Blücherstraße? Yorckstraße? Preußische Generäle, Kolionalherren? Zum Glück hat die Berliner Senatsverwaltung gehandelt. Jetzt können wir alle wieder beruhigt Lastenfahrrad treten.
imago images / Christian Spicker
Kennen Sie dieses unangenehme Gefühl? Sie haben sich gerade auf Ihr Lastenfahrrad geschwungen, um Ihre Kinder Greta und George Floyd in die Kita zu fahren, nichts Böses denkend und mit sich selbst im Reinen – und plötzlich sehen Sie dieses Straßenschild. Ein Schmerz reißt Ihr Herz entzwei, Sie fassen sich an die Brust und Ihre Kinder drehen sich erschrocken zu Ihnen um. „Was ist denn, Elter 1?“, fragen die Kleinen. „Kinder“, sagen Sie dann mit den Tränen ringend, „diese Straße hier ist nach einem deutschen Kolonialoffizier benannt. In Deutschland hat immer noch niemand aus unserer Geschichte gelernt!“. Das kommt Ihnen bekannt vor?
Na, dann habe ich eine gute Nachrichten für Sie! Ihr Leid, Ihre schlaflosen Nächte werden bald vorbei sein – naja, zumindest, wenn Sie in Berlin leben. Am ersten Dezember hat die Berliner Senatsverwaltung für Verkehr bekannt gemacht, dass das Berliner Straßengesetz geändert wurde. Die Umbenennung von Straßen wurde erleichtert – Umbenennung können nun ausdrücklich auch bei Namen erfolgen, die sich auf den Kolonialismus beziehen – „sofern die Straßen nach Wegbereitern und Verfechtern von Kolonialismus, Sklaverei und rassistisch-imperialistischen Ideologien oder nach in diesem Zusammenhang stehenden Orten, Sachen, Ereignissen, Organisationen, Symbolen, Begriffen oder ähnlichem benannt wurden.“
Klasse, oder? Und die Berliner Politiker (und Anwohner) haben auch schon einige Straßen auf dem Kieker. Größtes Dorn im Auge: das Afrikanische Viertel in Berlin-Wedding. Da wird schon seit Jahren versucht, endlich Orte wie die Petersallee, den Nachtigalplatz und die Lüderitzstraße umzubenennen, die allesamt nach „Kolionalverbrechern“ (Tagesspiegel) benannt sind. Leider gibt es da Nachbarn, die gegen die Umbenennung geklagt haben – bestimmt Nazis. Wegen denen zieht sich das Verfahren unheimlich in die Länge.




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