Das Ziel: schneller bauen mit dem Bau-Turbo. Bauministerin Hubertz meldet grünes Licht für 7.892 Wohnungen im ersten Halbjahr. Doch bis Ende Juni lag erst für 36 Prozent der gemeldeten Zustimmungen eine Baugenehmigung vor. Wie viel Zeit der Bau-Turbo tatsächlich spart, lässt das Ministerium offen.
picture alliance/dpa | Katrin Luxenburger
„Städte und Gemeinden können schneller grünes Licht für den Wohnungsbau geben – auch ohne Bebauungsplan. Denn: der ‚Bau-Turbo‘ ist in Kraft und kann genutzt werden“, konnte man Anfang des Jahres auf der Seite der Bundesregierung lesen. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) zieht nun die erste Bilanz ihres Bau-Turbos. Bis zu 20-mal schneller könnten Kommunen Bauvorhaben zustimmen, sagte sie am Dienstag. Die Zahl, mit der Hubertz aufwartet, erfasst einen Zwischenschritt auf dem Weg zur Baustelle. Ob das Verfahren diesen Weg tatsächlich verkürzt, geht aus der Bilanz nicht hervor.
Den ersten Applaus für den Bau-Turbo lieferte die Ministerin selbst. Noch vor dem Start vor einem Jahr veröffentlichte Hubertz auf TikTok einen Clip, in dem sie auf einer Bank sitzt und in die Hände klatscht. Dazu blendete sie ein: „Applaus an mich selbst, weil ich die Geduld nicht verliere, bis der Bau-Turbo endlich starten kann.“
Seit dem 30. Oktober 2025 dürfen Kommunen bei Wohnungsbauprojekten unter bestimmten Voraussetzungen von baurechtlichen Vorgaben abweichen. So kann das langwierige Verfahren für einen neuen oder geänderten Bebauungsplan entfallen. Hubertz nennt als Beispiele das Schließen von Baulücken, das Bauen in zweiter Reihe und das Aufstocken bestehender Gebäude.
Mehr als ein Viertel der Wohnungen entfällt auf München
Von Januar bis Juni stimmten die erfassten Kommunen über das neue Verfahren Vorhaben mit insgesamt 7.892 Wohnungen zu. Mehr als ein Viertel davon entfiel laut Handelsblatt auf München mit 2.107 Wohnungen. In Stuttgart waren es 345, in Frankfurt am Main 255. An der freiwilligen Erhebung beteiligten sich 393 der rund 11.000 Kommunen in Deutschland. In 72 Prozent der teilnehmenden Kommunen wurden Anträge zum Bau-Turbo behandelt. Das Ministerium stuft die Erhebung selbst als nicht repräsentativ ein.
Wie weit waren die Projekte bis Ende Juni? Nach Angaben des Ministeriums auf Bild-Anfrage lag für 36 Prozent der gemeldeten Zustimmungen eine Baugenehmigung vor. Dieser Anteil bezieht sich auf die gemeldeten Zustimmungen. Wie viele der 7.892 Wohnungen damit bereits genehmigt waren, lässt sich daraus nicht ablesen. Zahlen zu Baubeginn und Fertigstellung nennt das Ministerium ebenfalls nicht.
Das Wohnungsbauziel der Ampel blieb unerreicht
Die Ampel hatte sich 400.000 neue Wohnungen pro Jahr vorgenommen. In jedem der drei Amtsjahre von Hubertz’ Vorgängerin Klara Geywitz (SPD) wurden weniger als 300.000 fertig. Die jetzige Bundesregierung hat für den Bau-Turbo kein konkretes Mengenziel genannt. 2025 wurden bundesweit 206.600 Wohnungen fertiggestellt, für 2026 rechnet das ifo Institut mit 185.000. In den Fertigstellungszahlen schlagen sich frühere Genehmigungen nieder. Für die Wirkung des Bau-Turbos geben sie deshalb bislang wenig her.
Auf Nachfrage von Bild verteidigte Hubertz die Reform. Ohne den Bau-Turbo wären die Vorhaben für knapp 8.000 Wohnungen aus ihrer Sicht nicht so schnell vorangekommen. „Die Richtung stimmt und mehr wird folgen“, sagte sie. Der Präsident von Haus & Grund, Kai Warnecke, hält das Gesetz für „ein Instrument von Beamten für Beamte, aber nicht für Menschen, die tatsächlich Wohnraum schaffen wollen“. Er fordert von Hubertz wirksame Maßnahmen für mehr Mietwohnungen und mehr Wohneigentum.


Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein