Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisiert bei seinem Besuch in Katar „inakzeptable wie dumme Äußerungen ausländischer Politiker“ zu den aktuellen Unruhen und Plünderungen. Auch Videoclips der Ausschreitungen seien KI-generiert gewesen.
picture alliance / abaca | Pool/ABACA
Frankreich erlebt schwerste Ausschreitungen, öffentliche Gebäude werden angegriffen, Geschäfte geplündert und Polizisten verletzt, die dramatischen Bilder von den Straßenschlachten in Paris und Marseilles sowie vom lichterloh brennend einstürzenden Rathaus in Limoges gehen um die Welt: Doch Präsident Emmanuel Macron hat seine eigene Bewertung der Gewaltexzesse vom vergangenen Wochenende – bei seinem Staatsbesuch in Katar sprach er von angeblich gezielter Desinformation aus dem Ausland.
Und Macron warf ausländischen Politikern vor, auf künstlich erzeugte Bilder hereingefallen zu sein und Frankreich für ihre Wahlkämpfe zu instrumentalisieren. Seine Attacken richteten sich insbesondere gegen US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu.
Konkret meinte der französisch Präsident in Doha auf eine Journalistenfrage, ob ausländische Kräfte an den Ausschreitungen in Frankreich beteiligt gewesen seien: Er verneinte zunächst Hinweise auf eine unmittelbare ausländische Einmischung in die Gewalttaten, dann kamen aber schwere Vorwürfe zur internationalen Berichterstattung.
Im offiziellen Wortprotokoll des Élysée-Palasts finden sich unter anderem folgende Aussagen: „Il y a une manipulation étrangère de l’information.“ Auf Deutsch: „Es gibt eine ausländische Manipulation der Informationen.“ Dann aber meinte Macron:
„On a vu des images d’intelligence artificielle.“ Übersetzt: „Wir haben Bilder von künstlicher Intelligenz gesehen.“ Damit bezog er sich auf künstlich erzeugte Darstellungen von angeblichen Ereignissen in Frankreich, die tatsächlich nie stattgefunden hätten.
Ganz unrecht hat Emmanuel Macron nicht – Fact-Checking-Teams prüften tatsächlich die Verbreitung gefälschter Inhalte: BBC Verify, AFP, Tagesschau, France 24 und Snopes identifizierten mehrere virale Bilder als KI-generiert. Besonders fiel auf den Social-Media-Kanälen ein Foto eines älteren Paares in Unterwäsche auf, das angeblich von den Plünderern ausgeraubt und entkleidet worden sei. Es stammte von der Website Infos-Israel.news (mittels ChatGPT erstellt, zunächst als AI gekennzeichnet), erreichte Millionen Views und wurde von rechten Accounts verstärkt – die französische Justiz hatte aber keine Hinweise auf einen solchen Vorfall. Weitere Fakes zeigten den Pink Panther bei Ausschreitungen, brennende Paris-Luftaufnahmen oder riesige palästinensische Flaggen am Eiffelturm. Die EU wird ebenso den Verdacht einer möglichen Desinformationskampagne prüfen.
Brennendes Rathaus von Limoges – Täter gefasst
Allerdings: Die Existenz einiger gefälschter Bilder beweist keineswegs, dass die dokumentierten Ausschreitungen erfunden oder Berichte dazu übertrieben seien. Das beste Beispiel für den Beweis der wahren Dramatik der Ausschreitungen: der Brandanschlag auf das Rathaus von Limoges. Wie die Le Monde berichtete, wurde bereits am Dienstag ein 34-jähriger Tischler namens Hodei C. D. als Brandleger festgenommen. Der Mann stammt aus einem links-alternativen Milieu in der Region Haute-Vienne und soll Verbindungen zur radikalen Umweltbewegung haben. Wegen seiner Nähe zu entsprechenden Aktivistengruppen war er den französischen Sicherheitsbehörden bereits bekannt. Nach Informationen von Le Monde war der Verdächtige zuvor wegen einer Gewalttat gegen einen Polizisten verurteilt worden.
Auch Dutzende andere Videoaufnahmen von plündernden Tatverdächtigen mit Migrationshintergrund und von Jugendlichen, die Frauen schlagen oder einer Passantin mit einem selbstgebastelten Flammenwerfer das Gesicht verbrennen, sind keine Produkte der Künstlichen Intelligenz, sondern die Folgen der langjährigen Missstände in Macrons Frankreich.
Die internationale und nationale Kritik am französischen Präsidenten lässt sich deshalb nicht einfach als Produkt manipulierter Bilder abtun.
Wenig überraschend kommentierte auch Marine Le Pen auf X die neuesten Aussagen von Emmanuel Macron: Die „complotistes“ (verschwörungstheoretischen) Aussagen des Präsidenten seien schwerwiegend. Er leugne das Reale und weiche der Verantwortung aus. „Die Bilder, die man am Samstag gesehen hat, sind nicht KI-generiert: Sie zeigen die traurige Realität dessen, was aus Frankreich nach zehn Jahren Herrschaft von Macron geworden ist.“ Frankreich stehe am Rande eines Bürgerkriegs und eines Defaults; eine sofortige Änderung der Machtverhältnisse sei nötig.



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