Isar Aerospace schafft beim zweiten Versuch den Sprung ins All. Während die EU bei Raketenstarts und Raketentechnologie weit hinter den USA, speziell Elon Musks SpaceX, zurückliegt, zeigt ein bayerisches Unternehmen, was möglich ist.
screenshot via X NASASpaceflight
Die Spectrum-Rakete des 2018 gegründeten Unternehmens Isar Aerospace ist beim zweiten Testflug erfolgreich ins All gestartet und hat Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht. Die 28 Meter hohe Rakete war vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya gestartet. Nach vier Minuten erreichte sie rund 100 Kilometer Höhe und damit die sogenannte Kármán-Linie, die als gedachte Grenze zum Weltraum gilt.
An Bord befanden sich fünf Satelliten mehrerer Universitäten sowie ein wissenschaftliches Experiment. Isar Aerospace feierte den Erfolg entsprechend: „Wir haben Geschichte geschrieben.“ Bereits beim zweiten Flug sei man das erste kommerzielle Raumfahrtunternehmen Europas, das Satelliten in die Umlaufbahn gebracht habe.
Vorstandschef Daniel Metzler formulierte die Bedeutung entsprechend selbstbewusst: „Wir haben in wenigen Jahren erreicht, wofür die europäische Raumfahrtindustrie zuvor Jahrzehnte gebraucht hat. Europa hat jetzt souveränen Zugang zum Weltraum.“ Man kann nur hoffen, dass die EU hier nicht regulierend eingreift.
Isar Aerospace will noch in diesem Jahr weitere Starts folgen lassen. Der Bau der dritten Spectrum-Rakete ist bereits weit fortgeschritten.
40 Raketen pro Jahr sind geplant
Die Ambitionen reichen weit über einen gelungenen Testflug hinaus. Nach Erreichen der Serienreife soll Spectrum zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen einige hundert Kilometer über der Erde bringen. Geplant ist eine Produktion von 40 Raketen jährlich.
Isar Aerospace beschäftigt gut 400 Mitarbeiter und hat nach eigenen Angaben bislang mehr als eine halbe Milliarde Euro von Investoren eingesammelt. Zuletzt unterzeichnete das Unternehmen einen Vertrag über 200 Millionen Euro mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Er ist Teil eines Programms, mit dem die Entwicklung europäischer Trägerraketen beschleunigt werden soll.
Denn die EU hat auch bei Raketen ein Problem. Sie kann Satelliten derzeit nur sehr eingeschränkt, wenn überhaupt, mit eigener Technik ins All bringen. Seit Langem transportiert SpaceX die große Mehrheit der europäischen Satelliten. Bei europäischen Raumfahrtunternehmen ist diese Abhängigkeit auch deshalb unpopulär, weil Auftraggeber in den USA die technischen Spezifikationen ihrer Satelliten offenlegen müssen.
Die Dimensionen des Rückstands zeigen die Startzahlen: Nach Angaben von Isar Aerospace starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen. Europa kam auf acht.
Militär wird zum wichtigen Kunden
Dabei geht es längst nicht mehr allein um Forschung und kommerzielle Satelliten. Rund 60 Prozent der Anfragen an Isar Aerospace kommen inzwischen aus dem militärischen Bereich, wie Metzler im Frühjahr berichtete. Obwohl Spectrum noch nicht serienreif ist, ist das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits mit Aufträgen über mehrere hundert Millionen Dollar bis 2028 ausgebucht.
Die Spectrum wird allerdings auch nach Erreichen der Serienreife nicht alle Aufgaben übernehmen können. Sie ist für erdnahe Umlaufbahnen vorgesehen. Für größere Nutzlasten und größere Höhen arbeitet die französisch-deutsche ArianeGroup mit der Ariane 6.
Die jahrelang verzögerte europäische Großrakete kann deutlich schwerere Nutzlasten auch in geostationäre Umlaufbahnen in knapp 36.000 Kilometer Höhe transportieren. In diesem Jahr sollen insgesamt sieben bis acht Ariane-6-Raketen starten. Nach Zählung des Fachportals „European Spaceflight“ gab es bislang vier Ariane-Starts in diesem Jahr.
Isar Aerospace spielt in einer anderen Gewichtsklasse. Doch gerade dort hat das Unternehmen nun einen entscheidenden Nachweis erbracht. Beim ersten Versuch dauerte der Flug 30 Sekunden. Beim zweiten brachte Spectrum Satelliten in die Erdumlaufbahn.
SpaceX hat 2026 bereits über 100 Raketenstarts erfolgreich und ohne Probleme absolviert. Insgesamt sollen es 2026 160 Starts werden. SpaceX ist in der Lage, seine Trägerraketen zu landen und wiederzuverwenden.


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