Nur noch jeder 2. geht zur Wahl - warum wohl?

Eine ganze Woche lang wählen statt nur am Sonntag - mit diesem Vorschlag will SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi die lahmende Wahlbeteiligung und den Wahl-Frust in Schwung bringen. Auch rollende Wahlkabinen soll es geben, und Urnen in Supermärkten. Aber sind die Wähler nur zu faul, um sich bis 18.00 Uhr in die Wahlkabine zu begeben? Oder liegt es vielleicht an der Politik, dass die Bürger sich abwenden?

VON Roland Tichy | So, 28. Dezember 2014
Massiver Angriff auf die Gebührenfinanzierung und das Riesenangebot von ARD und ZDF

Es ist ein ziemlicher Knaller, was da so in den Weihnachtsfeiertagen auf der Homepage des Bundesfinanzministeriums eingestellt wurde: Der Wissenschaftliche Beirat des Ministeriums legt die Axt an das heutige System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Danach müsse das heutige System komplett auf den Prüfstand; der Gebührenzwang soll zumindest eingeschränkt und durch eine Art Abo-Modell ersetzt werden; die bisherige Gebührenerhöhung „nach Bedarf“ soll aufgegeben werden und ARD/ZDF nur noch das senden dürfen, was die Privaten vernachlässigen: Fußball gehört sicherlich nicht dazu.

Die Argumente des Beirats, der viele Spitzen-Ökonomen versammelt, sind gefährlich für ARD und ZDF und ihr Gebührenaufkommen von 7,5 Milliarden €, die über die Haushalts-Zwangsabgabe von den Finanzämtern eingetrieben werden.

VON Roland Tichy | Fr, 26. Dezember 2014
Mein Weihnachtswunschzettel

....Das Christkind steht vor der Tür und ich schicke Dir noch schnell meinen Wunschzettel.

Vor allem wünsche ich mir, dass es uns im kommenden Jahr genauso gut geht wie 2014. Viele Arbeitsplätze wurden neu geschaffen, Viele haben endlich mehr brutto auf dem Gehaltszettel. Und jetzt mein Wunsch für das kommende Jahr an Dich:

VON Roland Tichy | Di, 23. Dezember 2014
Bilanz: Ein Jahr Große Koalition

Angela Merkel ist der strahlende Superstar Deutschlands - folgt man der Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Emnid für die Zeitschrift Bild am Sonntag durchführte: Drei Viertel der Deutschen finden, dass sie ihre Sache als Bundeskanzlerin gut macht. Und diese Kanzlerin kennt keine Parteien: Nicht nur die Anhänger der CDU, auch Wähler der SPD, viele Grüne und sogar von der Linken, alle stehen hinter der Bundeskanzlerin. Groko steht für Harmonie, für die Fähigkeit, große Aufgaben anzugehen. Aber gerade das fehlt.

VON Roland Tichy | Mi, 17. Dezember 2014
Was läuft schief mit der Berichterstattung in den deutschen Medien? 7 Thesen

Ukraine-Krise und Pegida-Demonstrationen stellen die Arbeit von Journalisten in Frage. Nun beschäftigt sich auch das Medienmagazin ZAPP vom NDR mit der Frage, warum Journalisten so viel Vertrauen verloren haben.
Laut der Umfrage haben 63 Prozent der Deutschen wenig oder gar kein Vertrauen in die Ukraine-Berichterstattung deutscher Medien.

VON Roland Tichy | Di, 16. Dezember 2014
Belehren, ausblenden, diffamieren: Wie Medien mit ihren Lesern umgehen

Am kommenden Montag werden es wohl ein Dutzend Städte sein, in denen eine vorwiegend schweigende Bevölkerung gegen irgendetwas mit Islam demonstriert. Es wird sich wiederholen, was zum Brauch wurde. Sie reden nicht mehr mit Journalisten. Der Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, fasst die Stimmung zusammen: „Wir reden nicht mehr mit der Politik und den Medien“, so schilderte er die Überzeugung der Dresdner Demonstranten, „ihr hört uns doch sowieso nicht zu.“ Damit sei der „Tiefpunkt für unser politisches System erreicht“. Recht hat er. Ohne Kommunikation und Diskussion ist das Ende eines demokratischen Systems erreicht.

VON Roland Tichy | Fr, 12. Dezember 2014
Namensvorschläge für das rot-rot-grüne Bündnis in Thüringen

Bemerkenswerte Namensvorschläge hat der Aufruf, das neue Bündnis korrekt und differenzierend zu nennen, hervorgerufen. 

Hier einige der Vorschläge - und  am Ende des Beitrags der Entwurf für eine neue Landesflagge für Thüringen.

VON Roland Tichy | Do, 11. Dezember 2014
Wochenschau zu Thüringen, Spiegel und TTIP

An ihren Worten sollst Du sie erkennen
"Rotrotgrün", heißt die neue Koalition in Thüringen. Nun sind Wörter ja dafür da, Dinge zu benennen und zu differenzieren. Also zweimal rot? Schon sprachlich hat sich die Behauptung der SPD entlarvt, Thüringen sei kein Modell für Berlin. Schon begrifflich trennt sich die SPD nicht mehr von den SED-Erben. Und die schicke Formel "R2G" macht es nicht besser: es soll an R2-D2 erinnern, den netten kleinen Roboter aus Starwars, der so lieb und süss ist. Verniedlichen und verharmlosen ist ein bekannter Trick der politischen Semantik. Aber 25 Jahre nach dem Mauerfall hat die SPD der Linken die Steigbügel gehalten. Sie hat damit die Grenzen zur Linken unwiderruflich verwischt, diese zur Sozialdemokratie geadelt. Und das soll keine Auswirkung auf Berlin haben? Wir sollten nicht jammern, sondern nach Alternativen suchen: Ich bevorzuge rot-stasirot-grün. Was schlagen SIE vor?

VON Roland Tichy | Fr, 5. Dezember 2014
Was steckt hinter der Aufspaltung in gute und böse Energieerzeugung?

Die Freude ist groß bei den Befürwortern des Atomausstiegs: E.on trennt seine Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke von der eigentlichen Firma. Endlich, jubelt der Wirtschaftsminister: "Mit seiner Entscheidung stellt sich E.on konsequent auf und zieht als erstes Unternehmen die Konsequenz aus einer sich völlig gewandelten Welt der Energieversorgung. Das schafft durchaus neue Chancen", sagte Gabriel der Rheinischen Post.

VON Roland Tichy | Di, 2. Dezember 2014
Vier Bücher, die man gut über Weihnachten lesen kann - und mindestens eines auch sollte

Am Anfang ist die Angst. Die Angst vor dem Hunger. Dieser heulende Wolf in der Magengrube. Vor ihm flüchten alle Hoffnungen aufs Abnehmen, verdampft der Traum vom Wieder-rank-und-drahtig-sein-Wollen in den Schweißausbrüchen, die der Hunger treibt. Noch schnell sechs total verkohlte Fettbratwürstchen nebst Majo-Kartoffelsalat im Speisewagen vertilgt, es soll die letzte Mahlzeit sein vor dem Gardasee. Und dort jetzt eine Woche lang hungern und wandern? Nicht essen und körperlich mehr leisten als in den letzten 10 Jahren? Dieser Beitrag stammt aus der Neuerscheinung "Die besten Dinge kosten nichts"

VON Roland Tichy | Sa, 29. November 2014
Wer einen Minijobber beschäftigt, muß mit Hausdurchsuchung rechnen

Riesenbürokratie für Putzfrau und Baby-Sitter
Millionen von Haushalten und Minijobbern droht eine Kontrolle der Zollfahndung, Hausdurchsuchung und saftige Strafen bis zu 30.000 €. Das geht aus einer Regelung des Mindestlohngesetzes hervor, die bislang kaum beachtet wurde: Danach ist ab 1. Januar jeder, der einen Minijobber beschäftigt, verpflichtet, „Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzuzeichnen“. Diese Aufzeichnung muß „spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung erfolgenden Kalendertages" erfolgen. Diese Arbeitszeit-Kontrollblätter müssen mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden, heißt es in §17 des Mindestlohngesetzes (MiLoG). Dabei müssen auch die gesetzlich feststehenden Ruhepausen von mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von 6, und von 45 Minuten bei 9 Stunden Tätigkeit minutiös erfaßt und namentlich abgezeichnet werden.

