Der nach dem Philosophen Anton Wilhelm Amo benannte Flughafen Leipzig-Halle sollte vielleicht einen neuen Namen bekommen: Jacob- und Wilhelm-Grimm-Airport, nach den Verfassern der bekannten Märchensammlung. Dafür gibt es zwei gute Argumente.
picture alliance/dpa | Heiko Rebsch
Auf mehreren Metern war der Sicherheitszaun des Flughafens Leipzig-Halle niedergerissen, direkt vor zwei geparkten riesigen Antonow-Frachtmaschinen, kurz vor der nördlichen Rollbahn, in der Nähe des 73 Meter hohen Towers. Der massive Zaun sei, so wird nun behauptet, beim Fahrtraining eines 20-jährigen syrischen Migranten am Samstag mit dem Fahrzeug absolut unabsichtlich durchbrochen worden: Die metergroße Lücke sei irgendwie durch einen Fahrfehler entstanden, meinten der Fahranfänger und auch der 32-jährige syrische Autobesitzer, als sich dann das Duo in Begleitung zweier Anwälte Sonntagabend bei der Staatsanwaltschaft Leipzig und dem Kriminaldauerdienst gestellt haben.
Unmittelbar neben einem verschlossenen Tor aus Stahl donnerte also ein Fahranfänger mit einem PKW derart schnell in den Flughafen-Zaun, dass er mit dem Auto eine weite Lücke riss. Und ohne den Notruf zu wählen, ohne die Flughafenleitung zu kontaktieren, ließen die beiden Syrer dann den Wagen abschleppen und in eine Werkstatt bringen.
Einige Fragen offen
Der noch immer sehr bekannte TV-Inspektor Columbo hätte da wohl einige Fragen, die hoffentlich auch die Staatsanwaltschaft Leipzig stellen wird: Warum übt ein syrischer Fahranfänger direkt neben einer eindeutig erkennbaren Hochsicherheitszone das Lenken eines Autos? Warum verständigen die beiden sicher mit Smartphones ausgestatteten Migranten nach dem Niederrammen des Zauns weder die Flughafenleitung noch die Polizei? Und warum kommen zwei syrische Migranten dann mit zwei Anwälten am Sonntagabend zum Kriminaldauerdienst? Wenn es tatsächlich nur ein harmloser Crash war, wirkt eine anwaltliche Begleitung eher seltsam.
Natürlich gilt für die beiden syrischen Zuwanderer die Unschuldsvermutung, die Äußerung von jedem anderen Verdacht wäre medienrechtlich problematisch.
Die Bundesregierung hat beim zweiten Fall, der ebenfalls als gutes Argument zur Umbenennung der Airports in den Gebrüder-Grimm-Flughafen zu werten ist, weit weniger Bedenken, irgendwelche Beschuldigungen ohne Vorlage von Beweisen zu verbreiten: So wurde Russland genannt, hinter der Entsendung der Sprengstoff-Drohne auf den Flughafen Leipzig-Halle zu stecken. Interessant war dabei, wie ein bisher als Qualitätsblatt bekanntes Medium über die Entschärfung dieses Flugobjektes am 7. August berichtet hat – das Zitat aus der F.A.Z.: „Kurz vor Mitternacht trat der Busfahrer die Drohne zu Boden.“
Der Lenker eines Flughafen-Busses hatte die Sprengstoff-Drohne in der Nähe der Start- und Landebahn „Südpiste“ entdeckt. Sie sei in niedriger Höhe geschwebt, und der Busfahrer habe sie mit einem Karatekick zum Absturz gebracht. Die Drohne sei danach am Boden liegen geblieben.
Kein Passagier des Flughafenbusses fotografierte?
Auch zu diesem Fall tauchen einige Fragen auf: Der Buslenker verständigte beim Anblick einer auf dem Flughafengelände schwebenden großen Kampfdrohne nicht die ohnehin in Bereitschaft befindlichen Polizeieinheiten des Airports, sondern erledigte das trotz Lebensgefahr selbst? Und die im Flughafen-Bus mitfahrenden Gäste dieser Airport-Tour filmten keine Sekunde mit ihren Smartphones mit? Niemand dokumentierte diese Heldentat? Niemand machte zumindest ein Handy-Foto von der erlegten Drohne? Und dann passierte, was am auffälligsten an dieser Busfahrer-tritt-Sprengstoffdrohne-weg-Story ist: Der Held taucht in keinem Medium auf, niemand kennt ihn, niemand weiß, wer er ist – bis heute.
Der Bundesregierung waren die auch hier gestellten offenen Fragen egal: Der Russe war’s, und damit kann nun jede Verschärfung bei der Überwachung und jede Neubestellung von Rüstungsgütern noch jahrelang argumentiert werden.
Zwei Syrer, die ganz unabsichtlich in den Airport-Zaun rasen, ein unbekannter Flughafenbus-Lenker, der wie Bruce Lee eine Kampfdrohne zu Boden kickt – alles in der neuen Märchenwelt Leipzig-Halle.
Wir alle warten gespannt auf das nächste Kapitel.



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