Infratest: AfD erreicht Rekordhoch – Merz drückt die Union auf 21 Prozent

Die Union fällt auf den niedrigsten Infratest-Wert seit fast fünf Jahren, die AfD zieht auf 28 Prozent als bisheriges Rekordhoch davon. 85 Prozent sind mit der Bundesregierung unzufrieden, 84 Prozent mit Friedrich Merz. Die Brandmauer schützt nur noch den politischen Niedergang.

IMAGO

Die nächste Umfrage, der nächste Tiefschlag für Friedrich Merz und die Union: CDU und CSU fallen im ARD-„Deutschlandtrend“ von Infratest dimap auf nur noch 21 Prozent. Das ist ein Prozentpunkt weniger als Anfang Juli und der schwächste Wert der Schwesterparteien seit November 2021.

Die AfD steigt derweil auf 28 Prozent. Sie gewinnt einen weiteren Punkt hinzu und erreicht den höchsten Wert, den Infratest jemals für sie im „Deutschlandtrend“ gemessen hat. Der Abstand zur Union beträgt nun sieben Prozentpunkte. Aus dem viel beschworenen Kopf-an-Kopf-Rennen ist längst eine politische Vorführung geworden.

Merz wollte die AfD ja irgendwann mal halbieren. Aber was ist heute nicht das Gegenteil dessen, was diese Fehlbesetzung mal versprochen oder angekündigt oder gefordert hat. Stattdessen hat er das Vertrauen in die Union geschrottet. Seit seinem Amtsantritt kennt die Bewegung der Regierungsparteien nur eine Richtung, während die AfD von Rekord zu Rekord steigt. Die Deutschen erleben eine Regierung, die ihre zentralen Wahlversprechen abräumt und ihren eigenen Absturz anschließend mit immer neuen Warnungen vor der Opposition kommentiert.

Minderheitsregierung ist längst Realität

Die SPD verharrt bei zwölf Prozent. Zusammen kommen Union und Sozialdemokraten damit nur noch auf 33 Prozent. Die Regierungsparteien repräsentieren in der Sonntagsfrage gerade einmal ein Drittel der Wähler, beanspruchen aber weiterhin, dem übrigen Land zu erklären, welche politischen Entscheidungen demokratisch zulässig sind. Das ist – in den Umfragen – längst nur noch eine Minderheitsregierung, die trotzdem bleischwer auf dem Land lastet und es erdrückt.

Die Grünen liegen unverändert bei 15 Prozent, die Linke bei elf Prozent. Die FDP bleibt mit vier Prozent außerhalb des Bundestages. Gerade wirbt sie auf Wahlplakaten auf türkisch für sich – so kommt sie auch den Wählern vor. Weitere Parteien erreichen zusammen neun Prozent. Eine parlamentarische Mehrheit jenseits der AfD wird damit immer schwerer zusammenzuzimmern. Jedenfalls ohne Bündnisse, die vor der Wahl niemand offen auszusprechen wagt.

Die Brandmauer ist von gestern

Auch die sogenannte Brandmauer verliert in der Bevölkerung an Rückhalt. Nur noch 37 Prozent wollen eine Zusammenarbeit mit der AfD grundsätzlich ausschließen. Das sind vier Prozentpunkte weniger als im Juni. 32 Prozent wollen von Fall zu Fall entscheiden, 27 Prozent sprechen sich dafür aus, eine Zusammenarbeit zu suchen.

Besonders aufschlussreich ist die Stimmung unter den Unionsanhängern. Nur 44 Prozent lehnen jede Zusammenarbeit mit der AfD ab. 48 Prozent wollen je nach Sachfrage entscheiden, weitere sieben Prozent suchen ausdrücklich eine Kooperation. Damit folgt die Mehrheit der eigenen Wähler längst nicht mehr dem Ausschließer-Kurs der Parteiführung.

Anders sieht es bei Grünen, Linken und SPD aus. Dort wollen 77, 74 beziehungsweise 61 Prozent jede Zusammenarbeit mit der AfD verhindern. Je weiter links die Partei steht, desto stabiler bleibt die Brandmauer – und desto unwichtiger scheint die Frage zu werden, welche Mehrheiten die Bürger tatsächlich wählen. Die Brandmauer hat nur noch die Funktion, die CDU auf Gedeih und Verderb im linken Lager einzusperren.

Das Urteil über die Bundesregierung fällt vernichtend aus. Gerade einmal 13 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden. 85 Prozent äußern sich weniger oder gar nicht zufrieden. Fünf von sechs Deutschen stellen der schwarz-roten Koalition damit ein miserables Zeugnis aus.

Friedrich Merz? Eine Belastung für Land wie Partei

Noch schlechter steht der Bundeskanzler persönlich da. Nur 14 Prozent sind mit Friedrich Merz zufrieden. Vermutlich Parteisoldaten und alte Menschen, die der Bonner Republik hinterhertrauern. Im Juli hatte er den niedrigsten Zufriedenheitswert eines Bundeskanzlers in der Geschichte des ARD-„Deutschlandtrends“ erreicht. Nun verbessert er sich um einen einzigen Punkt. 84 Prozent bleiben unzufrieden.

Merz regiert damit gegen eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung. Selbst die eigene Partei kann sich nicht mehr damit herausreden, es handle sich um ein vorübergehendes Kommunikationsproblem. Ein Kanzler mit 14 Prozent Zustimmung und eine Union bei 21 Prozent haben kein Vermittlungsproblem. Sie haben ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Der einzige Minister mit einer mehrheitlich positiven Bewertung bleibt Boris Pistorius. Mit dem SPD-Verteidigungsminister sind 53 Prozent zufrieden. Außenminister Johann Wadephul erreicht nach einem Plus von vier Punkten 32 Prozent. Innenminister Alexander Dobrindt verbessert sich um sechs Punkte auf 28 Prozent, bleibt aber bei 54 Prozent Unzufriedenheit deutlich im Minus.

Für Vizekanzler Lars Klingbeil reicht es zu 23 Prozent Zustimmung, während 62 Prozent mit ihm unzufrieden sind. Arbeitsministerin Bärbel Bas kommt auf 22 Prozent Zustimmung und 55 Prozent Ablehnung. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erreicht 15 Prozent Zufriedenheit. 58 Prozent sind mit ihrer Arbeit unzufrieden.

In der Opposition verbessert sich AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla auf 22 Prozent Zustimmung. 51 Prozent sind mit ihm unzufrieden. Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek erreicht 19 Prozent Zustimmung. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann kommt lediglich auf elf Prozent; 61 Prozent kennen sie nicht oder trauen sich kein Urteil über sie zu.

Die Zahlen zeigen ein politisches System, dessen selbst erklärte Mitte immer schmaler wird. Union und SPD verlieren den Rückhalt, die AfD gewinnt ihn. Gleichzeitig soll die Partei, die mit 28 Prozent deutlich vorne liegt, von jeder politischen Gestaltung ausgeschlossen bleiben.

Die Brandmauer hat die AfD nicht geschwächt. Sie hat vor allem dafür gesorgt, dass die Union jede erkennbare politische Alternative zu Rot-Grün aufgegeben hat. Friedrich Merz vollendet nun, was seine Vorgänger begonnen haben: Er macht die CDU für ihre eigenen Wähler überflüssig.

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