Namensvorschläge für das rot-rot-grüne Bündnis in Thüringen

Bemerkenswerte Namensvorschläge hat der Aufruf, das neue Bündnis korrekt und differenzierend zu nennen, hervorgerufen. 

Hier einige der Vorschläge - und  am Ende des Beitrags der Entwurf für eine neue Landesflagge für Thüringen.

VON Roland Tichy | Do, 11. Dezember 2014
Wochenschau zu Thüringen, Spiegel und TTIP

An ihren Worten sollst Du sie erkennen
"Rotrotgrün", heißt die neue Koalition in Thüringen. Nun sind Wörter ja dafür da, Dinge zu benennen und zu differenzieren. Also zweimal rot? Schon sprachlich hat sich die Behauptung der SPD entlarvt, Thüringen sei kein Modell für Berlin. Schon begrifflich trennt sich die SPD nicht mehr von den SED-Erben. Und die schicke Formel "R2G" macht es nicht besser: es soll an R2-D2 erinnern, den netten kleinen Roboter aus Starwars, der so lieb und süss ist. Verniedlichen und verharmlosen ist ein bekannter Trick der politischen Semantik. Aber 25 Jahre nach dem Mauerfall hat die SPD der Linken die Steigbügel gehalten. Sie hat damit die Grenzen zur Linken unwiderruflich verwischt, diese zur Sozialdemokratie geadelt. Und das soll keine Auswirkung auf Berlin haben? Wir sollten nicht jammern, sondern nach Alternativen suchen: Ich bevorzuge rot-stasirot-grün. Was schlagen SIE vor?

VON Roland Tichy | Fr, 5. Dezember 2014
Was steckt hinter der Aufspaltung in gute und böse Energieerzeugung?

Die Freude ist groß bei den Befürwortern des Atomausstiegs: E.on trennt seine Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke von der eigentlichen Firma. Endlich, jubelt der Wirtschaftsminister: "Mit seiner Entscheidung stellt sich E.on konsequent auf und zieht als erstes Unternehmen die Konsequenz aus einer sich völlig gewandelten Welt der Energieversorgung. Das schafft durchaus neue Chancen", sagte Gabriel der Rheinischen Post.

VON Roland Tichy | Di, 2. Dezember 2014
Vier Bücher, die man gut über Weihnachten lesen kann - und mindestens eines auch sollte

Am Anfang ist die Angst. Die Angst vor dem Hunger. Dieser heulende Wolf in der Magengrube. Vor ihm flüchten alle Hoffnungen aufs Abnehmen, verdampft der Traum vom Wieder-rank-und-drahtig-sein-Wollen in den Schweißausbrüchen, die der Hunger treibt. Noch schnell sechs total verkohlte Fettbratwürstchen nebst Majo-Kartoffelsalat im Speisewagen vertilgt, es soll die letzte Mahlzeit sein vor dem Gardasee. Und dort jetzt eine Woche lang hungern und wandern? Nicht essen und körperlich mehr leisten als in den letzten 10 Jahren? Dieser Beitrag stammt aus der Neuerscheinung "Die besten Dinge kosten nichts"

VON Roland Tichy | Sa, 29. November 2014
Wer einen Minijobber beschäftigt, muß mit Hausdurchsuchung rechnen

Riesenbürokratie für Putzfrau und Baby-Sitter
Millionen von Haushalten und Minijobbern droht eine Kontrolle der Zollfahndung, Hausdurchsuchung und saftige Strafen bis zu 30.000 €. Das geht aus einer Regelung des Mindestlohngesetzes hervor, die bislang kaum beachtet wurde: Danach ist ab 1. Januar jeder, der einen Minijobber beschäftigt, verpflichtet, „Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzuzeichnen“. Diese Aufzeichnung muß „spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung erfolgenden Kalendertages" erfolgen. Diese Arbeitszeit-Kontrollblätter müssen mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden, heißt es in §17 des Mindestlohngesetzes (MiLoG). Dabei müssen auch die gesetzlich feststehenden Ruhepausen von mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von 6, und von 45 Minuten bei 9 Stunden Tätigkeit minutiös erfaßt und namentlich abgezeichnet werden.

VON Roland Tichy | Di, 25. November 2014
Warum die Resolution der EU-Parlaments-Initiative schädlich für Europa ist

"Was das Europäische Parlament noch nicht begriffen hat: Google ist für die Menschen wichtiger als Europa". Die Causa Google dreht immer höher; jetzt stellt der britische Telegraph schon die Grundsatzfrage, nachdem an diesem Donnerstag  das Europäische Parlament in einer Resolution die Zerschlagung von Google gefordert hat. Diese Resolution ist am Donnerstag tatsächlich verabschiedet worden, so einer der Initiatoren, der spanische EU-Parlamentarier Ramon Tremosa. Per Twitter. Ausgerechnet. (aktualisiert am 27.11.) 

VON Roland Tichy | Di, 25. November 2014
"Schulterschluss mit den Aktivisten" - Polizei macht gemeinsame Sache mit Blockupy-Schlägern

Bekanntlich bin ich ja ein Kritiker der Europäischen Zentralbank. Aber allmählich hat man ja das Gefühl, man sollte sie verteidigen - vor der Linken und der Frankfurter Polizei: Die Linke also ruft zu einer Demonstration gegen die zerstörerische Politik der EZB auf. 

VON Roland Tichy | Sa, 22. November 2014
Erst Negativzinsen dann die totale Überwachung des Bürgers - Ausweitung der Euro-Steuer

Das Thema Negative Zinsen dreht sich immer weiter. Derzeit werden wir ja über Lebensversicherungen, Riesterrenten und Fonds von der Europäischen Zentralbank und ihren negativen Zinsen entreichert. Wie das vonstatten geht, lesen Sie hier.

Aber das wäre erst der Anfang. Als nächstes könnten Bargeld, Girokonten sowie Sparbücher drankommen. 

VON Roland Tichy | Do, 20. November 2014
Warum die EZB mit ihren Negativzinsen falsch liegt

Weihnachten, Kinders, da wird`s was geben diesmal! Endlich haben die Menschen zwar nicht wesentlich mehr Geld in der Tasche - aber mehr Kaufkraft. Viele Preise sinken. Öl- und Benzinpreis sinken; eine Tankfüllung ist um 6 € billiger zu haben. Selbst die Nebenkosten beim Wohnen sinken; spätestens ab Januar gibt´s für viele Mieter satte Rückzahlungen für die aus heutiger Sicht überhöhten Strom- und Heizkostenvorauszahlungen. Gemüse, Obst, Salat - alles billiger; und wer nicht essen will, sondern wischen: Preise für Tabletts und Smartphones sinken um 5 Prozent.

Das ist die gute Nachricht - endlich kommen wir in den Genuss einer Entwicklung, die Deflation heißt: Die Preise sinken.

VON Roland Tichy | Mi, 19. November 2014
Statt Journalismus:

Wenn der Befragte sagt „Ich gerate wohl ein wenig ins Monologisieren“ dann weiß man als Journalist: Jetzt ist etwas schief gelaufen. Denn ein Interview ist eine Befragung auf Augenhöhe, nicht eine Nick-Veranstaltung.

Was Hubert Seipel am Sonntag in seinem Interview mit Russlands Staatschef Wladimir Putin in der ARD ablieferte, war ein schlimmes Beispiel für Genicke. So unkritisch ging er mit seinem Interviewpartner Putin um, dass der sich selbst eben diesen verräterischen Satz sagte: „Ich gerate eine wenig ins Monologisieren". Spätestens da hätte ein Profi ein Fragen-Gewitter abgefeuert. Nicht Nick-Seipel.

VON Roland Tichy | Mo, 17. November 2014
Allan Meltzer - US-Ökonom fordert Aufspaltung des Euro

Am 14. Oktober 2014 erklärt Frankreichs Präsident, den Ausstieg Frankreichs aus der Euro-Zone und die Wiedereinführung des Franc. Er reagiert auf Massen-Demonstrationen unter der Parole: „Gebt uns unser Geld zurück“. In Frankreich herrscht der nationale Notstand. Banken bleiben geschlossen, Geldautomaten spucken nur noch 40 € je Person und Tag aus. Nahrungsmittel sind rationiert; nur noch zehn Grundnahrungsmittel werden frei verkauft.