VON Roland Tichy | Di, 25. November 2014
Warum die Resolution der EU-Parlaments-Initiative schädlich für Europa ist

"Was das Europäische Parlament noch nicht begriffen hat: Google ist für die Menschen wichtiger als Europa". Die Causa Google dreht immer höher; jetzt stellt der britische Telegraph schon die Grundsatzfrage, nachdem an diesem Donnerstag  das Europäische Parlament in einer Resolution die Zerschlagung von Google gefordert hat. Diese Resolution ist am Donnerstag tatsächlich verabschiedet worden, so einer der Initiatoren, der spanische EU-Parlamentarier Ramon Tremosa. Per Twitter. Ausgerechnet. (aktualisiert am 27.11.) 

VON Roland Tichy | Di, 25. November 2014
"Schulterschluss mit den Aktivisten" - Polizei macht gemeinsame Sache mit Blockupy-Schlägern

Bekanntlich bin ich ja ein Kritiker der Europäischen Zentralbank. Aber allmählich hat man ja das Gefühl, man sollte sie verteidigen - vor der Linken und der Frankfurter Polizei: Die Linke also ruft zu einer Demonstration gegen die zerstörerische Politik der EZB auf. 

VON Roland Tichy | Sa, 22. November 2014
Erst Negativzinsen dann die totale Überwachung des Bürgers - Ausweitung der Euro-Steuer

Das Thema Negative Zinsen dreht sich immer weiter. Derzeit werden wir ja über Lebensversicherungen, Riesterrenten und Fonds von der Europäischen Zentralbank und ihren negativen Zinsen entreichert. Wie das vonstatten geht, lesen Sie hier.

Aber das wäre erst der Anfang. Als nächstes könnten Bargeld, Girokonten sowie Sparbücher drankommen. 

VON Roland Tichy | Do, 20. November 2014
Warum die EZB mit ihren Negativzinsen falsch liegt

Weihnachten, Kinders, da wird`s was geben diesmal! Endlich haben die Menschen zwar nicht wesentlich mehr Geld in der Tasche - aber mehr Kaufkraft. Viele Preise sinken. Öl- und Benzinpreis sinken; eine Tankfüllung ist um 6 € billiger zu haben. Selbst die Nebenkosten beim Wohnen sinken; spätestens ab Januar gibt´s für viele Mieter satte Rückzahlungen für die aus heutiger Sicht überhöhten Strom- und Heizkostenvorauszahlungen. Gemüse, Obst, Salat - alles billiger; und wer nicht essen will, sondern wischen: Preise für Tabletts und Smartphones sinken um 5 Prozent.

Das ist die gute Nachricht - endlich kommen wir in den Genuss einer Entwicklung, die Deflation heißt: Die Preise sinken.

VON Roland Tichy | Mi, 19. November 2014
Statt Journalismus:

Wenn der Befragte sagt „Ich gerate wohl ein wenig ins Monologisieren“ dann weiß man als Journalist: Jetzt ist etwas schief gelaufen. Denn ein Interview ist eine Befragung auf Augenhöhe, nicht eine Nick-Veranstaltung.

Was Hubert Seipel am Sonntag in seinem Interview mit Russlands Staatschef Wladimir Putin in der ARD ablieferte, war ein schlimmes Beispiel für Genicke. So unkritisch ging er mit seinem Interviewpartner Putin um, dass der sich selbst eben diesen verräterischen Satz sagte: „Ich gerate eine wenig ins Monologisieren". Spätestens da hätte ein Profi ein Fragen-Gewitter abgefeuert. Nicht Nick-Seipel.

