Ausnahmsweise in eigener Sache: Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist.
Nach über sieben Jahren habe ich im Sommer 2014 die WirtschaftsWoche verlassen. Sie entwickelte sich in dieser Zeit nach Auflage, Reichweite und Anzeigenumfang zum unbestritten führenden Wirtschaftsmagazin Deutschlands. WiWo.de verzehnfachte seine Leserzahlen; über iPad und andere elektronische Dienste erreicht die WirtschaftsWoche eine Million Leser und belegte einen der führenden Plätze im Zitate-Ranking. Ich bin der Redaktion dafür dankbar, dass sie dies möglich gemacht hat. Zahlreiche Journalistenpreise dokumentieren die journalistische Leistung. Wir haben frühzeitig vor der Finanzkrise gewarnt, das Drama des Euro erkannt, viele Trends beschrieben. Wir waren ein tolles Team. So viel Neues liegt vor uns. Es wird spannend und bunt.
Nachtrag zur Pannen-Ursel: (29.9.2014)
Ihr will nichts mehr gelingen. Eine altersschwache Transall der Bundeswehr auf dem Weg zur Ebola-Bekämpfung in Afrika, kam nur bis Cran Canaria. Schön für die Flieger, die ein paar Tage ausspannen können. Pech für Pannen-Ursel, könnte man sagen, und vor allem: von der Leyen muß nun ausbaden, was ihre Vorgänger (männlich, wie viele wollen, dass hervorgehoben wird) versemmelt haben.
In der Tat wäre es ein übermenschliches Verlangen, in kürzester Zeit solche Materialmängel ausgleichen zu wollen. Das kann niemand und sollte niemand verlangen. Allerdings: Vor dem Wochenende standen für Pannen-Ursel Kinderkrippen auf der Agenda und verkürzte Arbeitszeit für Soldaten, nicht aber der Krieg mit dem Nachschub. Sie hat weitergemacht wie bisher, obwohl die Mängel schon länger bekannt sind und diskutiert werden.
Schlimmer noch: Sie gibt vorschnell Zusagen, die sie dann nicht halten kann. Das ist ja das Peinliche: Viel versprochen, und dann bleiben die Flieger am Boden. Auslandsmissionen, ob friedlich oder kriegerisch, müssen eben vorbereitet werden, und zwar ordentlich, das weiß ja jeder, der mit dem Auto an den Gardasee fährt. Aber springt zuerst fotogen vor die Kamera, verspricht viel und scheitert dann. Wer es gut mit ihr meint, der rät: Erst nachdenken, dann Fototermin.
So aber bleibt es bei der Überschrift:
Zum Schämen
Das Foto der Woche, abgedruckt u.a. auf den Titelseiten u.a. von der WELT und der STUTTGARTER ZEITUNG, zeigt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beim Truppenbesuch in der Kurdenregion. Knusprig lächelnd, wie eben immer, auch wenn es nicht zum Lachen ist. Eher zum Weinen und Schämen.
Denn die zugesagte Waffenlieferung der Bundeswehr für die Kurden im Kampf gegen die Moslem-Terroristen blieb hängen, und auch die Ausbilder - Flugzeugschaden. Da haben wir schon eine von den Niederländern ausgeliehen, dann fliegt die genau so wenig wie unsere eigene Truppen-Transall. Nun ja, kann ja passieren. Die ist ja auch fast 50 Jahre alt.
Am Ende des Kommunikationkongresses war es Zeit, zurückzublicken und…
Ob Uber-Taxe oder Erreichbarkeit per Smartphone nach 18.00: Immer Regulierung, immer mehr Einengung auf einen Mainstream, immer mehr Konformismus: Wieviel Freiheit erträgt diese Gesellschaft noch? Warum sind wir so mutlos, den Menschen Entscheidungen zu überlassen? Wer heute mit Politikern spricht hört nur: Gesetz, Verschärfung, Regulierung, Einschränkung. Es geht auch anders.
Oswald Metzger plädiert für Steuerzuschläge auf Länderebene. "Ich bin überzeugt, dass die Solidität in der Finanzpolitik wächst, wenn zusätzliche Ausgabenwünsche vor Ort zu Steuererhöhungen führen würden.
Brauchen wir im Internetzeitalter eine Nationalstiftung der Qualitätspresse?
Mit 300.000 Spiegeln wird in Kaliforniens Wüste Strom produziert. Doch das Kraftwerk Ivanpah kostet Tausende Vögel das Leben: Sie verglühen. Kleine Tricks könnten sie retten, glauben Tierschützer.
Eine Mietpreisbremse würde unsere Städte ruinieren
Nach der Sommerpause geht es wieder los mit der Politik, die Probleme bearbeitet, die sie selbst erfindet – oder noch besser: die sie selbst geschaffen hat, um sie zu bearbeiten. Jetzt hat sich die Große Koalition auf eine Mietpreisbremse verständigt. (24. 9. 2014 mit Ergänzungen vom 25. 9. 2014)
Der Sieger der Wahlwette für die Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg steht fest:
R a i n e r F r a n z o l e t
Er tippte die AfD hoch und die SPD niedrig. Es zeigte sich: Der Wähler im Osten ist undankbar. Keine zusätzlichen Stimmen als Dank für für den Mindestlohn. Sind die Ossis so undankbar wie früher die Frauen?
Wenn sich deutsche und französische Politiker treffen, gilt immer: FFE. Friede, Freude, Eierkuchen.
So auch beim gestrigen Antritts-Besuch des neuen französischen Premiers Manuel Valls in Berlin. Valls verspricht Reformen, Angela Merkel nennt sie „ambitioniert“. Also alles FFE, wie es sich für einen Antritt gehört unter Freunden?