Es ist eine TV-Show auf France 4, die derzeit die Gemüter erregt, eine Art ökonomische Apocalypse Now. Die Fiktion eilt der Wirklichkeit voraus. Der gemeinsame Währungsraum zerbricht - Frankreich versinkt vorübergehend im Chaos - "Treten Sie in die Geschichte ein", fordern die Fernsehmacher.

Einer, den dies nicht wundert, und der dafür lange vor der Sendung das Drehbuch geschrieben hat ist Allan Meltzer. Er ist der letzte noch lebende große US-Ökonom der Nachkriegszeit: Paul A. Samuelson, John Kenneth Galbraith, Milton Friedman, Karl Brunner - sie haben schon den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg begleitet, das Denken von zwei Generationen Volkswirtschaftsprofessoren geprägt, die großen, kontroversen Debatten über Keynesianismus und Monetarismus geführt. John Maynard Keynes sagte einmal, dass die meisten Politiker sich auf Ansichten berufen würden, die sie irgendwann vor Jahrzehnten an der Universität gelernt hätten. Leute wie Allan Meltzer sind es, die in den Gehirnwindungen Generationen lang nachwirken. Jetzt hat der einen Plan zur Rettung des Euro vorgelegt - der das fiktive Chaos in Frankreich verhindern soll.

VON Roland Tichy | Fr, 14. November 2014
Die seltsame Logik der Politik

Nicht-Unternehmer aus Patriotismus
Die Politik wartet still und geduldig, bis eine Katastrophe eintritt und handelt dann - die Wirtschaft und Unternehmen versuche, drohende Risiken vorwegzunehmen und vorausschauend zu handeln. Ist es wirklich so einfach?

VON Roland Tichy | Do, 13. November 2014
Wiedervereinigung - wirtschaftlich betrachtet

Die Feiern zum Mauerfall sind beendet - und eine gelassene Fröhlichkeit bleibt, ganz ohne Sekt: Auch wenn es schwer war - die Wiedervereinigung ist auch wirtschaftlich geglückt. Helmut Kohl hatte 1989 „ blühende Landschaften “ versprochen. Wie wurde er dafür verspottet! Es ging ja nicht über Nacht! Und über Nacht muss die Marktwirtschaft doch schaffen, was der Sozialismus in 40 Jahren nicht gepackt hat, mindestens, oder? Auch auf den großen Jubelfeiern war viel von Gefühl die Rede, aber wenig von Zahlen. Und doch - die Zahlen sprechen dafür, auch wenn viele es in Deutschland nicht wahrhaben wollen. Aber der britische Economist mit seinem kühlen, distanzierten Blick von außen rechnet vor: die heute noch bestehenden regionalen Unterschiede zwischen Ost und West sind nicht größer als die regionale Schere der wirtschaftlichen Unterschiede, beispielsweise in Belgien. Noch liegen die Einkommen in München höher als in Leipzig - aber Leipzig holt auf; und in der Kombination mit niedrigeren Mieten und geringeren Lebenshaltungskosten ist vermutlich im Osten vielerorts die Lebensqualität höher als im Westen.

VON Roland Tichy | Do, 13. November 2014
Wie Apps mithelfen, die Bahn auszubremsen

Der GDL-Streik geht vorzeitig zu Ende. „Eine Geste der Versöhnung“ nennt das der GDL-Boss Claus Weselsky. Aber die Wahrheit ist eine andere: Während der Streik im Oktober Fahrgäste und Wirtschaft noch kalt erwischt hat, ist der Überraschungsangriff des zweiten und längeren Streiks gescheitert - eben weil er keine Überraschung war. Die Fahrgäste haben ihn ausgebremst, und das mit Hilfe auch von Apps.