VON Roland Tichy | Mo, 17. November 2014
Allan Meltzer - US-Ökonom fordert Aufspaltung des Euro

Am 14. Oktober 2014 erklärt Frankreichs Präsident, den Ausstieg Frankreichs aus der Euro-Zone und die Wiedereinführung des Franc. Er reagiert auf Massen-Demonstrationen unter der Parole: „Gebt uns unser Geld zurück“. In Frankreich herrscht der nationale Notstand. Banken bleiben geschlossen, Geldautomaten spucken nur noch 40 € je Person und Tag aus. Nahrungsmittel sind rationiert; nur noch zehn Grundnahrungsmittel werden frei verkauft.

Es ist eine TV-Show auf France 4, die derzeit die Gemüter erregt, eine Art ökonomische Apocalypse Now. Die Fiktion eilt der Wirklichkeit voraus. Der gemeinsame Währungsraum zerbricht - Frankreich versinkt vorübergehend im Chaos - "Treten Sie in die Geschichte ein", fordern die Fernsehmacher.

Einer, den dies nicht wundert, und der dafür lange vor der Sendung das Drehbuch geschrieben hat ist Allan Meltzer. Er ist der letzte noch lebende große US-Ökonom der Nachkriegszeit: Paul A. Samuelson, John Kenneth Galbraith, Milton Friedman, Karl Brunner - sie haben schon den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg begleitet, das Denken von zwei Generationen Volkswirtschaftsprofessoren geprägt, die großen, kontroversen Debatten über Keynesianismus und Monetarismus geführt. John Maynard Keynes sagte einmal, dass die meisten Politiker sich auf Ansichten berufen würden, die sie irgendwann vor Jahrzehnten an der Universität gelernt hätten. Leute wie Allan Meltzer sind es, die in den Gehirnwindungen Generationen lang nachwirken. Jetzt hat der einen Plan zur Rettung des Euro vorgelegt - der das fiktive Chaos in Frankreich verhindern soll.

VON Roland Tichy | Fr, 14. November 2014
Die seltsame Logik der Politik

Nicht-Unternehmer aus Patriotismus
Die Politik wartet still und geduldig, bis eine Katastrophe eintritt und handelt dann - die Wirtschaft und Unternehmen versuche, drohende Risiken vorwegzunehmen und vorausschauend zu handeln. Ist es wirklich so einfach?

VON Roland Tichy | Do, 13. November 2014
Wiedervereinigung - wirtschaftlich betrachtet

Die Feiern zum Mauerfall sind beendet - und eine gelassene Fröhlichkeit bleibt, ganz ohne Sekt: Auch wenn es schwer war - die Wiedervereinigung ist auch wirtschaftlich geglückt. Helmut Kohl hatte 1989 „ blühende Landschaften “ versprochen. Wie wurde er dafür verspottet! Es ging ja nicht über Nacht! Und über Nacht muss die Marktwirtschaft doch schaffen, was der Sozialismus in 40 Jahren nicht gepackt hat, mindestens, oder? Auch auf den großen Jubelfeiern war viel von Gefühl die Rede, aber wenig von Zahlen. Und doch - die Zahlen sprechen dafür, auch wenn viele es in Deutschland nicht wahrhaben wollen. Aber der britische Economist mit seinem kühlen, distanzierten Blick von außen rechnet vor: die heute noch bestehenden regionalen Unterschiede zwischen Ost und West sind nicht größer als die regionale Schere der wirtschaftlichen Unterschiede, beispielsweise in Belgien. Noch liegen die Einkommen in München höher als in Leipzig - aber Leipzig holt auf; und in der Kombination mit niedrigeren Mieten und geringeren Lebenshaltungskosten ist vermutlich im Osten vielerorts die Lebensqualität höher als im Westen.

VON Roland Tichy | Do, 13. November 2014
Wie Apps mithelfen, die Bahn auszubremsen

Der GDL-Streik geht vorzeitig zu Ende. „Eine Geste der Versöhnung“ nennt das der GDL-Boss Claus Weselsky. Aber die Wahrheit ist eine andere: Während der Streik im Oktober Fahrgäste und Wirtschaft noch kalt erwischt hat, ist der Überraschungsangriff des zweiten und längeren Streiks gescheitert - eben weil er keine Überraschung war. Die Fahrgäste haben ihn ausgebremst, und das mit Hilfe auch von Apps.

VON Roland Tichy | So, 9. November 2014