Nach zwei Chaos-Tagen: Meloni schickt die Armee nach Mailand

Die Lage ist ernst, viele Italiener sind verunsichert: Nach zwei Nächten mit schweren Ausschreitungen und Plünderungen auch im Zentrum Mailands werden ab sofort 500 Soldaten zusätzlich zu den Polizeikräften die lombardische Metropole sichern. Die Regierung befürchtet weitere Ausschreitungen.

Die Polizeikräfte in Mailand werden nun mit Armeeinheiten verstärkt. IMAGO / Anadolu Agency
Die Polizeikräfte in Mailand werden nun mit Armeeinheiten verstärkt.

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat am Montag im Palazzo Chigi nach einem Sicherheitsgipfel angekündigt, 500 zusätzliche Soldaten nach Mailand zu entsenden – die Einheiten sollen die laufende Militärmission „Strade Sicure“ verstärken. Die Entscheidung fiel in einer nderthalbstündigen Sitzung mit Innenminister Matteo Piantedosi, Verteidigungsminister Guido Crosetto und den Vize-Regierungschefs Matteo Salvini und Antonio Tajani, Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida sowie den Spitzen von Polizei, Carabinieri, Guardia di Finanza und den Geheimdienst-Chefs.

Gewaltausbruch bei Protesten
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Die schweren Unruhen hatten am Wochenende begonnen: Am Samstag und Sonntag eskalierten Proteste des Bündnisses „Italia in Piazza“ gegen die hohen Lebenshaltungskosten, steigende Spritpreise, niedrige Löhne und Mängel bei den Schulen und im Gesundheitswesen. Was als Demonstration gegen das „caro vita“ gestartet war, entwickelte sich in Mailand – vor allem rund um die Piazza del Duomo, die Via Torino und Cordusio – zu einem urbanen Guerilla-Krieg, berichtet avvenire.it: Vermummte, überwiegend junge Täter schlugen Schaufenster ein, plünderten Geschäfte wie Foot Locker, Under Armour, Decathlon und einen Carrefour-Supermarkt, warfen Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf die Polizisten und setzten Barrikaden in Brand. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Ähnliche Ausschreitungen gab es in Turin, Bologna, Bergamo und Brescia.

Zahlreiche Ausländer unter den Tätern

Die Bilanz der Mailänder Questura allein für den Sonntag: 271 Personen wurden zur Polizei gebracht, davon sind 220 Minderjährige und 60 Ausländer. 32 wurden festgenommen (23 davon Minderjährige, 13 Ausländer), gegen 28 weitere Anzeige erstattet. 14 Einsatzkräfte wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft sprach in Ermittlungsakten von „zerstörerischen Aktionen von außergewöhnlicher Gewalt“ und einer „erheblichen kriminellen Energie“ der Festgenommenen. Für mehrere junge Erwachsene wurde Untersuchungshaft beantragt.

Giorgia Meloni hatte die Gewalt bereits am Wochenende scharf verurteilt: „Demonstrieren ist ein Recht. Unsere Städte in Brand zu setzen sicher nicht.“ Sie forderte die Opposition auf, die Ausschreitungen ohne Wenn und Aber zu verurteilen. Nach dem Sicherheitsgipfel ist die verordnete Linie klar: „La risposta dello Stato sarà ferma“ – die Antwort des Staates wird entschlossen sein.

Mailand, eine „verletzte Stadt“

Schon am Dienstag soll das Kabinett ein neues Sicherheitsdekret beschließen: Geplant sind unter anderem die Verlängerung des vorbeugenden Gewahrsams auf bis zu 24 Stunden (auch für Minderjährige), die Möglichkeit nachträglicher Festnahmen innerhalb von 48 Stunden bei schweren Verwüstungen, schärfere Regeln für Gruppenvandalismus sowie Maßnahmen gegen Straßenblockaden. Salvini bezeichnete die Entsendung der 500 Soldaten auf Social Media als „Sieg der Lega“ und forderte, die Piazza del Duomo künftig besser zu überwachen.

In Mailand blieben am Montag zahlreiche Luxusgeschäfte in der Via Monte Napoleone und im Quadrilatero der Mode geschlossen, die Schaufenster wurden komplett ausgeräumt. Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala sprach von einer verletzten Stadt. Und Präsident Sergio Mattarella verurteilte die Gewalt als „inakzeptabel“ und forderte eine „intelligente und tiefgehende Analyse“ der Ursachen.

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Kommentare ( 1 )

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1 Kommentar
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Sonny
56 Minuten her

Na geht doch!
Warum geht das in Frankreich nicht?
Das erste, was ich ändern würde, wäre das Jugendstrafrecht – weg damit.
Kinder“straf“recht endet mit dem zwölften Lebensjahr, danach keine Samthandschuhe mehr. Die heutigen Teenager sind beileibe nicht mehr die kleinen Naivlinge von vor 30 Jahren. Die Strafen müssen nachhaltigen Erziehungseinfluss haben.
j

Last edited 53 Minuten her by Sonny