Das Märchen vom grünen China

China produziert viel und baut alles, trotz wiederkehrender Krisen und politischer Vorgaben. Das Land wächst, seine Energieversorgung muss gleichermaßen wachsen. Da wird jede Quelle genutzt, auch die sogenannten „Erneuerbaren“. Die Berichterstattung darüber lässt allerdings ein falsches Bild entstehen.

picture alliance / Xinhua News Agency | Xie Jianfei

In China gäbe es „mehr PV als Kohle“, titelt ein ehemaliges Qualitätsmedium. Gemeint ist die installierte Leistung von PV-Anlagen, die jene der Kohlekraftwerke in China inzwischen übertrifft. Wie immer ist auch hier die Berichterstattung eine Aneinanderreihung von Halbwahrheiten, bis sich am Ende eine ganze Lüge ergibt. Die lautet dann etwa: „Seht, die Chinesen machen Energiewende wie wir. Die Chinesen steigen um auf Erneuerbare. Nun müssen wir dies umso schneller tun.“

Die installierte Leistung hat aber wenig mit der produzierten Strommenge zu tun. Es gibt in China auch keinen Umstieg, sondern einen Ausbau aller Energiequellen.

Nur wer sich umfassend in der Energiebranche, internationalen oder alternativen Medien informiert, findet die Realität. Kein Zweifel besteht daran, dass China den weltweit größten Zubau an Wind- und PV-Anlagen aufweist. PV-Module können im eigenen Land dank strategisch gesichertem Zugriff auf eigene und internationale Rohstofflieferungen preiswert produziert werden, Subventionen helfen und der Export der Paneele sichert Einnahmen. Windkraftanlagen aus eigener Produktion sind heute preiswerter und qualitativ nicht schlechter als europäische.

China ist ein großes Land, fast 27-mal so groß wie Deutschland und trotz der großen Bevölkerung von über 1,4 Milliarden Menschen dünner besiedelt. Vor allem im westlichen Landesteil gibt es große, fast unbewohnte und unbewaldete Flächen. Die dortige Stromproduktion aus „Erneuerbaren“ ist eine große Herausforderung für das chinesische Netz, denn die großen Verbrauchszentren liegen im Osten an den Küsten. Es gibt, deutlicher bei uns, ein Netzausbauproblem, weswegen 1.000-kiloVolt (kV)-Höchstspannungsleitungen für die riesigen Distanzen gebaut werden (bei uns reichen 400 kV).

Zielgerichtet lässt man unerwähnt, dass die Kohlekraftwerke immer noch fast 55 Prozent der chinesischen Stromproduktion ausmachen, weshalb die Erfolgsmeldungen über das Wachstum der E-Mobilität im China sehr relativ sind. Der halbe Auspuff ist nicht mehr am Auto, sondern im Schornstein der Kohlekraftwerke. Im Jahr 2025 wurden mit knapp 80 Gigawatt (GW) so viel Kohlekraftwerksleistung zugebaut wie seit 2007 nicht mehr. Die Chinesen wissen die Grund- und Regellast zu schätzen. Sie sind die 24/7-Werkbank der Welt, die keine „angebotsorientierte“ Energieversorgung nach grüner Theorie erlaubt.

Wie alle aufstrebenden Länder ist auch China gezwungen, alle Energiequellen zu nutzen. Mit der hochmütigen Ablehnung bestimmter Energietechnologien ist Deutschland global einsam, aber wir sind ein absteigendes Land mit sinkendem Bedarf. Der Primärenergieverbrauch wuchs in China von 2000 bis heute von 40 auf 160 Exajoule (EJ), in Deutschland schrumpfte er von 14 auf 10 EJ. Dass dies dem Klimaschutz geholfen hätte, ist eine falsche Vermutung. Die Chinesen haben inzwischen einen größeren CO2-Ausstoß pro Kopf als wir.

Die „Erneuerbaren“ wachsen, sie sind aber nicht auf der Überholspur und bleiben eine substitutive Technologie, die zeitweise andere Produktion ersetzen kann, aber weiter ein Backup erfordert. Auch in China geht abends die Sonne unter, auch dort ist die Energiedichte der Naturkräfte gering und erfordert riesige Flächen zum Einsammeln der Energie. An Fläche mangelt es in China nicht, allerdings wird der Abtransport der Naturenergie im riesigen Land aufwändig. Kann das Netz die zeitweise zu großen Ökostrommengen im Westen nicht aufnehmen, gibt es für die Betreiber der Anlagen bei netzbedingten Abschaltungen, anders als in Deutschland, keine Entschädigung. Dies wird für den weiteren Zubau regulierend wirken.

Wir sollten China folgen

Einst verstieg sich ob des reichlichen Zubaus von Wind- und PV-Anlagen in China der grüne Altkommunist Trittin dazu, China uns als Vorbild zu preisen. Was wäre zu tun, wollten wir dem chinesischen Weg folgen?

  • Wir müssten etwa 75 Prozent der installierten Windleistung zurückbauen, um dieselbe Leistung pro Quadratkilometer und pro Kopf wie in China zu erreichen.
  • In China stehen 2.100 GW gesicherte Kraftwerksleistung 1.840 GW wind- und Solarkapazität gegenüber. Wir haben jedoch nur noch 74 GW gesicherte Leistung, aber 210 GW installierte Wind- und Solarkapazität. So gesehen müssten wir 239 GW grundlast- und regelfähige Kraftwerksleistung zubauen, um das gleiche Verhältnis von gesicherter Kraftwerksleistung zu Zufallsenergieerzeugern wie in China zu erreichen (1,14).
  • Der Energiemix müsste wieder verbreitert werden, China hat ihn beibehalten. Saubere Kohlekraftwerke sollten gebaut werden, der Einstieg in moderne Kernkraft sollte zügig beginnen. Das dauere zu lange, heißt es. Tun wir es nicht, hält der absehbare Mangel aber noch länger an.

So viel zum Einholen eines „Vorreiters“.

Verschwiegene Kernkraft

Straff ignoriert wird bei Sternspiegeltazsüddeutscheardzdf der Ausbau der Kernenergie in China. Derzeit betreibt man Reaktoren mit insgesamt 64 GW Leistung und baut neue Kernkraftwerke (KKW) fast wie am Fließband. Dazu kommt eine inzwischen führende Rolle bei der Entwicklung neuer Reaktortypen. Mit der absehbaren Hinwendung zu Thorium als Kernbrennstoff wird auch die Diskussion über die Endlichkeit von Kernbrennstoffen enden. Sie greift beim Einsatz Schneller Brüter und von Flüssigsalzreaktoren ohnehin nicht mehr, dann können abgebrannte Elemente der älteren Reaktoren genutzt werden. Die Kernenergie in China hat uns bereits bis heute einige zig Milliarden Tonnen an CO2 erspart, wäre der Strom alternativ durch Kohle, Öl oder Gas erzeugt worden. Das bleibt natürlich unerwähnt.

Im Gegensatz zu uns gilt China als Entwicklungsland und braucht keine Emissionsziele zu erfüllen. Pauschal gibt man sich dort als Ziel der sogenannten Klimaneutralität (netto) das Jahr 2060 vor, während Deutschland sich im vorauseilenden Gehorsam diese bis 2045 (absolut) auf die Fahne geschrieben hat. Das funktioniert absehbar nicht wie vorgesehen und wird uns bis 2030 bis zu 38 Milliarden Euro Klimastrafzahlungen an andere EU-Länder kosten.

Chinas CO2-Emissionen stagnieren, das ist ein Erfolg. Der globalen Steigerung von 1990 bis 2025 von 10 auf 30 Milliarden Tonnen steht eine deutsche Verringerung im gleichen Zeitraum von einer auf 0,6 Milliarden gegenüber:

Die deutsche Reduktion nimmt Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) als Begründung dafür, dass das IPCC das Extrem-Szenario der Erderwärmung RCP8.5 zurückziehen konnte. Das ist in dieser Darstellung an den kleiner werdenden blauen Balken besonders gut zu erkennen (Vorsicht, das war Satire).

In China wird das Energiesystem systemisch in allen Komponenten betrachtet, in Deutschland reduziert sich die Energiestrategie auf den Satz „wir brauchen mehr Erneuerbare“. Die Übersubventionierung und Maximierung bestimmter Lieblingstechnologien ist aber kein Wert an sich, sondern schafft erhebliche Probleme wie die hoher Netzentgelte und hoher Strompreise bei sinkender Versorgungssicherheit. Dieser wiederum soll mit dem Ansatz der Verbrauchsreduzierung geholfen werden – bei gleichzeitiger Elektrifizierung des Verkehrs- und Wärmesektors.

Märchen sind keine Realität

Unsere sogenannten Qualitätsmedien schneiden nur Scheiben vom Kuchen der Wahrheit ab und präsentieren diese interessen- und ideologiegeleitet. Man sollte Märchen als das nehmen, was sie sind – erfundene Geschichten. Sie werden wieder und wieder erzählt, in der Hoffnung, die Menschen werden wie Kinder daran glauben. Es wird nicht gelingen.

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Kommentare ( 4 )

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4 Comments
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Bismarcksaal
50 Minuten her

Es hatte nie etwas mit Umwelt zu tun, mit „Klima“ schon gar nicht. Es ist ein knallharter Wirtschaftskrieg gegen Deutschland. Durchgeführt von Saboteuren, an den richtigen Stellen platziert. Die Gehirnkochwäsche wurde in diesem Land zur Meisterleistung hochentwickelt…

Endlich Frei
53 Minuten her

Ein Bild sagt manchmal mehr als Tausend Worte.

Norbert Brausse
1 Stunde her

Es ist einfach wohltuend, einmal wieder einen sachlichen, gut recherchierten Artikel über die „Energiewende“ lesen zu dürfen.

Mngela Aerkel
1 Stunde her

„in der Hoffnung, die Menschen werden wie Kinder daran glauben. Es wird nicht gelingen.“

Dies stimmt so leider nicht. Weit über die Hälfte der klugen deutschen Menschen glaubt daran. Felsenfest. Unerschütterlich. Und erst wenn der böse Spruch „Keine soll hungern ohne zu frieren“ Wirklichkeit wird; erst wenn Millionen von Arbeitslosen unversorgt auf der Straße sind, wird der deutsche Wahlbürger ganz langsam beginnen, seine Meinung zu ändern.
Genauso wie Adolf Nazi bis fünf nach zwölf das deutsche Volk versuchte zu vernichten, genauso intensiv glauben die heutigen Intelligenzbestien an ihre kluge Meinung.

Leider.

Last edited 1 Stunde her by Mngela Aerkel