"Planwirtschaftlicher Fremdkörper mit eingebauter Ausbreitungstendenz"
Der Beitrag hier: hat viel Zustimmung aber auch Widerspruch ausgelöst - der sich allerdings eher in persönlichen Angriffen ereifert, statt sich mit Argumenten Ausdruck zu verschaffen. Viele Bürgerinitiativen haben sich gemeldet - offensichtlich werden jetzt die ökologischen Folgen der Energiewende spürbar.
Am 20.05.2014 war ich zu Gast bei Sandra Maischberger. Die gefühlte 1000. Sendung zum Staatsakt Uli Hoeneß und der Frage zur Steuermoral der Deutschen. Fand mich wieder zwischen Dirndl-Wunder Verena Kerth und Steuer-Zausel Ondracek.
Eine Polemik gegen die erneuerbare Selbsttäuschung
„Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie….“. Wir alle kennen diese Sätze, vermutlich die schnellstgesprochenen der Fernsehgeschichte.
Zu Risiken und Nebenwirkungen der Energiewende dagegen gibt es niemanden, den man befragen soll. Das ist wohl auch besser so. Denn sonst würde man erschrecken vor dem Ausmaß an ständig erneuerter Selbsttäuschung in einer der wichtigsten ökologischen und ökonomischen Fragen unserer Gesellschaft. Denn keine der vielen Phrasen hält einer auch nur oberflächlichen Prüfung statt.
Der Wettbewerbsexperte Justus Haucap erläutert in der Neuen Zürcher Zeitung, inwieweit die Angst vor den Internet-Giganten Google, Amazon und Facebook begründet ist.
Ach ja, das täglich fortgeschriebene Medienkrisenspektakel ist schon amüsant und kippt immer wieder ins tragische Fach. Amüsant ist, wie sich der SPIEGEL selbst zerlegt. Das selbsternannte „Sturmgeschütz der Demokratie“ (Rudi Augstein) kartätscht die eigenen Reihen nieder. Das kann man sich in Ruhe anschauen. Echte Sorge bereitet die FAZ: Wenigstens eine gute Zeitung braucht das Land. Das ist eine nationale Notwendigkeit. Mittlerweile entsteht hier am Ende des Beitrags in kürzester Zeit ein Archiv über den Niedergang des gedruckten Wortes. (Zuletzt 25.9.2014)
Gong! Noch wird der Alltag der meisten Deutschen durch das Sendeschema von ARD und ZDF bestimmt: Der Abend beginnt mit dem Gong der Tagesschau, so, wie früher die Kirchenglocken den Tag bestimmt haben. Streng reguliert wie ein Tag im Knast.
DingDong! Auch die Privaten wie RTL und Pro7/Sat 1 haben sich diesem Ritual der großen Hamburger Glocke unterworfen.
Jetzt will es einer ändern - Reed Hastings, Gründer und Chef von Netflix. Er inszeniert Fernsehen neu - zu jeder gewünschten Zeit kommen Spielfilme per Internet, ganz ohne Sendeschema. Und überall - jedenfalls auf jedem Bildschirm, ob klein, ob groß, nur mit dem Internet muss er verbunden sein. „Abhängigkeiten auflösen“ will Hastings. Unterhaltung überall und zu jeder Zeit. Freiheit vom TV-Knast?
Schade. Kevin Spacey, zweifacher Oscarpreisträger, Produzent und Hauptdarsteller in der epischen Politik-Brutal-Serie "House of Cards" auf Netflix, fehlt heute in der Komischen Oper Berlin - dabei ist das die offizielle Invasionsfeier des Videostreaming-Dienstes in Deutschland.
Was sind die Lehren aus den jüngsten drei Landtagswahlen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen? Ein kleines Parteien-Psychogramm nach einer spannenden Wahlnacht.
Da ist zunächst:
Die Verkümmer-Partei
Die SPD ist der klare Verlierer, auch wenn sie in Brandenburg noch einmal den Ministerpräsidenten stellen kann. Aber gerade noch 12 Prozent der Stimmen in Thüringen, unsichtbar in Sachsen und Bayern - sie ist in immer mehr Bundesländern auf dem Weg zu einer Verliererpartei. Den schrecklichen 20-Prozent-Turm, in dem sie sich eingesperrt fühlt, verlässt sie. Aber leider in Richtung zehn Prozent. Dazu hat beigetragen, dass sie sich einfach nicht so richtig von der Linken abgrenzen mag. In Thüringer hat sie mit der SED-Nachfolgepartei geflirtet und wurde bitter bestraft.
Nach den Wahltipps:
Gratulation an die Teilnehmer für ihre Ergebnisse. Denn:
ARD-Prognose um 18.00 - bestätigt unsere Wahlwette. SPD verliert in Thüringen, wo sie hinter der Linken herrennt; CDU legt zu, in beiden Ländern. AfD erstaunlich stark. Linke verliert in Brandenburg ihren Mythos als Retter des Ostens, FDP raus, Grüne schwach. Rot-Grün geht also gar nicht; das konservative Lager gewinnt.
Ich danke allen Teilnehmern.
Angesichts verheerender Stimmenergebnisse macht sich bei vielen in der SPD Unzufriedenheit über den Kurs der Partei breit. Selbst Parteichef Sigmar Gabriel versucht, vom linken Wirtschaftskurs wegzuführen. Denn offensichtlich war es falsch, die Politik sehr einseitig nur an Umverteilung, Notlagen und Prekariat auszurichten. Gleichzeitig wiederholt die Europäische Zentralbank (EZB) die Fehler der Wirtschaftspolitik und den Bundeskanzlern Willy Brandt und Helmuth Schmidt, in dem sie europaweit die Aufnahme immer noch höherer Staatsschulden erleichtert.
