gaus beim Königsschach zwischen Baerbock und Habeck

Eine zärtlichere Aufforderung, von einer Kanzlerkandidatur zurückzutreten, gab es noch nie.

IMAGO / Metodi Popow
Robert Habeck und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen

Eine zärtlichere Aufforderung, von einer Kanzlerkandidatur zurückzutreten, gab es noch nie. Bettina Gaus eröffnet ihr grünes Kanzlerschach im Spiegel mit diesem Zug:

Es ist kühn, ohne jede Regierungserfahrung ins Kanzleramt einziehen zu wollen. Aber das kann – vielleicht – gelingen, wenn ein hinreichend großer Teil der Bevölkerung sich nach einem Kurswechsel und einem politischen Neuanfang sehnt. Das war die große Chance für Annalena Baerbock. Sie musste nur etwas, ein einziges Kleinod schützen: nämlich die eigene Glaubwürdigkeit.
Dieses Kleinod ist verloren gegangen.

Aber gegen den zweiten Gaus’schen Schachzug verblasst selbst der erste:

Wenn Annalena Baerbock so klug ist, wie viele glauben, dann zieht sie sich zurück und sagt sinngemäß: Blöde, kleine Fehler von mir gefährden derzeit, dass wir das verwirklichen können, was uns allen am meisten am Herzen liegt. Nämlich unsere Politik, vor allem den Kampf gegen den Klimawandel. Um unsere Chancen zu maximieren, übergebe ich den Stab an Robert. Und wünsche ihm alles, alles Gute.
Reaktion? Stehende Ovationen. Annalena Baerbock hätte ihr Eigeninteresse hinter die Interessen der Partei, des Landes und der Welt gestellt. Sie wäre von da an eine Ikone. Und könnte alles werden, vielleicht sogar irgendwann Kanzlerin, falls Robert Habeck es nicht schaffen sollte. Die große Geste würde das, was bisher war, überstrahlen.

Und dann beendet Gaus das Spiel mit einer Rochade, bei der sie selbst nichts falsch machen kann. Sie wirft keinen König um, sondern setzt einen aufs Feld:

Aber dazu müsste die Kandidatin den Schritt zurück ins Glied eben erst einmal wagen. Ich glaube nicht, dass sie das tun wird. Und deshalb heißt der nächste Kanzler Armin Laschet.

Da soll keiner sagen, es gäbe keine mehr im Journalismus, die schreiben könnten.

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Kommentare ( 70 )

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Schwabenwilli
1 Tag her

Am kommenden Parteitag der Grünen wird sich herausstellen um was für bornierte Kant Köpfe es sich bei den Mitgliedern dieser Partei überhaupt handelt. Nichts wird passieren, Baerbock bleibt Kanzlerkandidaten. Und ich wette das bis zur Wahl die Grünen noch ein paar andere fatale Aussagen machen werden. Jedoch ein Kanzler Laschet wird die Ausgangslage unseres Landes keinesfalls verbessern, man sehe sich sein eigenes Bundesland an.

Erfurter
2 Tage her

Die Gaus’sche Idee klingt nur hübsch, soll aber nur die Enttäuschung über die Leichtgewichtigkeit des grünen Spitzenpersonals kaschieren.
Danisch hat das richtig erkannt, die Lebenslaufprobleme entfalten doch nur deshalb Sprengkraft, weil sonst gar nichts diskutables kommt. Das ist der Punkt. Deswegen wird der nächste Kanzler Laschet heißen (vorher noch eine Weile Merkel).

Die Grünen werden mit Habeck noch schlechter abschneiden. Entscheidend ist, ob der Großteil der Sektenanträge auf dem kommenden Parteitag abgewehrt werden kann, und wer sich da hervortut.

Stefan Z
2 Tage her

Schach? Beim Schach ist Logik, Rechnen und Taktik erforderlich. Diese Posse erinnert mich doch mehr an den Filmtitel „Dumm und dümmer“.

Protestwaehler
2 Tage her

Da hast gedacht das Niveau vom Spiegel wäre bereits ganz unten angekommen, und dann sowas :-/

jorgos48
2 Tage her

Laut Politbarometer wollen immer noch 22% der Wahlberechtigten diese Grüne Fake Partei wählen, wenn Sonntag Bundestagswahl wäre. Da wird Parteiideologie zur Ersatzreligion. In Deutschland von Braun zu Rot und nun zu Grün.

Umkehr
2 Tage her

Ich bezweifle dass die jetzt aufgetauchten Ungereimheiten bei Frau Baerbock zu nenneswerten Stimmverlusten bei der Bundestagswahl führen. Es wird übersehen dass es sich nicht um eine „normale“ politische Partei sonder eher um eine Öko-Sekte handelt, deren Anhänger auch einen grün gestrichenen Zaunpfosten wählen würden, bevor sie irgendeine ander Partei wählen. Schwer einzuschätzen ist wieviele Wechselwähler von anderen Parteien es sich jetzt noch einmal überlegen die Stimme Frau Baerbock zu geben. Sehen wir uns einmal die linke Wählerschaft der Demokraten in den USA an, die einen Präsidenten Biden trotz Belästigungsvorwürfe, offensichtlicher kognitiver Defizite und einem schwelenden Verfahren gegen den Sohn Hunter… Mehr

F.Peter
2 Tage her

Man beachte die Wortwahl bei dieser Kritik gegenüber derjenigen, die gewählt wird, wenn ein AfD-ler einen Bock geschossen hat! Insofern ist mir ein klarer Ausdruck lieber als dieses Herumscharwenzeln, nur um nicht zu sagen, was ist!

Karina Gleiss
2 Tage her

Ich finde, der Gesichtsausdruck von Herrn Habeck auf dem Foto spricht Bände. Zu der hochbegabten Kanzleramtsaspirantin muss man hingegen keine Worte mehr verlieren. Das hat Herr Wendt hier bereits bravourös getan.

country boy
2 Tage her

Schlimm, dass die Unfähigkeit Baerbocks erst jetzt, wo es fast zu spät ist, offenbar wird. Dies zeigt, in welch gefährliche Schieflage unser Land durch den Haltungsjournalismus geraten ist. Missstände dürfen nicht angesprochen werden. Es darf nur noch das berichtet werden, was die politisch korrekte Haltung bestärkt.

Wolfgang Schuckmann
3 Tage her

Bei der Bewertung politischer Vorgänge wie die um Baerbock, die zudem noch selbst generiert wurden, wie ihr Lebenslauf, der halt nicht der Wahrheit entspricht, bin ich ganz vorsichtig geworden. Aber eines ist mir klar gewesen, da ist nicht viel dahinter. Zweite Überlegung aber war:. Robert hat schon viel früher als die Öffentlichkeit erkannt,dass Baerbock eine regelrechte Luftnummer ist. Ich könnte mir deshalb vorstellen, dass er sie sich selber hat verbrennen lassen, um dann als der faire zweite Mann im Glied der Parteiführung ‚einzuspringen‘, als Gentleman sozusagen, und den Karren bis zur Wahl noch aus dem Dreck zu ziehen. Ich denke… Mehr