VON Roland Tichy | So, 9. November 2014
Spezial zum Mauerfall

Jetzt hört man wieder alle diese tollen Stories über den Fall der Berliner Mauer. Alle sind dabei gewesen. Nur ich habe nichts zu erzählen. Ich habe ihn verpennt. Es ist eine der peinlichsten Stories meines Lebens. Denn die Tage vor dem Mauerfall - habe ich in den USA vertrödelt. Mobilfunk erschien mir ein spannendes Thema. Da bewegte sich was in der so erstarrten Welt. Immerhin konnte man in den USA schon winzige Motorola-Geräte im Supermarkt kaufen und bereits beim rausgehen damit telefonieren. Das war toll, denn in Deutschland brauchte der Postbeamte mindestens drei Monate, bis er sich nach monatelangem Papierkrieg doch vielleicht, vielleicht auch nicht, zum Einstöpseln des Amtsapparats herabließ. 

VON Roland Tichy | Sa, 8. November 2014
Warum die GDL keine Solidarität verdient

Jetzt wird wieder ein Begriff hervorgeholt, der so schön - und so verlogen ist wie kaum ein Zweiter: Solidarität. Die ZDF - Anstalt fordert die Lokführer auf, aus Solidarität lieber für 25 Prozent Lohnsteigerungen zu streiten, „bis es kracht“. „Zeit-Online“ fordert das Bundesverdienstkreuz für Claus Weselsky, den Chef der Lokführer. Es müsse endlich mehr gestreikt werden - Streik für alle. Müssen wir solidarisch mit den Lokführern sein? 

VON Roland Tichy | Do, 6. November 2014

Am Tag vor dem 109-stündigen Lokführerstreik herrscht schon Verspätung auf vielen Strecken der Bahn - gerade so, als wolle das Bahnmanagement beweisen: Chaos können wir auch allein, dazu brauchen wir keine Lokführer mehr. Es ist ein lästiger Streik, aber vor allem ein komischer: Hinter der Fassade geht es um ganz andere Dinge als um Lohn und Arbeitszeit.

VON Roland Tichy | Mi, 5. November 2014

Nun hat also eine Mini-Bank Strafzinsen für Anlagegelder eingeführt, und jetzt ist die Aufregung groß. Als ob die Entscheidung einer Bank ohne Marktbedeutung irgendetwas ändern würde an der falschen Politik der EZB.

VON Roland Tichy | Mo, 3. November 2014

Europa wächst in die Höhe
Europa wächst, und wie. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl der Beschäftigten der Europäischen Zentralbank auf nunmehr 1.600 verdreifacht. Irgendwann einmal, soll die ihr unterstehende Bankenaufsicht 1000 Mitarbeiter bekommen - sie hat jetzt schon, zum Start, 900. Dazu die Vervielfachung der Europäischen Versicherungsaufsicht. Europas Bürokratie wächst. Und sie braucht Gebäude. Frankfurt ist in nur wenigen Jahren zu einer der Hauptstädte der Europäischen Bürokratie geworden.

Und leidet darunter, worunter als Bürokratien leiden. Würden Sie Ihr Geld jemandem anvertrauen, der sich beim Bau seines Wohnhauses um den Faktor 3 verkalkuliert? Gut, die Frage ist unfair. Schließlich werden wir als Steuerzahler jeden Tag gezwungen, den Berliner Flughafen, die Elbphilharmonie Hamburg, das Berliner Stadtschloss oder sonst irgendein Bauwerk zu finanzieren, das zuerst wenige und Jahre nach der geplanten Eröffnung fertig wird - und dafür das drei- oder fünffache kostet. Und das soll beim Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt anders sein - auch wenn eine Zentralbau eigentlich mehr Vertrauen und nicht so sehr Beton braucht?

VON Roland Tichy | Sa, 1. November 2014

Fehler sind unvermeidlich. Schlimme Fehler sind nur die, die mal zwei mal macht. In diese Kategorie fällt derzeit das einst so stolze Zeitschriftenhaus Gruner+Jahr. Bei Brigitte werden die schreibenden Redakteure gefeuert; Kompetenzzentren sollen unterschiedliche Verlagstitel für Frauen-Gedöns vollschreiben. Ähnlich bei der Geo-Familie. Wunderbar. Dieses Rezept hat schon bei der G+J-Wirtschaftspresse nicht funktioniert.

VON Roland Tichy | Fr, 31. Oktober 2014